Misanthropenwald

Dummbo spricht!

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Manch einer wird den Eindruck bekommen haben, der Misanthropenwals sei politisch links. Das stimmt gar nicht. Eigentlich bin ich ein erzkonservativer Monarchist mit Hang zum liberalen Reaktionismus. Die CDU müsste also mein bester Freund sein. Und ich versuche auch, die CDU zu mögen, wirklich! Aber sie macht es mir nicht leicht. Und dann gibt JU-Oberpfeife Philipp Mißfelder noch der Süddeutschen ein Interview…

Philipp Mißfelder und seine Ohren – staatsmännische Mimik des Bundeskanzlers 2020! Ich plädiere für eine präventive Auflösung der Bundesrepublik.

Das Interview beginnt gleich mit einem guten Witz der SZ:

sueddeutsche.de: Herr Mißfelder, nach dem angekündigten Rückzug von Roland Koch aus der Politik debattiert die CDU, wer ihm als konservatives Gesicht nachfolgen könnte. Die Bild-Zeitung sieht Sie schon als neue konservative Hoffnung der CDU.

Bruahaha, SZ! Dass der segelohrige Mißfelder das Ersatzgesicht für diese Laune der Natur sein soll, super! Mit einer Beleidigung beginnt man große Interviews, sehr schön. Hätte ich nicht besser machen können.

Außerdem, was sagt das über den Zustand der CDU aus, wenn ausgerechnet Berufspappnas‘ Mißfelder die große konservative Hoffnung ist – und überhaupt, ist das nicht der Mann, der vor ein paar Jahren gefordert hat, Rentnern und Hartz-IV-Empfängern nur ein eingeschränktes Wahlrecht zu geben? Diese Idee unserer neuen „konservativen Hoffnung“ war toll, ob wir in diesem Interview ähnliche Geistesblitze bestaunen dürfen?

Aber hallo! Mißfelder zeigt uns, was wir an Koch gehabt haben (außer einem Bildungs- und Polizeikaputtsparer und Hetzredner): „Mit ihm bricht ein politischer Eckpfeiler der Union weg […]“, wie tragisch! Fehlt der ganze rechte Eckpfeiler. Vielleicht ist das mit dem allgegenwärtigen Linksrutsch gemeint. Doch ohne rechten Eckpfeiler rutsch alles, was der Pfeiler trug, nach – naja – rechts halt. Metaphorisch gesprochen, denn Koch hat ja nie irgendwas getragen, am wenigsten Verantwortung.

Schelmisch fragt die SZ, wie der Eckpfeiler es hinbekommen hat, zehn Prozent bei der letzten Wahl nachzugeben. Philipp weiß es:

Mißfelder: Wir haben bei der Bundestagwahl eines der schlechtesten Ergebnisse unserer Parteigeschichte erzielt. In Nordrhein-Westfalen haben wir vor allem in unseren Hochburgen massiv verloren. Ich kann nicht erkennen, dass das passiert wäre, weil wir uns so außerordentlich um unsere Stammwähler bemüht hätten. Wir haben uns im Gegenteil insbesondere um die Mitte beworben.

Verluste, weil ihr Dötsche in der Mitte geworben habt, soso. Nur so, als klitzekleiner Hinweis: Vielleicht hättet ihr Wahlstrategen statt auf dümmliche Wahlkampfsongs zu setzen mal lieber eure Stammwählerschaft mobilisieren sollen! Dann hättet ihr bei der Bundestagswahl nicht so mies abgeschnitten und würdet jetzt die Regierung stellen… Moment… Und weil diese Regierung (von welcher Partei ist nochmal diese Frau Dr. Merkel?) so großartige Arbeit geleistet hat, habt ihr in NRW – zurecht – die Quittung bekommen. Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft, einer Frau. Heißt es eigentlich deswegen Minderheitsregierung…?

Wurscht, jedenfalls lag es nicht daran, dass ihr um die Mitte geworben habt, jene Mitte, die gerade zwischen Mövenpick-Großkapital und Hartz-IV-Plebejern aufgerieben wird. Dank euch übrigens. Gut gemacht. Und Mißfelder heißt die Zukunft. Wieso nur, wieso.

Weiter:

sueddeutsche.de: Ist die Frage, ob und wie konservativ sich die Partei nach außen darstellt, eine Frage des politischen Überlebens?

Mißfelder: Nein. Es müssen sich alle drei Wurzeln in der Union, die konservative, die liberale und die soziale widerfinden.

Krrks, krrks, krrks. Wie passt das denn zusammen, konservativ und liberal und sozial? Da fällt mir ja nicht mal ein passender DDR-Vergleich zu ein. Wenn ich konservativ und liberal bin, bin ich die FDP. Wenn ich konservativ und sozial bin, bin ich die CSU. Wenn ich sozial und liberal bin, bin ich die Regierung von Willy Brandt. Und wenn ich alles drei bin, bin ich wie Mißfelders Hirn, nämlich unauffindbar.

Aber es geht ja noch weiter, Mißfelder, übernehmen Sie:

Wir brauchen aber auch in der Wirtschaftspolitik ein Gesicht. Nach dem Wechsel von Karl-Theodor zu Guttenberg vom Wirtschafts- ins Verteidigungsministerium müssen wir auch in der Regierung deutlich mehr Profil zeigen.

Wieso, Saufnase Brüderle macht den Job doch ganz ordentlich? Und Gutti will bei der Armee sparen und das Heer auf die Größe des Versailler Vertrags stutzen, nämlich auf so 100.000 Mann (und Frau).

