Misanthropenwald

Archive for April 2010

Hellas!

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Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass wir uns erst jetzt mit Griechenland beschäftigen. Na, wobei, wenn man drüber nachdenkt, ist es das eigentlich nicht. Aber wenn das Thema schon mal angeschnitten ist wie ein leckeres Weißbrot aus dem Ofen einer französischen Bäckerei in Lothringen, dann soll es auch behandelt werden. Und kein Wortspiel soll mir niveaulos genug sein, um es nicht zu verwursten wie gute, deutsche Frankfurter.

Also Griechenland also. Wo fange ich an? Ich könnte im Jahr Tausendsiebenhundert vor Christi Geburt (oder „vor unserer Zeitrechnung“, wie man in der DDR zu sagen pflegte) ansetzen, als der Urgrieche aus dem Norden kam und die Eingeborenen in Griechenland vertrieb und seinen Schuldenstaat errichtete. Aber da das niemanden interessieren wird, werde ich ein bisschen am Zahn der Zeit drehen, bis der Karies singt. Heißt es überhaupt der Karies? Oder das Karies, oder gar die? Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Also etwas später, aber nicht zu sehr. Denn so pleite, wie Griechenland jetzt ist, war Griechenland nicht immer. Jaja, so ist das, bzw. war das. Denn in uralten Zeiten, da gab es in Griechenland Könige und einer von ihnen, das war König Midas. König Midas war ein typischer Grieche: nämlich pleite wie ein Sack Feta. Nach einigem transzendenten Hinundher bekam er dann magische Kräfte und konnte alles in Gold verwandeln, was er berührte. Mit dieser Kraft vergoldete er alles, was nicht niet- und nagelfest war, beziehungsweise sogar das. Denn auch seine Kinder umarmte der König und machte sie zu Gold.

Das löste eine gewaltige Inflation aus. In Persien, einem großen Land, das auf dem Gebiet der heutigen Türkei, dem Irak, Syrien, Iran (Persien halt), Jordanien, Israel und Ägypten liegen täte, wenn es nicht mehrfach untergegangen wäre, sah man die wachsende Inflation mit parallel dazu wachsender Sorge und der erhabene Gottkönig Xerxes wollte Midas vernichten. Doch dann kamen die Spartaner unter ihrem König Leomidas (altgriechisch für: Goldlöwe) und töteten alle Perverser (wie angedroht – kein Wortspiel auslassen). Midas starb, als er beim pullern sein Gemächt berührte und so vergoldete, sodass eines schlimmen Tages seine vollgelaufene Blase explodierte.

An ihrem vielen Gold hatten die Griechen aber nicht lange Spaß, denn bald kamen die Römer und dann die Türken und nahmen alles Gold mit. Die Türken blieben etwas länger in Griechenland und erst seit ca. 200 Jahren ist Griechenland wieder ganz alleine pleite.

Leider verpassten die Griechen den Anschluss an neuartige Technologien, wie Kassenzettel, und verprassten ihr gesamtes Geld für hohe Renten und Beamtengehälter. Und schon bald (sprich: vor wenigen Tagen) war das ganze schöne Geld alle, das die Griechen nie hatten. Schon musste Athen bei der EU zu Kreuze griechen, denn sie hatten auf Hellas und Pfennig alles verloren. Premierminister Giorgos Eurolos Papandreou musste sogar bei unserem sprechenden Hosenanzug betteln, den wir liebevoll mit „Jawohl, meine Kanzlerin!“ anreden. Jene aus der Uckermark knickte schließlich ein und will nun eine AG gründen, um die Hellenen nicht völlig vor die Hunde gehen zu lassen.

Was wird diese AG machen? Das, was alle AGs machen! Ihre Dividende ausweiten, bis an die Adria. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, was so eine AG tut. Bei SPON gibt’s einen Artikel dafür. Aber Wirtschafts- und Finanzpolitik finde ich so derbest arschlangweilig (, alter!), sodass ich mir lieber spaßige Dinge ausdenke, wie man die Griechen retten kann, bevor sie dahinsiechen, die Griechen.

Man könnte z.B. die Inseln verramschen, aber wer will schon diese Steinfelsen im Mittelmeer, auf denen jahrhundertelang nichts als Trümmer standen? Man könnte aber auch dafür sorgen, dass das Geld nicht immer so abrupt flöten geht, indem man es auf spezielle Schiffe lädt, die von Wikingern gesteuert werden (auf sogen. Drachmenbooten). Dort wären die schönen Euros vor jeglicher Korruption gut geschützt. Andere Idee: Die Griechen aus der Eurozone werfen und ihnen irgendwas anderes geben, z.B. magische Kräfte für zum Goldmachen. Oder besser gleich raus aus der EU werfen oder ganz aus Europa („Europa sind alle Staaten Europas, außer Griechenland“). Aber das ist Wahnsinn.

