Misanthropenwald

Zigarren muss man anzünden – Teil II.

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Besser spät alswie nie, aber jetzt geht’s weiter! Das Fernsehereignis vor dem Herrn, die Hindenburg. Spannung aufgebaut, bisher? Wie geht’s weiter mit Merten, Helen und der Bombe?

Nun sind alle auf der Hindenburg. Willkommen in der Vorhölle! Denn nichts gibt es auf dem Zeppelin zu tun. Ü-ber-haupt-nichts! Die Passagiere sitzen den ganzen Tag im Salon und fressen. Fressen, fressen, fressen. Vermutlich ist das ein all-inclusive-Luftschiff, denn einen Geldautomaten wird’s an Bord wohl nicht gegeben haben. Aber zurück zu diesem sterbenslangweiligen Fesselballon. Was macht man auf dem Zeppelin, außer mampfen bis der Dickdarm kapituliert? Quartzen bis die Lunge teert, denn einen Rauchersalon gibt’s auch. Rauchen und Spachteln. Und sich die unerträglichen Sprüche des Komikers anhören. Sterbenslangeweile und der furchtbare Clown. So muss man sich das Fegefeuer vorstellen. 

In dieser Mutter aller Pauschalreisen sitzt nun der blinde Passagier Merten und versteckt sich. Denn Herr Lehmann hat über Funk mitbekommen, dass sich ein Mörder an Bord befindet. Er streitet sich mit Käpt’n Preuss um ein paar Offiziere, die Merten suchen sollen. Herr Lehmann bekommt seinen Willen, denn er ist hart und Käpt’n Iglo Preuss ist weich. Das merkt man, weil Herr Lehmann durch die Flure des Zeppelins läuft und dabei düster guckt und noch düsterer sucht. Dabei trifft er auf den kleinen Jungen. Habe ich schon den kleinen Jungen erwähnt? Nein? Dann kommt jetzt der kleine Junge. Der kleine Junge ist der Sohn der flüchtigen Judenfamilie und ein furchtbarer Nervkeks. Er besitzt ein kleines Spielzeugluftschiff und geht mit Hindenburg-Funfacts seiner Umgebung auf den Sack. Er belästigt seine Umwelt mit Hindenburg-Funfacts wie: „Die Hindenburg ist das größte Luftschiff der Welt“ oder „Die Hindenburg ist so groß wie drei Fußballfelder“, denn große Größen werden immer in Fußballfeldern gemessen. So sorgt das Balg auf dem Zeppelin für gehörig Spannung (die wird später noch wichtig) und führt dem äußerst dummen Zuschauer noch vor Augen, das die Hindenburg ganz schön groß ist. Während Herr Lehmann also düster dreinblickend über die Flure huscht, trifft er auf den kleinen Jungen, der gleich einen seiner Hindenburg-Funfacts vom Stapel lässt: „Die Hindenburg ist so groß wie deine Mutter, in ihr hätten drei Airbus A-380 Platz!“ Dann verrät die chinesische Wasserfolter in Menschengestalt dem völlig desinteressierten Herrn Lehmann, dass er mal Zeppelinpilot werden möchte und fragt Herrn Lehmann, ob er denn schonmal Zeppelin gefahren geflogen sei. „Ja“, antwortet dieser missmutig, denn er war bereits Kapitän auf einem Luftschiff. Der kleine Junge ist total beeindruckt und Herr Lehmann sucht düster weiter. Die Hindenburgoffiziere indes sind wesentlich effektiver als die Flughafenpolizei. Denn einer von ihnen findet Merten, der gerade ein paar ominöse Pistazienkerne gefunden hat. Vermutlich ist ein Elefant an Bord; er könnte sich leicht tarnen im grau des Zeppelins. Denn alles ist grau auf der Hindenburg. Die Außenhülle, die Brücke, der Raucherraum, die Gästekabinen. Farbe wird erst die Explosion bringen. Auf einmal haut der Offizier Merten irgendwas schweres an den Kopf und zerohnmächtigt ihn so. Dann kommt er in die Hindenburgeigene Folterzelle.

