Misanthropenwald

Mit den Großen spielen

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Die letzten Zweifel sind besiegt: Die Politik ist nun nicht mehr nur in wilden  Verschwörungstheorien und schwarzseherischen Fantasien Spielball der Wirtschaft, sie ist es ganz offensichtlich – Einmal Opel bitte.

Eine Milliarde Euro sieht so aus – 1 000 000 000 Euro – und klingt nach jeder Menge Kohle, richtig Asche. Gut, mittlerweile nicht mehr, eine Milliarde, was ist das schon nach einem Jahr Wirtschaftskrise?

Aber damit fing es mal an, mit eben dieser einen Milliarde Euro und noch ein, zwei Milliönchen mehr. Einen solchen Betrag wollte Opel gerne vom Staat garantiert haben, damals im November 2008. Der Konzern war damals in Schieflage geraten, wie es so schön heißt. Obwohl jeder Popel bekanntermaßen nen Opel fährt, ging es bergab, oder eben in Schieflage. Staat hilf!

Gerne doch, Opel eine Milliarde und ein, zwei Millönchen zu garantieren (und vielleicht sogar zu zahlen) klingt immerhin besser als knapp 30.000 arbeitslose Opelaner (wie heißen eigentlich Audi-Angestellte? Audisten? Autisten? Audilaner? Marsianer? Egal).

Opel will die Kohle nicht. Jedenfalls nicht so wenig. 3,3 Milliarden Euro is the new eine Milliarde. Man will sich nämlich abkoppeln von General Motors (GM), dem turbokapitalistischen Megaarsch und Corsa-Verächter, der Stellen streichen möchte. Lieber mit Vauxhall seinen eigenen Laden aufmachen und endlich coole Autos bauen.

Es gibt einen fertig durchgerechneten Rettungsplan für Opel. Und zwar von Opel selber. So viel Eigenständigkeit ist noch möglich.

Angie sagt dazu: „Joa.“ Aber auch nicht mehr.

GM sagt (diabolisch): „Muharhar.“

Denn so richtig Bock hatten die Detroiter wohl damals schon nicht, Opel an Fiat, Magna oder die „Heuschrecke“ (Münte) RHJ International zu verschachern. Opel will zu Magna, es manifestiert sich in den Köpfen der Deutschen und der Opelaner und wahrscheinlich auch in den großen, aderndurchzogenen Matschköpfen der Marsianer das Bild „Magna hui, GM Arschloch“.

Auch in den Köpfen der Regierung herrscht dieses einprägsame Bild vor. So sehr, dass sie sich eindeutig für Magna einsetzt, runterspielt, dass auch Angam, wie Magna rückwärts heißt, einige tausende Opelaner in die unendlichen Weiten der Arbeitslosigkeit schießen will und schließlich sogar – Obacht – Druck (!) auf GM ausübt. Und zwar wie? So? : „Wenn ihr nicht an Magna verkauft, dann schließen wir die Opelwerke in Deutschland!“ Nee, so nicht. Wahrscheinlich mit „Dann gibt’s halt keine Milliarden mehr.“ Der Druck ist jedenfalls so immens groß, dass das europäische Ausland rummault, weil deutsche Werke bevorzugt werden sollen. Egal, irgendwann haben sich alle geeinigt. Alle wollen Maoam. Quatsch, Opel. Auch falsch. Magna! Ja, Magna. GM soll die Grundsatzentscheidung (so heißt das nämlich) für an Magna verkaufen zu wollen übrigens mit einem blutroten Pentagramm unterzeichnet haben.

Alle sind glücklich. Nur Karl-Theobald Wilhelm Johann Sebastian Josef Habemus Papam Michael Schumacher zu Gttbrg. nicht. Der will zurücktreten. Insolvenz oder Tod. Oder so. Die Erwachsenen haben sich aber auf 1,5 Milliarden Euronen Bürgschaft geeinigt.

Mittlerweile, wir schreiben Juli 2009, um mal eine zeitliche Einordnung zu geben, ist GM aus der Insolvenz zurückgekehrt. Das muss man sich wohl so ähnlich wie Kur vorstellen, dem Laden geht’s wieder super. Mit frischen 36 Steuermilliardeneuro im Rücken würde es mir das übrigens auch. Nur mal so.

Deutschländ (We love Wagner) und die Länder wollen mittlerweile sogar 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften stellen. Aber nur wenn Opel an Angam (wir erinnern uns: Magna) geht. Die Heuschrecke RHJ will auch nochmal, wird aber abgelehnt. Mit Kapitalisten haben wir hier nix zu tun. Außer mit GM, aber deren Verwaltungsrat empfiehlt sogar selbst, Opel an Magna zu verkaufen.

Machen die aber nicht! Krasser Scheiß! Die behalten Opel einfach! Und wollen den Laden selbst wieder fitmachen. Quasi aus der Schieflage ins Gleichgewicht entlassen. Wer hätte das denn gedacht? Naja, faierweise sollten wir GM die 4,5 Milliarden Euro überweisen. Magna hätte die ja auch bekommen und Opelaner entlassen.

Eine weniger verlaberte Darstellung der Opel-Krise gibt’s beim Spiegel, der auch meine Quelle für diese verlaberte Darstellung ist.
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Written by Achja

5. November 2009 um 22:02

Veröffentlicht in Polemik, Politik, Wirtschaft

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Eine Antwort

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  1. Ein Meisterwerk erster Güte Herr Laub, Spiegel hätte (und hat) es nicht besser machen können.

    Maggi

    5. November 2009 at 23:48


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