Misanthropenwald

Studentenverköstigung

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Ach, SPON! Da lässt man dich ein paar Tage allein und dann das. Haust uns einen winzigen Artikel um die Augen, Thema Studentenverköstigung. Mensaessen sei unheimlich beliebt bei den Studenten, hauptsache ’s kost‘ nüschts. Wer hätte das gedacht? Niemand und zwar zurecht.

Ist aber auch Wahnsinn, was das Deutsche Studentenwerk da herausgefunden hat: 85% aller Studenten, die in den politisch korrekten und international akzeptierten Grenzen der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2010 studieren, gehen in die Mensa. Angeblich sogar, um zu essen. Daraus wird die krude Behauptung gestrickt, dass den Studenten der Mensenfraß schmecke.

Sehr witzig.

In die Mensa zu gehen, ist ein gesellschaftlicher Zwang; die übrigen 15% Mensaverweigerer sind angehende Psychopaten, die Massenmörder und Sklavenhändler von morgen. Die 85% Mensagänger haben gar keine andere Wahl, denn wenn sie in einer Großstadt leben (wie München), dann ist Nahrung astronomisch teuer und für den gemeinen Studenten im Studiengang „Byzantinische Glasbläserei“ schlicht unbezahlbar. Der Münchner Student muss also essen, was die Mensa ergibt. Lebt man hingegen in Dörfern, deren obskure Existenz auf äußerst wackligen Füßen steht (wie Greifswald), dann ist die Mensa der einzige Ort in der Umgebung, an dem es Lebensmittel gibt.

Ist Mensaessen gleich Mensaessen? Ja. Ganz gleich, an welcher Universität man die Zeit bis zur Arbeitslosigkeit überbrückt, das Essen ist überall gleich. Da kann man an einer exzellenten Eliteuniversität studieren (wie Mannheim oder Heidelberg) oder auch an einer ebenso hoffnungslosen wie minderwertigen Massenabfertigungsuniversität (wie Köln oder nochmal Köln); bei beiden wird der Student vergiftet verwöhnt.

Dabei gibt’s in einer Mensa Unterschiede zwischen den verschiedenen Mahlzeiten. Meist hat man die Auswahl zwischen Matsch mit Pampe und Fleisch (Menü 1), in versalzener Brühe verkochte Tierreste (Menü 2), grünem Schleim (vegetarisches Menü) und Schlick mit Soße (Biomenü). Gelegentlich, wenn es die Preiserhöhungen zulassen, werden auch Themenwochen angeboten. Ein grauer Leberball mit Schlacke und Würsten gilt schon als bajuvarische Spezialität, in Curry gewälzte Reste vom Vortag plus Ingwer sind thailändische Köstlichkeiten. Der grünliche Auswurf, aus den Abflussrohren der Spülen gekratzt, wird zu einer herrlich versalzenen Suppe verarbeitet und als Gaumenfreude aus Poseidons Welt angeboten. Ob die Algen im Spülbecken oder die zu Frikadellen gepressten Rehüberbleibsel aus Wildunfällen nun Biostandards erfüllen oder nicht, ist den Studenten weitestgehend wurscht. Warum sollte es sie auch kümmern, ob das, was da nicht schmeckt, frei über Wald und Wiese hinkte oder aus seiner Käfighaft befreit wurde?

Doch es gibt ja nicht nur köstliche Menüs in den Mensen der Landes, die man meiden sollte, sondern auch sogen. „Free Flow“-Menüs. Das bedeutet, man sucht sich aus all den Abscheulichkeiten die besten Stücke heraus und kreiert so seine ganz eigene Horrorspeise. Der ganze Schlamm verschwimmt zu einer bräunlichen Brühe auf dem durch Blei auf zwei Kilo zerschwerten Porzellanteller. Dann wird nach Gewicht abgerechnet. 

Doch: Man soll nicht immer so negativ sein, Mensaessen hat auch eine gute Seite. Studenten bezahlen für ihre Lebensmittelvergiftung in der Regel nicht so viel wie nichtstudentische Gourmetgänger.  

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Written by Quax

13. November 2010 um 14:07

Veröffentlicht in Blödsinn

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2 Antworten

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  1. Schon als ich diesen äußert informativen und langen Artikel auf SPON gelesenhhabe, war mir klar, dass du den zu einem Blogeintrag verwursten (oh wie passend zu Mensaessen) wirst.

    Klugscheißer

    13. November 2010 at 18:17

  2. Dann gehöre ich offensichtlich zu den Psychopathen und Massenmördern, zumal ich die größte Mensa Europas boykottiere :D.

    Das mit Köln will ich überhört haben…

    Max

    14. November 2010 at 13:08


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