Misanthropenwald

Hauptsache Steuersenkungen

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Zum ersten Male seit dem Ende der DDR wächst die Wirtschaft Deutschlands wieder beinahe zweistellig. Nämlich so um die vier v.H., was so viel bedeutet wie „von Hundert“, was wiederum so viel meint wie „Prozent“. Insgesamt also so vier Prozent oder auch 4%.

Etwa ebenso hoch muss der Alkoholpegel im Blut der FDP-Riege sein – wenn man Brüderle mal außen vor lässt, der treibt den Schnitt in Höhen, die sonst nur von den Maßpreisen auf dem Oktoberfest erreicht werden. „The Aufschwung is da!“, jubiliert Westerwelle und freut sich darauf, wieder das populistische Lieblingsthema der Gelben als Lied zu plärren und zu trällern: Steuersenkungen!

Da stellt sich gleich die Frage, welche Branche die FDP jetzt wieder bestochen der FDP jetzt wieder gespendet hat und wem die Steuern gesenkt werden sollen. Aber nein, so generell sind die Forderungen total hacke, denn wenn man sich mal überlegt, dass wir gerade die schlimmste Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Hitler hinter uns haben und insgesamt betrachtet so ca. 15% negativen Wirtschaftsaufschwung gehabt haben, dann haben wir trotz der mageren 4% of the Aufschwung noch einen Malus von 11%, aber nur, wenn man so unfassbar falsch rechnet, wie hier gerade geschehen.

Trotzdem: „Die Auftragsbücher sind voll“ ist der Satz, den man überall hört und das bedeutet, dass wir das Geld mit Saus und Braus wieder aus dem Fenster oder wahlweise der Hotelbrongsche in den Rachen werfen. Mit den vollesten Händen der Welt. Die Wirtschaft küppelt also immer noch irgendwo am Boden rum (dramatisch gesprochen), da fordert die Steuersenkungspartei schon Steuersenkungen.

Nicht ganz grundlos, denn die FDP krebst auch so um die 4% herum und bibbert schon um ihren Bundestagseinzug bei der nächsten Wahl, möge sie schnell kommen! Da greift Westerwelle nach jedem populistischen Strohhalm, der sich dem sabbernden Brabbelheini aus Bonn bietet, also Steuern runter!, Steuern runter!, Steuern runter! und auch das schmerzhafte Sparpaket der Regierung, das nur jenen schmerzt, die ohnehin schon Schmerzen, also garnüschts zu spachteln, haben, dieses Paket also, es steht auch schon zur Diskussion. Bei einem Schuldenloch, das selbst Onkel Dagobert nur mit Müh‘ und Not stopfen könnte, ja, da braucht man sich um’s Sparen ja nicht zu kümmern, because of the Aufschwung.

Die FDP knüpft also ihr Schicksal an die Wirtschaftsentwicklung. Die Wirtschaft ging den Bach runter and so did the FDP, aber nu‘ genug geenglischt, denn jetzt, wo die Wirtschaft wieder wächst, denn die Auftragsbücher sind ja voll, wie wir wissen, und kleine Betriebe haben schon ein oder zwei Arbeitssklaven gekauft, um die Bücher wieder zu leeren, soll auch die FDP wieder wachsen. Physisch, nicht psychisch. Versteht sich.

Am Wirtschaftswesen soll FDP genesen. Oder auch in den verdienten Untergang gesogen werden, da wünscht man sich sehnlichst den Zusammenbruch des Kapitalismus her, aber so schnell wird’s dazu leider nicht kommen. Das System wird gestützt von jenen, die von FDP-Steuersenkungen profitieren – und dieser Satz klingt sehr Verschwörungstheorie, also vergessen wir ihn besser. Im Moment gibt’s eh nur ein einziges Land auf diesem runden, blauen Globus, das sich Steuersenkungen erlauben könnte und ein Tipp meinerseits: Es ist nicht die Bundesrepublik Deutschland.

Denn es ist das Reich des Bösen, das Proletarierparadies und der Arbeiterhimmel. Die kommunistische Volksrepublik China. Die zieht nämlich gerade als zweitgrößte Volkswirtschaft an Japan vorbei, nachdem die natürlichen Feinde der FDP uns schon als Exportweltmeister abgehängt haben. Pfff, wer braucht’s schon? Hauptsache Steuersenkungen.

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Written by Quax

16. August 2010 um 15:03

Veröffentlicht in Wirtschaft

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