Misanthropenwald

EU-Gigolo

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Als was wurde er nicht bereits alles bezeichnet: Medienmogul, Stehaufmännchen, Arschloch. Den römischen Imperator Silvio Berlusconi umgab stets der Nimbus der Unfehlbarkeit. Jetzt hat das höchste italienische Gericht seine Immunität aufgehoben.

Berlusconi ist ein Italiener wie er im (ungeschriebenen) Buche steht: klein, gegeltes Haar, korrupt. Und immer einen kessen Spruch auf den schmalen Italolippen. Denn nur, und wirklich: nur!, als gewählter König von Italien kann man deutsche Abgeordnete im EU-Parlament mit KZ-Aufsehern vergleichen. Das kann nicht jeder Staatsmann, dazu braucht man eine gehörige Portion Eier von riesenhafter Größe.

Doch nicht nur auf dem diplomatischen Parkett bewegt er sich westerwellegleich, nein; auch in seiner Heimat weiß der Industriepatriarch wie man sich zu verhalten hat. Sich selbst per Gesetz Immunität verleihen? Kein Problem! Einen Verlag hier erwerben, einen Fußballclub dort und hie und da ein paar Fernsehsender aufkaufen? Aus der Portokasse bezahlt! Getreu dem Motto „Macht macht Macht“ macht der Mann auf Mussolinis Posten das, was machtgierige Menschen nunmal machen: mehr Macht anhäufen. Dazu nimmt das gottgleiche Wesen Berlusconi keine Rücksicht auf gar nichts. Da muss man auch mal einen Richter bestechen. Geld spielt schließlich keine Rolle. Wer hat, der hat.

Und wer so viel hat wie der Herrscher des stiefelförmigen Landes, braucht einen angemessenen Harem. Den besorgte sich seine Heiligkeit auch und feierte heftigste Orgien. Und weil ein großzügiger Herrscher weiß, wie man sein Volk beglückt, ließ er Fotos des lustigen Treibens veröffentlichen. Dem Volk gefiel’s, also legt ihr Super-Silvio noch einen drauf und lässt sich öffentlichkeitswirksam von seiner Erstfrau scheiden. Da jauchzt Volkes Seele! Nun geht er noch gegen die Feierpics gerichtlich vor. Zum Dank dafür erheitert das höchste italienische Gericht die Öffentlichkeit mit mehr Prozessen: Immunität vor Strafverfolgung ist ohnehin nur was für Weicheipolitiker! Und dank der fleißigen Vorarbeit darf der Lebemann jetzt wohl des öfteren in Justizias Häuslichkeiten erscheinen.

Doch seinem Volk ist’s wurscht, denn seine Beliebtheit erreicht immer noch atronomische Höhen. Egal, wie die Verfahren auch ausgehen werden! Vive l’imperatore!

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Written by Quax

7. Oktober 2009 um 23:07

Veröffentlicht in Politik

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