Wahnsinn?

Das ist Spar-ta.

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Written by Quax

30. April 2010 at 18:05

Veröffentlicht in Politik, Wirtschaft

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D-D-D-Doppelmoral!

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Keine Woche ohne Kirche, ich hab’s ja gesagt. Aber wer glaubt (und mit dem Glauben hat die Kirche ja auch irgendwie zu tun), dass jetzt was über Mixa, den Schläger von Augsburg, kommt, der irrt. Denn während trotz heftigen Entschuldigungssperrfeuer die Mixafront zusammengebrochen ist und im Missbrauchswald noch heftige Gefechte ausgetragen werden, musste im Frontabschnitt Titanic-Cover eine schwere Niederlage eingesteckt werden.

Wie kömmt’s? Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass es zu keinem Strafverfahren gegen die Titanic wegen ihres Covers (über das wir erregt berichteten) kommen wird. Es liegt nämlich keine Beleidigung eines Bekenntnisses vor und auch keine Volksverhetzung. Wer ist eigentlich auf den Blödsinn gekommen, dass das Volksverhetzung sein könnte?

Wiedemauchsei, die Steinzeitkatholiken schäumen vor Wut. Und wo der Katholische Nachrichtendienst nur resignierend die Meldung runterleiert, beginnt der wirklich große Spaß erst in den Kommentaren unter dem Artikel. Werfen wir mal einen Blick auf die geballte Toleranz der katholischen Fundamentalisten und romhörigen Ultramontanen!

So schreibt familiesonne:

Ach so, also quasi selbst schuld?
Wie darf ich das verstehen?

Da der öffentl. Frieden durch den Missbrauchsskandal gestört ist, liegt hier also keine Störung mehr vor. Die Kirche ist also quasi selbst daran schuld, dass es zu
s o l c h e n (!) Titelbilder kommt.

Also, das ist unverschämt. Wie heisst die Sprecherin? Wie lautet die E-Mail-Adresse des Presserates?

 Beschweren ist immer gut. Vielleicht muss ich dazu ein wenig ausholen (zu einer Erklärung, keine Sorge, ich will niemanden verletzen. Physisch.), denn der Aufruhr um das Cover begann am 1. April und die Titanic hatte sich den Spaß erlaubt, zu verkünden, sie gehörten nun zum Verlag Gruner+Jahr und hatten dementsprechend auch ihr Impressum verändert und deren Telefonnummer und E-Mailadressen angegeben. Nun kamen die Lämmer vom Katholischen Nachrichtendienst und wollten sich ob des Covers beschweren. Und – ihr ahnt es schon – ohne sich zu fragen, warum so ein Nischenmagazin ausgerechnet am 1. April zu einem renommierten Verlag gewechselt sein soll, riefen alle Empörlinge bei den armen Leuten von Gruner+Jahr an. Zugegeben, ick habe sehr jelacht.

Halten wir fest, wild Schaum spuckend Hassmails verschicken bringt nicht so wahnsinnig viel. Aber wir haben ja noch mehr Kommentare für zum angucken, zum Beispiel Cantate – mit einem Klassiker:

Wieder ein Teilchen im Mosaik !
Ein Teilchen fügt sich zum anderen !
Jetzt wissen wir, wie man einen unliebsamen Bischof zum Rücktritt zwingen kann.
Jetzt wissen wir, was die Presse sich alles erlauben darf, da ja die Christen an allem Übel selbst schuld sind !

Wenn ich jetzt sage: So etwas Ähnliches gab es doch schon einmal — so etwa vor 70 Jahren —- dann werde ich zur „persona non grata“ und werde aller meiner Ämter enthoben !

Puh, fast hätte ich die Durststrecke seit dem letzten Nazivergleich nicht überlebt. Das ist übrigens der vierte Kommentar und schon greift Godwin’s Law. Wir halten mal fest, dass Angst und Paranoia die Runde machen und alle darauf aus sind, die Kirche zu zerstören. Indem eine Satirezeitschrift mit lächerlicher Auflage ein provokantes Cover bringt.

