Misanthropenwald

Der Bastian Sick ist dem Lehrer sein Mario Barth

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Überall finden sich Menschen, die sich für gebildet und besonders vornehm-klug halten; im Grunde leben wir in einem Land voller Til Schweigers und unser König ist Sprachdiktator Bastian Sick. Der Oberlehrer machte sich einen Namen und einen Spaß durch die Zurschaustellung sprachlicher Unzulänglichkeiten anderer Leut‘ und versteht selbst äußerst wenig Spaß.

Da liest man nämlich auf dem Lawblog folgende Posse: Bastian Sick verklagt Google. Gut, das kann vorkommen, was ist denn der Anlass für die Klagerei? Herrn Sick gefällt nicht, was Google so ausspuckt, wenn man seinen Namen sucht, denn darunter befindet sich auch eine Satire von Welt.de, in der er ordentlich runtergeputzt wird. Nicht das Auftauchen des Artikels selbst wurmt den Besserwisser, sondern die Tatsache, dass Google die Satire nicht als Satire kennzeichnet und viele Menschen nun einen falschen (und doch irgendwie richtigen) Eindruck von Bastian Sick bekommen könnten.

Nundenn. Jeder, der den Welt-Artikel gelesen hat, dürfte ziemlich flott bemerkt haben, dass es sich dabei um eine Satire handelt, sofern er nicht völlig matsche im Kopf ist. Aber dann schaut man sich die Kommentare unter dem Artikel an. Nicht jeder wurde mit der Gabe des Verstandes gesegnet, denn Nadja kommentiert verwirrt:

So ein Quatsch! Ich war gestern da. Ausverkauft bis auf den letzten Platz. Nichts von dem, was hier steht, ist wahr. Das Publikum war begeistert, es gab weder Banner noch Unterschriftensammler im Vorraum. Das Publikum wollte Zugaben und Bastian Sick hat drei gegeben. Es wurde die ganze Zeit herzhaft gelacht – ohne Ausnahmen. Ich versteh nur Bahnhof und weiß nicht, was das hier soll.

Ahnungslosigkeit, gepaart mit Naivität und Engstirnigkeit ergibt ein besonders hässliches Kind, den Bastian-Sick-Fan. Statt eines anerkennenden Schmunzelns, das bei Sicks Gedöns durchaus mal drin ist, wurde also „herzhaft gelacht“. Uff. Auch Manu ist sehr geschockt:

Was man hier unter Satire verteht, ist einfach widerlich. Selbst wenn ein Mensch schlechte Auftritte macht, ist es ekelhaft einen solchen Sch… daraus zu machen. Und das ist bei Bastian Sick nicht mal der Fall.
Es ist außerdem verantwortungslos, zumal ich fast 5 Minuten brauchte, um zu bemerken, dass es in dieser Kategorie stand – über die Googlesuche nach Bastian Sick kommt man nämlich so schnell hier her, dass sich sicherlich nicht viele Leute die Zeit nehmen und auf den Gedanken kommen, dass solch ein Artikel trotz allem nicht den Tatsachen entsprechen könnte.

Die eigene Blödheit ist „verantwortungslos“, das Wort „Scheiß“ ist natürlich sehr unanständig und muss mit „Sch…“ umschrieben werden, welcher außerdem noch „ekelhaft“ ist und was man hier unter Satire verteht [sic!, haha] – da sieht man mal, wie viel so ein Sickbesuch dem eigenen Sprachgefühl bringt -, ist „einfach widerlich“. Einen gutspießerlicher Kleinbürger, den wir hier haben. Jemand, der vermutlich von sich selbst behauptet, sonst „gerne zu lachen“ und „viel Humor“ zu haben. Das sind die schlimmsten! Das ist das, was man gemeinhin auch als „humorloses Pack“ beschimpfen muss, denn es geht ja nicht anders. Furchtbar, aus was für Menschen sich das Welt.de-Publikum zusammensetzt. In die gleiche Kerbe wie Manu schlägt auch Geordie:

Ich habe Sebastian Sick gestern und heute abend zum ersten mal gesehen, fand ihn einfach super und wollte nun mehr über ihn erfahren. Um so erschrockener war ich, diesen asozialen „Satire“-Beitrag zu lesen. Auch bei mir hat es länger gedauert, bis ich merkte, daß es nur ein „Spaß“ sein soll. Allerdings kann ich genausowenig darüber lachen, wie die meisten der Kommentarschreiber hier.
Wer so eine dumme Scheiße schreibt und dann auch noch Geld dafür bekommt…
Ich kann Marcel Reich-Ranicki absolut verstehen.

