Misanthropenwald

Äffle und Pferdle

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„Niemals geht man so ganz / irgendwas von mir bleibt hier“ Dies Lied mag Günther Oettinger wohl vor sich hinsummen, wenn er jetzt in der Stuttgarter Staatskanzlei sein Kofferle packt und demnächst als Energiekommissar der EU Brüssel unsicher macht. Und sein Nachfolger als Landesvater im Ländle steht schon in den Startlöchern

Was hat dieser Günther Oettinger nicht alles erlebt, seit er 2005 Ministerpräsident Baden-Württembergs wurde!  Los ging’s gleich im November 2005, als er im Interview seine Liebe zum Anglophonen kundtat:

Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.

So ist es. Niemand braucht dieses furchtbar schwierige Deutsch beim Malochen, wenn’s doch auch Englisch tut. Eine Sprache, die jeder Idiot perfekt beherrscht. Nur einer nicht.

Der schwäbische Protowesterwelle wurde zum Sprachpanscher des Jahres gewählt. Glückwunsch, Oettl! Sprachlich hat Oettinger einiges auf dem (leeren) Kasten. In seinem Lebenslauf auf der Seite der Europäischen Kommission gibt er an, gute Kenntnisse in Englisch zu besitzen. In Italienisch und Französisch hat er nur Grundkenntnisse. Wie sich das wohl anhört?

Weltenbummler Oettinger machte international als Kulturfreund auf sich aufmerksam. 2006 wollte er mittelalterliche Handschriften aus der Landesbibliothek Karlsruhe verkaufen. Wozu braucht man schließlich diesen alten Kram? Diese Einstellung brachte ihm Sympathien von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt ein.

2007 war schließlich das Jahr für Good Old Oettl. Im Januar teilte er uns mit, wieso Kriege gut für Deutschlands Wettbewerbschancen sind:

In einer Wohlstandsgesellschaft gibt es weniger Dynamik als in den Aufbaujahren nach dem Krieg. Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr. Früher, bei der Rente oder der Staatsverschuldung haben Kriege Veränderungen gebracht. Heute, ohne Notsituation, muss man das aus eigener Kraft schaffen.

Richtig blöde, ja. Früher, als man die faulen Senioren noch als Volkssturm beim Russen verheizen konnte, das waren noch Zeiten! Aber heute? Überall Freunde! Da ist’s natürlich Essig mit Krieg.

Im Krieg, da waren noch echte Männer am Werk! Und dass das so ist, stellte Günther „History“ Oettinger im April klar, als er feierlich den ex-Ministerpräsidenten von BaWü und ex-NS-Marine-Richter Hans Filbinger zu Grabe quatschte. In seiner Trauerrede fielen die legendären Worte:

Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes.

Wenn das der Führer wüsste! Sein ehrgeiziger Richter, der sogar nach der Kapitulation noch Todesurteile vollstreckte, ein Verräter? So nicht, Herr Oettinger, sooo nicht! Es ist schlimm, wie hier ein Ministerpräsident über seinen Amtsvorgänger herzog, ihn diffarmierte und entehrte! Einem Toten seine Taten aberkennen! Widerlich!

Viel Ärger gab es von allen Seiten und Oettinger musste sich dem Druck beugen. Er entschuldigte sich für seine Entgleisung und distanzierte sich von sich selbst. Der Stress machte ihm zu schaffen. Glücklicherweise konnte er 2007 Brüssel kennen lernen und sich dort so richtig entspannen.

Das Thema Jugendgewalt ist ein rotes Tuch für den leidenschaftlichen Teesiebtaucher Oettinger. Mit seinem messerscharfen Schwabenverstand machte er den Grund für Gewalt ausfindig. Denn es gibt

Programme, die in einigen Sendern kommen, von denen ich erhebliche Gefahren für die Erziehung der Jugend ausgehen sehe

So sprach der Medien-Koordinator der CDU. Technik-Junkie Oettinger brachte das ganze auf den Punkt. Schuld an der Gewalt ist das

Scheiß-Privatfernsehen

So ist das. TV-Oettl beschuldigte besonders RTL 2 und SUPER RTL für ihr gewaltförderndes Programm.

2009 schob Merkel vor lauter Nichtstun den sympathischen Spinner schließlich in die EU ab. Er soll als Glühbirnenkommissar in Brüssel für erleuchtende Ideen sorgen. Wer bisher glaubte, Westerwelle sei einzigartig, der ist nun eines Besseren belehrt worden.  Und nun? Teim tu seh guhd bei, wie Oettinger wohl sagen würde. Bleibt denn so gar kein provinzieller Charme in Baden-Württemberg?

Doch! Der König ist tot, es lebe der König! Denn nun kommt der neue Landesvater von Baden-Württemberg! Hier ist: Stefan Mappus!

Es kann nur einen geben

Mappus. Ein Mann, ein Wort. Was kann er Baden-Württemberg bieten? Toleranz! Er ist der toleranteste Mensch im Südweststaat. Besonders angetan ist er von den Homosexuellen; den Christopher Street Day findet er – obacht! – :

abstoßend.

Applaus! Auf so eine Toleranzbestie hat das Land gewartet. Mappus hat nämlich ein Problem

mit dem frivolen, karnevalesken Zurschaustellen von sexuellen Neigungen, wie es bei dieser Veranstaltung geschieht.

Yeah, Mappus! Nicht nur dieses frivole Rumgeschwuchtel findest du furchtbar, nein, Du findest auch, dass diese Tunten keine Kinder großziehen sollten:

Kinder sind denkbar ungeeignet für Experimente im Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und bedürfen dem besonderen Schutz der Gesellschaft

Genau, denn wer weiß schon, was die Homos aus unseren Kindern machen! Schlimm genug, dass die sich trauen dürfen! Doch in der Frage der Homoehe hast Du Dich wenigstens ein bisschen durchgesetzt, weiß der Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, zu berichten:

er hat zu verantworten, dass sich schwule und lesbische Paare in baden-württembergischen Kfz-Zulassungsstellen trauen lassen müssen.

Gute Arbeit, Mappus. Für ein weltoffenes Baden-Württemberg!

Wir halten also fest: Der eine wird Kommissar für Sparlampen und die andere Sparlampe wird Ministerpräsident im Ländle. Muss man nun Mitleid mit den Badensern und Württembergern haben? Mitnichten.

‚S Läbe isch koi Schlotzer!

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Written by Quax

26. Januar 2010 um 21:29

Veröffentlicht in Politik

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2 Antworten

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  1. Mit Verlaub, sehr geehrter Quax, es heißt „Badner“ und nicht „Badenser“…

    BaiX

    26. Januar 2010 at 22:52

  2. […] Günther Oettinger, Landesfürst von Baden-Württemberg, wurde nach Brüssel abkommandiert (wir berichteten). Statt Spätzle gibt’s seitdem Pommes, statt Gesetze für’s Ländle machen, wechselt […]


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