Guiseppe beklagt dagegen die Parteilichkeit der Staatsanwaltschaft:

Dass die Staatsanwaltschaft sich dann noch erdreistet, pauschalisierend und parteiisch vom „Versagen der Kirche“ zu reden, entlarvt geradezu eindrucksvoll ihre Befangenheit.

Das ist auch eine schöne Logik, wenn einem eine Entscheidung nicht passt, ist der Schiedsrichter (oder in diesem Falle Schiedsstaatsanwalt) parteiisch. Gar nicht davon zu reden, dass die Kirche ja gar nicht versagt haben kann bezüglich der Missbrauchsfälle, die wurden schließlich jahrzehntelang hervorragend vertuscht!

Etwas später folgt schon Godwin II, dank loyalbushie:

„Im Westen nichts Neues“
Warum muss ich bloß an Aufführungsverbote des Films „Im Westen nichts Neues“ denken, die damit begründet wurden, dass der allgegenwärtige Terror der Nazis gegen Kinos, die ihn im Programm hatten, ein solches Vorgehen aus Gründen der Sicherheit erfordere?

Ich betreibe selbst eine teilweise wirklich bissige Satireseite, aber selbst da gibt es gewisse Grenzen, die nicht überschritten werden.

Zwei Dinge sollten hier festgehalten werden, erstens: Würde der Vergleich mit dem Aufführungsverbot nicht erst dann hinhauen, wenn das Cover verboten wär? Sollte man mal drüber nachdenken.

Zweitens: Hier erkennt man ein sehr schönes Argumentationsmuster, nämlich die Taktik des „Ich-Hab-Ja-Viel-Humor-Aber“-Argumentierens. Durch den gönnerhaften Verweis, dass man ja selber durchaus Humor habe und gerne auch über schwarzen Humor lachen könne (wobei die meisten, die sich darauf berufen vermutlich keine Ahnung haben, ab wann man von schwarzem Humor sprechen kann), wird die eigene Toleranz gezeigt und der empörliche Gegenstand dahingehend abgewertet, dass er selbst die eigene, äußerst weit gedehnte Humortoleranzgrenze sprenge und somit völlig überzogen und unerträglich sei. Leute, die von sich behaupten, sie hätten viel Humor, haben im Regelfall überhaupt keinen.

Eine weitere Art des Argumentierens ist das „Was-Wäre-Wenn-Sie-Es-Bei-Anderen-Gemacht-Hätten“, die ich zuerst am Beispiel des Kommentars von Spectator zeigen möchte:

Nein, nein …
… eine „Institution“, ach so, was ist denn da bitte eine „Institution“, wenn gegen Priester gehetzt wird? Wenn man gegen Juden hetzen würde, indem man sie als Angestellte der Weltbank oder einer vergleichbaren Organisation zeigt, dann darf man ja hetzen, denn dann geht es ja gegen die „Institution“ … So etwas Lächerliches.

Was wir hier haben, ist zum einen plumper Antisemitismus unter dem (arg zerlöcherten) Deckmäntelchen der feinsinnigen Provokation: Der Jud‘ als Geldwechsler.

Zum anderen sehen wir hier, dass das Cover offenbar nicht verstanden wurde und der Begriff „Institution“ offensichtlich in seiner Definition die Grenzen des Intellekts simpler Gemüter übersteigt.

Aber ich möchte ja das „Bei-Anderen-Trauen-Die-Sich-Das-Nicht“-Argument zeigen, so schreibt Christoph Sanders:

Nun,
dann kann ja ein Satiremagazin auch einen Soldaten der IDF [Israelische Streitkräfte, Anm. Quax] darstellen, der mit der einen Hand einem Palästinenserkind die Leber herausreisst und mit der anderen Hand weissen Phosphor auf die Mutter wirft. Und im Hintergrund klingeln die Schekel.
Satire lebt von Übertreibung und Verzerrung.
Oder geht DAS etwa nicht?

 Man stelle sich einmal vor, das Cover der Titanic neben dem beschriebenen Bild des mordenden Juden (schon wieder die Juden!)  – Feinsinn gegen Martialismus. Satire lebt eben nicht nur von der Übertreibung, sondern auch von der Interpretationsmöglichkeit; nicht umsonst gab sich Titanic-Chefredakteur Leo Fischer gespielt betroffen, als er von der Aufregung erfuhr. Für ihn sei auf dem Bild ein Gläubiger, der sich andächtig dem Kreuze nähert. Mit einer solchen (wenn auch unfassbar beknackten) Aussage kann man Kritiker auf Distanz halten. Stellen wir uns jetzt den leberfressenden, phosphorwerfenden Soldaten Israels vor – wie ist hier die Beleidigung versteckt (und ja, das Cover ist beleidigend – schließlich ist es ein Satiremagazin, verdammt!), na? Überhaupt nicht. Das wäre im Grunde nichts weiter, als plumpe, Platte Kritik, insbesondere noch in einem Themenfeld, das mit der ganzen Causa nicht das geringste zu tun hat.

