Misanthropenwald

Pars pro toto

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Ein dickes Ding, was sich Pater Eberhard von Gemmingen geleistet hat. Da gab es Missbrauchsvorwürfe an ein paar Jesuitenschulen und Pater Eberhard muss klar machen, dass man von einzelnen Individuen nicht auf den ganzen Orden schließen kann.

Und um dies zu verdeutlichen, bedient sich der metapheraphine Pater eines Vergleiches. Bei einer so ungeheuren Tat wie Missbrauch muss der Vergleich natürlich mindestens genauso schlimm sein. Was bietet sich da besser an als das, was in Medienkreisen gern als „was mit Hitler“ bezeichnet wird. Einmal Godwin’s Law, Herr Pater:

Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen.

Soso. Da hat „der ein oder andere Jude“ also Hostien geschändet und Brunnen vergiftet. Und schon hat man alle ausrotten wollen? Soso, soso.

Mit anderen Worten: Die Juden sollten ausgerottet werden aus völlig absurden Gründen.

Auf die Jesuiten übertragen hieße das: Der Orden gerät in Misskredit wegen haltloser Anschuldigungen?

O welch simples Gemüt muss ein solch kleingeistiges Weltbild haben, um ernsthaft so einen Vergleich zu bemühen! War dem Sprachrohr des HErrn denn nicht klar, dass so ein Vergleich nur Ärger geben kann! Hat er denn nie etwas von anderen, ebenso erfolgreichen Holocaustvergleichen gehört? Offensichtlich nicht. Wenigstens zeigte er Einsicht und nahm den Blödsinn gleich wieder zurück. Nicht wahr, Pater?

Heute darf man ja auch Frauen und Kinder gottlob nicht mehr schlagen. Also man darf nicht nur den Jesuiten vorwerfen, sie hätten früher weggeschaut. Früher haben alle weggeschaut. Man hat das toleriert, schweigend.

Äh… also ist Kindesmissbrauch auf einer Stufe wie Frauen  zu schlagen, von der Schlimmigkeit her? Das eine hat man nur früher schweigend toleriert, das andere heute? Die Antwort liegt natürlich auf der Hand. Denn der Pater ist ein guter Mensch, er trägt das Herz am rechten Fleck. Er wird seinen Platz bei Gott erhalten. 

Selig sind die geistig Armen, denn ihnen ist das Himmelreich.

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Written by Quax

6. Februar 2010 um 14:55

Veröffentlicht in Polemik

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