Misanthropenwald

Archive for Juli 2010

Love Parade ist Strafe Gottes

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Ich will eigentlich gar nicht. Ich hatte gestern schon einen Eintrag vorbereitet, aber wieder eingestampft, weil’s einfach müßig ist, darüber zu berichten, über die hyperventilierenden Medienreaktionen. Aber dann kam Eva Herman und brabbelte Unsinn und eigentlich habe ich ja nun keine Wahl mehr. Aber eigentlich sträubt sich alles in mir, zu dem Blödsinn noch etwas zu sagen.

Aber zuerst zu den Medienreaktionen zu der Massenpanik in Duisburg. Dem ein oder anderem Schreiberling scheint da das literarische Talent durchgegangen zu sein, denn da begegnen uns, dem Anlass entsprechend, Schlagzeilen, wie „Todesfalle Tunnel“ (BILD) oder „Der Tunnel des Todes“ (SPON), was zusammengefügt, also dumpfbackig + dumpfbackig, „Todesfalle Tunnel des Todes“ (SPIEGELBILD) ergäbe, also dumpfbackig². Oder „Das Desaster von Duisburg“ (SPON, den Kampf gegen die Alliteration verlierend). Tragische Unglücke mit Toten scheinen auch ein guter Anlass für Wortspiele zu sein wie „Love Parade wird Trauer Parade“ (irgendwo aufgeschnappt) oder, den Vogel abschießend, „Death Parade“ (Jürgen Elsässers Blog) zusammen mit „Sex and Drugs and Tunnel Roll“ (ebenjener) und eine Parallele zwischen Love Parade und Afghanistan-Krieg kann man auch gleich bestaunen.

Die üblichen Betroffenheitsbricketts aus der Politik ließ auch nicht lange auf sich warten, Kanzlerin Merkel ist „entsetzt“, SPD-Chef Gabriel „schockiert“, NRW-Ministerpräsidentin Kraft „voller Trauer“ und ex-Ministerpräsident Wulff verlangt „rückhaltlose Aufklärung“, was n-tv eine Eilmeldung wehrt war, denn dass Wulff bei neunzehn Toten keine Freudensprünge macht, ist wirklich überraschend. Manchmal wünscht man sich respektvolle Zurückhaltung der Nervtöter, aber was will man machen?

Darüber hinaus hätten wir noch die Enttäuschung darüber, dass immer noch niemand zurückgetreten ist, als ob ein Rücktritt Menschen zurück ins Leben brächte, aber gut. Krönung des gestrigen Tages war dann die Berichterstattung von n-tv, wo noch ein Handyvideo aufgetaucht war, das man dem geneigten Zuschauer „natürlich“ (n-tv-Bubi im rosa Hemd) nicht vorenthalten wolle, gepaart mit einem Videozusammenschnitt aus allen möglichen von Youtube geraubten Tunnelpanikvideos, unterlegt mit rührseligem Violinengedudel. Würg und brech. Heuchelei at it’s best. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Redaktion von n-tv noch immer jubeln, dass gottseidank eine Katastrophe mit Toten eingetreten ist, mit denen das Sommerloch gefüllt werden kann.

Gottseidank, damit bin ich ja endlich beim Thema. Gott. Und Eva Herman. Das ist die, die die Familienwerte im Dritten Reich gut findet. Aber statt an Heim und Herd arischen Nachwuchs für Volk und Führer zu produzieren, ist sie jetzt beim Kopp-Verlag (der pseudowissenschaftliche Quatschbücher verlegt) und liest Nachrichten vor oder zumindest das, was Herman dafür hält.

Jetzt also die Love Parade, die ja ohnehin ein Sündenpfuhl gewesen sei und bei dem ganzen Rumgeschnacksel außerhalb des heiligen Bunds der Ehe und dem Drogen- und Alkoholkonsum wär’s ja nur gut, dass das Treiben jetzt ein Ende hat und eventuell hat der HErr bei dem Unglück seine Wurstfinger im Spiel gehabt, wie damals bei Sodom und Gomorrha, nur mit weniger Salzsäulen. Schuld an der Duisburger Massenpanik ist aber nicht nur der ewige Weltenschöpfer, sondern auch die 68er Generation.