Also wird einfach eine andere, naheliegende Religionsgruppe zum hinkenden Vergleich herangezogen; dazu sehen wir uns den Kommentar von sonni an:

Aber es tröstet einen, wenn man weiß, daß solche dummen Aussagen auch auf Feigheit beruhen. Man sollte eine Titanic mit Mohammed vorne drauf rausbringen: einen Bombengürtel um den Bauch und jede Hand voll mit von Blut triefenden Menschen. Was die Staatsanwaltschaft dann wohl den muslimischen Mitbürgern sagt?

Und wieder, plump und ungelenk, sowie zu offensichtlich und platt ist die Idee. Viel interessanter ist wohl die Frage, was die böse Staatsanwaltschaft denn dann wohl machen würde? Vermutlich das, was sie bei den Mohammedkarikaturen seinerzeit gemacht haben. Wir erinnern uns, 2005 brachte eine dänische Zeitung zwölf Mohammedkarikaturen raus, die heftige Proteste nach sich zogen, auch in Deutschland, wo einige der Karikaturen nachgedruckt wurden. Damals stießen bei vielen diese Proteste auf Unverständnis, damals sagten viele, dass das Pressefreiheit und Meinungsäußerung sei und eine Gesellschaft dies aushalten müsse. Allzu gerne berief man sich auch auf Tucholsky; Satire dürfe nunmal alles. Fünf lange Jahre musste ich warten, bis endlich der gleiche Fall bei den Wogenglättern eintrat!

Diejenigen, die sich damals auf die Freiheiten beriefen, sind heute die, die das Cover unerträglich finden. So sieht sie aus, die Heuchelei und Doppelmoral der Bornierten und Ewiggestrigen, das gilt nicht nur für Katholiken. Passiert einer Gruppe so etwas, soll sich diese Gruppe nicht so anstellen, passiert etwas ähnliches der eigenen Gruppe, dann ist die Empörung groß und das Geschrei noch größer. Das Messen mit zweierlei Maß, diese Janusköpfigkeit sind Gründe, warum Satire notwendig ist: Um den Angegriffenen genau diese ihre Heuchelei zu zeigen. Dass sie sich tatsächlich einsichtig zeigen und sich ändern, das wird Wunschdenken bleiben. Aber vielleicht wird man ab und zu innehalten und nachdenken, ob die eigene Reaktion angebracht ist oder ob man sich widersprüchlich gibt. Und selbst die Chancen, einen solchen Lernerfolg zu erzielen sind angesichts der Betonköpfe illusorisch und utopisch.

Zum Abschluss, damit dieser Eintrag nicht so depressiv endet, möchte ich meinen Lieblingskommentar auseinander nehmen, Absatz für Absatz. Los geht’s, Bananus:

SKANDAL !!!
Jetzt stimmt es also doch, wir verkommen immer mehr zum totalitär-atheistischen Staat !

Ja, wie schade, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, als die Kirche noch Territorialherrscher war und der Staat sich aus Kirchendingen raushielt. Außer von solchen Kleinigkeiten, wie der Einsetzung der Bischöfe durch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches oder dass der Kirchenstaat von französischen Truppen beschützt wurde.

Man stelle sich vor, man hätte eine ähnlich Karikatur mit den Mohamedanern gemacht, diverse Anschläge hätte es dann gegeben !!!

Siehe oben. Wir erinnern uns ja noch alle an die Anschläge in Europa, die direkte Antworten auf die Karikaturen waren.

Meiner Meinung nach wurde sehr wohl der öffentlich Friede gestört, da sich das Schundblatt direkt gegen die Kirche Christi als Institution richtet.

Aber, aber! Wir haben doch gelernt, dass man sich gar nicht gegen die Institution gewandt hat!

Unverschämt, wie schnell die Staatsanwaltschaft nicht mehr objektiv ist, damit wird ja auch gegen die Verfassung verstossen finde ich.

Oja, denn objektiv ist nur, wenn ich Recht bekomme. Wenn der andere Recht bekommt, verstößt man gegen die Verfassung, in der in Artikel zwei steht: Ich habe Recht.

