Misanthropenwald

Ein Mann für alles

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Hurra, am 27.3. ist endlich wieder Landtagswahl, diesmal in Baden-Württemberg! Wahlwerbung überall, Plakate auf den Straßen, Pappaufsteller an Laternen und Flugblätter in Briefkästen. Flugblätter, wie das des CDU-Spitzenkandidaten Nikolas Löbel für den Mannheimer Norden.

Nein, was habe ich mich gefreut, als ich des Löbels Flugblatt im Briefkästle fand! Ein Traum von einem Menschen ist er, der Nikolas. Und sein Flugblatt ist auch ein Traum von einem Menschen. Der Traum, einmal im Landtag zu sitzen…

Wird auch Zeit!

Die roten Bäckchen, das Hemd, der Anzug. Der graue Hintergrund versprüht ungeahnte Seriösität und die Schrägheit seines Kopfes unendliche Jugendlichkeit. Aber Äußerlichkeiten sind nichts, was die Menschen an die Urne lockt. Denn das Innere zählt, beim Kandidaten wie beim Flyer.

Der Mensch Löbel ist „leidenschaftlicher Fasnachter“, was man an seiner umwerfenden Kostümierung auf dem Bild erkennt. Stolz steht er neben dem Prinzen, Löbel sucht die Nähe des Adels.

Der Mensch ist auch „ein typisches Kind“ seiner Generation – Generation ’86, die Generation der Scheidungskinder und selbstständigen Stiefväter. Ein Jurist der Universität Mannheim, was irreführend ist. Denn der Campus Mannheim, bildet gar keine Juristen aus, sondern Unternehmensjuristen. Paragraphenreiter, die niemals Richter werden können, höchstens Steuerschlupflöcher für Bauunternehmen suchen.

Nichtsdestotrotz ist der schmucke Anzugträger jemand, der „die alltäglichen Sorgen und Nöte“ kennt. Seit er ein junger Abiturient war, folgt er seinem völlig originellen Motto „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, was wohl fast jedes zwölfjährige Mädchen als Motto bei SchülerVZ angibt – aber dies zeigt ja nur noch mal die Volksnähe und Jugendlichkeit des verklemmten Gesetzesschmöckerers, der sich „mit Herz, Mut und Verstand“ engagiert. Herz und Mut sind ihm durchaus zuzutrauen.

Für den Arbeiter Löbel bedeutet Selbstständigkeit „vor allem finanzielle Unabhängigkeit“. Zyniker würden dem Freizeitbauarbeiter nun vorwerfen, dass er diese Unabhängigkeit durch das Frisieren von Finanzberichten und Steuerbescheiden erreichte. Die Wahrheit sieht anders aus. Früh ist der Mensch Löbel aus dem elterlichen Nest voller alltäglicher Sorgen gezogen und erarbeitete jeden einzelnen Euro durch „körperlich harte Arbeit unter schwersten Bedingungen“. Der Proletarier Löbel kämpft für eine Jugend, die „unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern“ ist. Wie er das tun will, das verschweigt der kluge Taktiker Löbel.

Die Jugend ist für den geistigen Altsenior Löbel eine schlimme Krankheit, die sich nur langsam bessert. Neben „Träume nicht dein Leben usw.“ vertritt Traumtänzer Löbel nämlich noch ein weiteres Motto;  Jugendlichkeit ist die Volksgeißel, der Löbel durch Arbeit für die CDU entfliehen will.

Den Verführungen des Adels erliegt jeder, auch ein Nikolas Löbel. Ob Karnevalsprinz Oliver oder Freiherr Guttenberg, der Löbel hatte sie alle. Gebannt hängt er an den Lippen des Armeeministers und folgt auch dessen Motto: „Immer dankbar sein, immer Träume haben und niemals aufgeben“, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und doch begeht dem Adelskenner Löbel ein Fauxpas, als er den überführten Trickbetrüger und Schwindler Guttenberg mit „Dr. [sic!] Karl-Theodor zu Guttenberg“ vorstellt. Doch als Jurist weiß Löbel natürlich um die Bedeutung akademischer Titel, steht er doch selbst kurz vor dem Examen.

Eine Liste der Dinge, für die der Politprofi Löbel steht, darf nicht fehlen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Werbefachmann Löbel setzt selbst beim Plakatieren auf neue Ideen. Überall in Mannheim stehen lebensgroße Pappaufsteller des volknahen Löbels herum, wie auf dem Bild des Flyers zu sehen. In der Hand das seriösgraue Schild und sein viertes Motto, ein zeitlos schönes: „Zeit für neue Ideen!“ 

Der trendige Löbel geht ungeahnte Wege, denn nichts repräsentiert einen CDU-Landtagsabgeordneten in spé besser, als ein zweidimensionaler Aufsteller aus Pappe. Böswillige Zeitgenossen enthaupteten bereits einige dekorative Papplöbels.

Zu guter Letzt bettelt der Löbel förmlich um Stimmen, denn „der Mannheimer Norden hatte noch nie einen CDU-Abgeordneten“, was man dem Mannheimer Norden gar nicht ansieht, denn er sieht ebenso degeneriert aus wie seine Bewohner. Doch das Fehlen eines CDU-Mannheimnord-Abgeordneten sorgte dafür, so der messerscharfe Kombinateur Löbel, dass der Mannheimer Norden „faktisch keinen Einfluss auf die Landespolitik“ hat und hatte. Löbel muss also folgerichtig „das Direktmandat gewinnen“, weil. Weil… weil. Die Begründung ist egal, denn „auch der SPD-Bewerber“ wird, wie „alle anderen Kandidaten“ auch über das Zweitmandat in den Landtag rutschen. Offenbar kann im Norden der Stadt an Rhein und Neckar niemand das Direktmandat gewinnen, es blieb immer vakant im Landtag. Damit sich das ändert, muss Löbel nach Stuttgart.

Nun ist die Verwirrung groß, wen soll man wählen? Der Flyer suggeriert „Löbel“, doch das ist nicht so einfach. Denn auf dem Wahlzettel heißt der Namenstrickser Löbel nicht Löbel, sondern Koch-Löbel. Diesen Makel möchte er loswerden, damit er demnächsten auch unter dem Namen firmieren kann, mit dem er „groß und bekannt geworden ist“.

Drum Löbel (bzw. Koch-Löbel) wählen, Insassen des Mannheimer Nordens! Damit Nikolas Löbel noch größer und noch bekannter wird und sich für unsere Stadt und unser Land einsetzt. Und irgendeiner muss es ja machen.

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Written by Quax

26. Februar 2011 um 15:46

Veröffentlicht in Politik

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Eine Antwort

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  1. […] Fresse, ich wollte dir beim letzten Mal schon androhen, dass ich dir auf den Sack gehe, wenn du mir noch einen Flyer in den Briefkasten […]


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