Ach, was soll ich so viel Liebesmüh‘ darauf verschwenden und mich darüber echauffieren, wenn das doch schon so viele andere für mich getan haben? Ich will ja auch gar nicht.

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Written by Quax

26. Juli 2010 at 18:29

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Wahnsinn! Niedersächsische und -trächtige Wulff-Ministerin will Neusprech einführen!

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Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU), noch unter Wulff ins Amt gehievt, will im August eine Mediencharta vorstellen, die von Journalisten unterschrieben werden soll. Der Integrationsprozess soll vorangetrieben werden, indem sich die Presse einer kultursensiblen Sprache bedient. Der Misanthropenwald unterstützt das aufs Schärfste und veröffentlicht vorab das Wörterbuch der kultursensiblen Sprache:

„Neger“ heißt jetzt „Maximalpigmentierter“

„Unterschicht“ heißt jetzt „Prekariat“

„Ausländerkind“ heißt jetzt „Heranwachsender mit Migrationshintergrund“

„Zigeunersoße“ heißt jetzt „Sinti-und-Roma-Bratenzusatz“

„Jude“ heißt jetzt „Mensch mit semitischer Religionszugehörigkeit“

„Moslem“ heißt jetzt „Mensch orientalischen Glaubens“

„Katholik“ heißt jetzt „Opfer von Missbrauchsvorwürfen“

„Rollstuhlfahrer“ heißt jetzt „Mensch mit physiologischen Herausforderungen“

„Impotenter“ heißt jetzt „Mann/Frau mit Erhärtungsherausforderungen“

„Mann“ heißt jetzt „Mensch mit überwiegend männlichen Geschlechtsmerkmalen“

„Frau“ heißt jetzt „Mensch am Herd“ 

„Drecksack“ heißt jetzt „Mensch mit soziophober Prägung“

„Zirkus“ heißt jetzt „FDP-Parteitag“

„Schwuler“ heißt jetzt „Mensch mit überwiegend männlichen Geschlechtsmerkmalen und homophilen Neigungen“

„Schwulenhasser“ heißt jetzt „Kai Hähner

„Christian Wulff“ heißt jetzt „Bundespräsident“

„Idiot“ heißt jetzt „Mensch mit Bildungsherausforderungen“

„Mensch“ heißt jetzt „Säugetier der Gruppe ‚Homo Sapiens'“

„Düsseldorfer“ heißt jetzt „Säugetier der Gruppe ‚Homo Neanderthalensis'“

„Kölner“ siehe „Schwuler“

„Raffgieriges, asoziales Pack“ heißt jetzt „Spitzenmanager“ (mit Dank an Volker Pispers, dem ich diese Idee geklaut habe. Bitte nicht verklagen!)

„Neonazi“ heißt jetzt „Mensch mit Akzeptanzschwierigkeiten kultureller Minderheiten mit Migationshintergrund“

„Bier“ heißt jetzt „Hopfenhaltiges Gerstengetränk“

„Raider“ heißt jetzt „Twix“

„Eyjafjallajökull“ heißt jetzt „Der Vulkan“

„Bürger“ heißt jetzt „Einwohner“

„Einwohner“ heißt jetzt „Gesellschaftsmitglied“

„Einwohnerin“ heißt jetzt „Gesellschaftsohnglied“

„Schlechtes Wortspiel“ heißt jetzt „Zwei Groschen ins Phrasenschwein“

„Misanthropenwald“ heißt jetzt „Philanborealer Nadelwald“

„Killerspiel“ heißt jetzt „Wehrpflicht“

„Mafia-Boss“ heißt jetzt „EU-Kommissar“ (Ausnahme: Günther Oettinger)