Ich persönlich empfinde das Titelbild als Gotteslästerung und Blasphemie, welche als Todsünde schwerer wiegt als angeblich Prügel.

Cover > Prügel. Wieder was gelernt, lieber wild um sich schlagen als malen. In der Bibel steht ja schließlich auch was davon, dass man die andere Backe hinhalten soll un‘ so.

Wer ein Gottloser Sünder ist, kann das natürlich nicht nachvollziehen. Ich werde schleunigst für diese Menschen beten, mehr kann ich als guter Christenmensch nunmal auch nicht unternehmen.

…und ich bin sehr froh, dass Gebete das einzige sind, was er unternehmen kann. Wenigstens schreibt er keine blödsinnigen Mails an Staatsanwaltschaften, den Presserat oder Gruner+Jahr.

Und zu guter Letzt scherzt er noch ein bisschen rum:

DANKE an Kath.net weiterhin für die obektive Berichterstattung, ich finde es gut dasss man wenigstens hier noch richtig informiert wird.

Das möchte ich unkommentiert so stehen lassen. Man liebt halt das, was einem gefällt. Ach, jetzt habe ich’s ja doch kommentiert! Ich Doppelmoralist, ich!

Written by Quax

24. April 2010 at 12:03

Veröffentlicht in Mischwald

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Keine Woche ohne Kirche

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Nachdem man in bischöflichen Kreisen endlich erkannt zu haben scheint, dass Nazivergleiche nich‘ so der Hit sind, sucht man neue Wege, möglichst viel relativierenden Unsinn auf möglichst engem Raum unterzubringen. Und diesen in den Äther zu schießen, darin sind die Brüder im heiligen Geiste inzwischen ganz, ganz groß.

Heute darf Kardinal Tarcisio Bertone sein Glück im Minenfeld der Fettnäpfchen versuchen und sucht den Grund für den Missbrauch – und findet auch einen: es ist nicht das Zölibat! Gut, das ist jetzt bekannt, die Ehelosigkeit von Priestern hemmt den Missbrauch enorm, aber was ist dann das Problem? Es sind, so zitiert ihn Österreichs BILD-Pendant „Krone„, die Schwulen:

„Viele Psychologen und Psychiater haben bewiesen, dass es keine Beziehung zwischen Zölibat und Pädophilie gibt“, so Bertone[…]. Andere hätten wiederum gezeigt, dass es „eine Beziehung zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt“, sagte er.

Klar sind’s die Schwulis schuld, in dem Verein dürfen ja Frauen gar nicht mitmachen. Aber Herr Kardinal hat sich noch nicht stumpfsinnig genug gegeben und heizt weiter nach, mit einem großen Haufen, gut brennbaren Quatsch:

„Die Kirche verheimlicht ihre Sünden nicht“, meinte der Kardinal.

Haha! Watt habe ick jelacht! Entweder waren das also keine Verheimlichungen bisher – oder Missbrauch ist für Bertone keine Sünde, aber weiter geht’s:

Pädophilie sei „eine Herausforderung für die Staaten, aber auch für alle Menschen“.

Aber nicht für die Kirche, bei der es weder Sünden gibt, weil unfehlbar, noch Vertuschungen. Warum sollte man auch etwas vertuschen, was es nicht gibt, richtig, Herr Kardinal?

Keine Institution habe dabei so viel wie die Kirche unternommen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, meinte der Kardinal. „Der Papst handelt, die Staaten nicht. Welcher Staat hat sich ernsthaft mit dem Problem des Kindesmissbrauchs auseinandergesetzt, einem extrem wichtigen sozialen Phänomen?“, fragte Bertone.

Stimmt, bisher haben sich nur ein paar Priester mit dem Missbrauch auseinandergesetzt. Nur so nebenbei, was hat der merkelgleiche Papst eigentlich bisher so unternommen? Außer nichts?

War das denn schon alles, Bertone? Mitnichten. Mit-nich-ten!:

Auch das viel kritisierte Argument, Pädophilie sei in anderen Gruppen viel verbreiteter als in der Kirche, brachte Bertone […] hervor.

Oh, cool. Na wenn’s alle machen, dann ist’s also nicht so schlimm, wenn die Priester fröhlich mitmissbrauchen, ja? Außerdem erhebt wohl kaum eine „andere Gruppe“ (welche das auch immer seien) den Anspruch, eine ähnlich hohe moralische Autorität zu sein. Denn wenn der Weg ins Himmelreich nur über die harte Fleischgeißel in meinem Rektum führt, dann bleibe ich lieber gottloser Heide.

