Misanthropenwald

Es ist nicht immer die FDP

with one comment

In einem Ferienfreizeitlager auf Ameland gab es sexuelle Missbrauchsfälle, die überraschenderweise nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben, aber nicht minder schlimm sind. Wenn man so etwas liest, verschlägt es einem erstmal die Sprache; es gibt nichts kluges, was man sagen könnte. Und dann kommt jemand aus Bayern und brabbelt los.

Beate Merk, bayerische Justizministerin und geistige Nachtschwärmerin aus der CSU (woher auch sonst?) beglückt uns mit ihren dümmlichen Ergüssen. Als allererstes wird in solchen Fällen, wie der causa Ameland, die Schuldfrage erörtert, aber da man sich nicht bei sowas profanen wie den Tätern aufhalten möchte, lugte Frau Merk hinter ihrem Stein hervor, unter dem sie lebt, und krakeelte die stumpfsinnigen Anschuldigungen in den Äther, die eigentlich schon seit drei Jahren nicht mehr so in Mode sind.

Eigentlich, denn Aktualität ist nicht gerade ein Steckenpferd der Bayern und schon gar nicht der CSU. Aber zu den altbackenen, leicht porösen Trockenargumenten aus der Steinzeit später mehr. Zuerst einmal ein Grund, der sonst bei allen anderen Dingen eigentlich immer passt. Schuld am Missbrauch sei nämlich die FDP:

Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig

Bis gerade eben wusste ich gar nicht, dass die FDP die Sache mit der Kinderpornographie eher so locker sieht, danke Frau Merk! Der Grund dafür, liegt darin, dass die FDP Kinderpornos im Internet lieber löschen statt sperren möchte, denn wenn man etwas löscht, dann ist es weg, aber wenn man etwas sperrt, dann ist es zwar noch da, kann aber nicht mehr gesehen werden, es sei denn, man kennt sich mit Computern und so aus und kann die Sperre umgehen. Wir gelangen also zum Merkschen Regelsatz:

Sperren > Löschen, da Löschen = 0 und Sperren = 1, aber unsichtbar.

Also muss gesperrt werden, bis die Buchse brennt! Denn:

Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.

Seltsam. Dabei sind Untätigkeit und heftiges Schulterzucken, das an diverse Spasmen erinnert, doch längst Markenzeichen der CSU-Politik geworden und außerdem gehört Schulterzucken in bayerischen Ministerien zur Tagesordnung.

Diese geistige Sitzblockade geht aber noch weiter, denn die Verrohung der Jugend, die seit 400 v. Chr. unaufhaltsam voranschreitet, kann

auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann

Da bin ich von der Leistung des Gehirns dieser bajuwarischen Dämmernelke aber enttäuscht, nach CSU-Lesart müsste man hier doch konsequent das Internet verbieten und diesen Sündenpfuhl ein für alle mal mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Aber wenn man schon beim Thema „Computer und so“ ist, dann kann man auch gleich eine weitere tote Sau durchs Dorf schieben. Denn Schuld am Missbrauch sind nicht nur Pornos und die FDP oder diese Beatmusik, sondern auch Killerspiele. SPON stellt dazu treffend fest:

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert.

Ich mag keine Kirschen. Und weil ich keine Kirschen mag, esse ich keine Gänseblümchen. Diese Art Logik ergibt auch nur südlich der Donau Sinn.

Ich finde übrigens Beate Merks „Gesicht“ entsetzlich. Kann man das nicht löschen?

Oder wenigstens sperren?

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Written by Quax

22. Juli 2010 um 20:16

Veröffentlicht in Politik

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Eine Antwort

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  1. supa idee! lass mal nen antrag stellen ;)

    noart

    30. Juli 2010 at 11:00


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