Misanthropenwald

Keine Woche ohne Kirche

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Nachdem man in bischöflichen Kreisen endlich erkannt zu haben scheint, dass Nazivergleiche nich‘ so der Hit sind, sucht man neue Wege, möglichst viel relativierenden Unsinn auf möglichst engem Raum unterzubringen. Und diesen in den Äther zu schießen, darin sind die Brüder im heiligen Geiste inzwischen ganz, ganz groß.

Heute darf Kardinal Tarcisio Bertone sein Glück im Minenfeld der Fettnäpfchen versuchen und sucht den Grund für den Missbrauch – und findet auch einen: es ist nicht das Zölibat! Gut, das ist jetzt bekannt, die Ehelosigkeit von Priestern hemmt den Missbrauch enorm, aber was ist dann das Problem? Es sind, so zitiert ihn Österreichs BILD-Pendant „Krone„, die Schwulen:

„Viele Psychologen und Psychiater haben bewiesen, dass es keine Beziehung zwischen Zölibat und Pädophilie gibt“, so Bertone[…]. Andere hätten wiederum gezeigt, dass es „eine Beziehung zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt“, sagte er.

Klar sind’s die Schwulis schuld, in dem Verein dürfen ja Frauen gar nicht mitmachen. Aber Herr Kardinal hat sich noch nicht stumpfsinnig genug gegeben und heizt weiter nach, mit einem großen Haufen, gut brennbaren Quatsch:

„Die Kirche verheimlicht ihre Sünden nicht“, meinte der Kardinal.

Haha! Watt habe ick jelacht! Entweder waren das also keine Verheimlichungen bisher – oder Missbrauch ist für Bertone keine Sünde, aber weiter geht’s:

Pädophilie sei „eine Herausforderung für die Staaten, aber auch für alle Menschen“.

Aber nicht für die Kirche, bei der es weder Sünden gibt, weil unfehlbar, noch Vertuschungen. Warum sollte man auch etwas vertuschen, was es nicht gibt, richtig, Herr Kardinal?

Keine Institution habe dabei so viel wie die Kirche unternommen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, meinte der Kardinal. „Der Papst handelt, die Staaten nicht. Welcher Staat hat sich ernsthaft mit dem Problem des Kindesmissbrauchs auseinandergesetzt, einem extrem wichtigen sozialen Phänomen?“, fragte Bertone.

Stimmt, bisher haben sich nur ein paar Priester mit dem Missbrauch auseinandergesetzt. Nur so nebenbei, was hat der merkelgleiche Papst eigentlich bisher so unternommen? Außer nichts?

War das denn schon alles, Bertone? Mitnichten. Mit-nich-ten!:

Auch das viel kritisierte Argument, Pädophilie sei in anderen Gruppen viel verbreiteter als in der Kirche, brachte Bertone […] hervor.

Oh, cool. Na wenn’s alle machen, dann ist’s also nicht so schlimm, wenn die Priester fröhlich mitmissbrauchen, ja? Außerdem erhebt wohl kaum eine „andere Gruppe“ (welche das auch immer seien) den Anspruch, eine ähnlich hohe moralische Autorität zu sein. Denn wenn der Weg ins Himmelreich nur über die harte Fleischgeißel in meinem Rektum führt, dann bleibe ich lieber gottloser Heide.

Kardinal Bertone liegt also ganz schön weit vorne im Rennen um die dümmste Aussage. Aber wie der Erzbischof unter den Atheistenblogs „Feuerbringer“ (der mich auch auf den Krone-Artikel aufmerksam werden ließ), zu berichten weiß, ist dem Kardinal jemand dicht auf dem Fersen. Nämlich Bischof Babini. Aber nur angeblich, denn die Bischofskonferenz hat, wie ich ja einleitend schrieb, offensichtlich ein bisschen dazugelernt und sich schon distanziert; die Worte seien nie gefallen.

Worum es geht? Ich mache es ziemlich spannend hier. Wer ist denn sonst schuld, wenn alles den Bach runter geht und man einen Sündenbock für alles braucht? Wer steckt hinter der ganzen Kirchenkritik? Es sind die Juden:

Eine Website zitierte Giacomo Babini, den in den Ruhestand versetzten Bischof von Grosetto, mit den Worten, ein “zionistischer Angriff” sei hinter der Kritik, angesichts wie “stark und raffiniert” die Kritik sei.

Schwache und plumpe Kritik kommt nämlich von den Protestanten und die Moslems sprengen sich ja eh ständig in die Luft. Da bleiben nur die guten, alten Brunnenvergifter und Hostienschänder. Wir sehen, es lebt sich gut mit Verbitterung, Paranoia und einem gar simplen Weltbild.

Angeblich sprach er zu der katholischen Website Pontifex, als Babini, 81, mit den Worten zitiert wurde: “Sie wollen die Kirche nicht, sie sind ihre natürlichen Feinde. Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden Gottesmörder.”

Yyyyyyeeeeeaaaaaahhhh! Die Juden sind Gottesmöder, sie haben unseren Heiland ans Kreuz gebracht! Der auch Jude war. Das wär doch mal eine interessante theologische Frage: Ist Jesus als Jude auch ein Gottesmörder? Hat er quasi Selbstmord begangen?

Tief in ihnen drin, historisch gesprochen, sind die Juden vielleicht Gottesmörder, Bischof Babini, alter Historiker, aber tief in dir, ganz gegenwärtig gesprochen, bist du, Babini, ’n Idiot. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Written by Quax

13. April 2010 um 22:20

Veröffentlicht in Mischwald, Polemik

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Eine Antwort

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  1. […] einen Kommentar » Keine Woche ohne Kirche, ich hab’s ja gesagt. Aber wer glaubt (und mit dem Glauben hat die Kirche ja auch irgendwie zu tun), dass jetzt was […]


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