Kardinal Bertone liegt also ganz schön weit vorne im Rennen um die dümmste Aussage. Aber wie der Erzbischof unter den Atheistenblogs „Feuerbringer“ (der mich auch auf den Krone-Artikel aufmerksam werden ließ), zu berichten weiß, ist dem Kardinal jemand dicht auf dem Fersen. Nämlich Bischof Babini. Aber nur angeblich, denn die Bischofskonferenz hat, wie ich ja einleitend schrieb, offensichtlich ein bisschen dazugelernt und sich schon distanziert; die Worte seien nie gefallen.

Worum es geht? Ich mache es ziemlich spannend hier. Wer ist denn sonst schuld, wenn alles den Bach runter geht und man einen Sündenbock für alles braucht? Wer steckt hinter der ganzen Kirchenkritik? Es sind die Juden:

Eine Website zitierte Giacomo Babini, den in den Ruhestand versetzten Bischof von Grosetto, mit den Worten, ein “zionistischer Angriff” sei hinter der Kritik, angesichts wie “stark und raffiniert” die Kritik sei.

Schwache und plumpe Kritik kommt nämlich von den Protestanten und die Moslems sprengen sich ja eh ständig in die Luft. Da bleiben nur die guten, alten Brunnenvergifter und Hostienschänder. Wir sehen, es lebt sich gut mit Verbitterung, Paranoia und einem gar simplen Weltbild.

Angeblich sprach er zu der katholischen Website Pontifex, als Babini, 81, mit den Worten zitiert wurde: “Sie wollen die Kirche nicht, sie sind ihre natürlichen Feinde. Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden Gottesmörder.”

Yyyyyyeeeeeaaaaaahhhh! Die Juden sind Gottesmöder, sie haben unseren Heiland ans Kreuz gebracht! Der auch Jude war. Das wär doch mal eine interessante theologische Frage: Ist Jesus als Jude auch ein Gottesmörder? Hat er quasi Selbstmord begangen?

Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden vielleicht Gottesmörder, Bischof Babini, alter Historiker, aber tief in dir, ganz gegenwärtig gesprochen, bist du, Babini, ’n Idiot. Danke für die Aufmerksamkeit.

Written by Quax

13. April 2010 at 22:20

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

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Das lustige Korea

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Lange Strandspaziergänge machen, lecker Essen gehen, in den Bergen wandern. All das kann man in Nordkorea nicht. Denn in Nordkorea gibt es nichts. Nichtmal Essen. Und schon gar keinen Humor! Oder doch?

Sie haben die Atombombe, ihr offizielles Staatsoberhaupt ist seit gut sechzehn Jahren tot und ihr Führer ist eine Knalltüte. Nichts zu lachen also, in diesem Land voller Kommunisten, Atomwaffen, Koreaner und toter Präsidenten? Von wegen!, weiß da das Nachrichtenmagazin GMX zu berichten: In Nordkorea gibt es sogar eine eigene Comedy-Show! Ich weiß ja nicht, worüber ich mehr erstaunt sein soll: darüber, wie objektiv und facettenreich in diesem Video berichtet wird, dass das Publikum auf Befehl lachen muss wie beim ZDF oder darüber, dass es was lustiges in diesem Land gibt (was ja laut dem ex-Nordkoreaner nicht lustig sein soll. Vielleicht ist er auch einfach nur humorlos oder hat den Gag nicht verstanden, ich habe herzlichst gelacht), dass es Fernsehen gibt oder dass es dort Strom gibt.

Kein Spaß erlaubt in Nordkorea? Offenbar nicht. Aber eigentlich schon, denn wir wissen ja seit einiger Zeit, dass das nicht die einzige humorige Sache aus N-Korea ist. Eine staatliche koreanische Nordzeitung, quatsch, eine staatliche nordkoreanische Zeitung hat (ernsthaft!) bekannt gegeben, dass der „geliebte Führer“ Kim Jong-Il (angeblich Besitzer der weltweit größten Pornosammlung) einer der bestangezogenen Männern unter Gottes ehrfürchtiger Sonne ist! Na, wer fällt bei Modezar Kim auch nicht sofort auf die Knie, weinend vor Erleuchtung um braun und grau und Jacken und geile Sonnenbrillen. Beweise? Bitteschön, die Herbst-/Winterkollektion 2010 von den Laufstegen Pjöngjangs!

Oh...

...Yeah!

 

You sexy Motherfucker!

Offensichtlich hat man in Nordkorea mehr Humor als gedacht.

