Misanthropenwald

Archive for September 2009

Westerwave speaks just German

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Guido Westerwelle präsentiert sich erstmals als so gut wie zukünftiger Außenminister der internationalen Presse. Und das Erstbeste, was er zu tun gedenkt, ist, sich zu weigern, die Frage eines englischen Reporters auf Englisch zu beantworten.

Die Welt findet das zwar halb so schlimm, Westerwelle habe schließlich irgendeine ur-diplomatische Regel befolgt, die besagt, dass man Antworten zu außenpolitischen Themen lieber in der Muttersprache formuliert, „weil es auf jede Nuance ankommt.“

Schade nur, dass Westerwave – so sollte ihn zumindest die internationale Presse nennen – nur um eine grobe Einordnung seiner zu erwartenden Außenpoltitk gebeten wurde. Jedenfalls schreibt das der Spiegel, und ich glaube, die waren auch da.

Thorsten Jungholt, der Welt-Autor, bezieht in seinem Kommentar klar Stellung gegen seine Kollegin (!) Miriam Lau und kritisiert, dass sie voller „Häme“ „ran an die Tastatur“ gegangen wäre und den Westerwave („den haben wir noch nie gemocht“) zu Unrecht als alten 68-Gegner abgestempelt habe.

Naja, „Recherche hat noch nie geschadet“ und deshalb hat Jungholt auch herausgefunden, dass das Abkanzeln ausländischer Reporter eine „Selbstverständlichkeit“ ist. Laus Recherche, ein Youtube-Video, lässt er hingegen nicht gelten. Es belegt nämlich, dass Westerwaves Englisch sich auf einem Niveau von under all pig moved.

Dass Westerwave bei seinem ersten Schritt auf (noch nicht mal richtig) internationalem Parkett ordnentlich gestolpert ist, sieht Jungholt also anders, auch wenn der englische Indepentent (der nur minimal aggro ist) Westerwelle schon ein „new Teutonic assertiveness“, also ein neues teutonisches Selbstbewusstsein, bescheinigt.

Letztlich also viel Aufregung um verhältnismäßig wenig, dennoch: besseres Englisch muss man vom künftigen deutschen Außenminister erwarten können und eine diplomatischere Antwort auch. Da hat Kommentator Chris auf dem Handelsblatt-Blog von Georg Watzlawek durchaus Recht:

„Englischkenntnisse hin oder her, ob Falle oder nicht: Von unserem künftigen Außenminister (!) darf man eine etwas diplomatischere Antwort erwarten. Und sein Nachsatz „Das ist Deutschland hier“, sowie das Vorurteil mit dem „Tee trinken“ war auch eher unglücklich…“

Westerwave bat dem teefsaufenden BBC-Tommy nämlich an, sich mit ihm „fabelhaft“ (was immer das heißen soll) zu einer Tasse Tee zu treffen, wo dann auch nur Englisch gesprochen werden soll.

Written by Achja

30. September 2009 at 00:48

Veröffentlicht in Politik

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Das fängt ja gut an

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Nun ist es also geschehen, Guido Westerwelle ist wichtig. Der Traum des FDP-Spitzenkandidaten hat sich erfüllt, die Mehrheit der Deutschen hat sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen für ein „bürgerliches Bündnis“ (Eigenwerbung) entschieden. Und Guido darf mitspielen. Ganz oben.

„Die Bürger haben uns heute gewählt, weil sie wissen, dass wir unsere Wahlversprechen halten.“ Das hat Westerwelle heute so oder sinngemäß gefühlte tausend Mal gesagt, Generalsekretär Dirk Niebel erzählt das auch schon die ganze Zeit und da dachte sich der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender, dass er da ja mal nachhaken könnte.

Und so stellte er in der Elefantenrunde, dem abgefilmten Spitzenkandidatentreffen nach der Wahl, folgende Frage, die auf die von der FDP versprochenen Steuersenkungen abzielte: „Herr Westerwelle, ihr Generalsekretär Dirk Niebel hat vor der Wahl gesagt: ,Die FDP wird keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem nicht eine echte Steuerstrukturreform verankert ist.‘ Wir das so sein?“

Und anstatt zu sagen „Ja“ bzw. „Nein“, was ja dann doch eine ziemlich krasse Lüge gewesen wäre, entschied sich Westerwelle zu einer etwas weniger krassen Lüge. Er fing nämlich damit, an dass man ja jetzt nicht das verhandeln würde, was noch zu verhandeln sei. Da würden sich ja die Oppositionsparteien in der Runde -haha- einen ins Fäustchen lachen.

Wohin führt es, wenn unser zukünftiger Vizekanzler und Außenminister keine drei Stunden nach Schließung der Wahllokale damit anfängt, seine zentralen Wahlversprechen zu relativieren?

Allerdings muss ich Westerwell fairerweise zugestehen, dass er sich pausenlosen Angriffen der zukünftigen Opposition ausgesetzt sah: Lafontaine wagte es doch festzustellen, dass die FDP linke Ideen wie die Börsenumsatzsteuer übernommen habe! Das veranlasste  Westerwelle dazu, dem Kommunisten zu zu rufen: „Herr Lafontaine, die Wählerinnen und Wähler haben entschieden. Und sie sehen es nicht so wie Sie, dass ich der Teufel bin!“ Lafontaine erwiderte, dass er davon gerade gar nichts gesagt habe sondern lediglich, dass die FDP linke Forderungen übernommen habe. Er hätte genauso gut „Hä?“ sagen können.

Leider habe ich nicht Stift und Papier zur Hand gehabt, sonst hätte ich noch einige miese Attacken auf Westerwelle mehr mitschreiben können. So frage ich mich nur, wie uns ein dermaßen dünnhäutiger Außenminister in Zukunft vertreten will. Da muss Gaddafi ja nur mal „Buh“ sagen…


Written by Achja

27. September 2009 at 21:46

Veröffentlicht in Politik

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Ahoi!

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Von allen Nutzlosparteien in diesem beinahe schönen Land ist sie die niederträchtigste und ihr Name als Tag bringt auf Blogs massig Klicks. Die Verwendung ihres Parteisymbols ist inzwischen ähnlich inflationär wie die Reichsmark damals ’23. Wieso kommt einer Ein-Themen-Spaßpartei überhaupt so viel Aufmerksamkeit zu, die sie nicht verdient hat?

Es geht um die sogen. „Piratenpartei“, dem Sammelbecken der Generation Warcraft, die von der großen Macht träumt. Gegründet von Paranoiden für Paranoide und selbsternannte Freiheitsliebhaber, die das Ende der Demokratie kommen sehen, wenn Unfähigkeitsministerin von der Leyen Stoppschilder vor Kinderpornoseiten stellen will und sogar bei einer solch populistischen Maßnahme sagenhaft versagt.

Diese „Witzpartei“ (P. Mißfelder, Boss der Jungen Union, niemand kennt sich mit Spaßparteien schließlich besser aus) ist die einzige der antretenden Parteien jenseits der magischen 5%-Marke, die sich selbst ernster nimmt als der Papst erlaubt; sie will Bürgerrechte stärken, indem sie Urheberrechte abschafft – pardon!, „reformiert“, was letztendlich aber auf das gleiche hinausläuft.

Unfassbar, mit was für einem aufgeblähten Ego diese „Partei“ herumstolziert und durch das Internet vagabundiert! Da wird Umfragen mit null Aussagekraft auf StudiVZ schnell mal Wahlfälschung [sic!] vorgeworfen, wenn die eigene Partei weniger Stimmen erhält als die Erzfeindpartei CDU, gegen die ein Kreuzzug sondergleichen geführt wird, wobei als Feindbild für die Freiheit Schäuble herhalten muss, als säße da Beelzebub höchstselbst im Rollstuhl.