Aber natürlich, „erschrocken“. Erschrocken und bestürzt, das sind solche Menschen, solche Bastian-Sick-gut-Finder und Til-Schweiger-Gucker. Der Beitrag ist natürlich „asozial“, geht ja um jemanden, den man selbst gut findet. Ginge es im gleichen Artikel um Westerwelle, täten sie alle lauthals lachen, weil den mag man ja nicht, höhö. Solche Leute lachen auch hohoho“, wenn ein linksliberaler Kabarettist (Tautologie?) einen kleinen Seitenhieb auf den Islam oder die Grünen bringt. Bestürzt ist auch Mirijam:

Ich kann mich den letzten Beiträgen nur anschließen und meine Empörung ausdrücken. Ich bin entsetzt. Hier ist wirklich alles übertroffen worden- vor allem der gute Geschmack. Mir ging es genauso, dass ich diesen nicht lustigen sondern rufmordenen Beitrag über die Suchmaschine als eines der ersten Texte zu lesen bekam und fassungslos, mitleidend für wahr nahm. Wir können hier noch lange Kommentare schreiben, aber ich finde, dieser beschämende Artikel sollte so schnell wie möglich enternt werden, damit nicht immer noch mehr Leute diesen Unsinn lesen und wenn sie nicht so fassungslos nach Details weiterlesen, noch für wahr nehmen! Dieser schlimme Schund schadet auch „WELT“. Eine Entschuldigung- ebenfalls veröffentlicht- wäre angemessen. Was hat sich der Schreiber nur dabei gedacht?

Empört! Empört und entsetzt! Das ist man, weil hier ja die Grenze des Geschmacks (gut) überschritten wurde und das ganze „rufmordend“ ist. Da ist man natürlich fassungslos, wenn der Lieblingsautor so geschmacklos gerufmordet wurde. Was hat sich der Schreiber nur dabei gedacht? Und warum denkt niemand an die Kinder? Armes Deutschland !!!1

Doch genug von gespielter und echter Empörung und der Bloßstellung der sickschen Verteidigungsmiliz. Das alberne Kasperletheater um diese ganz gelungene Satire (die einem umso besser gefällt, je weniger man den Sick mag) ist auch anderen ein Dorn im Auge. So findet man im Internet, das ja wohl ein rechtsfreier Raum ist, warum unternehmen unsere Politiker nicht mal was dagegen, satt dem kleinen Sparer immer nur das Geld aus der Tasche zu ziehen – im Internet findet man also Kommentare, die vorschlagen, jegliche Suchanfrage zu „Bastian Sick“ völlig ins Leere laufen zu lassen oder – auch sehr schön – auf Suchbegriffe wie „Penisvergrößerung“ umzuleiten.

„Mensch, Quax“, werdet ihr sagen und fragen, „woher kommt dein ganzer Abscheu über den armen Herrn Sick denn her?“ Auf diese mir nie gestellte Frage möchte ich eine uninteressante Antwort geben. Ich hasse gerne. Was mich bei Bastian Sick besonders sickig (Haha, get it? Na? Na?) macht, zeigt ganz gut dieses Interview, das das Deutschlandradio mit einem Sprachwissenschaftler geführt hat. Der Mann, der im anglophonen Raum wohl als General Grammar Nazi bekannt wäre, ist schlichtweg nicht vom Fach. Er hat von Sprache genauso viel Ahnung als wie du und ich. Bastian Sick hat Romanistik studiert. Ro-ma-nis-tik! Den Erzfeind der Germanistik. Bastian Sick hat im Laufe seines Spracherwerbs nicht eine Germanistikvorlesung auch nur freiwillig mit dem Arsch angeguckt. Dann wüsste er vermutlich, dass Sprache sich verändert. Latein, zum Beispiel, Latein hat sich jahrelang fröhlich vor sich hin entwickelt, dann irgendwann nicht mehr und zack! ausgestorben. Die Elitesprache Deutsch hingegen hat sich aus Grunz- und Kratzlauten über Röchelklänge zu Goethe entwickelt und von da aus immer weiter. Weil der Deutsche gerne spricht. Und wenn der Deutsche spricht, tut er nunmal Fehler tun. Und die Fehler, gefallen anderen Deutschen dann und verbreiten sie unter wieder anderen Deutschen, insofern sie nicht alle gerade Krieg untereinander führen oder einen Verein gründen oder sowas, woher soll ich das auch wissen, bin ich etwa Historiker? Oder Germanistiker?

Wie dem auch sei, das, was eigentlich als Fehler gelten söllte, wird auf einmal zur Regel, weil es nach dem Sprachgefühl richtig ist. Und das Sprachgefühl ist das wo sich verändert. Stattdessen klammert sich der Oberlehrer (oder wenn wir ganz lustig sein wollen: Oberleerer, hihi!) an die momentan vorherrschenden Regeln.

Vermuthlich weyss Herr Sick nicht-eynmal, dasz es eyne eynheithliche theutsche Rechtschreybunck erst seith 1901 giebt; davor untherschied sich nicht nur die Rechtschreybunck von theutschem Lande zu theutschem Lande, sondern gar von Schule zu Schule ûnd bisweylen gar von Lehrer zu Lehrer inner-halb eyner Schule. Tanderadey!

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Written by Quax

7. Februar 2011 um 13:16

Veröffentlicht in Polemik

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