Misanthropenwald

Persönlichkeitsrechte der Gebäude

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Google Street View ist in Deutschland gestartet, trotz allgemeiner Panik und Angst. Jeder kann sich nun deutsche Städte in ihrer vollen Pracht ansehen, bis auf jene Teile, die von Kaputten verpixelt worden sind. Deutschland einig Datenschutzland – nein, dank der Verpixelung sieht unser Staat aus wie Legoland.

Wie narzistisch muss jemand sein, dass er glaubt, sein Haus sei so wichtig und er selbst so bedeutend, dass Einbrecher auf jahrealten Fotos, die von einem fahrenden Auto aus geschossen wurden, ihren Raubzug planen? Fühlen sich diese Bekloppten tatsächlich in ihrer Privatssphäre verletzt, wenn ihre Hausfassade fotographiert wurde? Oder schämen sie sich einfach für ihre Fassaden, weil sie so hässlich sind? Warum ist Mannheim dann nicht konsequent vollverpixelt worden?

Dieser bemerkenswerte Blödsinn ist weltweit einmalig und sowas kann es nur hier im Herzen Mitteleuropas geben. Dass Privatpersonen ihr Ego aufblasen dürfen, indem sie Datenkrake und Megakonzern Google ihre Bedingungen diktieren und ihre heruntergekommenen Bruchbuden von einer grauen Fläche verdecken lassen. Und Google räumt den Wichtigtuern auch noch diese Möglichkeit ein, statt zu sagen, dass sich mal gepflegt selbst den Arsch lecken können, in dem der Stock tief sitzt.

Wieso sollte ich denn bitte nicht eine Fassade fotographieren dürfen? Wie viele Touristen walzen durch Städte und fotographieren schöne Hausfassaden (und stellen sie womöglich ins Internet!), daran hat sich bisher auch niemand gestört. Vielleicht sollte man konsequent sein und das Fotographieren generell verbieten, mitsamt aller Kameratechnik, damit sich niemand in seiner aufgeplusterten Selbsterhabenheit verletzt sieht. Aber Konsequenz, haha!, wo sind wir denn? Vor einiger Zeit forderte irgendein CDU-Provinztrottel, dass man sich im Internet nur noch unter seinem echten Namen bewegen können solle, weil dann Diskussionen usw. gesitteter abliefen – na sicher.

Die Schmocks, die dem zustimmen, sind mit an ziemliche Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit genau dieselben, die ihre Häuser von Google verhängen lassen. Anonymität für Menschen im Internet ist äbäh, Anonymität für Häuser darf man ja wohl noch gerichtlich einklagen dürfen!

„Der hat leicht reden!“, werden die frisch Verpixelten jetzt sagen, „Der ist ja auch nicht davon betroffen!“ – Falsch. Auch ich, hochverehrter Mitbetreiber dieses Blogs, bin ein Opfer von Google Street View. Auch ich wurde fotographiert und bin nun im Internet zu sehen. Unverpixelt:

Skandal! Mein Persönlichkeitsrecht! Sogar das Model auf dem Plakat wurde verunkenntlicht!

Nicht einmal Häuser haben’s so schlecht wie ich.

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Written by Quax

19. November 2010 um 15:34

Veröffentlicht in Polemik

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2 Antworten

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  1. wie zur hölle hast du dich gefunden?
    irgendwie kauf dir die geschichte ab, weil das total nach deinen beinen aussieht!

    noart

    22. November 2010 at 22:59

  2. Als die Googleautos damals rumgefahren sind, habe ich eines gesehen, als ich grad an der Haltestelle stand. Da wollt‘ ich jetzt mal schauen, ob ich nicht eventuell auf so einem Bild drauf bin. Spannend, was?

    Quax

    23. November 2010 at 19:27


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