„Dumme“ heißt jetzt „Bildungsferne Schichten“

„Tote“ heißt jetzt „Lebensferne Schichten“

„Torte“ heißt jetzt „Abnehmferne Schichten“

„Weihnachten“ heißt jetzt „Feierlichkeit einer okzidentalen Religionsgemeinschaft nahöstlichen Ursprungs“

„Ideenlosigkeit“ heißt jetzt „Misanthropenwald“

„Minderheit“ heißt jetzt „Gesellschaftliche Gruppe im Minoritätszustand“

„Freiheit“ heißt jetzt „Sklaverei“

„Gleichschaltung der Presse“ heißt jetzt „Mediencharta für Niedersachsen“

„Niedersächsische Sozialministerin“ heißt jetzt „Dötsch des Tages“

 

Wer noch mehr von solch urigen Kalauern und sensationellen Schenkelklopfern hat, dass die Lachmuskeln krampfen und kein Auge trocken bleibt, der ist in den Kommentaren herzlich willkommen. Die Liste wird dann ergänzt und es winkt eine namentliche Erwähnung – in diesem Eintrag!

Written by Quax

23. Juli 2010 at 20:22

Es ist nicht immer die FDP

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In einem Ferienfreizeitlager auf Ameland gab es sexuelle Missbrauchsfälle, die überraschenderweise nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben, aber nicht minder schlimm sind. Wenn man so etwas liest, verschlägt es einem erstmal die Sprache; es gibt nichts kluges, was man sagen könnte. Und dann kommt jemand aus Bayern und brabbelt los.

Beate Merk, bayerische Justizministerin und geistige Nachtschwärmerin aus der CSU (woher auch sonst?) beglückt uns mit ihren dümmlichen Ergüssen. Als allererstes wird in solchen Fällen, wie der causa Ameland, die Schuldfrage erörtert, aber da man sich nicht bei sowas profanen wie den Tätern aufhalten möchte, lugte Frau Merk hinter ihrem Stein hervor, unter dem sie lebt, und krakeelte die stumpfsinnigen Anschuldigungen in den Äther, die eigentlich schon seit drei Jahren nicht mehr so in Mode sind.

Eigentlich, denn Aktualität ist nicht gerade ein Steckenpferd der Bayern und schon gar nicht der CSU. Aber zu den altbackenen, leicht porösen Trockenargumenten aus der Steinzeit später mehr. Zuerst einmal ein Grund, der sonst bei allen anderen Dingen eigentlich immer passt. Schuld am Missbrauch sei nämlich die FDP:

Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig

Bis gerade eben wusste ich gar nicht, dass die FDP die Sache mit der Kinderpornographie eher so locker sieht, danke Frau Merk! Der Grund dafür, liegt darin, dass die FDP Kinderpornos im Internet lieber löschen statt sperren möchte, denn wenn man etwas löscht, dann ist es weg, aber wenn man etwas sperrt, dann ist es zwar noch da, kann aber nicht mehr gesehen werden, es sei denn, man kennt sich mit Computern und so aus und kann die Sperre umgehen. Wir gelangen also zum Merkschen Regelsatz:

Sperren > Löschen, da Löschen = 0 und Sperren = 1, aber unsichtbar.

Also muss gesperrt werden, bis die Buchse brennt! Denn:

Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.

Seltsam. Dabei sind Untätigkeit und heftiges Schulterzucken, das an diverse Spasmen erinnert, doch längst Markenzeichen der CSU-Politik geworden und außerdem gehört Schulterzucken in bayerischen Ministerien zur Tagesordnung.

Diese geistige Sitzblockade geht aber noch weiter, denn die Verrohung der Jugend, die seit 400 v. Chr. unaufhaltsam voranschreitet, kann

auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann

Da bin ich von der Leistung des Gehirns dieser bajuwarischen Dämmernelke aber enttäuscht, nach CSU-Lesart müsste man hier doch konsequent das Internet verbieten und diesen Sündenpfuhl ein für alle mal mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Aber wenn man schon beim Thema „Computer und so“ ist, dann kann man auch gleich eine weitere tote Sau durchs Dorf schieben. Denn Schuld am Missbrauch sind nicht nur Pornos und die FDP oder diese Beatmusik, sondern auch Killerspiele. SPON stellt dazu treffend fest:

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert.

