Misanthropenwald

Soviel dazu.

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In Ägypten ist momentan ja einiges los, Demonstrationen überall, machtlose Polizei, Plünderungen. So weit das Auge reicht. Ein kleinwenig lustig ist’s da, wenn man sich in Erinnerung ruft, was ein paar Tage zuvor über den Äther ging.

Herr Zahi Hawass ist ein Strolch und ein Schlitzohr. Das ist nicht einmal abwertend gemeint, denn er weiß, wie man in die Medien kommt. Und das schafft er, nicht zuletzt, weil er der Leiter der ägyptischen Altertumsverwaltung ist. In fast schon wunderbarer Regelmäßigkeit bekommt man in Berlin Post von Herrn Hawass. Zwar nicht im Regierungsviertel, sondern nur auf die Museumsinsel, aber immerhin. Denn dort steht im Neuen Museum die Büste der Nofretete, ein echter Publikumsmagnet. Deutsche Forscher hatten die Büste vor gut hundert Jahren bei einer Ausgrabung in Ägypten entdeckt und die Altertumsverwaltung des Nillandes gab grünes Licht für die Ausfuhr der Büste nach Berlin – zugegeben, die Deutschen haben ein wenig nachgeholfen und die Büste mit Matsch beschmiert, damit sie wertlos aussieht, aber wer als Altertumssachbearbeiter eine wertvolle Büste mit Matsche drauf nicht von Ramsch mit Matsche drauf unterscheiden kann, hat halt Pech gehabt. Unterm Strich kam die Büste also ganz legal zu uns.

Das wurmt Herrn Hawass nun. Vor ein paar Tagen ließ er nun einen besonderen Brief gen Hauptstadt flattern. Der Staat Ägypten fordere nun offiziell die Büste der Nofretete zurück, Unterschrift Ministerpräsident, Stempel, Siegel, ab dafür. Was haben sie an der Spree gelacht, als das Schreiben durch den Schredder ging! Denn nüschts gibt’s für Ägypten, die Büste bleibt, wo sie ist. Argumente gibt es reichlich, zum Beispiel, dass Deutschland die Büste damals völlig rechtens erworben hat. Oder dass man nach dieser Logik alle Bilder Rembrandts und van Goghs wieder in die Niederlande schaffen müsste und die Mona Lisa nach Italien. Oder dass die Sicherheit der Büste in Ägypten nicht sichergestellt sei.

Letztere Aussage wurmte Herrn Hawass dann fast noch mehr als das Nichtvorhandensein der Büste. Entrüstet entgegnete er, dass das eine Beleidigung der Ägypter wäre, die Büste wäre aber sowas von sicher in Kairo, Zeter, Zeter, Mordio.

Ein paar Tage später stand in Ägypten das Volk auf der Straße und forderte solch westlichen Quatsch wie Meinungs- oder Pressefreiheit. Die Polizei versuchte die Demonstrationen mit Tränengasgranaten aufzulösen, doch anders als die Stuttgarter Weichlinge, die schon bei Wassereinsatz weinen, weicht so ein Ägypter nicht. Die Polizei konnte die öffentliche Ordnung nicht mehr herstellen und das Militär zeigt sich auch eher demonstrantenfreundlich. Eventuell würde sich die Bundeswehr im Schlossgarten ähnliche verhalten.

Wie dem auch sei. Wir sind ja nicht zum Spaß hier, sondern zum Lernen. Plünderer begannen, ihrem Namen alle Ehre zu machen und plünderten, was das Zeug hielt. Die Polizei war ja grad anderweitig beschäftigt. Und das Militär konnte seine Augen nicht überall haben. Das Ägyptische Museum in Kairo wurde auch eher sporadisch von Soldaten vor Plünderungen geschützt, man war da sehr froh, dass die Museumswachleute vor Ort waren.

Nun ist so ein Wachmann im Ägyptischen Museum nicht gerade der bestbezahlteste Mensch im Schatten der Pyramiden und so dachten sich ein paar besonders gewiefte Gesellen: „Mensch, wir sitzen hier den ganzen Tag im Museum rum und bewachen wertvolles Zeugs und draußen geht das Chaos und niemand würde merken, wenn wir ein paar Sachen  mopsen täten und dann verhökern wir den Krempel und sind gemachte Männer, ehe das jemandem auffällt“ – sprach’s und schon ging man an die Arbeit. Und wo gehobelt (bzw. -plündert) wird, da fallen Späne (bzw. Statuen). Bei ihren Raubzügen zerdepperten die Plünderwachleute einigen Plunder, darunter nicht eine, nein, sondern gleich zwei Mumien und ein paar sehr wertvolle Statuen aus der Grabkammer Tutenchamuns. Aus selbiger Grabkammer ist auch die berühmte Totenmaske ebenjenes Pharaos, ziemlich aus Gold und ziemlich wertvoll. So groß der Schwarzmarkt für gülden glitzernde Ägyptenschätze auch sein mag, so eine Totenmaske ist ziemlich unverkäuflich. Nehmen wir also mal so, einfach nur mal so, an, ein besonders skrupelloser Wachmann täte sich der Maske bemächtigen. So voll mit Gold und alles und verkaufen ginge nicht. Was tut man dann? Man schmilzt es ein und verscherbelt das Gold.

Herrn Hawass‘ Hass dürfte inzwischen keine Grenzen mehr kennen, denn nun zeigt sich, wie überlegen sicher ägyptische Kulturschätze in Ägypten so sind. Ägerlich, ärgerlich. Denn so bekommt man bestimmt keine Büste zurück, die bei uns sogar den Zweiten Weltkrieg überlebt hat.

Achja (nicht der Achja, sondern „Achja“, als Ausruf des Erinnerns), die ganzen zerdepperten und/oder geklauten Stücke im Ägyptischen Museum waren nicht verischert. Weil nichts in diesem Museum versichert ist.

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Written by Quax

31. Januar 2011 um 20:32

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