Misanthropenwald

Witz. Eine Interpretation.

with 3 comments

Es gibt Witze, die sind zu blöd, als dass wir sie hier machen. Ja, wirklich! Manche Witze sind so saualt, dass wir sie nicht machen. Und wieder andere Witze sind echt blöd und alt gleichzeitig. Der Intendant des MDR, Udo Reiter, hat einen Witz gerissen, ’nen richtigen Joke.

Also, zur Vorgeschichte: Am 3.10.2010 hielt Reichsverweser Christian Wulff eine Rede vor Bremensern und anderen Abartigen. Darin sagte er, dass er der Präsident der Muslime und der Islam ein Teil Deutschlands sei. Mit der Aussage hat er sich nicht nur Freunde gemacht.

Dann gibt es da Twitter, dieses unglaublich und -fassbar nutzlose Werkzeug narzisstischer Egomanen, Twitter, dieses Netzwerk bevölkert von Spinnern und Arschlöchern. MDR-Intendant Udo Reiter nutzt Twitter. U.a. zum Witzereißen über Wulff. Das ist erstmal nichts verwerfliches; davon leben wir hier ja im Grunde. Aber zum Witz. Da twitterte Reiter also folgenden Riesenbrüller:

Einheitstag 2030:

Geht gut los, wa?

Bundespräsident Mohammed Mustafa

Ahaha! Mohammed Mustafa! ‚N Islamerer als Bundespräsident! Da denkt der geneigte MDR-Intendantentwitterfollower (Follower – noch so eine Pest! Twitter ist generell eine ganz große Grube der Arroganz) dann ja: „Hö? Das ist ja ungewöhnlich! Hm, ich bin gespannt, wie es weitergeht!“

Aber vielleicht sollte ich das Zitat nicht nach jedem Wort unterbrechen.

ruft

Dass ich nun nach nur einem Wort das Zitat unterbreche, war erwartbar.

die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren.

Hahaha, bzw. Hohohoho! Denn wie Fans des dt. Kabaretts wissen, wird immer gehohohot, wenn’s um Sachverhalte geht, die zynisch beleuchtet werden. Ich möchte die Entwicklung des Witzes noch einmal darlegen: Die Szenerie befindet sich im Jahre 2030, die Menschen, vermutlich in Deutschland, feiern ein Ereignis namens „Einheitstag“, welches wohl den Tag der Deutschen Einheit symbolisieren soll. Zu diesem Anlass verkündet der Bundespräsident, also das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Namen Mohammed Mustafa, eine wichtige Botschaft. Der Name Mohammed referiert vermutlich auf den Propheten Mohammed, den Begründer einer Religion, die Islam genannt wird. Anhand dessen lässt sich bereits feststellen, dass der im Witz genannte Bundespräsident vermutlich muslimischen Glaubens, wenn nicht gar orientalischer Herkunft oder Abstammung ist. Dies wird durch seinen arabisch anmutenden Nachnamen „Mustafa“ nochmals verstärkt. Mohammed Mustafa ruft die Muslime, vermutlich jene, die im Land leben oder seine Ansprache vernehmen, dazu auf, die Rechte einer deutschen Minderheit zu wahren, die, so hat es den Anschein, einer muslimischen Mehrheit gegenübersteht. So baut der Witz einen Gegensatz zwischen Deutschen und Muslimen auf, der womöglich von Spannungen geprägt ist.

Der Witz eröffnet mit einem Zeitsprung; wir befinden uns nicht im Jahre 2010, sondern im Jahre 2030, was zunächst für Verwunderung sorgt. Diese wird verstärkt, indem dem Leser mitgeteilt wird, dass der Bundespräsident einen orientalisch angehauchten Namen trägt. Die Verwunderung des Lesers befindet sich nun auf dem Höhepunkt, sodass die Pointe einsetzt; der Bundespräsident verkündet, dass die Rechte der deutschen Minderheit geschützt werden sollten. Hier wird mit der Erwartung des Lesers gespielt. Im Jahre 2010 sind die Muslime die Minderheit, die geschützt werden muss, zwanzig Jahre später sind es die Deutschen. So wird dem Leser eine sozialkritische Aussage nähergebracht. Das besondere an diesem Witz ist sein aktueller Bezug. Man könnte sagen, dass er Wulff als schlechten Präsidenten darstellt, der sich unwürdig anbiedert oder aber auch, dass die Herkunft des Namens die Karrierechancen beeinflussen kann. Ist es im Jahre 2010 noch so, dass Menschen mit östlich klingenden Namen auf dem Arbeitsmarkt oftmals benachteiligt werden, so scheint sich die Lage zwanzig Jahre später geändert zu haben. Nun können auch Menschen mit Ausländernamen hohe Ämter, in diesem Fall das höchste Staatsamt, erlangen. Der stark religiöse Bezug des Witzes wird auf der metaphorischen Ebene deutlich. Dem momentanen „Bundespräsidenten“ Christian steht zwanzig Jahre später ein Bundespräsident Mohammed gegenüber. Ein Name also, der das Christentum verkörpert, steht stellvertretend für eine intolerante, alte Ordnung, wohingegen der den Islam verkörpernde Name für Fortschritt, Weltoffenheit und Toleranz steht.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner kleinen Interpretation helfen, den Witz in seiner Vollumfänglichkeit zu verstehen.

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Written by Quax

5. Oktober 2010 um 22:28

Veröffentlicht in Mischwald, Satire

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3 Antworten

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  1. Man sieht an der Beitragsanzahl pro Monat eindeutig, wann Semesterferien waren ; )

    eva

    7. Oktober 2010 at 16:20

    • An den Beiträgen kann man auch sehen, wer überhaupt Semesterferien hat!

      (Dieser Seitenhieb auf Achja wurde Ihnen präsentiert von: Krombacher)

      Quax

      7. Oktober 2010 at 22:02

      • Ach komm, der arme Kerl.

        eva

        8. Oktober 2010 at 20:47


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