Misanthropenwald

Türchen Nummer eins

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Hurra, Weihnachten kommt! Und um die Vorfreude auf das Fest der Stallgeburt noch zu vergrößern gibt es in diesem Jahr den großen Misanthropenwald-Adventskalender! Jeden Tag ein neues Türchen mit einer Kleinigkeit drin, einem Text, einem Bild oder Schokolade mit viel Spaß, Spannung und Spaß. Toll, was? Wir sind so gut zu euch.

Öffnen wir mit einem Knarzen also Türchen Nummer eins!

Da haben wir ein sehr weihnachtliches Thema, es geht um St. Martin. Der Heilige Sankt Martin war ein muslimischer General in der heutigen Türkei, der jeden Abend Teile seines Mantels abschnitt und fremden Menschen in die Schuhe steckte. Am sechsten Dezember nächtigte er in einem Stall und wurde von Gänsen im Schlaf totgebissen. Deswegen essen wir heute Weihnachtsgans. Er hätte noch länger gelebt, wäre er rechtzeitig geweckt worden, die Pfeife. Darum gibt es heute Weckmänner, die eine Pfeife haben.

Aber darum geht es gar nicht. In Andenken an Martin gehen jedes Jahr Kindergartenkinder auf die Straße und laufen mit Laternen durch die Gegend und singen Lieder und schöne Frauen. Eine weniger schöne Frau – manch böswilliger Zeitgenosse bezeichnet sie auch mutwillig als öde Zippelgusse – mit dem Namen Elke Bräunling komponierte ein Lied zu Martins Ehren. Ein Kindergarten wollte dieses Lied bei seinem Aufmarsch skandieren und lud die Texte dieses Liedes mitsamt anderer bekannter Texte im Internet hoch, damit man sie runterladen und schließlich singen könne.

Nun verhält es sich urheberrechtsmäßig ja so, dass der Kindergarten für Lieder, deren Autoren noch keine siebzig Jahre tot sind, eine Lizenz kaufen muss, sonst darf er den Text oder sonstwas nicht verbreiten. Elke Bräunling ist aber angeblich noch keine siebzig Jahre tot, sondern äußerst lebendig, was allerdings angezweifelt werden darf, denn das Leben geht mit dem Vorhandensein von Hirnaktivität einher.

Ein richtiger Mensch hätte dem Kindergarten nun entweder altruistisch seinen Segen erteilt und die Texte belassen, wo sie waren oder aber die Kindertagesstätte mit einem Brief darauf aufmerksam gemacht, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliege, man den Text doch bitte löschen und noch einen geruhsamen Tag haben möge.

Doch nicht so die alte Schrapnulle; sie schickte ihre Anwälte vor und mahnte den Kindergarten ab. Schließlich sind Kindergärten ein Hort der Raubkopien. Und wie jeder weiß, hat ein Kindergarten Geld wie Heu, bzw. Kinder, da gibt’s geldmäßig was zu holen. In diesem Falle 500€ Euro.

Der heilige St. Martin hätte nie fünfhundert Sesterzen verlangt, sondern höchstens noch jedem Kind ein Stück Umhang gegeben.

(le quel)
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Written by Quax

1. Dezember 2010 um 00:27

Veröffentlicht in Adventskalender

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Eine Antwort

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  1. Wie wahr, wie wahr …

    C

    5. Januar 2011 at 20:34


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