Misanthropenwald

Der Wulff im Schlafspelz

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Womit haben wir das nur verdient? Heute fliegen wir gegen England aus der WM (gut, da mag ich mich geirrt haben) und Christian Wulff wird vom Minister- zum Bundespräsidenten. Laut SPON inszeniert sich der künftige Frühstückspräsident schonmal präsidentengerecht. 

Was soll das, Wulff? Noch hast du keine Wahl gewonnen und schon planst du für deine Zukunft als Buprä. Liest man so auf SPON. Dein zweijähriger Sohn zum Beispiel. Der soll den lieben langen Tag durch Schloss Bellevue toben, auch in deinem Arbeitszimmer. Da liest man (auf SPON, falls es jemand noch nicht mitgekriegt haben sollte):

„Ich habe meine Kinder gern um mich“, sagte Wulff. „Kinderlärm ist Zukunftsmusik, und wo Menschen arbeiteten [sic!], muss auch Platz für Kinder sein.“

Zum Beispiel auf Baustellen und in Krematorien. Halt da, wo auch Platz für Kinder ist und die schönste Zukunftsmusik ist das Schmerzgeschrei der Blagen. Kinderlärm bei Wulff ist doppelt schön, im leeren Wulffkopp hallt der so toll nach. Andererseits – wie viel Lärm macht so ein spielender zweijähriger Wulffsohn so durchschnittlich? Von der Arbeit wird er den guten Papa ja nicht abhalten – er muss ja nur Master Merkels Gesetze abnicken. Also viel Zeit für zum Spielen!

Oder auch nicht, denn Bellevue wird kein Kindergarten:

Das Schloss Bellevue soll aber keineswegs zu einem Kindergarten, sondern langfristig zu einer „Denkfabrik“ werden, versprach der Kandidat der Koalition. […] „Künstler und kluge Köpfe“ sollten helfen, das Land „modern und zukunftsfest zu machen“.

Also Kinderarbeit in der Denkfabrik – und Think-Tank Christian ist ganz, ganz vorne mit dabei. Während kluge Köpfe rollen und erst gar nicht nach Bellevue dürfen (weil nicht gewählt), machen Künstler das deutsche Vaterland zukunftsfest mit Zukunftsmusik. Angereichert mit Erwachsenengebrüll und einschläferndem Wulffschen Ritalingebrabbels.

Auf Wulffs To-Do-Liste kann also abgehakt werden: 1. Kinderlieb (check!), 2. Zukunftsorientiert (check!) und 3. bewandert in Kultur und Geschichte ist der Nachfolger in Lübkes Amt auch, da kann man mal sehen, wo Wulff sich selbst sieht:

„Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire. Goethe war Minister und von Humboldt preußischer Beamter“

Oder Barbarossa und Heinrich den Löwen oder den Führer und Ernst Röhm! Herzlichen Glückwunsch, Christian Wulff stellt sich in eine Reihe bedeutender Philosophen und Denker. Einer davon der Berater vom Alten Fritz, einem absolutistischen Monarchen, der einen Angriffskrieg gegen Österreich wegen Schlesien führte.

Und überhaupt, wieso Berater? Als Bundespräsident wäre Wulff das verdammte Staatsoberhaupt, da vergleicht man sich doch nicht mit Beratern! Sondern mit Kaisern und Königen! Es sei denn, man ist selber nichts weiter als ein Berater; und das wäre Wulff ja schließlich auch. Nichts anderes als ein Berater. Und zwar einer der Bundeskanzlerin. Aber aktiver (oder das, was man in Hannover unter „aktiv“ versteht) Politzocker zu sein, ist kein Nachteil. Ebensowenig wie das junge Alter:

„Ich bin der festen Überzeugung, dass es kein Nachteil ist, wenn man aus der aktiven Politik kommt.“ Auch sein Privatleben wertet Wulff demnach als Vorzug: Er habe Kinder in Krippe, Grundschule und Gymnasium und kenne von seiner Frau die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sein Fazit: „Ich halte es nicht für schlecht, wenn der Bundespräsident aus der Mitte des Lebens kommt.“

Jaaaaa, kein Nachteil, wenn man aus der Politik kommt. Für Wulff sicher nicht und für Merkel noch weniger, ist sie doch damit einen Konkurrenten los und hat einen willigen Lakaien im höchsten Staatsamt sitzen.

Auch von Vorteil: sein Privatleben. Er hat schonmal gehört, dass es ziemlich schwierig sein kann, Beruf und Familie zu verbinden, wenn man selbst genug leichtverdientes, eigentlich ja unverdientes, Geld nach Hause bringt, um Putzfrau und Kindermädchen zu bezahlen. Ein Mann aus der Mitte des Lebens! Ganz anders als der olle Aktenstöberer Gauck, der dann schon quasi ein Bundespräsident vom Ende des Lebens wäre?

