Misanthropenwald

Smoke on the Water

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Er raucht wieder. Wer? Na, er! Der Vulkan! So heißt er nämlich seit seinem Bekanntwerden in den Weltmedien. „Der Vulkan“. Die Versuche der bemitleidenswerten nicht-isländischen Moderatoren und Reporter, seinen Namen – Eyjafjallajökull –  so auszusprechen, wie der ebenfalls unaussprechliche Jóhann Heiðar Árnason, sind nämlich gescheitert. Und da man in den Nachrichten nicht immer das kleine Audiofile einspielen kann, das Árnason für Wikipedia eingesprochen hat, heißt Eyjafjallajökull nun „der Vulkan“.

Und was hat er mir für einen Spaß bereitet! Keinen Spaß im Sinne von Juchee und Party. Eher einen stillen, einen vor Genugtuung strotzenden. Ich, der ich Zeit meines Lebens in der Einflugsschneise des Köln/Bonner Flughafens wohne, hatte meine Ruhe. Keine einfliegenden Boeings,  als ich draußen grillte. Keine abhebenden Airbusse, als ich drinnen schlief. Keine donnernden Militärtransporter, als ich Heavy Metal hörte. Nur andächtige Stille, leises Vögelgezwitscher und gehörgangmassakrierende Gitarrenriffs.

Doch nach ein paar viel zu kurzen Tagen der Ruhe, Andacht und Meditation war’s aus. Flugverbot aufgehoben. Und los ging’s: Der Rückstand muss ja auch aufgehoben werden. Jetzt also mehr Lärm. Tante Amsel ist nicht mehr zu hören, nur noch die großen Metall-Vögel lärmen am Himmel. Die Schadstoffe werden wieder in Atmosphähre gepustet [sic!] und der Klimawandel vorangetrieben. Dazu gibt es hier übrigens eine nette Grafik.

Jetzt wäre es vielleicht an der Zeit, die philosophischen Aspekte dieses Stillstands, die Verletzbarkeit der Infrastruktur und die eindrucksvolle Demonstration der Herrschaft der Natur über den Menschen zu beleuchten – doch gerade habe ich gelesen, dass Schottland und Irland ihre Flughäfen wieder gesperrt haben! Und auch, wenn die Meldung von web.de kommt und selbst da steht, dass die Wolke wohl nicht nach Deutschland ziehen wird – ich hoffe dennoch darauf. Auf etwas Ruhe und Stillstand. Ich kann jetzt unmöglich philosophisch werden. Ich möchte genießen. Wenn es dann ganz vorbei ist, dann schreibe ich auch was zu den oben genannten Themen. Bis dahin freue ich mir die Aschewolke herbei.

Ich mag dich, Eyjafjallajökull.

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Written by Achja

5. Mai 2010 um 15:19

Veröffentlicht in Mischwald, Wirtschaft

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