Noch’n Gedicht.
Ende mit der Sommerpause, jetzt geht’s weiter, wieder loszugehen. Viel ist in der letzten Zeit passiert, das bekommt man so ohne Weiteres gar nicht alles in einem einzigen Eintrag unter. Drum gibt’s heuer (wie der Österreicher sagt) auch keinen Text, sondern alle wichtigen Informazionen (wie der Legastheniker schreibt) in Limerick-Form:
Es hatte mich ziemlich entsetzt
Wie die FDP sich zersetzt
Aus ihrem Loch
Kommt sie nicht mehr hoch
Und zerfällt langsam jetzt
Zur Rathauswahl in Berlin
Gingen nur wenige hin
Man liegt voll im Trend
Mit sechzig Prozent
An Wähler und Wählerin
Wowereit bleibt an der Macht
Und hätte mir jemand gesacht
Die Piratenpartei
Ist jetzt auch mit dabei
Da hätte ich nur laut gelacht
Jetzt sitzen sie mit im Senat
Der wo was zu sagen hat
Doch die FDP
Versinkt in der Spree
Denn sie ist nun ziemlich platt
In Prozenten nur 1,8
Von denen die mitgemacht
Kreuzteten dann
Die FDP an
Und haben sich nichts bei gedacht
Nicht nur Berlin gibt es ja
Da wäre auch noch Europa
Bis zum nächsten Lenz
Hat der Griech’ Insolvenz
Und ist schon bald nicht mehr da
Der Euro steckt tief in der Krise
Und ein jedes Land macht nun Miese
Merkel geht nicht konform
Beim EU-Rettungsschorm
Auf dass bald der Chinese uns lease
Geld hat ja der gelbe Mann
Was man vom Ami nicht sagen kann
Im August war er nicht weit
Entfernt von der Pleit’
Der Bankrott kommt bestimmt irgendwann
Inzwischen muss ich mich zwingen
Die Dichtfeder weiter zu schwingen
Weil ich nun fände
Es ist Zeit für ein Ände
Mal sehen was die Monate bringen.
Göte, Dychterfürst.
Was ist warm und leer?
Die CSU! Das Sommerloch! Man merkt es an der Regelmäßigkeit der Einträge hier, dass es schon seit März andauert. Heute macht das Loch mal Pause, denn es gibt dolle Vorschläge von noch dolleren Menschen.
Da wäre zuvörderst, wie wir intellenten People sagen, zuvörderst wäre da also der CSU-Generalsekretär Dobrindt. Der gute Mann hat die Diskussion um ein Parteiverbotsverfahren angeleiert. Aber nicht die NPD soll sich Dobrindts Meinung nach im Club der Verbotenen wiederfinden, wie das jeder normaldenkende Mensch erwarten würde, sondern: die Linkspartei. Grund:
KOMMUNISMUS!
Denn das drängendste Problem unserer Zeit sind die klassenlosen Klassenfeinde, die den Staat umkrempeln wollen. Was zittern wir nicht alle aus Angst vor der Rotfront. Nun könnte man meinen, dass jemand, der diese Altherrenpartei zum Staatsdämon aufbrausen will, reichlich matsche inner Birne ist – zu Dobrindts Entschuldigung, der Mann ist in der CSU, diese andere Kasperlepartei, deren Vorsitzender fröhlich Pläne für die Einführung der PKW-Maut schmiedet. Da hat wohl jemand keine Lust, wiedergewählt zu werden.
Der andere geile Vorschlag kommt von Hans-Peter Friedrich, ebenfalls CSU, aber leider auch Innenminister von unserem AAA-Bonitätsland. Die CSU ist eine geile, jugendhafte Partei, die das Internet kennt wie die Alm oder zünftige Wirtshausschlägereien. Innenminister Hape hat nu’ für mehr Mut im Internet plädiert. Haha, nur Spaß, nein. Der provinzielle Bayer hat vorgeschlagen, dass diese Anonymität im Netz ein Ende haben muss. Jeder dieser feigen, anonümen Blogger solle sich gefälligst mit Klarnamen auten, damit man weiß, mit wem man’s zu tun hat. Find’ ich gut. Mein richtich-echter Name ist übrigens Misanthro Penwald.
Kein Scherz.
Hatte Brandt recht?
Willy Brandt ist einer der beliebtesten Bundeskanzler, der die Menschen in seiner Umgebung offenbar gut einschätzen konnte. Heiner Geißler ist schlicht Schlichter im Hickack um Stuttgart 21, Bahnhöfe im Ländle und zuständig für die Frage, ob man Stuttgart nicht besser ganz vom bundesdeutschen Schienennetz kappen sollte.
Besonders bunt trieb’s Geißler bei der letzten Schlichtungsverhandlung, als er Propagandaminister a.D. J. Goebbels zitierte:
Wollt ihr den totalen Krieg?
Uffta! Dabei geht es in Stuttgart nur um einen verbuddelten Bahnhof und nicht um die Zerstörung ganzer Landstriche – auch wenn das die Seinundzwanzig-Gegner das u.U. anders sehen.
„Wollt ihr den totalen“ – das hat ja schon gesessen, aber überraschend kam das nicht. Man hätte es wissen können, wenn man auf Willy Brandt gehört hätte. Dann wäre Geißler vielleicht auch nie Schlichter im Streit um schwäbische Gleise geworden, sondern vielleicht der freundliche Dicke hier neben Brandt, vielleicht.