Warum bedenkt Wulff hier nicht die ökonomischen Vorteile, die ein 70-jähriger Buprä mit sich bringt? Nach seinen maximal zehn Jahren Dienstzeit müsste die Staatskasse nicht mehr sooo lange für seine Altersbezüge aufkommen, das erledigt Mutter Natur. Wulff hingegen hätte spätestens mit 61 ausgesorgt und würde als Altbundespräsident noch jahrzehntelang durch Zeitungen eiern und Unsinn reden, so wie Helmut Schmidt das macht. Ein junger Bundespräsident bringt nur Unglück! Was machen wir, wenn Wulff das so handhabt wie Walter Scheel, der stramm auf die 1000 zugeht?

Aber zurück zu Wulffs Privatleben, wie sieht’s aus mit dem holden Eheweibe?

Auf die Frage, ob das auffällige Tattoo seiner Ehefrau bei offiziellen Auftritten ein Problem sein könne, sagte Wulff: „Auch wenn es sie verstört: Es ist kein Problem, es ist cool.“

Was hat sie denn, ein Kainsmal auf der Stirn? Das verstört mich nicht, das Tattoo ist auch kein Problem, sondern Wulff. Viel verstörender finde ich, dass ein 51-jähriger katholischer Niedersachse von der CDU Wörter wie „cool“ legal verwenden darf. Brrrr, da stellt sich mir jedes Härchen auf…

Das Tattoo ist also cool und kein Problem und damit das genaue Gegenteil von Wulff.

Die ungelenk staksende Sympathievernichtungsmaschine, die wir bald unser Oberhaupt nennen müssen (und das wohl nur, weil die Linke herummemmt und Gauck nicht wählen will, weil der die DDR nicht so dufte fand), plant schon für die Zukunft.

Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, werde er sich aus Bremen an die Nation wenden, so Wulff. Er wolle sich dafür etwas Zeit nehmen, um „ausreichend tief zu schürfen“.

Himmel, das wird der schlimmste 3. Oktober aller Zeiten! Was kommt denn bitte dabei heraus, wenn ein gesichtsloses Stück Seife anfängt „ausreichend tief zu schürfen“? Will er seine eigene DDR-Vergangenheit aufarbeiten, die nie existiert hat? Könnte uns jemand davor bewaren? Könnte jemand bitte Gauck wählen, der reden kann? Und weiß, wovon er spricht? Und nicht zwingend auf einen Redenschreiber angewiesen ist? Jemand, der als Symbol der Einheit gelten kann, nicht so wie Wulff, der sich vielleicht als Reklamefigur für Krabbensuppe gut macht?

Wulff ist sicher zu cool für Krabensuppe, weil er will weiter auf Konzerte gehen, ja ja, nicht auf so klassische Konzerte mit Orchester und Geigen und so, sondern richtig Hardcorezeug:

Rockkonzerte wolle er auch in Zukunft weiter besuchen, seiner Frau habe er Karten für einen Auftritt der Band U2 in Hannover besorgt. Innenraum, nicht Tribüne.

U2, Innenraum. YEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!

Dieser Mann soll mein Bundespräsident werden! Wartet, Moment – Nein, soll er nicht! Anderen Politikern würde man Populismus vorwerfen, aber Wulff hat die Schallmauer des Populismus längst überschritten, auf der E-Gitarre der Kinderzukunftsmusik reitend. Cool, versteht sich. Mit Sonnenbrille und Tattoo.

Auch in Sachen Fußball gibt sich Wulff volkstümlich: Wie seine Chefin Angela Merkel tippte er für das Achtelfinale der Fußball-WM gegen England auf 2:1 für Deutschland

Hach, Christian, du Charmebolzen! Nicht nur, dass du deiner Chefin alles nachplapperst, du weißt auch, wie man das Volk beglückt! Indem man sagt, dass man den Engländer mit 2:1 gegen die Wand klatscht! O Wulff, du mein Fußballorakel, der du „bereits den 1:0-Sieg Deutschlands gegen Ghana richtig vorausgesagt“ hast! Außerdem wünschst du dir, dass die deutsche Mannschaft ins Finale kommt, denn dann wirst du, in deiner Funktion als Bundespräsident (was Gott und die Bundesversammlung verhüten möge) nach Südafrika fliegen, zum Finalspiel. Dass wir im Endspiel sein werden, daran besteht schon gar kein Zweifel mehr, die Frage ist nur noch, wer dann auf der Tribüne sitzen wird, Merkel nähmlich auf jeden Fall:

Für den Fall, dass am Ende nicht er nach Südafrika reisen kann, sondern doch Gauck, baute Wulff schon einmal vor. Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl dürfe auf keinen Fall mit dem Schicksal der kriselnden Berliner Koalition verbunden werden. Ein eventuelles Scheitern bedeute nicht das Ende der Regierung von Bundeskanzlerin Merkel.

Schade eigentlich.

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Written by Quax

27. Juni 2010 um 14:50

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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