Ich mag keine Kirschen. Und weil ich keine Kirschen mag, esse ich keine Gänseblümchen. Diese Art Logik ergibt auch nur südlich der Donau Sinn.

Ich finde übrigens Beate Merks „Gesicht“ entsetzlich. Kann man das nicht löschen?

Oder wenigstens sperren?

Written by Quax

22. Juli 2010 at 20:16

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Die Häschenschule

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Gestern habe ich hier über Bildungsreformen vom Leder gezogen. Heute mal ein Beispiel, warum momentane Lehrkräfte einen ordentlichen Schatten haben. Der Fall Vechta, bitte!

Eigentlich möchte ich gar keinen Eintrag dazu schreiben, das hat SPON schon für mich getan.

Wir halten fest: Eine Lehrerin kommt an eine Schule. Die Schüler haben gehört, dass besagte Lehrerin Angst vor Meister Lampe haben soll. Also malen die fiesen Pennäler ein supersüßes Hoppelhäschen an die Tafel – und wisst ihr was? Ich hätte das gleiche getan! Aber wer nicht?

Die Lehrerin betritt also den Klassenraum. Sie sieht die Tafelzeichnung des Hasen und steht da wie das Kaninchen vor der Schlange. Panik steigt in ihr auf. Ihr Puls steigt, beginnt zu rasen. Der Schweiß rinnt ihr über die Stirn, am Kinn hinunter, über den Hals und sammelt sich in den Achselhöhlen. Das atmen fällt ihr schwer. Der Druck der Angst vor dem Karnickel ist zu groß, sie muss schreien. Dann stürmt sie aus dem Klassenzimmer.

BESTE SCHULSTUNDE ALLER ZEITEN!

Aber es kommt noch besser: um der Schülerin zu verbieten, zu behaupten, was jeder in der Klasse  – ach, in der ganzen Schule! – nun weiß, geht die Lehrerin vor Gericht. Die Schülerin soll nicht mehr behaupten dürfen, sie habe Angst vor Hasen. Niemand soll davon wissen!

Guter Plan, amateurhaft ausgeführt, denn so ein skurriler Fall ist eine feine Sache für die vom Sommerloch geplagten Journalisten. Jetzt steht die Geschichte auf SPON, jetzt weiß das gesamte alphabetisierte Deutschland davon.

Nebenbei wollte die Lehrerin der Schülerin noch verbieten, Hasenskizzen auf Tafeln zu malen. Aber natüüürlich hat sie keine Phobie vor den Mümmelmännern. Was die Lehrerqualitäten dieser Frau angehen, darüber möge sich doch bitte jeder selber Gedanken machen.

Written by Quax

20. Juli 2010 at 16:59

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Große Schlappe für Aktionismus

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Wenn man sich eines der zurückliegenden Cover des SPIEGELs ansieht und einige Artikelüberschriften auf SPON, so wird man mit genüsslicher Genugtuung feststellen, dass mit der Ablehnung der Bildungsreform in Hamburg auch die Zentralisierungsträume des sogen. Nachrichtenmagazins wie eine Seifenblase geplatzt sind. Aber mit Karacho.

Mit wehenden Fahnen forderte das Witzblatt die Abschaffung der sechzehn unterschiedlichen Bildungssystem, denn:

Gegeneinander, ohneeinander, durcheinander: 16 deutsche Bundesländer sind dabei, die nächste Bildungskatastrophe anzurichten. Im Föderalismus gehen Geist und Expertise der jungen Generation verloren.