Jetzt geht’s ja aber auch darum, wie man die Stammwählerschaft aus ihrem Wachkoma holt. Zum Beispiel durch klare Aussagen in der Integrationspolitik:

Mißfelder: Etwa mit klaren Aussagen in der Integrationspolitik. Wir haben ja geradezu einen Wettbewerb darum, wer die meisten runden Tische organisiert. Stattdessen brauchen wir mehr Ecken und Kanten.

Oh, Philipp! Statt runder Tische eckige.

Unsere Stammwähler aber, vor allem diejenigen, die in den großen Städten tagtäglich mit den Integrationsproblemen konfrontiert werden, suchen hier mehr Halt. Sie verlangen von uns ganz klar, dass wir uns mehr dem Aspekt des Forderns und nicht nur dem des Förderns widmen. Dafür steht auch Roland Koch.

Jahaha, Koch stand total auf’s Fordern und Fördern. Erst forderte er, kriminelle Ausländer hinzurichten auszuweisen. Die Abschiebung der Kriminellen wurde dann effektiv gefördert. Das ist Fördern und Fordern nach hessischer CDU-Lesart, für die Koch steht, bzw. stand und jetzt geht. Und Mißfelder schwingt sich auf, zum Neokoch. Denn so funktioniert gute Integration…:

sueddeutsche.de: Was wäre denn eine konservative Forderung, die diesen Ansprüchen genügt?

Mißfelder: Ich finde, und das haben wir in Nordrhein-Westfalen teilweise auch etabliert, es soll kein Kind mehr eingeschult werden, wenn es nicht Deutsch sprechen kann.

…natürlich überhaupt nicht. Ein nicht deutschelndes Balg kommt also nicht in die Schule, sondern bleibt doof. Gut, bei unserem Bildungssystem ist es wurscht, ob die Kinderlein die Schulbank drücken oder nicht. Aber mal ernsthaft, das ausländisch sprechende Kind darf nicht in die Schule und – lernt kein Deutsch. Wozu auch, es ist ja den ganzen Tag in seinem ausländischen Umfeld, wo es ausländisch sprechen kann. Außerdem hat es keinen Schulabschluss (nicht mal von der Grundschule! Sowas gibt’s sonst nur bei Abgeordneten der Grünen!) und wird dem Staat auf der Tasche liegen, mit Hartz-IV. Aber hey, so wird es ja automatisch kriminell und kann auf Kochsche Art gefördert werden. Wie prima, dass in der heilen CDU Welt aus kaputten CDU-Köpfen solche tollen Ideen kommen.

Damit Stammwähler reanimiert werden, schlägt Mißfelder das zweite Paradoxon des Interviews vor:

Wir müssen sozial ausgewogen und ordnungspolitisch vernünftig sein. Wir müssen weltoffen sein und zugleich ein klares Bekenntnis zur deutschen Leitkultur ablegen.

Krrks, krrks, krrks. Da knackt das Gehirn. Ich kann mich doch nicht weltoffen, kosmopolitisch geben und gleichzeitig auf den Provinzialismuszug der Leitkultur aufspringen, der genüsslich mit Volldampf voraus die ankriechenden Schafkulturen von den Gleisen fegt. Mißfelder, alter Kulturologe, ich glaube, da hat jemand das mit der Leitkultur mißfeldstanden (Aaargh, Wortspiel. Dreizehn Mark ins Wortspielschwein!), denn ist Leitkultur nicht automatisch diejenige Kultur, die am öftesten vorhanden ist und am meistesten praktiziert wird? Was gleicht sich wohl wem an, die türkische Minderheitskultur an die deutsche Herrenleitkultur oder umgekehrt. Na? Oder liegt diese bekloppte Forderung einfach daran, dass der Deutsche sich gern führen lässt?

Aber weiter:

sueddeutsche.de: Glauben Sie noch an Wahlergebnisse für die Union jenseits von 40 Prozent?

Mißfelder: Ja, aber das hängt vor allem davon ab, ob wir unsere Stammwähler und die Wechselwähler mobilisieren können. […] Wenn wir es dann zugleich schaffen, die Anhänger des politischen Gegners zu demobilisieren, sind wir ein Stück weiter.

Wenn ihr also alles genau andersrum macht als beim letzten mal, dann kann die CDU auch wieder stalinistische Wahlergebnisse einfahren. Und immer feste druff auf die anderen! Das ist neben Leitkultur das nächste, was man in der CDU sehr gern mag, andere Parteien ärgern. Und sei es die FDP in der eigenen Koalition. Aber da frage ich mich doch: wer ist denn der politische Gegner? Sind das nicht im Moment alle? Von FDP bis Linkspartei? Will man also die demobilisieren, eventuell sogar auf die eigene Seite ziehen? Will Mißfelder wirklich von den Stimmen zum Kanzler gekürt werden, die sonst die menschenfressenden Kommunisten bekommen hätten? Mißfelder – ein Halbsozialist? Linksrutsch, anyone?

Aber bis dahin ist es ja noch ein langer Weg, dessen Ziel Mißfelder hoffentlich nie erreicht. Zum Schluss also noch ein paar Worte zum Ist-Zustand der Partei:

Mißfelder: Angela Merkel ist die unumstrittene Nummer eins der Union. Die Partei ist auf sie zugeschnitten, wir unterstützen sie in ihrem Weg.

Ja, zugeschnitten auf die unumstrittene Nummer eins war die CDU schon anno damals auf den ewigen Helmut Kohl. Und was kam nach Kohl? SCHRÖDER!

Kann Mißfelder das wollen? Dass wir nach Merkel das gleiche durchmachen müssen wie nach Kohl? Und würde Mißfelder dann die neue Merkel werden? Ja? Wäre möglich?

Hasst Mißfelder Deutschland wirklich so sehr? 

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Written by Quax

29. Juni 2010 um 01:27

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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