Misanthropenwald

Archive for Februar 2010

Gott lenkt

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1. Es ward Abend in dem Land des Volkes, das der Deutschen ist, und die Hohe Priesterin der Protestanten, Margot Käßmann ward sie genannt, saß in einem Gasthaus, das da hatte der betörenden Getränke reichlich. Und Margot kostete von den Trunken, die da betäuben die Sinne, denn sie waren allzu billig.

2. Und da sie gekostet hatte derer berauschenden Getränke vieler, da erschien ihr Gott, der HErr und der HErr sprach zu Margot: „Ich bin Gott, der HErr, dein Gott und offenbare mich deiner, auf dass dein Durst ein Ende haben möge.

3. Du sollst deinen Gott, den HErrn, preisen und loben und ihm dankbar für die Geschenke sein, die er dir offenbart“, sprach Gott, der HErr, „und du sollst loben die Schöpfung und den Himmel und die Erde und alle Pflanzen die darauf gedeihen. Und du sollst kosten von dem Weine, der da gewonnen wird aus Trauben, und von dem Biere, das aus dem Hopfen und dem Malze gemacht wird, und dich erfreuen und quicklich sein, ob der gütigen Taten, die ich, Gott, der HErr, den Menschen bringe.

4. Und du sollest dich nähren von dem Weine reichlich, der aus den gegorenen Trauben gemacht, und von dem Biere reichlich. Doch meiden sollst du die Tränke, die da sind klar wie Wasser und gemacht werden aus dem Korne der Ähren des Weizens, denn sie sind Gift für den Körper, den der HErr, dein Gott, dir einst gab.“

5. So sprach Gott, der HErr, und Margot antwortete ihm: „Mein Herz ist erfüllt von tiefster Demut und Liebe und ich will deinen Willen erfüllen und kosten von den herrlichen Getränken und meiden das Klare, das die Seele schindet.“

6. Und der HErr sprach: „So sollst du dich nähren von dem Weine und dem Biere und Fröhlichkeit soll dein Herz erfüllen und du sollst mir danken und mich preisen, wenn immer du auf die Heiden triffst, und ihnen ins Herz schauen und ihnen die Gebote des HErrn, deines Gottes, bringen.

7. Und du sollst fahren den Wagen, der da braucht kein Pferd und keinen Ochsen und keinen Esel und du sollst ihn rasch lenken und nicht achten auf die Zeichen, die da glühen rot wie das Feuer, denn sie sind das Böse, doch sollst du halten bei den Männern, die da tragen grüne Gewänder, und kein falsch Zeugnis abliefern und deine Schuld erkennen und aufrichtig bereuen.“

8. Und Margot tat, wie ihr geheißen.

Written by Quax

23. Februar 2010 at 22:23

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

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Fastenzeit

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Die Fastenzeit kommt jedes Jahr, wie Weihnachten oder der Tag der Arbeit. Und alle fasten mit, während auf diesem Blog Einträge gefastet werden. Was nicht schwer ist. Eigentlich soll man ja nur auf das verzichten, was einem schwerfällt. Sonst ist der ganze Sinn des Fastens ad absurdum geführt. Aber weil Nicht-schreiben nichts ist, was schwerfällt, werden in diesem Eintrag einfach kluge lateinische Sprüche gefastet (q.e.d.). Was fastet man denn so in unserem schönen Land, das vor dreißig Jahren noch von einer Mauer unterbrochen war?

Roland Koch, Ministerpräsident von Großhessen, verzichtet seit Jahren erfolgreich auf den Gebrauch von Hirn. Das zeigte sich vor allem vor einiger Zeit, als er die faulen Hartz-IV-Schmarotzer entdeckte – als billige Arbeitssklaven. Für Arbeiten wie Straßekehren, Müllaufsammeln, Autobahnbau.

Und weil die Hartz-IV-Parasiten seit Anbeginn des Universums Arbeit fasten, meldet sich (endlich!) Guido Westerwelle zu Wort und echauffiert sich in feinster Führerkampfgruppen-Gedenkrhetorik über das „asoziale Pack“ (G. Westerwelle, zugeschrieben), das den Leistungsträgern auf derjenigen Tasche liegt, in der die Spendenquittungen von der FDP liegen. Wer spendet, verzichtet. Und wer richtig viel verzichtet, den beschenkt die liebe FDP mit lustigen Steuerentlastungen. Und weil der ordinäre Hartz-IV-Spacko nüschts hat, was er spenden könnte, tja!, da gibt’s auch kein Steuergeschenk. Aber Hasstiraden vom Außenminister, das ist ja auch was.

Wegen der vielen Aufregung, die Westerwelle verursacht, verzichtet Mutti Merkel auf große Projekte. Oder irgendwelche Projekte überhaupt. Beziehungsweise, mal überhaupt irgendwas zu tun. Ist diese Frau eigentlich noch im Amt? Hoffentlich hat sie sich nicht überarbeitet! Wie auch immer, eine Pause hat sie sich verdient. Resepktiv, wir haben uns diese Pause verdient.