Jemand, der sein ganzes Schulleben in einem Bundesland verbracht hat, hat vom expertisetötenden Föderalismus was mitbekommen…? Die Hetze um ein einheitliches Schulsystem auf Reichsebene greift eines der wertvollsten Güter der Länder überhaupt an, nämlich ihre Kultushoheit und wer die Kultushoheit anfasst, verbrennt sich die Finger am heißen Feuer der Föderalismuslampe. Zentralismus sei also das Heilmittel der Wahrheit. Und der muss nicht mal von Berlin verordnet werden; im vorauseilendem Gehorsam fangen die Länder von selber an, sich gegenseitig anzugleichen.

Anfangen tut alles immer mit dem Zentralabitur. Eine gute Sache, die im Vergleich zur Nicht-Zentralabiturzeit kaum zu unterscheiden ist. Es sei denn, man macht es so stümperhaft wie die CDU-Amateure in NRW: Nachdem man den ersten Zentralabitursjahrgang verschlissen hatte, merkte das Bildungsministerium, dass man eine Kontrolinstanz vorschalten könnte, die die Abituraufgaben auf Logik und Lösbarkeit überprüft. Genutzt hat es wenig, denn im zweiten Jahrgang gab es wieder eine Katastrophe. Einzelne Stimmen forderten gar schon ein bundesweites Zentralabitur, was natürlich der größte Blödsinn überhaupt ist, wenn man sich nur die Termine zum Ferienbeginn ansieht und die unterschiedlichen Modelle, was die Jahre angeht, die man in der Penne sitzt.

Manche Länder haben das Modell G13, das heißt, dass das Abitur nach 13 Jahren abgelegt wird, in G12 dementsprechend nach zwölf. G13-Länder stutzen sich selbst auf G12 runter, was totale Überfüllung zur Folge hat. Denn da man für so einen unfassbaren Blödsinn einfach kein funktionierendes Umbruchssystem erfinden kann, werden gleich zwei Abiturjahrgänge vernichtet, wenn der letzte G13 und der erste G12 durch die Zentalabiturhölle gehen. Die doppelte Anzahl an Abiturienten, da jauchzen die Unis und Ausbildungsbetriebe. G12 ist natürlich nicht grundsätzlich der Teufel und schlecht, denn wer nach Sachsen schaut, sieht, dass dort das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt wird – und Sachsen ist ist pisamäßig noch vor Bayern, dem Finland unter den Bundesländern. Den G13-Ländern fällt es schwer, Themen aus dem Lehrplan zu kürzen; dort sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und weiß gar nicht, was man eigentlich roden soll. Stattdessen holzt man wahllos alles nieder, was nicht bei drei von den Bäumen ist.

Eine weitere Pest, die sich bundesweit breitmacht, ist die Einrichtung von Gesamtschulen, um auch Leuten die Hochschulreife zu schenken, die es eigentlich nicht verdient haben. Abitur auf der Gesamtschule ist wie eine Rolex aus der Türkei und bevor jetzt irgendein Gesamtschulabiturient angekrochen kommt und in die Kommentare fließt: „lol XD ich hab abi auf der gesamtshcule gemacht du spasst rofl ^^“ – eben drum. Wer sich Länder mit Zentralabitur ansieht, kann sich ja mal den Spaß machen und Abiturdurchschnitte von Gesamtschulen und Gymnasien vergleichen. Die Gesamtschulen schneiden i.d.R. schlechter ab.

Auf einem anderen Blatt stehen Ganztagsschulen – zum einen eine gute Sache, wenn so die aus allen Nähten platzenden Lehrpläne abgearbeitet werden können. Spannend wird’s, wenn eine Landesregierung Ganztagsschulen bestimmt, aber kein Geld locker macht, die Schulen auch dementsprechend umzurüsten. Kein Platz für Schulspeisung, geschweige denn für passende Räumlichkeiten, die eh meist noch gebaut werden müssen. Denn wie viele Schulen sind schon für den Ganztagsbetrieb von Anfang an geplant worden? Zum anderen sperrt man die lieben Kinderlein den ganzen Tag in die Penne. Nicht nur ein Spaß mit pubertierenden Achtklässlern, sondern auch mit kleinen Fünftklässlern nachmittags um drei Uhr eine Doppelstunde Latein zu machen.

