Misanthropenwald

Fastenzeit

with one comment

Die Fastenzeit kommt jedes Jahr, wie Weihnachten oder der Tag der Arbeit. Und alle fasten mit, während auf diesem Blog Einträge gefastet werden. Was nicht schwer ist. Eigentlich soll man ja nur auf das verzichten, was einem schwerfällt. Sonst ist der ganze Sinn des Fastens ad absurdum geführt. Aber weil Nicht-schreiben nichts ist, was schwerfällt, werden in diesem Eintrag einfach kluge lateinische Sprüche gefastet (q.e.d.). Was fastet man denn so in unserem schönen Land, das vor dreißig Jahren noch von einer Mauer unterbrochen war?

Roland Koch, Ministerpräsident von Großhessen, verzichtet seit Jahren erfolgreich auf den Gebrauch von Hirn. Das zeigte sich vor allem vor einiger Zeit, als er die faulen Hartz-IV-Schmarotzer entdeckte – als billige Arbeitssklaven. Für Arbeiten wie Straßekehren, Müllaufsammeln, Autobahnbau.

Und weil die Hartz-IV-Parasiten seit Anbeginn des Universums Arbeit fasten, meldet sich (endlich!) Guido Westerwelle zu Wort und echauffiert sich in feinster Führerkampfgruppen-Gedenkrhetorik über das „asoziale Pack“ (G. Westerwelle, zugeschrieben), das den Leistungsträgern auf derjenigen Tasche liegt, in der die Spendenquittungen von der FDP liegen. Wer spendet, verzichtet. Und wer richtig viel verzichtet, den beschenkt die liebe FDP mit lustigen Steuerentlastungen. Und weil der ordinäre Hartz-IV-Spacko nüschts hat, was er spenden könnte, tja!, da gibt’s auch kein Steuergeschenk. Aber Hasstiraden vom Außenminister, das ist ja auch was.

Wegen der vielen Aufregung, die Westerwelle verursacht, verzichtet Mutti Merkel auf große Projekte. Oder irgendwelche Projekte überhaupt. Beziehungsweise, mal überhaupt irgendwas zu tun. Ist diese Frau eigentlich noch im Amt? Hoffentlich hat sie sich nicht überarbeitet! Wie auch immer, eine Pause hat sie sich verdient. Resepktiv, wir haben uns diese Pause verdient.

Verdient hat (und für diese großmeisterliche Überleitung ist uns der Grimmepreis sicher) auch das Finanzministerium wegen der vielen Selbstanzeigen. Viele Selbstanzeigen, fragt sich nun der ein oder andere? Ja, viele Selbstanzeigen. Denn Schäuble, unser Finanzminister, der beweist, dass nicht nur der Rubel rollt (Pulitzerpreis für dieses Wortspiel), droht unserem nachbarlichen Bergvolk, der Schweiz, mit dem Kauf einer Steuer-CD. Auf dieser CD befinden sich die Daten jener, die in letzter Zeit Steuern gefastet haben. Unsere Freunde aus der Schwyz finden das weniger lustiger, wenn nicht sogar überhaupt nicht, und drohen damit, die schweizer Kontodaten von deutschen Amtsträgern zu veröffentlichen. Die FDP ist tief getroffen von diesem Angriff auf ihre Mitglieder und empört über die „Hartz-IV-Empfänger Europas“ (G. Westerwelle, fälschlicherweise in den Mund gelegt).

Während die Schweizer Banken also über den Tag der offenen Tür nachdenken, übernimmt das japanische Unternehmen Toyota die christlich-abendländische Tradition des Fastens und verzichtet beim Autobau abwechselnd auf Gaspedal und Bremse.

Nicht zu bremsen (Nobelpreis!) ist auch die Diskussion um das minderjährige, weil siebzehn Lenzen junge, Literaturnewcomerwunder Helene Hegemann, die riesenhafte Stücke aus ihrem Roman (Irgendwas mit ‚Roadkill‘) von anderen gemopst haben soll. Und das in einem Ausmaß, in dem sonst nur die Einträge auf diesem Blog zusammengeklaut worden sind das unvorstellbar ist. Wir verurteilen das!

Wir verurteilen das in dem gleichen Maße, mit dem Bischof Mixa (Mixa. mit „M“. Nicht mit „W“.) die 68er für die Missbrauchswelle in seiner Heiligen Mutter Kirche verantwortlich macht. Stimmt genau! Das Zölibat, zum Bespiel, hat nichts damit zu tun! Wir sagen Ja zum Nein zur Aufhebung des Zölibats! Vielleicht leben diese Sexpriester wenigstens ab jetzt vierzig Tage lang enthaltsam und fasten Unzucht wie der Teufel das Weihwasser.

Vierzig Tage fasten also. Eine lange Zeit, verglichen mit z.B. einer Woche. Man darf gespannt sein, wer die vierzig Tage durchhält oder sich gar selbst übertrifft.

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Written by Quax

19. Februar 2010 um 16:33

Eine Antwort

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  1. ganz großen kino! wozu noch tagesschau schaun ?

    noart

    21. Februar 2010 at 23:37


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