Written by Quax

12. April 2010 at 20:42

Veröffentlicht in Politik

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Wie man einen Artikel interessant macht

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Es gibt eine geheime Formel, die alle kennen, die im Journalismus tätig sind. Ich kenne sie nicht, denn ich bin’s ja nicht. Also weiß ich auch nicht, worauf sich diese Formel eigentlich bezieht. Oder ob es sie überhaupt gibt.

Wie dem auch sei, heute darf SPON mit einem Artikel über das heißgeliebte Google Street View als Beispiel dafür herhalten, wie man einen Artikel interessant macht, s. Überschrift.

Und damit wär’n wir (also ich) beim Knackpunkt. Ein Artikel braucht eine knackige Überschrift, wie die hochverehrte BILD das so beispielhaft vormacht: „JOPI HEESTERS – HATTE ER SEX MIT KACHELMANN?“ oder sowas in der Richtung. Die Überschrift sollte etwas mit dem thematischen Inhalt des Textes zu tun haben, muss diesen aber auch nicht genau treffen. So kleinlich sind wir nicht. (Sind wir wohl!)

SPON beglückt uns also, um auf das hiesige Beispiel, das bisher nur angekratzt wurde, nochmal hervorzuzerren ans Licht der äh… dings. Na! Erleuchtung. Wie auch immer. SPON schreibt in dem Artikel über Googles schickes Street View, mit dem ich mir gerade St. Paul’s Cathedral in London/England angeschaut habe, das war sehr schön, kann ich jedem mal empfehlen, schreibt SPON also folgendes:

Moment! Zuallererst muss ich noch kurz darauf eingehen, dass der SPON-Artikel alles hat, was ein guter Artikel braucht. Google! Street View! Macht! Fotos! Rentner! Österreicher! Spitzhacken!

Gut. Nachdem das geklärt wäre, schreibt SPON in seinem Artikel also folgendes:

An Google Street View scheiden sich die Geister. In Österreich machte ein Anwohner nun mit einer Spitzhacke deutlich, was er von den Foto-Autos hält.

Spannung ist total aufgebaut, SPON. Gute Arbeit, SPON. Im Artikel steht dann weiter:

Ein Pensionär soll einem Street-View-Team mit der Spitzhacke klargemacht haben, dass er ihnen nicht freundlich gegenübersteht.

Action & Crime! Ich spüre Action & Crime! Doch dann:

Die Spitzhacke habe er [der Pensionär] aber nur in der Hand gehalten, worauf der Fahrer überhastet die Polizei gerufen habe.

Auch Google-Pressesprecherin Lena Wagner bestätigt, dass der Rentner zwar mit schwerem Abbruchgerät bewaffnet war, die Hacke aber nicht eingesetzt habe: „Er hat die Spitzhacke nur in der Hand gehalten. […]“

Zu einer Attacke war es also nicht gekommen, zu archaischen Drohgebärden auch nicht: Der Rentner stand halt nicht ganz zufällig mit einer Spitzhacke in der Gegend (er war bei der Gartenarbeit), als das Foto-Auto kam.

EILMELDUNG, EILMELDUNG AUS DEM SCHNITZELFÖRMIGEN LAND: Nichts ist geschehen! Ü-ber-haupt-nich-ts. Wir merken uns also: Ein Mann stand mit Hacke da und hat dem Googlestreetviewwagenfahrer gesagt, dass er sein Haus nicht fotografiert haben will. Er hatte eine Spitzhacke in der Hand. Er hätte auch etwas anderes in der Hand haben können, eine Schaufel, einen Löffel, einen Sack Zement oder ein Buch aus uralten Zeiten.

Kein Angriff, keine Drohung. Wie sieht also der leserhaschende Reißer namens Überschrift aus, auf den sogar ich (!) hereingefallen bin, unschuldig, wie ich bin? Richtig:

Österreicher droht Google-Fahrer mit Spitzhacke

Written by Quax

9. April 2010 at 22:31

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Chinesische Verhältnisse

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Ilse-bilse, keiner willse. Oder kriegtse. Und wenn ich nicht so ein faules Stück wäre, würde ich jetzt nachgucken, in welchem Eintrag ich diesen Spruch hier schonmal gebracht habe. Machen wir einfach ein Ostergewinnspiel draus! Wer den Artikel als erster findet und den Link in die Kommentare schreiben tut, bekommt ein tolles Geschenk!