Was tun, was tun? Nach jeder Studie, die unserer Zukunft Blödheit eines Schotterhaufens bescheinigt, verfallen ganze Gesellschaftsschichten in blinden Aktionismus – und Schuld ist immer das System. Doch das Schulsystem der einzelnen Länder ist nicht das Problem, schließlich hat es Jahrzehnte tadellos funktioniert. Das Problem ist, dass das System im Laufe der Zeit kaputtgespart wurde. Statt eines neuen Systems sollte man vielleicht mal genug Lehrer einstellen, damit man keine Klassen mehr mit 30+ Leuten hat – und damit ist nicht das Alter gemeint. Und damit genug Lehrer vorhanden sind, um auch mal gezielt einzelne Genies/Totalausfälle zu fördern, muss man – nein, nicht das Lehramtsstudium noch einfacher machen, es laufen schon jetzt genug Halbidioten durch die Weltgeschichte, die sich „Lehrer“ nennen dürfen – den Beruf wieder attraktiver machen. Und damit der Beruf schmackhafter für doofe Studenten Studierende ist, müssen u.a. die Klassen kleiner werden und damit die Klassen kleiner werden, brauchen wir mehr Lehrer usw.

Ein Teufelskreis. Aber nicht mein Problem.

Written by Quax

19. Juli 2010 at 18:27

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Da waren’s nur noch Null

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Hamburgs regierender Bürgermeister Ole von Beust ist zurückgetreten und liegt damit voll im Trend. Vor dem hanseatischen Fischkopf und Muschelschubser haben sich nämlich schon alle anderen wichtigen CDU-Landesdespoten verabschiedet. Und hier sind sie, die Vorgänger des Beule von Ost.

Es begann im letzten Jahr in Erfurt, DDR. Pistenschreck Dieter Althaus war aus seinem 40-jährigen Koma erwacht und verlor prompt eine Landtagswahl. Im Grunde hätte die SPD den Ministerpräsidenten stellen können, doch ihr dümmliches Rumgehampel schob sie als Juniorpartner in eine Große Koalition unter der CDU, aber ohne Althaus. Der gab Fersengeld und ward nie wieder gesehen. Die neue Ministerpräsidentin Thüringens heißt Lieberknecht und ist unendlich machtlos, da sie in jener Großen Koalition mit der SPD ist. Und wo die SPD im Spiel ist, ist Macht und alles, was machtähnlich sein könnte, so dermaßen ausgeschaltet wie eine ICE-Klimaanlage bei 33° Celsius.

Das Saarland, dieses halbfranzösische Protektorat mitten am Rand von Rheinland-Pfalz, wurde regiert von Peter Müller, mit einer angenehmen, absoluten Mehrheit. Dann kam die Landtagswahl und die CDU purzelte von 100 auf 34%. Um seinen Posten in Saarbrücken zu halten, suchte er Koalitionspartner und fand gleich zwei: FDP und Grüne. Natürlich, denn wer die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, entscheidet sich für beide und hofft, dass die Bazillen sich gegenseitig ausschalten. Damit schaffte Müller die erste Typhus-Pest-Cholera-Koalition der Bundesrepublik, von der Presse fälschlicherweise „Jamaika“ genannt. Jamaika hat mit dem Saarland genauso viel gemein wie Sibirien mit dem Schlaraffenland.

Apropos Schlaraffenland – als er es leergefuttert hatte, merkte Peter Harry Carstensen, der Gewaltherrscher in Schleswig-Holstein, dass er gar nicht mit der SPD klarkommt und kündigte seine Große Koalition auf. Es kam zu Neuwahlen, in denen PH Carstensen sich selbst ausschaltete; Schleswig-Holstein wurde damit PH-Neutral (Pling! macht die Münze im Phrasenschwein). In Kiel regiert seit dem eine schwarzgelbe Koalition mit exakt einer Stimme Mehrheit, womit aus dem unwichtigsten Bundesland der Welt machtmäßig überhaupt nichts mehr kommt.