Unterdessen überbringt ein Offizier Helen die Nachricht, dass ihr Verlobter tot ist. Helen scheint das herzlich wurscht zu sein, denn sie isst gerade mit ihrer Mutter (was soll man auch sonst machen?), während der Clown den Kasper am Klavier macht und mit seiner Sangeskunst die Besatzung in den Wahnsinn treibt. Währenddessen gibt der kleine Junge noch einen Hindenburg-Funfact zum besten („Die Hindenburg ist dreißig Meter kürzer als die Titanic!“). Die Mutter des Jungen wird gerade von einem Luftwaffenoffizier auf’s heftigste beflirtet, doch sie ist verheiratet und ihr Mann ist… irgendwo, mit der Tochter. Vielleicht weiter Führergruß mit dem Hund des Clowns üben.

Merten wird inzwischen einer peinlichen Befragung unterzogen. Das bedeutet, dass ein Gestapo-Mann ihm die Rübe blutig haut, während Herr Lehmann lustlose Fragen stellt. Irgendwann kommt das Thema dann auf die Bombe. Und irgendwie dringt das Thema an Hellen. Und Herr Lehmann sagt, niemand könnte eine Bombe an Bord geschmuggelt haben, denn es sei ja alles durchsucht worden. Und dann fällt Helen ein, dass ihr (nun toter) Verlobter niemanden in seine Zigarrenkiste hat schauen lassen. Also geht’s auf in den Raucherraum, an den Zigarrenschrank. Dort wird die Kiste des Verlobten geöffnet und die Zigarren durchsucht. Und siehe da – in zweien von ihnen ist ein Hohlraum! Und eine Hohlzigarre ist leer, während in der anderen noch eine Stange Dynamit steckt. Ernsthaft. Dynamit in einer Zigarre und das hier ist der RTL-Zweiteiler Hindenburg, kein Daffy-Duck-Cartoon.

Nun wissen die Hauptpersonen: Da ist eine Bombe an Bord! Merten wird freigelassen und darf nun Herrn Lehmann helfen. Der Kapitän gibt eine Durchsage, dass sich die Ankunft in Lakehurst um etwa zwölf Stunden verzögern wird, wir bitten um Entschuldigung, Sänk ju vor Träwweling wis Deutsche Zeppelin.

Die Familie musste sich inzwischen als Juden outen, worüber die Tochter arg betrübt ist. Nachts sitzt sie schmollend im Salon und isst (was sonst). Der Clown kommt und erzählt ihr, dass sie kein Heimweh zu haben braucht, weil Amerika eh viel besser und toller und freier und weniger Regeln und immer gutes Wetter und so. „Aber wir fliegen dann doch weiter nach Argentinien!“, wirft das Gör maulend ein. Ou. Amerika wär toll, aber Argentinien ist ein ziemliches Loch. Und nicht der beste Ort, um sich vor Nazis zu verstecken, in spätestens zehn Jahren sind die eh alle da.

Uff.

Bringen wir das ganze also hinter uns. Merten kommt einem Riesenkomplott auf die Schliche, denn das Auswärtige Amt (wer sonst?) will die Hindenburg sprengen, damit das Heliumembargo aufgehoben wird. Doch der Austausch des gefährlichen Wasserstoffs durch Helium ist nur ein Vorwand, denn eigentlich will Deutschland kein Helium sondern einen Stoff, der in’s Benzin gemixt wird, damit Flugzeugmotoren nicht so schnell den Geist aufgeben. Ganz eindeutig: das sind Kriegsvorbereitungen!