Verdient hat (und für diese großmeisterliche Überleitung ist uns der Grimmepreis sicher) auch das Finanzministerium wegen der vielen Selbstanzeigen. Viele Selbstanzeigen, fragt sich nun der ein oder andere? Ja, viele Selbstanzeigen. Denn Schäuble, unser Finanzminister, der beweist, dass nicht nur der Rubel rollt (Pulitzerpreis für dieses Wortspiel), droht unserem nachbarlichen Bergvolk, der Schweiz, mit dem Kauf einer Steuer-CD. Auf dieser CD befinden sich die Daten jener, die in letzter Zeit Steuern gefastet haben. Unsere Freunde aus der Schwyz finden das weniger lustiger, wenn nicht sogar überhaupt nicht, und drohen damit, die schweizer Kontodaten von deutschen Amtsträgern zu veröffentlichen. Die FDP ist tief getroffen von diesem Angriff auf ihre Mitglieder und empört über die „Hartz-IV-Empfänger Europas“ (G. Westerwelle, fälschlicherweise in den Mund gelegt).

Während die Schweizer Banken also über den Tag der offenen Tür nachdenken, übernimmt das japanische Unternehmen Toyota die christlich-abendländische Tradition des Fastens und verzichtet beim Autobau abwechselnd auf Gaspedal und Bremse.

Nicht zu bremsen (Nobelpreis!) ist auch die Diskussion um das minderjährige, weil siebzehn Lenzen junge, Literaturnewcomerwunder Helene Hegemann, die riesenhafte Stücke aus ihrem Roman (Irgendwas mit ‚Roadkill‘) von anderen gemopst haben soll. Und das in einem Ausmaß, in dem sonst nur die Einträge auf diesem Blog zusammengeklaut worden sind das unvorstellbar ist. Wir verurteilen das!

Wir verurteilen das in dem gleichen Maße, mit dem Bischof Mixa (Mixa. mit „M“. Nicht mit „W“.) die 68er für die Missbrauchswelle in seiner Heiligen Mutter Kirche verantwortlich macht. Stimmt genau! Das Zölibat, zum Bespiel, hat nichts damit zu tun! Wir sagen Ja zum Nein zur Aufhebung des Zölibats! Vielleicht leben diese Sexpriester wenigstens ab jetzt vierzig Tage lang enthaltsam und fasten Unzucht wie der Teufel das Weihwasser.

Vierzig Tage fasten also. Eine lange Zeit, verglichen mit z.B. einer Woche. Man darf gespannt sein, wer die vierzig Tage durchhält oder sich gar selbst übertrifft.

Written by Quax

19. Februar 2010 at 16:33

Von der Pietät

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Gestern verunglückte der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili bei einer Probefahrt zu den olympischen Winterspielen in Vancouver. In Kurve 16 wurde er aus seinem Schlitten geschleudert, knallte gegen die Pfeiler überhalb der Bandenbegrenzung. Der Georgier starb, trotz Wiederbelebungsversuche.

Zugetragen hat sich das auf der schnellsten Eisbahn der Welt, die selbst bei Rodlern in der Kritik steht, zu schnell und zu gefährlich zu sein. Was also tun?

„The Games must go on“, beziehungsweise erstmal richtig anfangen; am Abend war die feierliche Eröffnung. Und weiter? Alles wie immer, die Veranstaltungen im Rodeln werden nicht verschoben, von einer Aussetzung ganz zu schweigen.

Gestern starb der Georgier Nodar Kumaritaschwili nach einem Rodelunfall. Und wie sieht Googles Startseite heute aus?

Übrigens auch im georgischen www.google.ge

Written by Quax

13. Februar 2010 at 13:43

Pars pro toto

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Ein dickes Ding, was sich Pater Eberhard von Gemmingen geleistet hat. Da gab es Missbrauchsvorwürfe an ein paar Jesuitenschulen und Pater Eberhard muss klar machen, dass man von einzelnen Individuen nicht auf den ganzen Orden schließen kann.

Und um dies zu verdeutlichen, bedient sich der metapheraphine Pater eines Vergleiches. Bei einer so ungeheuren Tat wie Missbrauch muss der Vergleich natürlich mindestens genauso schlimm sein. Was bietet sich da besser an als das, was in Medienkreisen gern als „was mit Hitler“ bezeichnet wird. Einmal Godwin’s Law, Herr Pater:

Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen.

Soso. Da hat „der ein oder andere Jude“ also Hostien geschändet und Brunnen vergiftet. Und schon hat man alle ausrotten wollen? Soso, soso.

Mit anderen Worten: Die Juden sollten ausgerottet werden aus völlig absurden Gründen.

Auf die Jesuiten übertragen hieße das: Der Orden gerät in Misskredit wegen haltloser Anschuldigungen?

O welch simples Gemüt muss ein solch kleingeistiges Weltbild haben, um ernsthaft so einen Vergleich zu bemühen! War dem Sprachrohr des HErrn denn nicht klar, dass so ein Vergleich nur Ärger geben kann! Hat er denn nie etwas von anderen, ebenso erfolgreichen Holocaustvergleichen gehört? Offensichtlich nicht. Wenigstens zeigte er Einsicht und nahm den Blödsinn gleich wieder zurück. Nicht wahr, Pater?

Heute darf man ja auch Frauen und Kinder gottlob nicht mehr schlagen. Also man darf nicht nur den Jesuiten vorwerfen, sie hätten früher weggeschaut. Früher haben alle weggeschaut. Man hat das toleriert, schweigend.

Äh… also ist Kindesmissbrauch auf einer Stufe wie Frauen  zu schlagen, von der Schlimmigkeit her? Das eine hat man nur früher schweigend toleriert, das andere heute? Die Antwort liegt natürlich auf der Hand. Denn der Pater ist ein guter Mensch, er trägt das Herz am rechten Fleck. Er wird seinen Platz bei Gott erhalten. 

Selig sind die geistig Armen, denn ihnen ist das Himmelreich.

Written by Quax

6. Februar 2010 at 14:55

Veröffentlicht in Polemik

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