Misanthropenwald

Da waren’s nur noch Null

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Hamburgs regierender Bürgermeister Ole von Beust ist zurückgetreten und liegt damit voll im Trend. Vor dem hanseatischen Fischkopf und Muschelschubser haben sich nämlich schon alle anderen wichtigen CDU-Landesdespoten verabschiedet. Und hier sind sie, die Vorgänger des Beule von Ost.

Es begann im letzten Jahr in Erfurt, DDR. Pistenschreck Dieter Althaus war aus seinem 40-jährigen Koma erwacht und verlor prompt eine Landtagswahl. Im Grunde hätte die SPD den Ministerpräsidenten stellen können, doch ihr dümmliches Rumgehampel schob sie als Juniorpartner in eine Große Koalition unter der CDU, aber ohne Althaus. Der gab Fersengeld und ward nie wieder gesehen. Die neue Ministerpräsidentin Thüringens heißt Lieberknecht und ist unendlich machtlos, da sie in jener Großen Koalition mit der SPD ist. Und wo die SPD im Spiel ist, ist Macht und alles, was machtähnlich sein könnte, so dermaßen ausgeschaltet wie eine ICE-Klimaanlage bei 33° Celsius.

Das Saarland, dieses halbfranzösische Protektorat mitten am Rand von Rheinland-Pfalz, wurde regiert von Peter Müller, mit einer angenehmen, absoluten Mehrheit. Dann kam die Landtagswahl und die CDU purzelte von 100 auf 34%. Um seinen Posten in Saarbrücken zu halten, suchte er Koalitionspartner und fand gleich zwei: FDP und Grüne. Natürlich, denn wer die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, entscheidet sich für beide und hofft, dass die Bazillen sich gegenseitig ausschalten. Damit schaffte Müller die erste Typhus-Pest-Cholera-Koalition der Bundesrepublik, von der Presse fälschlicherweise „Jamaika“ genannt. Jamaika hat mit dem Saarland genauso viel gemein wie Sibirien mit dem Schlaraffenland.

Apropos Schlaraffenland – als er es leergefuttert hatte, merkte Peter Harry Carstensen, der Gewaltherrscher in Schleswig-Holstein, dass er gar nicht mit der SPD klarkommt und kündigte seine Große Koalition auf. Es kam zu Neuwahlen, in denen PH Carstensen sich selbst ausschaltete; Schleswig-Holstein wurde damit PH-Neutral (Pling! macht die Münze im Phrasenschwein). In Kiel regiert seit dem eine schwarzgelbe Koalition mit exakt einer Stimme Mehrheit, womit aus dem unwichtigsten Bundesland der Welt machtmäßig überhaupt nichts mehr kommt.

Den nächsten Landeschef sägte die Bundesmerkelin hochselbst ab: Günther Oettinger, Landesfürst von Baden-Württemberg, wurde nach Brüssel abkommandiert (wir berichteten). Statt Spätzle gibt’s seitdem Pommes, statt Gesetze für’s Ländle machen, wechselt Oettl nun Glühbirnen im EU-Parlament aus. In the boat of his homeland, Bade-Wüddeberg, sits now Stefan Mappus, Kettenhund und schwulophobe Wurst, der seine Feuertaufe in der Landeswahl noch vor sich hat, sich aber mit seinen Aussagen bisher schon als Germany’s next Roland Koch in Stellung bringt.

Koch! Kochkochkoch! Der Hessenschmock hat keinen Bock und schmiss einfach hin. Sein Nachfolger wird Volker Bouffier. Mit Roland Koch geht leider der mögliche nächste CDU-Kanzler nach der Epoche Merkel. Das wäre ein Schmaus gewesen, Koch auf Bundesebene – er hätte auf dem Misanthropenwald eine eigene Kategorie bekommen. Aber so…?

Bleiben nur noch zwei Bundesländer, nämlich NRW und Niedersachsen. In Niedersachsen regierte ein „Mann“ namens Christian Wulff. Dann gab es eine Wahl, weil der Bundespräsident das Handtuch geworfen hatte und Niedersachsen bekam mit David McAllister einen Schotten als Clanchef und Wulf übernahm ein anderes Amt, über das hier kein weiteres Wort verloren werden muss, also weiter zum letzten Bundesland.

In NRW gab es Rüttgers und eine Landtagswahl, nun gibt’s eine Minderheitsregierung und eine Kraft von der SPD. Rüttgers purzelte aus Düsseldorf und verschwand völlig von der Bildfläche. NRW ist das einzige Bundesland, in der es die CDU nicht geschafft hat, irgendwie in der Landesregierung zu bleiben, stattdessen gab man das Heft komplett aus der Hand, an eine von den Linken mehr oder weniger tolerierte rotgrüne Regierung. 

Was bleibt also noch für die CDU? Schwabenfürst Mappus ist sicherlich der aussichtsreichste Kandidat, den CDU-Ton anzugeben, aber dazu muss er erstmal seine Landtagswahl im Ländle gewinnen. Lieberknecht, Carstensen und Müller haben sich selbst geburnt und Bouffier und McAllister sind noch ganz grün hinter den Ohren. Oder gerade nicht. Vielleicht auch eher schwarzgelb. Jedenfalls nicht absolutmehrheitlich.

Wie dem auch sei! Es gibt auch CDU-Despoten, die im Amt blieben. Was ist mit deren Einfluss? Da wäre Sachsens Stanislaw Tillich. Das Dresdener Schmunzelmonster ist seit 2008 Ministerpräsident, wer hätte das gedacht! Niemand hat seit dem irgendwas von ihm gehört und so wird das die nächsten Jahre wohl auch bleiben.

Überraschend ist auch Sachsen-Anhalt. Zum einen, weil es überhaupt ein eigenes Bundesland sein darf und zum anderen, weil es auch unter einem CDU-Regime ächzt. Aber wen kümmert schon dieses Land, das nur existieren darf, weil sonst kein Land  seine Ländereien haben will? Niemanden.

Dann wäre da ja noch Bayern – aber das lassen wir außen vor, denn Bayern ist ein untypisches Bundesland. Wir sehen also, dass der CDU langsam das Spitzenpersonal (höhö!) ausgeht. Bald pfeift die Union aus dem letzten Loch, wie die SPD. Das wäre Schade.

Ach, was erzähle ich da, toll wäre das! Super! Spitze! Erstklassig! Also los, ihr restlichen Ministerpräsidenten, folgt dem Trend und besorgt euch neue Jobs!

 

P.S.: Auf Phoenix behauptete soeben jemand, dass bei der letzten Bundestagswahl die FDP von Menschen mit guter Bildung gewählt worden sei. Das wage ich zu bezweifeln.

 

Nachtrag, 19:12 Uhr (Nein, kein Liveblog heute): Ganz vergessen in der Liste und doch irgendwie erwähnt – Horst Köhler, ehemaliger Sparkassendirektor, ist ja auch mit seinen weit aufgerissenen Augen, seinem Debilogrinsen und ätzenden Dialekt zurückgetreten und hat den Weg in der Bundesversammlung frei gemacht für Christian Wu ihn, dessen Name hier nicht im Zusammenhang mit dem Amt des durchlauchten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Bundesdeutschland gebundet genannt werden wird!

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Written by Quax

18. Juli 2010 um 19:05

Veröffentlicht in Politik

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