Meine Gutherzigkeit kennt keine Grenzen. Aber ähm; wo war ich? Achja, Ilse Aigner. Ist bei uns Verbraucherschutzministerin und will uns jetzt vor allerlei Gefahren aus dem Internet beschützen. Nachdem die unpopuläre Kinderpornosperre vom BVerG (das ist juristencool für Bundesverfassungsgericht) gekippt wurde (vermutl. wegen Druck der kath. Kirche), hat die Aigner-Ilse von der Leyen-Ursel gelernt (drei Klammern in einem Satz, na sowas!) und weiß jetzt: Löschen ist populärer alswie sperren.

Drum ging sie zuerst auf den Internetbesitzer Google los wie ein furioser Mao. Weil Google Straßen von Deutschland samt Häuser fotografieren ließ, forderte Ilse Google dazu auf, die schönen theutschen Häuslichkeiten wieder zu löschen (also die Fotos, nicht die Häuser ansich, auch wenn’s bei der ein oder anderen Stadt wünschenswert wär‘), weil’s ein Eingriff in die Privatssphäre sei, Häuserfassaden im Internet zu zeigen. Niemand regte sich über die Aigner auf und sprach von den uns drohenden chinesischen Verhältnissen! Wo niemand mehr andere Leute ungestraft stalken kann! Nur weil diese halbkommunistische Bayernfrau das so will! Gottseidank (denn wir haben ja Ostern!), Google ging das Geplärre der Provinzpolitikerin aus einem Entwicklungsland in spe gehörig am Internetarsch vorbei.

Also schaute sich Ilse Aigner nach der nächstgrößeren Bedrohung für Freiheit und/oder Demokratie um und fand den Datensammler Facebook, der die vierhundertmillionen Profile seiner Nutzer verticken will. Und schon kommt Ilse Rumpelstielzchen und befiehlt, dass sie das nicht will. Weil, das ist ein Eingriff in die Privatssphäre der Menschen, wenn diese ihre persönlichen Daten freiwillig hochladen (und Facebook die verkauft). Und wieder, in was für einem undemokratischen Tyrannenstaat leben wir hier eigentlich, indem eine Firma nicht einmal ihr Eigentum verhökern darf, hm? Hm??? Wir sind ja fast so schlimm wie China!

Als ob diese bodenlose Forderung nicht schon bodenlos genug wäre, droht Ilse dem gutherzigen Krämerkonzern Facebook auch noch. Sie will nämlich ihr Facebook-Profil löschen! Weia…

Das Internet würde danach nie wieder so sein, wie es früher einmal war.

Written by Quax

5. April 2010 at 13:21

Veröffentlicht in Politik

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So hat Gott das nicht gewollt

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Die Titanic hat seit langer, langer Zeit wieder ein Titelbild, das in die Kategorie „hart“ fällt. So gehört sich das ja auch für ein Satiremagazin, vor allem für ein endgültiges. Die Reaktion darauf ist so vorhersehbar wie unverschämt: Beim Presserat wurde Beschwerde eingelegt.

Und zwar nach Ziffer 10, und die besagt:

Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

So schreibt es der Katholische Nachrichtendienst.

Jetzt ist die Frage, ob hier mal wieder etwas verwechselt wurde. Ursache und Wirkung zum Beispiel. Und das Bild ist natürlich auch irgendwie falschrum. Der Knabe empfängt nicht…

Aber mal ernsthaft: Was bilden sich diese zwei Beschwerdeführer denn ein? Die halbe katholische Kirche missbraucht, schlägt und vertuscht durch die Weltgeschichte (Irland, Deutschland, further Missbrauchsorte to come) und ihre treuesten Anhänger beschweren sich aufgrund ihrer verletzten Religiösen Gefühle.

Sollten die nicht schon genug gelitten haben, die religiösen Gefühle? Sie sollten darunter leiden, wenn sich eine Organisation, die so gerne die Rolle der moralischen Institution spielt und zu allem eine (zu befolgende) Meinung hat, so mit Schande bekleckert (sic!).

Priester lassen sich einen Blasen, und wenn’s nicht gut war, wird verkloppt, oder wie? Und der Titel ist zu hart?! Wie ein Rohrstock, ja? Oder doch eher wie die Fleischpeitsche?

Die Antwort auf den Skandal lautet doch nicht Beschwerde beim Presserat. Die Antwort lautet Kirchenaustritt. Um an Gott zu glauben, braucht man keine Priester, die gegen die Zehn (und die weltlichen) Gebote verstoßen.

9. Begehre nicht deines nächsten Weib.

Ich meißel einfach mal „und deinen dir schutzbefohlenen Knaben“ dahinter.

Written by Achja

1. April 2010 at 19:49

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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