Misanthropenwald

Weggespritzt!

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Die Zahl einundzwanzig im württembergischen Wahnprojekt Stuttgart 21 steht für die einundzwanzig Milliarden Euro, die das ganze Den-Bahnhof-ein-Stockwerk-tiefer-setzen-Gedönse kosten wird. So circa. Das finden viele Schwaben eher doof und demonstrieren dagegen.

Das ist ja erstmal schön, dass den Schwaben, galten sie doch bisher eher als eigenbrödlerisch-dümmlich oder selbstverliebt-naiv, ihre Landeshauptstadt nicht völlig am Arsch vorbeigeht. Darum marodieren Horden von Demonstranten durch Schduddgadd, gell? („gell“ ist kein Wort! Ich will „gell“ nirgens haben, will es weder sehen noch hören! Wer „gell“ in meiner Gegenwart/Reichweite verwendet, ist des Todes!) nicht wahr? Leider mischten sich unter professionelle Demonstranten auch jede Menge Spaßprotestler. Renter, Lehrer, Schüler und anderes Geschmeiß, das eigentlich viel zu weich für den stahlharten Protestalltag ist.

Schon bald ließ die Staatsmacht die Muskeln zucken, in Form von behelmter Polizei, mit Schlagstöcken und Wasserwerfern. Rücksichtslos, wie der schwäbische Amtsvollstrecker nunmal ist, wurden die armen Omis, Kleinkinder (die Kinder! Denkt doch mal jemand an die Kinder!) und auch ganz normale Menschen mit Pfefferspray und Tränengas verjagt. Mit Wasserwerfern hat die Ordnungsmacht auch die letzten Chaoten weggenässt. Das ist eine schöne Verhältnismäßigkeit. Wie würde man wohl reagieren, wenn ich mir unter dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray einen Sitzplatz in der Straßenbahn erobern würd‘? Eher ungehalten, nehme ich an.

Andererseits, ich wöllte nur einen Sitzplatz, die Demonschdranden hingegen verhindern das Fällen von Bäumen im Schlossgarten Stuttgarts. Oder anders ausgedrückt: der Stuttgarter lässt sich vermöbeln für ein paar Pflanzen. Aber was macht die Bahn auch da? Wenn unter der Erde ein Bahnhof entstehen soll, warum muss dann auf der Erde der Schlossgarten gerodet werden? Überhaupt hätte ich von einer so harten Kampfsau wie Württembergs König Stefan Mappus erwartet, dass er trotz Demonstranten die Bäume fällen lässt, aber gut, der Mann heißt ja nicht Sauerland.

Man merkt, Stuttgart 21, das Bauprojekt, das Albert Speer Freudentränen in die Augen treiben würde, ist im Ländle irre beliebt. Was läge da näher als das Thema zum Objekt des Wahlkampfes zu machen?, muss sich Mappus da gedacht haben. Offensichtlich hat der CDU-Württemberger keine große Lust mehr, Ministerpräsident von Bade-Wüddeberg zu sein. Oder der Mappus sucht die Herausforderung. Wenn er es schafft, einen Bahnhof trotz aller Widerstände nach unten verlegen zu lassen, dann schafft er das auch mit dem Rest von Baden-Württemberg.

Und dann die Welt!

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Written by Quax

1. Oktober 2010 um 23:09

Veröffentlicht in Politik

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