Doch die Piraten sind bereits auf dem Weg, eine etablierte Partei zu werden. Sie haben den Größenwahn und die Realitätsferne von ehemaligen Volksparteien wie der SPD erreicht und schon übertroffen, und mit der SPD haben sie eine Interessante Bindung: Denn die Piraten haben mit offenen Armen den gescheiterten Kinderpornobesitzer Jörg Tauss (noch nicht verurteilt, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden) in ihre Reihen aufgenommen, der – und das glauben die Piraten tatsächlich! – diesen ganzen widerwärtigen Dreck aus beruflichen Gründen auf seinem Rechner gehabt habe, wo ich dann doch die Frage stellen muss, für welche Art von Berufsausübung man sowas braucht.

Unglücklicherweise war Tauss Mitglied des Bundestages und mit seinem Parteiwechsel zu der sogen. „Piratenpartei“ haben die jetzt theoretisch einen Bundestagsabgeordneten. Zwar eine persona non grata mit aufgehobener Immunität, aber immerhin! Und weil Stefan Raab am Tag vor der Wahl (sozusagen heute) eine „TV Total Bundestagswahl“ durchführen lässt, bei der nur die Parteien antreten dürfen, die im Moment im Bundestags sitzen, erhebt die Partei der Naivlinge und Schwachköpfe tatsächlich Anspruch darauf, auch mitzumachen und startet eine Netzhetze gegen die undemokratische Politik des Meinungsdiktators Raab – löblicherweise ohne Erfolg. Und weil die kleinen Kindsköpfe absolut unfähig sind, ordentlich mit Kritik oder Rückschlägen umzugehen, wird da ProSieben sogleich Zensur vorgeworfen und der Sender zum Fall für die OSZE erklärt.

Völlige Weltfremdheit zeigt sich bei der selbsternannten Partei nicht nur in ihrem Wahlprogramm, nein, auch die Nazikeule lässt sich prima gegen die Piraten schwingen, denn wenn eine Partei einen Kerl samt seiner holocaustrelativierenden Äußerungen in den Vorstand stemmt und ihn erst laut brüllend verteidigt, bevor sie ihn wegen der gigantischen Kritik gegen den Vorstand wieder fallen lässt, dann muss man nicht lange im Kaffeesatz der Geschichte lesen, welcher ideologischen Gewässer sich die Piraten bedienen . Das könnte man als Einzelfall sehen, hätte ein Kapitän der Piraten nicht der Jungen Freiheit, einer rechtskonservativen Zeitung (und das ist eine wohlwollende Bezeichnung für eine Zeitung, die vor kurzer Zeit noch vom Verfassungsschutz beobachtet wurde!) ein Interview gegeben, um später zu versuchen, alles zu relativieren: Er habe nicht gewusst, wem er da ein Interview gibt. Weil’s einfach uncool ist, sich vorher über eine unbekannte Zeitung zu informieren, bevor man ihr ein Interview gibt.

Wenigstens haben wir von den Piraten nichts zu befürchten, zum einen, weil unser Bundesverteidigungsjunge Jung die Bundeswehr gegen sie einsetzen will und zum anderen, weil sie wohl eh nicht in Reichweite der 5%-Hürde kommen werden. Auch wenn ein paar Verblendete aus dem Parteikader das natürlich anders sehen. Zu guter letzt bleibt nur noch zu sagen, dass es ja noch Leute wie Leutnant Maynard gibt. Wie mich.

Written by Quax

26. September 2009 at 13:47

Veröffentlicht in Polemik

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Geheimtip für den 27.9.

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Auch wenn’s niemandem bisher aufgefallen ist: Am kommenden Sonntag, dem siebenundzwanzigsten September Zweitausendneun veranstaltet die Bundesregierung zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes (z.T. ist es auch nur der 20. Jahrestag) eine Bundestagswahl.

