Misanthropenwald

Guttenbergs Kampf

with one comment

Nein, es geht nicht um Karl-Theodor v.u.z. Gttbrg (ich glaube, das Kontingent an Guttenbergnamenswitzen ist erschöpft), der die Wehrpflicht abschaffen will, um Afghanistan zu gewinnen, sondern um seine Frau Stephanie. Die führt nämlich seit ein paar Tagen einen öffentlichen Angriffskrieg gegen Pornographie.

Da habe ich ja schon nicht schlecht gestaunt, als ich vor ein paar Tagen die BILD-Schlagzeile las, nämlich, höchst empörend:

PORNOGRAFIE VERDIRBT UNSERE KINDER!!!!!!1

Der erste Gedanke war: „Da hat sich BILD aber ein schönes Doppelmoralei ins Nest gelegt“, aber dann, beim näheren Begutachten des Kleingedruckten kam heraus, dass nicht BILD so denkt (denn BILD kann nicht denken, hat ja kein Gehirn. Hahaha!), sondern Stephanie von Guttenberg.

Guttis Alte ist Präsidentin der Organisation „Innocence in Danger“ und setzt sich gegen Kindesmissbrauch ein (apropos, was macht Mixa eigentlich im Moment?) und hat ihre tollkühne These bei BILD drucken lassen. Das ist ganz schön lustig, wenn normalerweise circa zwanzig Zentimeter unter der Schlagzeile eine Mandy, Sandy oder Jenny ihr üppiges Gebrüste in des Lesers Auge drückt. Es mag noch nicht zu der geborenen Bismarck durchgedrungen sein, aber es hat so seine Gründe, dass Schweinkram nicht unbedingt mittags im ZDF läuft.

Doch nicht nur blanke Busen seien ein Problem, so die gut bestückte Ministerfrau, sondern auch bedeckte:

Wenn ich in meinem Umfeld erlebe, dass schon neunjährige Mädchen Topmodel-Shows im Fernsehen schauen oder mit Begeisterung vom neuen Videoclip von Lady Gaga – schwarzes Leder-Mieder, Strapse, freie Pobacken – erzählen, dann mache ich mir gelegentlich Sorgen um das Frauenbild, mit dem diese Kinder aufwachsen

Besser wäre es, wenn die Mädchen sich voll Ekel und Ingrimm abwenden würden und überhaupt erst mit der Beendigung der Pubertät lernen würden, das TV-Gerät zu bedienen. Auch das Frauenbild wird stark beeinträchtigt, wobei ich natürlich nicht sagen will, dass Frauen hinter den Herd gehören. Ist ja auch Quatsch, die Knöpfe sind ja vorn.

Auch seien Topmodels keine guten Vorbilder, weiöll:

Guttenberg bezweifelt, dass Grundschülerinnen wirklich schon einschätzen könnten, „dass die exzessive sexualisierte Körperlichkeit ihrer großen Vorbilder Klum und Gaga nichts mit ihnen zu tun hat“.

Nachdem ich den Satz nach dreimaligem Lesen endlich halbwegs verstanden habe (diese exzessive vokabularische Syntaxigkeit hat nichts mit mir zu tun), frage ich mich, warum jeder Kinder für so blöd hält, dass sie alles nachmachen, was sie so im Fernsehen sehen. Klar, dumme Säue gibt’s immer, aber die können ja später immer noch Minister heiraten.

Außerdem, so schreibt SPON (nein, ich lese nichts anderes außer SPON), füchtet Steffi Guttenberg,

dass ihre Töchter durch Medienbilder vermittelt bekommen, Frauen seien nur dann etwas wert, wenn sie sexuell attraktiv seien.

Was ja auch stimmt. Da frage ich mich doch, wo die dumme Gans von Mutter denn ist, um den Töchtern beizubringen, wie man das zu sehen hat und dass auch Hässliche ihren Wert haben? Einfach mal mit den Gören reden, statt sie vor dem Fernseher zu parken.

Jetzt könnte man das alles natürlich auf sich bewenden lassen und wieder zur Tagesordnung übergehen. Oder man kann sich auch ordentlich auf den Schlips gelatscht fühlen, so wie Papa Klum, der die Topmodelsshow seiner verzogenen Tochter gleich in Schutz nehmen muss.

Der Vater von Top-Model Heidi Klum, Günther Klum, verwahrte sich dagegen, Klum und Lady Gaga „in einen Topf zu werfen“. „Da schaut Frau Guttenberg anscheinend nicht viel fern“, sagte er.

Stimmt, erfolgreiche Musikerin und arrogante Schnepfe. Passt nicht zusammen. Dass Frau Guttenberg nicht viel fern schaut, ist ja nur konsequent; so bekommt sich durch Medienbilder wenigstens nicht vermittelt, Frauen seien nur etwas wert, wenn sie sexuell attraktiv seien. Andererseits, wer so aussieht, braucht auch die Bestätigung nicht mehr. Außerdem sei Germany’s next Fleischbeschau gar nicht so böse, sondern

ein Vorbild, weil sie die Träume der Mädchen beschreibt

Die Sendung ist ein Vorbild, weil sie die Träume der Mädchen beschreibt. Das, was junge Frauen im Schlaf denken, wird also von einer Fernsehshow dargebracht. Der Traum der Mädchen (aller Mädchen auf dem Planeten, schätze ich mal) ist es also, sich von einer 40-jährigen Kuh anpöbeln zu lassen, von Konkurrentinnen angezickt zu werden und regelmäßig in Tränen auszubrechen und das alles in Unterwäsche. Aha. Diese Erkenntnis wäre ein schönes Schlusswort für diesen Eintrag, aber Klum legt noch einen drauf und beschreibt Essstörung’s next Topmodel als moralisch einwandfrei:

„Haben Sie bei ‚Topmodel‘ schon mal nackte Brüste oder einen nackten Hintern gesehen?“ Die Sendung sei „sehr sauber“ und „sehr moderat“.

Das ist das große Manko an der Sendung. Ich bitte höflichst darum, diesen Umstand zu ändern.

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Written by Quax

15. September 2010 um 12:35

Eine Antwort

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  1. […] mit „Nackte Weiber“ getaggt sind. Einmal ist das die Spiegel-Titelgeschichte und einmal Guttenbergs-Kampf. Und der hier. Wie kommt ihr also hierhin, ihr Lustmolche? Sucht ihr Befriedigung beim […]


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