Misanthropenwald

Ein Irrer, der durchdreht

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Karl-Theodor zu Guttenberg. Nein, halt, stop: der hat inzwischen genug auf die mediale Fresse bekommen. Apropos auf die Fresse bekommen. In Nordafrika geht’s derzeit ordentlich rund, da bekommt der ein oder andere Diktator ein paar auf die zwölf. Nachdem in Tunesien und Ägypten die Lage einmal umgekrempelt wurde, versuchen’s jetzt auch die lieben Leute in Libyen.

Libyen. Lybien. Libien. Lybyen. Verschiedene, z.T. völlig falsche Namen für ein einziges Land. Und dessen Chef heißt Muammar al-Gaddafi, beziehungsweise eben nicht. Das ganze ist ein bisschen kompliziert, dröseln wir es auf.

Aaaaalso. Neunzehnhundertneunundsechzig putschte Oberst Gaddafi mit ein paar anderen Offizieren den amtierenden König Lübyens weg und formte das Land um. Aus dem sympathischen Sandstaat wurde ein Massenstaat, was bedeutet, dass die Masse herrscht und nicht einer von denen da oben, auf die man so gerne schimpft, weil sie sich stets die eigenen Taschen vollstopfen.

Im Staat regiert die Masse, also braucht man kein Staatsoberhaupt. Sprach Gaddafi und trat offiziell 1979 als Staatsoberhaupt zurück. Als Revolutionsführer blieb er den Lybiern aber erhalten und hält bis heute faktisch die Zügel in der Hand. Das wäre ein bisschen so, als wenn Kurt Beck von seinem Amt als immerwährender Landesherr von Rheinland-Pfalz zurücktreten würde und seine Nachfolger täten trotzdem noch das tun, was Beck wöllte. Ein bisschen so.

Als nicht-und-halb-doch-Staatsoberhaupt entwickelte Gaddafi flugs ein paar Marotten, um das Weltpublikum zu unterhalten. Er hüllt sich in allerlei bunte gewänder und soll auf Staatsbesuche mit einer ganzen Entourage unterwegs sein, wie es sich für einen echten Beduinen gehört. Mit Zelt. In seinem Zelt soll er dann Tips rund um den Islam gegeben haben

Eine ziemlich wirre Geschichte dreht sich um seinen Sohn, Hannibal. Hannibal war mit Bediensteten und Bodyguards in einem Schweizerischen Hotel abgestiegen, gleich zehn Suiten buchend. Denn das muss erwähnt werden, die Gaddafis sind eben so beknackt wie steinreich, nämlich beides in äußerstem Umfang. Jedenfalls, in einer Nacht flüchteten ein paar Bedienstete Hannibals zur Schweizer Polizei und gaben an, der Mann, der Elefanten über die Alpen führte, habe sie geschlagen. Die Polizei suchte daraufhin Hannibal im Hotel auf, doch die lybischen Leibwächter versperrten der Garde suisse den Weg. Nach größerem Handgemenge unter Beteiligten einiger Schweizer Hundertschaften wurde Gaddafis Filius schließlich festgenommen. Er gab, brav wie eine Fliege zu sein und ebenjenen nicht einmal ein Härchen zu krümmen. Arabischen Diplomaten eröffnete der Friedensengel allerdings, dass wenn er eine Atombombe hätte, dann würde er die Schweiz von der Landkarte entfernen.

Rumpelstielzchen Gaddafi kochte vor Wut und sprang um den heißen Brei. Weil die Schweiz die Mafia der Welt sei und Terroristen unterstütze und ohnehin das Böses schlechthin von der Welt sei, müsse man die Schweiz aufteilen. Einen Teil sollte Frankreich bekommen, einen anderen Italien und Deutschland den dritten. Österreich wäre leer ausgegangen. Dieser Vorschlag hätte auf der UN-Vollversammlung angesprochen werden sollen, Lybien hatte den Antrag gestelt, doch es wurde nicht verhandelt. Vielleicht war es ja die Intervention der nichtbedachten Alpenrepublik, die die Zerschlagung des Unrechtsstaates Schweiz verhinderte, wer weiß das schon?

Später, Gaddafi schwafelte sich gerade die Toga fusselig und war grad im Redefluss, rief er zum Dschihad gegen die Schweiz auf. Etwaige Maßnahmen blieben bisher allerdings aus.

Und jetzt das: in Tunesien und Ägypten haben sie erfolgreich ihre Herrscher fortgejagt, in Lybien versuchen sie das gleiche. Aber Gaddafi hat von Ägypten gelernt; er lässt die Demonstrationen gleich zu Beginn gewaltsam räumen. Und von Ägypten weiß er auch, dass das Militär nicht gerne auf eigene Landsleute schießt und deswegen den Dienst quittiert, was momentan auch der Fall ist. Also heuert der Revolutionsführer Söldner an, die sein Volk zu Recht und Ordnung füsilieren sollen. Sogar die Luftwaffe hat er gegen Demonstranten eingesetzt!  Mit Kanonen mit Flügeln auf Spatzen mit Forderungen ballern. Die Demonstrationen in Stuttgart wurden doch auch nicht mit Eurofightern gesprengt.

Die ganze Aufregen scheint Gaddafi nicht gut zu bekommen, zwei Fernsehansprachen hat er bisher gehalten. In der ersten saß er arg verwirrt in einem Wagen, murmelte etwas vor sich hin und hielt einen Regenschirm – Gott weiß, wofür man in einem Land, in dem’s nie regnet, einen Regenschirm braucht – in der Hand. Die zweite Ansprache erinnert dann ein bisschen an das, was Bruno Ganz als der Führer im Film „Der Untergang“ so rumgebrüllt hat. Gaddafi sei noch in Berlin Tripolis und werde sich nicht ergeben, eher werde er als Märtyrer sterben und bis zum letzten Tropfen Blut und/oder bis zur letzten Patrone kämpfen. Dazwischen schnaubte und pausierte er und las aus einem großen grünen Buch.

Märtyrer, hm? Wenn er sein eigenes Volk beschießen lässt, wird ihm sein Wunsch sicher bald erfüllt werden. Ich vermute mal, einfach so ins Blaue hinein und ohne von irgendwas eine Ahnung zu haben (bis vor ein paar Stunden hätte ich Tobruk in Tunesien und nicht in Lybien vermutet – so kann man sich irren!), ich gebe dem Revolutionsführer noch maximal zwei Wochen, ehe er den Dienst quittiert. Wetten werden keine entgegen genommen, wo sind wir denn hier? Also bitte…

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Written by Quax

23. Februar 2011 um 19:54

Veröffentlicht in Politik

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