Misanthropenwald

Ahoi!

with one comment

Von allen Nutzlosparteien in diesem beinahe schönen Land ist sie die niederträchtigste und ihr Name als Tag bringt auf Blogs massig Klicks. Die Verwendung ihres Parteisymbols ist inzwischen ähnlich inflationär wie die Reichsmark damals ’23. Wieso kommt einer Ein-Themen-Spaßpartei überhaupt so viel Aufmerksamkeit zu, die sie nicht verdient hat?

Es geht um die sogen. „Piratenpartei“, dem Sammelbecken der Generation Warcraft, die von der großen Macht träumt. Gegründet von Paranoiden für Paranoide und selbsternannte Freiheitsliebhaber, die das Ende der Demokratie kommen sehen, wenn Unfähigkeitsministerin von der Leyen Stoppschilder vor Kinderpornoseiten stellen will und sogar bei einer solch populistischen Maßnahme sagenhaft versagt.

Diese „Witzpartei“ (P. Mißfelder, Boss der Jungen Union, niemand kennt sich mit Spaßparteien schließlich besser aus) ist die einzige der antretenden Parteien jenseits der magischen 5%-Marke, die sich selbst ernster nimmt als der Papst erlaubt; sie will Bürgerrechte stärken, indem sie Urheberrechte abschafft – pardon!, „reformiert“, was letztendlich aber auf das gleiche hinausläuft.

Unfassbar, mit was für einem aufgeblähten Ego diese „Partei“ herumstolziert und durch das Internet vagabundiert! Da wird Umfragen mit null Aussagekraft auf StudiVZ schnell mal Wahlfälschung [sic!] vorgeworfen, wenn die eigene Partei weniger Stimmen erhält als die Erzfeindpartei CDU, gegen die ein Kreuzzug sondergleichen geführt wird, wobei als Feindbild für die Freiheit Schäuble herhalten muss, als säße da Beelzebub höchstselbst im Rollstuhl.

Doch die Piraten sind bereits auf dem Weg, eine etablierte Partei zu werden. Sie haben den Größenwahn und die Realitätsferne von ehemaligen Volksparteien wie der SPD erreicht und schon übertroffen, und mit der SPD haben sie eine Interessante Bindung: Denn die Piraten haben mit offenen Armen den gescheiterten Kinderpornobesitzer Jörg Tauss (noch nicht verurteilt, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden) in ihre Reihen aufgenommen, der – und das glauben die Piraten tatsächlich! – diesen ganzen widerwärtigen Dreck aus beruflichen Gründen auf seinem Rechner gehabt habe, wo ich dann doch die Frage stellen muss, für welche Art von Berufsausübung man sowas braucht.

Unglücklicherweise war Tauss Mitglied des Bundestages und mit seinem Parteiwechsel zu der sogen. „Piratenpartei“ haben die jetzt theoretisch einen Bundestagsabgeordneten. Zwar eine persona non grata mit aufgehobener Immunität, aber immerhin! Und weil Stefan Raab am Tag vor der Wahl (sozusagen heute) eine „TV Total Bundestagswahl“ durchführen lässt, bei der nur die Parteien antreten dürfen, die im Moment im Bundestags sitzen, erhebt die Partei der Naivlinge und Schwachköpfe tatsächlich Anspruch darauf, auch mitzumachen und startet eine Netzhetze gegen die undemokratische Politik des Meinungsdiktators Raab – löblicherweise ohne Erfolg. Und weil die kleinen Kindsköpfe absolut unfähig sind, ordentlich mit Kritik oder Rückschlägen umzugehen, wird da ProSieben sogleich Zensur vorgeworfen und der Sender zum Fall für die OSZE erklärt.

Völlige Weltfremdheit zeigt sich bei der selbsternannten Partei nicht nur in ihrem Wahlprogramm, nein, auch die Nazikeule lässt sich prima gegen die Piraten schwingen, denn wenn eine Partei einen Kerl samt seiner holocaustrelativierenden Äußerungen in den Vorstand stemmt und ihn erst laut brüllend verteidigt, bevor sie ihn wegen der gigantischen Kritik gegen den Vorstand wieder fallen lässt, dann muss man nicht lange im Kaffeesatz der Geschichte lesen, welcher ideologischen Gewässer sich die Piraten bedienen . Das könnte man als Einzelfall sehen, hätte ein Kapitän der Piraten nicht der Jungen Freiheit, einer rechtskonservativen Zeitung (und das ist eine wohlwollende Bezeichnung für eine Zeitung, die vor kurzer Zeit noch vom Verfassungsschutz beobachtet wurde!) ein Interview gegeben, um später zu versuchen, alles zu relativieren: Er habe nicht gewusst, wem er da ein Interview gibt. Weil’s einfach uncool ist, sich vorher über eine unbekannte Zeitung zu informieren, bevor man ihr ein Interview gibt.

Wenigstens haben wir von den Piraten nichts zu befürchten, zum einen, weil unser Bundesverteidigungsjunge Jung die Bundeswehr gegen sie einsetzen will und zum anderen, weil sie wohl eh nicht in Reichweite der 5%-Hürde kommen werden. Auch wenn ein paar Verblendete aus dem Parteikader das natürlich anders sehen. Zu guter letzt bleibt nur noch zu sagen, dass es ja noch Leute wie Leutnant Maynard gibt. Wie mich.

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Written by Quax

26. September 2009 um 13:47

Veröffentlicht in Polemik

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Eine Antwort

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  1. sehr schön.. und das gleiche bitte mal auch über diese Schwachsinnspartei: Die Partei.
    Eine wirckliche „Spaßpartei“ .

    noart

    27. September 2009 at 12:03


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