Misanthropenwald

Archive for Oktober 2009

Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Hurra, die neue Regierung steht! Muttis neue Truppe besteht u.a. aus Westerwelle, Schäuble (immer noch), Freiherr zu Guttenberg (immer noch), Rösler und Jung (auch immer noch). Eine bunte Truppe, die uns die nächsten vier Jahre zielsicher über die Klinge in den Abgrund springen lässt.

Dass Westerwelle das anglophone Amt des Außenministers bekommen würde, stand nach seinem souveränen Auftritt gegenüber der ausländischen Presse fest; wer dem Tommy zeigt, wer hier auf dem Kontinent das Sagen hat, kann das Land auch knallhart in diplomatischen Verhandlungen führen. Mindestens ebenso knallhart wie in den Koalitionsverhandlungen. Zum Außenminister braucht man nichts weiter als einen großen, leeren Kopf mit viel Platz für Informationen, eine große Klappe, keine Englischkenntnisse und keine Ahnung (von Tuten und Blasen). Niemand sonst in der FDP wäre für dieses Amt geeigneter gewesen, außer vielleicht Dirk Niebel, Generalsekret der FDP, der jetzt im prestigereichen Entwicklungshilfeministerium zwischengelagert wird.

Interessant ist, dass Schäuble vom Innen- ins Finanzministerium abgeschoben wird. Da darf er sich nun weiter austoben und die Finanzkrise bekämpfen wie zuvor schon den Terrorismus, zum Beispiel durch Bundeswehreinsätze im Inneren. Freuen wir uns auf kräftige Fiskalspielchen, wie den Schattenhaushalt, erstellt von der Person mit dem größten Schatten, oder auf den Versuch, das Haushaltsloch mit dem Schuldenberg stopfen. Endlich darf sich Schäuble in seinem nächsten Fachgebiet austoben, von dem er keine Ahnung hat.

Eine Überraschung ist Philipp Rösler von der FDP, denn er übernimmt den Sau- und Scherbenhaufen, den Ulla Schmidt im Gesundheitsministerium hinterlassen hat. Nach eigenen Angaben will der 36-jährige mit 45 mit der Politik aufhören. Kein Wunder, hat man als FDP-Politiker bis dahin doch genug Steuern hinterzogen, um dann bis an sein Lebensende alle Fünfe gerade sein zu lassen.

Ebenfalls eine Überraschung, aber eine furchtbar-grausame, ist Franz-Josef Jung, Parteinichtsnutz der CDU. Die Bilanz seiner vier Jahre als Kriegsminister fällt ernüchternd aus: ein paar Tote Taliban, ein paar Tote Zivilisten und ein Öltanklaster. Andere Minister (Scharping, SPD) haben in vier Jahren ganze Länder überfallen (Serbien, Jugoslawien)! Nachdem der heillos Überforderte nun also schon der Bundeswehr sinnfrei und -los im Weg herumstand (die Aufgabe macht jetzt Karl-Theodor Maria Nikolaus Walter Ulbricht Johann Jacob Philipp Rösler Franz Joseph Jung Sylvester Freiherr von u. zu Guttenberg), darf er nun das Ministerium für Arbeit und Asoziales zugrunde richten.

Aber auch viele alte Gesichter bleiben in Muttis Truppe, wie CSU-Kräuterhexe Ilse Aigner (Ilse-Bilse, keiner Willse) im Bauernministerium, Gebärmaschine von der Leyen im Ministerium für Wahrheit und Familie oder Anette Schavan als weibliche Franz-Josef Jung im Ministerium für Forschung.

Die anderen Minister unserer schönen neuen Regierungswelt haben ebenfalls dicke Schellen ins Gesicht verdient, allein schon Peter Ramsauer (CSU, Minister für Autos), Warmes Brüderle (FDP, Minister für Misswirtschaft) oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, Ministerin für Recht und recht lange Nachnamen). Die Zeit wird zeigen, mit welchen Späßen uns das Kabinett Mutti Merkel II beglücken wird.

Written by Quax

24. Oktober 2009 at 12:05

Werbung geht durch den Magen

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Kurz vor dem Verkauf von Microsofts neuem Superbetriebsystem Windows 7 saßen die klügsten Köpfe des Konzerns in einem stickigen, abgedunkelten Raum im Microsoft Strategic Marketing Center zusammen und tüftelten an der Promotion ihrer heißen Software.