Den nächsten Landeschef sägte die Bundesmerkelin hochselbst ab: Günther Oettinger, Landesfürst von Baden-Württemberg, wurde nach Brüssel abkommandiert (wir berichteten). Statt Spätzle gibt’s seitdem Pommes, statt Gesetze für’s Ländle machen, wechselt Oettl nun Glühbirnen im EU-Parlament aus. In the boat of his homeland, Bade-Wüddeberg, sits now Stefan Mappus, Kettenhund und schwulophobe Wurst, der seine Feuertaufe in der Landeswahl noch vor sich hat, sich aber mit seinen Aussagen bisher schon als Germany’s next Roland Koch in Stellung bringt.

Koch! Kochkochkoch! Der Hessenschmock hat keinen Bock und schmiss einfach hin. Sein Nachfolger wird Volker Bouffier. Mit Roland Koch geht leider der mögliche nächste CDU-Kanzler nach der Epoche Merkel. Das wäre ein Schmaus gewesen, Koch auf Bundesebene – er hätte auf dem Misanthropenwald eine eigene Kategorie bekommen. Aber so…?

Bleiben nur noch zwei Bundesländer, nämlich NRW und Niedersachsen. In Niedersachsen regierte ein „Mann“ namens Christian Wulff. Dann gab es eine Wahl, weil der Bundespräsident das Handtuch geworfen hatte und Niedersachsen bekam mit David McAllister einen Schotten als Clanchef und Wulf übernahm ein anderes Amt, über das hier kein weiteres Wort verloren werden muss, also weiter zum letzten Bundesland.

In NRW gab es Rüttgers und eine Landtagswahl, nun gibt’s eine Minderheitsregierung und eine Kraft von der SPD. Rüttgers purzelte aus Düsseldorf und verschwand völlig von der Bildfläche. NRW ist das einzige Bundesland, in der es die CDU nicht geschafft hat, irgendwie in der Landesregierung zu bleiben, stattdessen gab man das Heft komplett aus der Hand, an eine von den Linken mehr oder weniger tolerierte rotgrüne Regierung. 

Was bleibt also noch für die CDU? Schwabenfürst Mappus ist sicherlich der aussichtsreichste Kandidat, den CDU-Ton anzugeben, aber dazu muss er erstmal seine Landtagswahl im Ländle gewinnen. Lieberknecht, Carstensen und Müller haben sich selbst geburnt und Bouffier und McAllister sind noch ganz grün hinter den Ohren. Oder gerade nicht. Vielleicht auch eher schwarzgelb. Jedenfalls nicht absolutmehrheitlich.

Wie dem auch sei! Es gibt auch CDU-Despoten, die im Amt blieben. Was ist mit deren Einfluss? Da wäre Sachsens Stanislaw Tillich. Das Dresdener Schmunzelmonster ist seit 2008 Ministerpräsident, wer hätte das gedacht! Niemand hat seit dem irgendwas von ihm gehört und so wird das die nächsten Jahre wohl auch bleiben.

Überraschend ist auch Sachsen-Anhalt. Zum einen, weil es überhaupt ein eigenes Bundesland sein darf und zum anderen, weil es auch unter einem CDU-Regime ächzt. Aber wen kümmert schon dieses Land, das nur existieren darf, weil sonst kein Land  seine Ländereien haben will? Niemanden.

Dann wäre da ja noch Bayern – aber das lassen wir außen vor, denn Bayern ist ein untypisches Bundesland. Wir sehen also, dass der CDU langsam das Spitzenpersonal (höhö!) ausgeht. Bald pfeift die Union aus dem letzten Loch, wie die SPD. Das wäre Schade.

Ach, was erzähle ich da, toll wäre das! Super! Spitze! Erstklassig! Also los, ihr restlichen Ministerpräsidenten, folgt dem Trend und besorgt euch neue Jobs!

 

P.S.: Auf Phoenix behauptete soeben jemand, dass bei der letzten Bundestagswahl die FDP von Menschen mit guter Bildung gewählt worden sei. Das wage ich zu bezweifeln.

