Misanthropenwald

Himmel, hilf!

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Boah nee! Relli bei Herrn Achja.  – Doch, doch liebe Kinder. Höret: Alle Evangelien berichten von der Tempelreinigung. Jesus kam in den Temel von Jerusalem, heißt es da, und vertrieb (bei Johannes sogar mit einer Geißel) alle Geldwechsler, Taubenhändler, Ochsen und Schafe aus dem Vorhof des Tempels. „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zur Markthalle“, sagte er nach Johannes (2,16).

So viel zur Geschichte bzw. zum Glauben, je nach Ansicht. Das Unternehmen jedenfalls, dass sich auf diese heiligen Worte beruft, die Kirche, und zwar ganz besonders die katholische, scheint vom Inhalt der Verse allerdings nicht viel zu halten.

Die ehrwürdige Pariser Basilika Sacré-Cœur zum Beispiel hätte eine Tempelreinigung inklusive Geißel und Tischeumwerfen jedenfalls dringend nötig. Nicht nur, weil es dort zwei Euro kostet, ein kleines Teelicht für verstorbene Verwandte oder Freunde (oder meinetwegen auch für den Papst) zu entzünden. Nein, auch weil eine große Kerze zehn Euro kostet.

Und weil in der Kirche Geldwechselautomaten stehen. Oben schmeißt der fromme Besucher / der souvenirgeile Tourist zwei Euro rein, der Automat wechselt und unten fällt mir lautem Klimpern eine Gedenkmünze in den dafür vorgesehenen Schacht.

Und dann kommt der Aufpasser an, denn – wie es die Schilder hier verraten: „Das ist eine katholische Kirche.“ Man möge sich entsprechend verhalten, Kopfbedeckungen abnehmen, nicht fotografieren und leise sein.

LEISE SEIN! Es klimpern an jeder Ecke Münzen in irgendwelchen Behältern und so ne Seele, die aus dem Fegefeuer springt, tut das auch nicht so ganz leise. Das heißt: Das mit der Seele vergessen wir ganz schnell. Das Fegefeuer hat der Papst vor ein paar Jahren ja abgeschafft. Da kann also auch niemand mehr rausspringen. Wäre überhaupt mal interessant zu wissen. Was ist mit den ganzen armen Seelen, die ins Fegefeuer kamen. So vom Mittelalter bis zur Abschaffung? Denen wurde ja quasi ihre ganze Leidensgrundlage entzogen. Gibt es die einfach nicht mehr? So schwarzeslochmäßig? Mussten die Asylanträge stellen? Gab es drei Tore zur Wahl? Himmel, Hölle, Zonk?

Ich schweife ab. Wo war ich: Ja. Der Aufpasser kam an. Und diese Aufpasser macht „Ssssccchhhhhhh.“ So laut geflüstert. Dieses „Ssssccchhhhhhh“ war noch lauter als das Klimpern der Gedenkmünze im Gedenkmünzenautomatenausgabeschacht. BOAR!

Jesus, hol die Geißel und fahr nach Paris! Und nimm den Erzengel Michael mit. Der steht in Paris gleich öfter rum. Jeweils mit erhobenem Schwert und zu Boden gerungenem Dämonen vor sich. Und dann räumt da mal auf.

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Written by Achja

22. Oktober 2010 um 12:33

Veröffentlicht in Allgemein

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