„Okay Leute“, motivierte Microsoft-Chef Steve Ballmer sein Advertising-Team, „Wir haben das scheißbeste Produkt aller Zeiten entwickelt! Was haben wir für Ideen zur Vermarktung?“ Ein kleiner dünner Mann mit Brille meldete sich langsam und zaghaft: „Also, wir haben TV-Spots geschaltet, machen großflächig Werbung in Zeitschriften, verteilen Flyer in Supermärk…“ – „Das soll alles sein?!“, blaffte Ballmer zurück, „das bisschen verfluchter Scheißkrimskrams?! Mit so einem verfickten Müll kannst Du vielleicht bei Apple was reißen, du Arschloch! Wir sind Microsoft, wir haben mehr Jünger als die verfluchte katholische Kirche, verdammt nochmal! Lass dich hier nie wieder blicken!“ Bleich wie ein Gespenst packte der nun arbeitslose seine Sachen zusammen und verließ unter Tränen den Raum. Niemand wagte es, sich auch nur zu rühren.

Ballmer sank in seinen Stuhl, wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Jemand einen anderen Vorschlag?“ – „Nun“, meldete sich ein elegant gekleideter Mittdreißiger zu Wort, „vielleicht sollten wir das Symbol wechseln. Die Menschen verbinden mit dem Windows-Fenster nur, dass sie ihr Geld zum Fenster rausschmeißen.“ Ballmer legte die Stirn in Falten. „Gefällt mir…“, murmelte er, „Gefällt mir, dieser crazy Scheiß…“ Dann sprang er von seinem Stuhl auf und ging murmelnd zur anderen Seite des Raumes. „Wir brauchen ein Symbol, das sympathisch ist.“, setzte Ballmer an, „Ein Symbol wie… einen Apfel! Nein… Einen roten Fuchs, der sich um einen Erdball windet!“ Unruhig tauschten die anwesenden Herren Blicke aus. Niemand wagte es, dem Gottkönig von Microsoft zu widersprechen. „Nein!“, rief dieser plötzlich, „Ich habe eine noch viel geilere Idee! Wir brauchen ein süßes Maskottchen, damit auch die Frauen auf unsere Software voll abfahren. Wir nehmen für Windows 7 einen Pinguin!“ Da platzte aus einem Teammitglied heraus: „Aber das ist doch das Maskottchen von Linux!“ Linux! Das Wort allein brachte Ballmers Blut in Wallung. Er stieß einen schrillen Schrei aus, stürzte über den Tisch und schlug dem armen Mitarbeiter ein Auge und sieben Zähne aus. Um sich zu beruhigen würgte Ballmer im Anschluss seinen persönlichen Assistenten bewusstlos und nahm wieder auf seinem Stuhl platz.

Die übrigen Anwesenden starrten auf ihre Hände. Nur das leise röcheln des blutenden Mitarbeiters war zu hören. Angesichts des Blutbads begann Ballmers Magen zu grummeln. „Ich könnte jetzt einen dicken Burger brauchen und -“ Mitten im Satz brach Ballmer ab. Seine Miene erhellte sich, ein Lächeln huschte über sein Gesicht und seine Augen wurden weiter. „Das ist es!“, rief er. „Das ist die Idee! Ich bin besser als Gott!“ Unruhig blickten die übrigen Mitarbeiter sich an. Langsam erhob sich Ballmer aus seinem Stuhl und breitete die Arme aus. „Wir machen einen Deal mit Burger King“, begann er. „Wir verkaufen den Windows-7-Burger!“ – „Und wie soll der aussehen?“, fragte einer des Teams. Ballmer, wie in Trance, beachtete ihn nicht und spann seine Idee weiter: „Zwei Brötchenhälften, Soße, Salat, Tomaten, Gurken… und sieben Lagen Fleisch!“ Dann sackte er erschöpft zusammen. Ballmers Team applaudierte ihm für diese großartige Idee.

Und so kam es zum Windows-7-Whopper.

windows7whopper-lg

(Quelle)

Written by Quax

23. Oktober 2009 at 17:43

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Der Preis des Friedens

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Während dieses Jahr aus dem Land der Dichter und Denker bloß eine Müllersfrau den Literaturnobelpreis bekommt, feiert man jenseits des großen Teichs den besseren Nobelpreis. Denn Amerikas Präsident ist Friedensnobelpreis Zweitausendneun.

Den Preis hat sich Onkel Obama auch redlich verdient. Denn was hat er bisher gemacht? Ein Blick in die Begründung hilft:

Als US-Präsident hat Obama ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen.

Okay. Obamas Friedensnobelpreisträgervorgänger Al Gore war auch für das Klima, für das er mit seinem Flugzeug über den Erdball donnerte, um den CO²-Ausstoß zu stoppen. Aber Obama ist nicht nur der Al Gore der internationalen Politik, sondern hat noch mehr auf dem Kasten:

Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat den Verhandlungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle kräftige Impulse verschafft.