Und dieser Blog weist freundlich darauf hin. Denn nur wer wählt, darf sich später über „die da oben“ aufregen. Zur Auswahl stehen das Modell Große Koalition, eine Liaison aus Christdemokraten und einem kopflosen Hühnerhaufen, und das Modell Schwarz-Gelb, quasi das Gleiche nur diesmal ohne SPD.

Nebst diesen beiden tollen Auswahlmöglichkeiten gibt’s nocht viele andere Kleinst- und Splitterparteien, wie die Rentnerinnen- und Rentnerpartei, die Piratenpartei (welche mir so derbe auf den Zeiger geht, dass sie sich eigentlich eine eigene Polemik verdient hat) oder die Violetten, welche für spirituelle Politik sind. Steuern durch Tarotkarten bestimmen, Außenpolitik mit Voodoo lösen, Sumpfgeister gegen Arbeitslosigkeit beschwören.

Diesen ganzen Kleinkram bitte nicht wählen, denn der Deutsche mag keine Veränderung. Er möchte das Modell Große Koalition behalten, also sollte dementsprechend gewählt werden. Denn nur wenn nichts passiert, passiert auch nichts schlimmes.

Written by Quax

21. September 2009 at 13:30

Veröffentlicht in Politik

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Wo gesungen wird, da lass dich nieder

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Bald ist es soweit, dann wird der Bundestag gewählt. Wer sich noch nicht entschieden hat, was er denn wählen soll, für den hat die CDU etwas ganz besonderes. Nämlich den Wahlkampfsupersommerhit zum mitsummen:

Produziert wurde diese Hymne von Leslie Mandokie, laut CDU „Erfolgsproduzent“. Die meisten dürften ihn jedoch als Hampelmann der 70er-Jahre-Trashcombo Dschingis Khan kennen. Wer also einst Sowjetmetropolen („Hu, ha, hu, ha, Moskau! Moskau!“) und mittelalterliche Massenmörder („Dsching- Dsching- Dschingis Khan!“) besang, komponiert heute für die Kanzlerin.

Diese eingängige Schnulzenmelodie, laut BILD „im Stil von Juli und Silbermond“ wird in ihrer Unerträglichkeit eigentlich nur noch von dem literarisch wertvollen Text übertroffen, einem Goldstück deutscher Sprachkunst: „Wir sind wir und Schritt für Schritt geht in die Zukunft unser Blick“ – Täte Goethe noch leben, würde er nun den Werther machen.

Da fragt man sich doch: Was wollen uns Maestro und „teAM [sic!] Deutschland“ mit diesem Prachtstück sagen? „Wir wollen dem teAM Deutschland, der Unterstützerkampagne von Angela Merkel, ein musikalisches Gesicht geben“, sagt Oliver Röseler von der CDU-Bundesgeschäftsstelle im „Making-Of-Video“ zum Hit (zu finden auf Youtube).  Und was für ein gesichtsloses musikalisches Gesicht es geworden ist, bzw. „ein wunderbarer Song“ mit dem sich Sängerin Nathalie Tineo „sofort identifizieren“ konnte, denn wer kann sich nicht mit mit einem gesichtslosen Stück Seife identifizieren?

Liebe CDU, wenn ihr im Wahlkampf punkten wollt, dann steckt eure ganze kreative Energie doch lieber in Wahlsprüche, damit nicht so ein nichtssagendes Geschwurbel wie „Wir haben die Kraft“ dabei rauskommt. Wie wär’s mit etwas Dichtkunst? Sowas wie: „Ich und du / Müllers Kuh / wählen alle CDU“ oder „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“, wobei letzteres schon von den Kommunisten seit ca. 1918 besetzt ist, also vorsicht! Aber bloß keine Wahlkampflieder mehr, damit steht man nur in einer Reihe mit Liedern über hohe Fahnen und fest geschloss’ne Reihen! 

Aber bis zur Wahl ist es ja noch ein bisschen hin.

Klare Sicht und schönes Land!

Written by Quax

3. September 2009 at 22:18

Veröffentlicht in Mischwald

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