Misanthropenwald

Ähö ähö! Hööh ähö ähö ähö!

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Genießt es. Genießt dieses Geräusch in Kneipen, Bars und Restaurants. So lange ihr noch könnt. Dieses Geräusch der 55-jährigen Kettenraucher, dick, mit Schnäuzer (auch dick) und Halbglatze. Denn sie sind eine aussterbende Spezies – und damit meine ich nicht die Spätfolgen des Tabakkonsums. Sondern Bayern.

Bayern, dieses sympathische Bundesland im Süden des Nationalstaats Deutschland. Jetzt  hat es das schärfste Rauchverbot seit der Erfindung der Zigarette. Nicht von der Herrscherkaste der CSU erlassen, sondern von unten, aus dem Volk.

Die CSU war diesmal clever genug, sich aus der Volksabstimmung rauszuhalten, denn beim ersten Versuch fielen Beckstein und Huber – Beckstein und Huber, wer waren denn die zwei nochmal… – ziemlich auf die Fresse. Das Wahlvolk, dass sonst nur per Akklamation die CSU auf dem Thron der Bayern legitimiert, strafte das Gespann der Blödheit bei Kommunalwahlen ordentlich ab. Darauf folgte die Landtagswahl, bei der sich die FDP in die Regierung zwang. Dann gab’s Beckstein-/Huberdämmerung und beide wurden durch Seehofer ersetzt. Und alles nur wegen des Quarzqualms. Da kann man mal sehen, dass mit Süchtigen nicht zu spaßen ist!

Aber das war vor vielen, vielen Jahren. Die CSU ruderte zurück, zumindest halb. Geraucht werden durfte nur noch in Ein-Zimmer-Restaurants, in denen keine Speisen gereicht werden, es sei denn, sie haben eine eigene Rauchereckkneipe. Dieses schwammige hin und her gefiel niemandem so richtig, also wurde ein Bürgerbegehren laut, das zu einer Volksabstimmung mutierte. Und diese Abstimmung war gestern.

Die CSU hat diesmal Partei für die Neutralen ergriffen und angekündigt, das Ergebnis der Abstimmung anzuerkennen und umzusetzen.

Habe ich vorhin gesagt, dass die Regelung niemandem gefiel? Das war natürlich frech gelogen. Die FDP bezog nämlich im Wahlkampf Stellung für die beknackte Hirniregelung. Geschmiert Unterstützt wurde die sympathische 4%-Partei von der Hobbylobby der Tabakindustrie. Und so pöbelten die Nikotingelben von den Liberalen durch den Freistaat und spieen Gift und Galle (bzw. husteten schwarzrote Bröckchen) in Richtung der Vernünftigen, die für eine einheitliche Antirauchregelung war.

Und wie das nunmal mit Projekten ist, die die FDP anpackt, ging das natürlich voll in die Hose. Demnächst müssen alle Wirte die Aschenbecher einsammeln und Raucher vor die Tür schicken. „Wo ist da die Toleranz?“, schreit da die FDP. Natürlich, Toleranz gegenüber Nichtrauchern, pfft!, wozu das denn? Mit ihrer elenden Nichtraucherei unterstützen sie ja nicht mal einen lebenswichtigen Industriezweig und damit Arbeitsplätzearbeitsplätzearbeitsplätze! Vielleicht wäre die FDP beruhigter, wenn man alle Heroin-Spritzer und Koksnasen und – welch Ironie! – auch die Säufer gleich mit vor die Tür setzen würde. „Aber das wäre sozialistische Gleichmacherei!“

Hmpf, man kann’s denen aber auch nie recht machen.

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Written by Quax

5. Juli 2010 um 20:50

Veröffentlicht in Politik, Wirtschaft

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