Kräftig, kräftig, was Obama da der Abrüstung verschafft hat. Oder um die Worte des beinahe beliebtesten Ex-Bundeskanzlers unserer Republik, Helmut Schmidt, zu benutzen:

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen

Heißt das, dass der Friedensnobelpreis an jemanden gehen soll, der nicht ganz knusper ist? An einen Verrückten? Nun, das wäre nicht verwunderlich. Wer hat den Nobelpreis für Frieden denn noch so bekommen?

Da wäre Jassir Arafat, palästinensischer PLO-Chef, bekannt für seine friedensstiftenden Reden gegen Israel und Unterstützer von Waffenschmugglern und Terroristen – oder Henry Kissinger, ehemaliger Sicherheitsberater und Außenminister der USA, der sich vor allem durch den Vietnamkrieg positiv für den Weltfrieden einsetzte.

Weitere Gestalten wurden zwar nominiert, erhielten den Preis allerdings nie, wie der sowjetische Friedensfürst Stalin. Er wurde gleich zweimal nominiert, einmal 1945 zur erfolgreichen Befriedung Deutschlands und 1948 zur friedlichen Berlinblockade. Selbstverständlich gab es auch deutsche Nominierte, wie Hitler 1939, für seine Osteuropapolitik oder Willy Brandt, selbe Begründung, der den Preis sogar erhielt. 

Weniger Glück hatten dagegen Gandhi (gewaltfreier Widerstand), Helmut Kohl (Wiedervereinigung), Gerhard Schröder (erflogreiche Nichtteilnahme Deutschlands an einem Krieg) oder Silvio Berlusconi (an anderer Stelle bereits erörtert).

Noch kann Obama sich entscheiden, ob er den Preis annehmen will oder nicht. Ob er in einer Reihe mit dem Roten Kreuz, der UNO, Mutter Theresa, Arafat und Kissinger stehen will – oder eben nicht.

Written by Quax

9. Oktober 2009 at 16:58

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EU-Gigolo

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Als was wurde er nicht bereits alles bezeichnet: Medienmogul, Stehaufmännchen, Arschloch. Den römischen Imperator Silvio Berlusconi umgab stets der Nimbus der Unfehlbarkeit. Jetzt hat das höchste italienische Gericht seine Immunität aufgehoben.

Berlusconi ist ein Italiener wie er im (ungeschriebenen) Buche steht: klein, gegeltes Haar, korrupt. Und immer einen kessen Spruch auf den schmalen Italolippen. Denn nur, und wirklich: nur!, als gewählter König von Italien kann man deutsche Abgeordnete im EU-Parlament mit KZ-Aufsehern vergleichen. Das kann nicht jeder Staatsmann, dazu braucht man eine gehörige Portion Eier von riesenhafter Größe.

Doch nicht nur auf dem diplomatischen Parkett bewegt er sich westerwellegleich, nein; auch in seiner Heimat weiß der Industriepatriarch wie man sich zu verhalten hat. Sich selbst per Gesetz Immunität verleihen? Kein Problem! Einen Verlag hier erwerben, einen Fußballclub dort und hie und da ein paar Fernsehsender aufkaufen? Aus der Portokasse bezahlt! Getreu dem Motto „Macht macht Macht“ macht der Mann auf Mussolinis Posten das, was machtgierige Menschen nunmal machen: mehr Macht anhäufen. Dazu nimmt das gottgleiche Wesen Berlusconi keine Rücksicht auf gar nichts. Da muss man auch mal einen Richter bestechen. Geld spielt schließlich keine Rolle. Wer hat, der hat.

Und wer so viel hat wie der Herrscher des stiefelförmigen Landes, braucht einen angemessenen Harem. Den besorgte sich seine Heiligkeit auch und feierte heftigste Orgien. Und weil ein großzügiger Herrscher weiß, wie man sein Volk beglückt, ließ er Fotos des lustigen Treibens veröffentlichen. Dem Volk gefiel’s, also legt ihr Super-Silvio noch einen drauf und lässt sich öffentlichkeitswirksam von seiner Erstfrau scheiden. Da jauchzt Volkes Seele! Nun geht er noch gegen die Feierpics gerichtlich vor. Zum Dank dafür erheitert das höchste italienische Gericht die Öffentlichkeit mit mehr Prozessen: Immunität vor Strafverfolgung ist ohnehin nur was für Weicheipolitiker! Und dank der fleißigen Vorarbeit darf der Lebemann jetzt wohl des öfteren in Justizias Häuslichkeiten erscheinen.

Doch seinem Volk ist’s wurscht, denn seine Beliebtheit erreicht immer noch atronomische Höhen. Egal, wie die Verfahren auch ausgehen werden! Vive l’imperatore!

Written by Quax

7. Oktober 2009 at 23:07

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