Misanthropenwald

Untypische Wahlen

leave a comment »

Immer dann, wenn eigentlich alles gesagt ist, pusten sie noch ihr sinn- und gedankenfreies Geschwätz in den Äther und aalen sich dabei in ihrer eigenen Selbstherrlichkeit: „Experten“.

Im sogenannten „Superwahljahr“, das ja vor Kommunalwahlen, Europawahlen, Landtagswahlen und Bundestagswahlen nur so spritzt, ätzen diese Geschöpfe besonders unangenehm; kommen doch auf jeden, der wirklich Ahnung hat, mindestens zwei dieser wichtigtuerischen Rumsülzer. Vor wenigen Wochen noch Terror-, Afghanistan-, USA-, Nahost-, Abwrackprämien- oder – gottbewahre! – Finanz-Experte, schult das Pack rasch um auf Wahl-Experte.

Und sammelt sich vor, während und nach jeder Superwahl des Superwahljahres in unseren Zeitungen und drängelt sich vor Fernsehkameras, um ihr hohles Geschwätz quotengierend in die Köpfe des dummen Konsumenten zu hämmern. Von diesem Geschmeiß nicht verschont blieben daher auch die gestrigen Landtagswahlen (Die NRW-Kommunalwahl wird da gerne mal unter den Tisch fallen gelassen, denn kommunal ist wurschtegal, nich‘?), in deren Vorfeld schon die dicksten Dinger losgelassen wurden; Heißluft in einer Menge rausgepustet, mit der man Luftschiffe für eine Zeppelinkette von Erfurt nach Lakehurst hätte füllen können.

Diese Landtagswahlen seien ja etwas ganz besonderes, weil alle drei Bundesländer ach so „untypisch“ seien, denn was dem Experten nicht in sein standardisiertes Wahlschablönchen passt, ist untypisch, so eben auch die drei Bundesländer. Sachsen und Thüringen sind, klar, ohnehin noch DDR, da gelten ganz andere Gesetze (da kann man mal sehen, dass die Mauer in den Köpfen eine ganze Reihe Synapsenverbindungen blockiert) und das Saarland war ja schon immer das lustige kleine Kasperle der Bundesrepublik, denn: Wer als Wessi die Linke wählt, der kann nicht normal sein.

Und während alle typischen Bundesländer auf die drei mißgebildeten Opferländer schauen, weil die Landtagswahlen ja ein Signal für die Bundestagswahl sein sollen, trotz Unnormalität, und nun die heiße Phase des Wahlkampfs beginne (als ob sich da noch viel ändert, aber man muss halt etwas rumschwätzen, um die Zeit zur ersten Hochrechnung zu überbrücken), staunen die selbsternannten und/oder hochstilisierten Experten nicht schlecht, ob des Wirrwarrs, was die untypischen Wähler da zusammengewählt haben.

Weil da niemand sagen kann, was das denn nu‘ für die Bundestagswahl genau bedeutet, schmeißt man sich lieber auf das einfachere Thema und konstruiert sich anhand von ersten Hochrechnungen mögliche Koalitionen und möglichst lustige noch dazu. Da sieht in Thüringen, nach Althaus‘ zweitem großen Aufprall, der eine schon rot-rot-grün an der Macht und den, igittigitt!, Sozialismus auf dem Vormarsch und der andere trötet ein fröhliches „Jamaika!“ in die Runde.

Bei all dem gar lust’gen Blödsinn baut aber niemand gedanklich an einer schwarz-dunkelroten Superregierung in Sachsen oder gar an einer rot-rot-grün-gelb-braunen kunterbunten Malkastenkoalition (wobei ich mich da nicht so weit aus dem Fenster lehnen will), denn hier sind sich alle einig, Experten wie „Experten“: Schlafwandler Tillich bleibt MiniPrä und tauscht die SPD gegen die FDP aus. Da bliebe ein gehässiger Kommentar von mir zur SPD eigentlich nicht aus, aber über die Toten redet man nicht schlecht.

Nur bei einer Partei winden sich die Überdemokraten aus den typischen Bundesländern wie Aale, nämlich bei der ultragefährlichen, demokratiezersetzenden NPD, deren Fraktion sich während der letzten untypischen Landtagswahl selbst halbiert hat und nie irgendetwas auf die Beine bekommen hat, aber man wird ja wohl noch Angst vor dem Faschismus haben dürfen, wenn einen der Sozialismus als Schreckgespenst nicht ausreicht. Die brandgefährliche NPD habe jetzt eine „Stammwählerschaft“ (SPON, denn jeder darf ja mal), also bleibt die NPD wohl im sächsischen Landtag. Auf ewig. Natürlich könnte man sagen, dass schlicht nicht alle Protestwähler von der Protestpartei NPD zur Protestpartei Die Linke gewechselt sind, aber da läuft einem nicht so schön der Grusel über den Rücken, denkt man an kommende Landtagswahlen in ähnlich untypischen Bundesländern, wie Meck-Pomm oder Sachs-Anh.

Und wenn die Landtagswahlen jetzt den Turboschnarchwahlkampf eröffnet haben, werden wir von dem Schwatzgesindel spätestens in vier Wochen wieder hören, wenn es zur Bundestagswahl kommt. Der wohl untypischsten aller Zeiten.

Advertisements

Written by Quax

31. August 2009 um 13:28

Veröffentlicht in Polemik, Politik

Tagged with , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: