Misanthropenwald

Archive for Februar 2011

Eng ist doch gemütlich

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Ach, SPON! Manchmal bist du doof, aber manchmal muss ich lachen. So wie dieses Mal. Danke, SPON.

Da gibt’s einen Artikel über Guttenberg und seine Kopierereien mit der Überschrift:

Warum es für den Minister richtig eng wird

Ein Traum von einer Überschrift. Und direkt darunter, im ersten Satz im Artikel über Lybyen:

Es wird eng für Libyens Machthaber Gaddafi.

Potz Donner, was habe ich mich gefreut. Irgendeine witzige Verwechslung kann man da bestimmt draus machen, zum Bleispie dass die Amis Truppen in der Region zusammen ziehen, um Guttenberg zu entfernen und Karl-Theo wir fahr’n nach Lodsch! auf riesigen Giftgasvorräten sitzt oder so. Mach‘ ich aber nicht. Gefällt mir schon so ganz gut. Danke nochmal, SPON.

Written by Quax

28. Februar 2011 at 18:33

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Ein Mann für alles

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Hurra, am 27.3. ist endlich wieder Landtagswahl, diesmal in Baden-Württemberg! Wahlwerbung überall, Plakate auf den Straßen, Pappaufsteller an Laternen und Flugblätter in Briefkästen. Flugblätter, wie das des CDU-Spitzenkandidaten Nikolas Löbel für den Mannheimer Norden.

Nein, was habe ich mich gefreut, als ich des Löbels Flugblatt im Briefkästle fand! Ein Traum von einem Menschen ist er, der Nikolas. Und sein Flugblatt ist auch ein Traum von einem Menschen. Der Traum, einmal im Landtag zu sitzen…

Wird auch Zeit!

Die roten Bäckchen, das Hemd, der Anzug. Der graue Hintergrund versprüht ungeahnte Seriösität und die Schrägheit seines Kopfes unendliche Jugendlichkeit. Aber Äußerlichkeiten sind nichts, was die Menschen an die Urne lockt. Denn das Innere zählt, beim Kandidaten wie beim Flyer.

Der Mensch Löbel ist „leidenschaftlicher Fasnachter“, was man an seiner umwerfenden Kostümierung auf dem Bild erkennt. Stolz steht er neben dem Prinzen, Löbel sucht die Nähe des Adels.

Der Mensch ist auch „ein typisches Kind“ seiner Generation – Generation ’86, die Generation der Scheidungskinder und selbstständigen Stiefväter. Ein Jurist der Universität Mannheim, was irreführend ist. Denn der Campus Mannheim, bildet gar keine Juristen aus, sondern Unternehmensjuristen. Paragraphenreiter, die niemals Richter werden können, höchstens Steuerschlupflöcher für Bauunternehmen suchen.

Nichtsdestotrotz ist der schmucke Anzugträger jemand, der „die alltäglichen Sorgen und Nöte“ kennt. Seit er ein junger Abiturient war, folgt er seinem völlig originellen Motto „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, was wohl fast jedes zwölfjährige Mädchen als Motto bei SchülerVZ angibt – aber dies zeigt ja nur noch mal die Volksnähe und Jugendlichkeit des verklemmten Gesetzesschmöckerers, der sich „mit Herz, Mut und Verstand“ engagiert. Herz und Mut sind ihm durchaus zuzutrauen.

Für den Arbeiter Löbel bedeutet Selbstständigkeit „vor allem finanzielle Unabhängigkeit“. Zyniker würden dem Freizeitbauarbeiter nun vorwerfen, dass er diese Unabhängigkeit durch das Frisieren von Finanzberichten und Steuerbescheiden erreichte. Die Wahrheit sieht anders aus. Früh ist der Mensch Löbel aus dem elterlichen Nest voller alltäglicher Sorgen gezogen und erarbeitete jeden einzelnen Euro durch „körperlich harte Arbeit unter schwersten Bedingungen“. Der Proletarier Löbel kämpft für eine Jugend, die „unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern“ ist. Wie er das tun will, das verschweigt der kluge Taktiker Löbel.

Die Jugend ist für den geistigen Altsenior Löbel eine schlimme Krankheit, die sich nur langsam bessert. Neben „Träume nicht dein Leben usw.“ vertritt Traumtänzer Löbel nämlich noch ein weiteres Motto;  Jugendlichkeit ist die Volksgeißel, der Löbel durch Arbeit für die CDU entfliehen will.

Den Verführungen des Adels erliegt jeder, auch ein Nikolas Löbel. Ob Karnevalsprinz Oliver oder Freiherr Guttenberg, der Löbel hatte sie alle. Gebannt hängt er an den Lippen des Armeeministers und folgt auch dessen Motto: „Immer dankbar sein, immer Träume haben und niemals aufgeben“, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und doch begeht dem Adelskenner Löbel ein Fauxpas, als er den überführten Trickbetrüger und Schwindler Guttenberg mit „Dr. [sic!] Karl-Theodor zu Guttenberg“ vorstellt. Doch als Jurist weiß Löbel natürlich um die Bedeutung akademischer Titel, steht er doch selbst kurz vor dem Examen.

Eine Liste der Dinge, für die der Politprofi Löbel steht, darf nicht fehlen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Werbefachmann Löbel setzt selbst beim Plakatieren auf neue Ideen. Überall in Mannheim stehen lebensgroße Pappaufsteller des volknahen Löbels herum, wie auf dem Bild des Flyers zu sehen. In der Hand das seriösgraue Schild und sein viertes Motto, ein zeitlos schönes: „Zeit für neue Ideen!“ 

Der trendige Löbel geht ungeahnte Wege, denn nichts repräsentiert einen CDU-Landtagsabgeordneten in spé besser, als ein zweidimensionaler Aufsteller aus Pappe. Böswillige Zeitgenossen enthaupteten bereits einige dekorative Papplöbels.

Zu guter Letzt bettelt der Löbel förmlich um Stimmen, denn „der Mannheimer Norden hatte noch nie einen CDU-Abgeordneten“, was man dem Mannheimer Norden gar nicht ansieht, denn er sieht ebenso degeneriert aus wie seine Bewohner. Doch das Fehlen eines CDU-Mannheimnord-Abgeordneten sorgte dafür, so der messerscharfe Kombinateur Löbel, dass der Mannheimer Norden „faktisch keinen Einfluss auf die Landespolitik“ hat und hatte. Löbel muss also folgerichtig „das Direktmandat gewinnen“, weil. Weil… weil. Die Begründung ist egal, denn „auch der SPD-Bewerber“ wird, wie „alle anderen Kandidaten“ auch über das Zweitmandat in den Landtag rutschen. Offenbar kann im Norden der Stadt an Rhein und Neckar niemand das Direktmandat gewinnen, es blieb immer vakant im Landtag. Damit sich das ändert, muss Löbel nach Stuttgart.

Nun ist die Verwirrung groß, wen soll man wählen? Der Flyer suggeriert „Löbel“, doch das ist nicht so einfach. Denn auf dem Wahlzettel heißt der Namenstrickser Löbel nicht Löbel, sondern Koch-Löbel. Diesen Makel möchte er loswerden, damit er demnächsten auch unter dem Namen firmieren kann, mit dem er „groß und bekannt geworden ist“.

Drum Löbel (bzw. Koch-Löbel) wählen, Insassen des Mannheimer Nordens! Damit Nikolas Löbel noch größer und noch bekannter wird und sich für unsere Stadt und unser Land einsetzt. Und irgendeiner muss es ja machen.

Written by Quax

26. Februar 2011 at 15:46

Veröffentlicht in Politik

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Reicht jetzt, ja?

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Okay, Freunde. Ein letztes Mal Guttenberg, der arme Mann macht’s ja nicht mehr lange. Aber eigentlich geht es nicht um ihn direkt, sondern über ihn.

Gefühlt haben wir Tag tausend nach Affäre Gutt. Ja, er hat’s verdient und ja, die Häme war angebracht und ja, wir hatten alle unseren Spaß. Aber irgendwann ist’s auch mal gut. Man soll ja aufhören, wenn’s am schönsten ist und diesen Punkt haben wir inzwischen glasklar überschritten.

Was haben wir gelacht und mit dem Finger auf Dr. Trottelkopf gezeigt und uns diebisch gefreut und die allerbesten Zoten gerissen! Jetzt ist aber auch gut. Dass so eine Witzfundgrube erschöpft ist, merkt man daran, dass man keinen Copyshop mehr betreten kann, ohne einen Guttenbergspruch um die Ohren gehauen zu bekommen und alte Witzstrukturen wieder aufgelegt werden. Beispiel? Beispiel:

„Geht Guttenberg an einem Kopierladen vorbei.“

UFFTÄTÄ, UFFTÄTÄ, UFFTÄTÄTERÄTÄTERÄÄ!

Schlimm ist, dass die Affäre so kurz vor Karneval stattfindet. Das bedeutet, dass das Thema in jeder, ich wiederhole, in jeder Büttenrede vorkommen wird, mit irgendeinem Schenkelklopferspruch zum Davonlaufen. Sowas wie:

„‚Nen Ministerwitz hab isch noch hier / doch leider ist er nischt von mier“ Tusch, großes Lachen.

Noch schlimmerer ist, dass bald auch noch Aschermittwoch ist. Das bedeutet, dass die Berufsalkoholiker in den Innenstädten wieder auffallen und politischer Aschermittwoch. Uff. Guttenberg und seine Kopien werden – und da gehe ich jede Wette ein – mindestens von den Grünen, der SPD und den Linken mindestens angesprochen, wenn nicht breitgetreten werden.

Und spätestens, wenn Claudia Roth und Sigmar Gabriel und Klaus Ernst/Ernst Klaus Gags reißen, weiß man: ein Thema ist tot. Freuen wir uns lieber auf die nächste Sau für zum durchs Dorf treiben.

Written by Quax

24. Februar 2011 at 20:19

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Ein Irrer, der durchdreht

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Karl-Theodor zu Guttenberg. Nein, halt, stop: der hat inzwischen genug auf die mediale Fresse bekommen. Apropos auf die Fresse bekommen. In Nordafrika geht’s derzeit ordentlich rund, da bekommt der ein oder andere Diktator ein paar auf die zwölf. Nachdem in Tunesien und Ägypten die Lage einmal umgekrempelt wurde, versuchen’s jetzt auch die lieben Leute in Libyen.

Libyen. Lybien. Libien. Lybyen. Verschiedene, z.T. völlig falsche Namen für ein einziges Land. Und dessen Chef heißt Muammar al-Gaddafi, beziehungsweise eben nicht. Das ganze ist ein bisschen kompliziert, dröseln wir es auf.

Aaaaalso. Neunzehnhundertneunundsechzig putschte Oberst Gaddafi mit ein paar anderen Offizieren den amtierenden König Lübyens weg und formte das Land um. Aus dem sympathischen Sandstaat wurde ein Massenstaat, was bedeutet, dass die Masse herrscht und nicht einer von denen da oben, auf die man so gerne schimpft, weil sie sich stets die eigenen Taschen vollstopfen.

Im Staat regiert die Masse, also braucht man kein Staatsoberhaupt. Sprach Gaddafi und trat offiziell 1979 als Staatsoberhaupt zurück. Als Revolutionsführer blieb er den Lybiern aber erhalten und hält bis heute faktisch die Zügel in der Hand. Das wäre ein bisschen so, als wenn Kurt Beck von seinem Amt als immerwährender Landesherr von Rheinland-Pfalz zurücktreten würde und seine Nachfolger täten trotzdem noch das tun, was Beck wöllte. Ein bisschen so.

Als nicht-und-halb-doch-Staatsoberhaupt entwickelte Gaddafi flugs ein paar Marotten, um das Weltpublikum zu unterhalten. Er hüllt sich in allerlei bunte gewänder und soll auf Staatsbesuche mit einer ganzen Entourage unterwegs sein, wie es sich für einen echten Beduinen gehört. Mit Zelt. In seinem Zelt soll er dann Tips rund um den Islam gegeben haben

Eine ziemlich wirre Geschichte dreht sich um seinen Sohn, Hannibal. Hannibal war mit Bediensteten und Bodyguards in einem Schweizerischen Hotel abgestiegen, gleich zehn Suiten buchend. Denn das muss erwähnt werden, die Gaddafis sind eben so beknackt wie steinreich, nämlich beides in äußerstem Umfang. Jedenfalls, in einer Nacht flüchteten ein paar Bedienstete Hannibals zur Schweizer Polizei und gaben an, der Mann, der Elefanten über die Alpen führte, habe sie geschlagen. Die Polizei suchte daraufhin Hannibal im Hotel auf, doch die lybischen Leibwächter versperrten der Garde suisse den Weg. Nach größerem Handgemenge unter Beteiligten einiger Schweizer Hundertschaften wurde Gaddafis Filius schließlich festgenommen. Er gab, brav wie eine Fliege zu sein und ebenjenen nicht einmal ein Härchen zu krümmen. Arabischen Diplomaten eröffnete der Friedensengel allerdings, dass wenn er eine Atombombe hätte, dann würde er die Schweiz von der Landkarte entfernen.

Rumpelstielzchen Gaddafi kochte vor Wut und sprang um den heißen Brei. Weil die Schweiz die Mafia der Welt sei und Terroristen unterstütze und ohnehin das Böses schlechthin von der Welt sei, müsse man die Schweiz aufteilen. Einen Teil sollte Frankreich bekommen, einen anderen Italien und Deutschland den dritten. Österreich wäre leer ausgegangen. Dieser Vorschlag hätte auf der UN-Vollversammlung angesprochen werden sollen, Lybien hatte den Antrag gestelt, doch es wurde nicht verhandelt. Vielleicht war es ja die Intervention der nichtbedachten Alpenrepublik, die die Zerschlagung des Unrechtsstaates Schweiz verhinderte, wer weiß das schon?

Später, Gaddafi schwafelte sich gerade die Toga fusselig und war grad im Redefluss, rief er zum Dschihad gegen die Schweiz auf. Etwaige Maßnahmen blieben bisher allerdings aus.

Und jetzt das: in Tunesien und Ägypten haben sie erfolgreich ihre Herrscher fortgejagt, in Lybien versuchen sie das gleiche. Aber Gaddafi hat von Ägypten gelernt; er lässt die Demonstrationen gleich zu Beginn gewaltsam räumen. Und von Ägypten weiß er auch, dass das Militär nicht gerne auf eigene Landsleute schießt und deswegen den Dienst quittiert, was momentan auch der Fall ist. Also heuert der Revolutionsführer Söldner an, die sein Volk zu Recht und Ordnung füsilieren sollen. Sogar die Luftwaffe hat er gegen Demonstranten eingesetzt!  Mit Kanonen mit Flügeln auf Spatzen mit Forderungen ballern. Die Demonstrationen in Stuttgart wurden doch auch nicht mit Eurofightern gesprengt.

Die ganze Aufregen scheint Gaddafi nicht gut zu bekommen, zwei Fernsehansprachen hat er bisher gehalten. In der ersten saß er arg verwirrt in einem Wagen, murmelte etwas vor sich hin und hielt einen Regenschirm – Gott weiß, wofür man in einem Land, in dem’s nie regnet, einen Regenschirm braucht – in der Hand. Die zweite Ansprache erinnert dann ein bisschen an das, was Bruno Ganz als der Führer im Film „Der Untergang“ so rumgebrüllt hat. Gaddafi sei noch in Berlin Tripolis und werde sich nicht ergeben, eher werde er als Märtyrer sterben und bis zum letzten Tropfen Blut und/oder bis zur letzten Patrone kämpfen. Dazwischen schnaubte und pausierte er und las aus einem großen grünen Buch.

Märtyrer, hm? Wenn er sein eigenes Volk beschießen lässt, wird ihm sein Wunsch sicher bald erfüllt werden. Ich vermute mal, einfach so ins Blaue hinein und ohne von irgendwas eine Ahnung zu haben (bis vor ein paar Stunden hätte ich Tobruk in Tunesien und nicht in Lybien vermutet – so kann man sich irren!), ich gebe dem Revolutionsführer noch maximal zwei Wochen, ehe er den Dienst quittiert. Wetten werden keine entgegen genommen, wo sind wir denn hier? Also bitte…

Written by Quax

23. Februar 2011 at 19:54

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Die Unverbesserlichen

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Eigentlich ist das Thema ja gegessen. Eigentlich braucht man dazu nichts mehr zu schreiben, bis die Uni Bayreuth zu irgendeinem Schluss gekommen ist. Eigentlich, eigentlich. Aber dann muss ich sehen, dass es auf Facebook nun eine Guttenbergunterstützungsseite gibt. Mir tut der Kopf weh.

Wenn man die Unterstützerseite betritt (und ich werde sie nicht verlinken, ich will ja nicht noch Werbung für den Unsinn machen), sieht man Guttenbergs Frontalprofil inklusive Grinsen. An der Uni Mannheim nennen wir solche Visagen Gesichterzumreinschlagen. Und trotzdem haben über 90.000 Menschen (oder ein Guttenberg und 89.999 Zweitaccounts) den „gefällt mir“-Button geklickt, um zu signalisieren: gefällt mir.

Im Kommentarbereich der konservativen Guttenbergschen Verteidigungsmassen findet sich dann jede Phrase, die man kennt und liebt. „Typisch deutsch !!“, „Armes Deutschland !!“, „bei einem SPD-Mann hätte es das nicht gegeben !!“ und fassungslose Betroffenheit ob der Vorverurteilung – ja, es ist nicht leicht, in diesen Tagen CDU-Freund zu sein.

Am allerbesten gefallen mir aber die Versuche, das ganze Ausmaß kleinreden zu wollen. Guttenberg habe ja „nur ein paar Fußnoten“ vergessen und überhaupt, in jeder Doktorarbeit würde man seitenweise zitieren und dann ab und an mal eine Quellenangabe vergessen.

Bwahaha.

Der gute Mann hat ganze Absätze aus Zeitungsartikeln geklaut und dann solche Sachen wie „im nachhinein“ durch „ex post“ zu ersetzen, was klüger weil fremdwörtiger klingt. Dazu kommt ja noch, dass Dr. Langfinger nicht irgendwelche Faktendarstellungen für seinen Mittelteil geklaut hat, sondern gleich für die Einleitung gestohlen hat, als ob’s kein Morgen gäbe. Dito bei Bewertungen von Sachverhalten. Also eigentlich den Kernstücken einer Arbeit. Jeder Idiot kann eine Einleitung und Bewertung schreiben, Himmel, ja selbst ich kann das!

Und wenn man in einer Doktorarbeit seitenweise zitiert, hat man ohnehin irgendwas falsch gemacht. Ja, eine Fußnote kann man mal vergessen, wenn man derer über tausend hat – nebenbei, ist jemandem aufgefallen, dass im Laufe der Diskussion die Zahl der Fußnoten von 1200 auf 1300 erhöht hat?
Jedenfalls, eine Arbeit, in der Fußnoten „vergessen“ (aber sicher!) werden, ist dann bestimmt kein „summa cum laude“ (Lateinisch für „Addition mit Spaß“) wert.

Falls das an der Uni Bayreuth so usus (Fremdwort! Fremdwort! Ich bin so intellent!) sein sollte, vielleicht sollte ich da auch promovieren. Da schafft’s ja jeder Depp.

Written by Quax

20. Februar 2011 at 20:27

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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Er ist Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand

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Guttenberg ist ein toller Kerl. Er ist nicht nur Freiherr sondern auch Doktor der Jurisprudenz und kennt sich als solcher natürlich mit allerlei Gesetzen und Rechtsgedöns aus. Er weiß, was man machen darf und was man nicht tun darf, sozusagen verboten ist. Zum Beispiel Klauen. Nein, nicht das, was Tiere an den Pfoten haben, sondern Diebstahl. Das wüsste Guttenberg, wenn er seine Dissertation selber geschrieben hätte.

Ein Bremer Professor hat spaßernshalber mal mit Guttenbergs Doktorarbeit das gemacht, was mit jeder ordentlichen Uniarbeit passiert. Er hat sie durch eine Software gejagt, die nachschaut, ob irgendwo in der Arbeit Stellen sind, die nicht als Zitat gekennzeichnet sind, aber trotzdem wortwörtlich übernommen wurden. So etwas nennt man Plagiat und wird mit Zuchthaus nicht unter tausend Jahren bestraft.

Der Prof aus der Fischkoppstadt fand heraus, dass mindestens drei Seiten der Arbeit aber so dermaßen abgeschrieben sind, dass es nicht mehr feierlich ist. Die Süddeutsche Zeitung machte sich mal die Mühe und verglich die Originaltexte mit dem, was der Guttenberg da zur Promotion eingereicht hatte, damals in Bayreuth. Er hatte die Promotion damals, vor vielen vielen Monden, erfolgreich bestanden, sogar mit eins plus mit Sternchen und Auszeichnung, nämlich „summa cum laude“, was soviel bedeutet wie „geilstes Zeuch ever“.

Jetzt gibt’s unterschiedliche Weisen, wie man reagieren kann. Entweder erkennt man dem Räuber Guttenberg den Adelstitel Doktortitel ab und die Sache ist gegessen. Oder aber man überlegt, warum Guttenberg die Doktorwürde der Rechtsgelehrtheit ohnehin nicht verdient hat.

Mal angenommen, er hat die Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben und sich ganz allein die passenden Textpassagen zusammengeklaut. Dann hat er eine Straftat begangen, um im Fach Jura zu promovieren, ist also Doktor der Gesetze, der selbige ohne mit der Wimper zu zucken bricht. Und einem Straftäter einen Titel in Rechtswissenschaften zu geben, wäre ziemlich paradox.

Eine andere Möglichkeit wäre, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst, sondern einen Ghostwriter beauftragt, die Arbeit zu schreiben. Dann scheint Guttenberg recht knausrig gewesen zu sein, wenn der Ghostwriter so unmotiviert war und die ein oder andere Stelle aus anderen Texten kommentarlos übernahm. Das täte bedeutet, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst und dementsprechend auch keine Ahnung von Recht und Gesetz, weswegen er den Titel abgeben müsste. Der ginge dann an den Ghostwriter, als eigentlichen Verfasser der Doktorarbeit, über – damit man sie ihm wegen Plagiatsvorwürfen wieder aberkennen kann.

Written by Quax

16. Februar 2011 at 18:13

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Geographie und Grenzen

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Mit gemäßigtem Interesse überflog ich gerade den SPONschen Artikel zur Einführung eines Vertriebenengedenktages. Die Koalition möchte den vertriebenen Deutschen einen eigenen Gedenktag geben, aber ein paar Historiker möchten das nicht und haben einen Brief geschrieben. SPON nennt eine Hand voll Historiker. Und was entdeckten meine trüben, glasigen Augen da? Na?

Exakt nämlich sowas hier, einen Meilenstein der Aktualität und Orthographie:

Den Aufruf haben unter anderem […] aus der Slowakei Dusan Kovac, aus der Tschecheslowakei Kristina Kaiserova unterschrieben.

Tschecheslowakei.

Moment, moment.

Fangen wir damit an, dass es die Tschechoslowakei seit gut zwei Jahrzehnten nicht mehr gibt. Das kann man wissen, wenn man Allgemeinbildung hat, das sollte man wissen, wenn man Abitur hat und das muss man wissen, wenn man Artikel bastelt. Dass es besagte Tschechoslowakei nicht mehr gibt, hätte man daran erkennen können, dass Historiker #1 aus der Slowakei und Historiker #2 aus der Tschechoslowakei kommen soll. Tip für alle geistig umnachteten Freunde: Das Land, wo der SPON-Mann meinen tut, ist Tschechien. Aus Tschechoslowakei wurden Tschechien und Slowakei

Klar soweit? Gut.

Zweiter Punkt: wenn man schon ein existierendes Land aus reiner Gewohnheit mit dem Namen eines nicht mehr existierenden bezeichnet, was in etwa so wäre, als würden wir von ganz Deutschland als DDR sprechen, dann sollte man den Namen des nicht mehr existierenden Landes wenigstens richtig schreiben. Und nicht so, wie man den Namen des nicht mehr existierenden Landes vor sich hinnuschelt. Sondern nämlich:

T-S-C-H-E-C-H-O-S-L-O-W-A-K-E-I

Habe die Ehre.

Written by Quax

15. Februar 2011 at 09:21

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