 

Nachtrag, 19:12 Uhr (Nein, kein Liveblog heute): Ganz vergessen in der Liste und doch irgendwie erwähnt – Horst Köhler, ehemaliger Sparkassendirektor, ist ja auch mit seinen weit aufgerissenen Augen, seinem Debilogrinsen und ätzenden Dialekt zurückgetreten und hat den Weg in der Bundesversammlung frei gemacht für Christian Wu ihn, dessen Name hier nicht im Zusammenhang mit dem Amt des durchlauchten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Bundesdeutschland gebundet genannt werden wird!

Written by Quax

18. Juli 2010 at 19:05

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Der Vollständigkeit halber

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Heute ist die evangelische Bischöfin Jepsen zurückgetreten, weil sie Missbrauchsfälle in ihren Gotteshäusern verschleppt hat. Nur so nebenbei erwähnt, damit nicht der Eindruck entsteht, nur die Katholiken würden gerne kleine Kinder klatschen. Was war diese Woche noch so los?

BP hat eine Glocke auf das leckende Ölloch gesetzt und alles erfolgreich abgedichtet. Keine Schadstoffe verpesten die Umwelt. Eventuell kann BP als nächstes die Glocke auf Westerwelle setzen, für noch besseren Umweltschutz.

Dieser tolle Scherz hätte auch auf der Website von „Titanic – Das endgültige Satiremagazin“ stehen können. Und wo die netten, talentierten Kollegen hier schon Erwähnung finden nun etwas, das man eigentlich nicht tut – nämlich Kritik an Gesinnungsgenossen üben. Ja, Titanic, ich habe etwas an euch auszusetzen! Irgendwann in den Achtzigern hattet ihr einen Riesenerfolg, als ihr den Verliererkanzler Helmut Kohl als Birne dargestellt habt. Jetzt, 2010, wolltet ihr wohl diesen Erfolg kopieren, indem ihr dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff jetzt auch eine tolle Speise als Namensersatz aufdrückt – nämlich Knödel. Kohl und Birne, das ist gut nachzuvollziehen. Aber Christian und Knödel? Das war ein ziemlich missglückter und halbherziger Versuch, liebe Leute! Wir lernen: man kann einen Witz nicht zweimal machen (es sei denn, man ist ein kleiner, unbedeutender WordPress-Blog eines zweier Studenten).

Wenn’s um einen schlechten Witz geht, ist man gleich bei NRW. Dort hat eine Minderheitsregierung die Macht übernommen. Sie besteht aus SPD und Grünen, aber hauptsächlich aus unfähigen Frauen (Oxymoron, har har!) – und „hauptsächlich“ bedeutet hier „50%“. Ja, die Hälfte des NRW-Kabinetts ist weiblich. Interessantes Phänomen. Wenn die Hälfte einer spezifizierten Gruppe aus Frauen besteht, sind Frauen gefühlt in der Überzahl. Andererseits, das ist kein Wunder, wenn man sich die ganzen gesichtslosen Wulffs ansieht, die jetzt in Düsseldorf Minister spielen dürfen.
Jahrelang hat die SPD das sogenannte Bundesland „NRW“ abgewrackt, dann durfte Lispelrüttgers dem Land den Todesstoß versetzen und jetzt darf die SPD zusammen mit ihrem grünen Wurmfortsatz die Grube zu machen. Immerhin, die Studiengebühren sollen abgeschafft werden. Mal sehen, was sich Merkellakai Schavan, ihres lethargischen Zeichens sowas ähnliches wie Bildungsministerin – wie ironisch! Jemand ohne Bildung ist Bildungsministerin! -, einfallen lässt. Ein neues Eliteprojekt für alle Unis außerhalb von NRW wär doch was! Dafür könnte man doch das BAföG noch ETwaS kürzen. Kommt immer gut.

War diese Woche noch irgendwas?

Nein? Nein? Nein? Doch?

Egal.

Written by Quax

16. Juli 2010 at 17:21