Alle Offiziere an Bord wissen von der Bombe, aber keiner sucht sie, denn bald geht’s an’s Landemanöver, da braucht man jeden Mann, auch Herrn Lehmann. Weil man inzwischen weiß, wann die Bombe hochgehen soll, will man sich beim Landemanöver sputen, um rechtzeitig alle Menschen aus dem Zeppelin zu bekommen, ehe es bumms macht. Supermerten muss jetzt also unbedingt die Bombe suchen, aber vorher beschläft er noch Helen, so viel Zeit muss sein. Auf die Spur des Bombenlegers kommt er schließlich weil er eine Brille findet. Und weil da einer an einer Leiter an der Innenseite der Hindenburgfolie rumklettert. Merten klettert sofort hinterher und jetzt wird es spannend! Beide hängen da so in zehn Meter Höhe in der Hindenburg. Der Bombenbastler tritt nach Merten, doch hat auch Höhenangst. Merten spricht ihm gut zu, doch der Bombenbastler kann die Qualität der Dialoge nicht mehr ertragen und lässt los, in der Hoffnung, die Hindenburgfolie würde seinen Sturz schon abfedern. Tut sie aber nicht, denn die Folie reißt und der Mann, der lernte die Bombe zu lieben, stürzt in die Tiefe (Hindenburg-Funfact: „Die Hindenburg hat eine Reiseflughöhe von dreißig Metern!“).

Merten klettert weiter hoch, macht eine Klappe an der Folie auf und guckt nun aus der Hindenburg ins Freie. Der Zeppelin ist inzwischen in Lakehurst angekommen und fliegt eine scharfe Kurve. Dabei reißt ein Drahtseil im Inneren der Hindenburg und schlitzt ein Loch in einen Gastank, aus dem nun Gas austritt. Merten sitzt derweil auf der Außenhaut der Hindenburg und findet in einer Lasche: La Bomba! Er hat nur noch wenig Zeit! Zwei Drähte lachen ihn an. Welchen muss er ziehen? Den goldenen oder den anderen goldenen? Er entscheidet sich für den goldenen und die Bombe –

ist entschärft. Uff. Jetzt hab‘ ich das aber spannend gemacht, meine Herren! Merten klettert wieder in die Hindenburg und langsam wieder auf den Steg hinunter. Inzwischen werden die Landetaue der Hindenburg abgeworfen und fallen auf lakehurstschen Boden. Dann elektrifiziert sich das Metallgerippe der Hindenburg, was man an den Blitzen sieht, die sich an den Stäben entlangschlängeln. Hier kommt die vorhin erwähnte Spannung ins Spiel. Die Blitze finden das lustige Gasleck und es macht: pif. Dann pof. Dann wumms und die Vorhölle wird zur richtigen Hölle. Merten kann sich mit beherzten Sprüngen gerade so noch retten und die Passagiere hüpfen aus dem Fenster. Der Clown rettet die Tochter der jüdischen Familie, weil ihr der Hund so gut gefallen hat. Der kleine Junge (Hindenburg-Funfact: „Wasserstoff ist leicht entzündlich!“) verliert seinen Spielzeugzeppelin und will ihn retten. Sein Vater sieht das und will seinen Sohn retten, aber beiden ist es nicht vergönnt, zu leben. Der Käpt’n überlebt, Herr Lehmann stirbt an seiner Brandverletzung auf dem Rücken. Merten übersteht alles unbeschadet und Helen muss von Sanitätern versorgt werden.

Dann kommt es zur Schlussszene. Heiner Lauterbach kommt nach Amerika und besucht mit Helen und Merten Helens Vater. Der unterhält sich gerade mit dem deutschen Generalkonsul, der sehr böse ist, denn er hatte den fiesen Plan mit der Hindenbombe. Irgendwann bedroht der Konsul alle mit einer Pistole, wird aber niedergerungen. Vermutlich von Merten. Helens Vater erschießt den deutschen Konsul, dann sich selbst und alle sind glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Fazit: Super Film, echt. Bitte kauft DVDs.

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Written by Quax

14. Februar 2011 um 23:04

Veröffentlicht in Blödsinn, Mischwald

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