Misanthropenwald

Gewalt an Schule

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Erinnert sich noch jemand an die Lehrerin aus Vechta, die Angst vor Hasen hatte? Nun, sie dürfte folgendes Ereignis freudig mitverfolgt haben, falls sie selbst nicht dabei war.

Wir befinden uns in Schleswig-Holstein, dem gleichmäßig von Bauern und Schafen bewohnten Gebiet, das als Puffer zwischen Hamburg und Dänemark dient. In einer Schule wurde gerade die Steinzeit durchgenommen und ein Landwirt kam auf die gutartigste Idee aller Zeiten, den lieben Kinderlein vorzuführen, wie der steinzeitliche Schleswig-Holsteiner sich ernährte. Dazu brachte er ein Kaninchen mit an die Schule, stand auf dem Schulhof (hoffentlich. Im Klassenzimmer hätt’s eine Riesensauerei gegeben.) und hatte das Kaninchen zwischen seine Beine geklemmt. In Niedersachsen haben sie zu diesem Zweck Ziegen, aber es ging ja nicht um Fortpflanzungsriten aus der Lüneburger Heide, sondern um’s spachteln.

Die Kinderlein standen im Halbkreis um des Landwirts Lenden herum, jeder kam einzeln vor, um sich von Häschen zu verabschieden. Dann schwang der Bauer seinen mächtigen Hammer wie dereinst der Donnergott Thor und schlug dem Karnickel den Schädel ein. Dann häutete er das Tier – oder das, was davon übrig war – und warf es auf einen heißen Stein zum grillen. Steinzeit eben.

Das mag als Idee schon ein wenig beknackt erscheinen, einer Schule anzubieten, im Rahmen der Themenwoche modernes Norddeutschland Steinzeit live auf dem Pausenhof einem Mümmelmann die Rübe zu zerkrümeln. Aber der Landwirt dachte sich nichts dabei, schließlich hatte er bereits an einer Grundschule Hühner geschlachtet.

Wie dem auch sei, mit diesem Ereignis brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie konnte es nur so weit kommen! Wie! Schülervertreter hatten eine Petition eingereicht und flehten den grausamen Metzger von Holstein an, das Leben des Langohrs zu schonen. Alles vergebens. Denn die Klassenlehrerin, die dem Landwirt zustimmte, dass es ja eine super Idee wär‘, vor den Augen von Kindern ein süßes Hoppelhäschen zu zerledern, lehnte auch die Petition ab. Und wie rechtfertigt sich so eine dusselige Lehramtsschnalle, wenn’s um lebende Viecher geht?

Man kann ja auch keine Unterschriften gegen eine Mathe-Arbeit vorlegen!

Jawoll, Klassenarbeit, Schlachterei, wo ist da der Unterschied? Bei beiden fließt Blut und es geht um Leben und Tod. Wobei, für Meister Lampe ging’s ja nur um Tod.

Wie dem auch sei, wie reagieren denn die Eltern vom kleinen Dominic Torben, von Jeremy-Pascal und Sören-Oliver, wenn sie hören, welch‘ Bluttat da stattgefunden hat? Die dumpfbackigen Erzeuger beschweren sich natürlich –  bei der Presse. Wo sonst?

Dort jammern sie dann. Die, die Erziehung sonst nicht so wichtig finden und das lieber der Schule überlassen, weil dafür isse ja da, die Penne. Da fallen dann solche Sätze wie:

Jetzt habe ich noch mehr Probleme, wie ich meinen Kind erklären soll, wo das Fleisch herkommt.

Das bringt der Storch! – halt, doch nicht. Der bringt auch Fleisch, aber das isst man in der Regel nicht. Wie dem auch sei, es ist ja ganz furchtbar, dass Eltern ihren Kinder jetzt was erklären müssen! Ieh, Erziehung, wie schrecklich! Elterliche Pflichten, was’n das? Vor allem, wo das Fleisch herkommt, das ist so ein peinliches Thema, über das man lieber nicht spricht!

Das sollen die mal schön in der Schule lernen!

(Quelle ist mein Informant, der aus geheimdienstlichen Gründen namentlich nicht erscheinen darf)
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Written by Quax

31. März 2011 um 19:52

Veröffentlicht in Bildung

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2 Antworten

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  1. Zuerst wird Knut ermordert und dann noch sowas. In was für einer Welt leben wir eigentlich.
    Aber da sieht man mal wieder: Lehrer gehören eben nicht zu den hellsten! Aber gut das es solche neuen pädagogischen Mwehoden gibt.
    Die nächsten Projektwochen sind übrigens schon geplant:

    „Leben in der Antike“ mit echten Gladiatorenkämpfen und Knabenliebe

    „Leben im Mittelalter“ mit – nein nicht Hexenverbrennung, das war Frühe Neuzeit – sondern mit Kreuzzügen, das lässt sich doch an Schulen besonders gut nachspieln

    „Leben in der Französischen Revolution“ denn auch der Umgang mit der Guillotine will gelernt sein

    Hach da wünscht man sich seine SChulzeit zurück. Hat wer noch weitere Vorschläge?

    klugscheißer

    31. März 2011 at 22:51

  2. „Leben im Absolutismus“ – die Klasse wird zweigeteilt. Die einen bekommen eine Woche nichts zu Essen und müssen hohe Abgaben zahlen. Die anderen dürfen die ganze Zeit feiern, sich den Bauch vollschlagen und alles haben, was sie gerne wollen. Beschweren sich die Armen, werden sie verdroschen oder – bei Wiederholungstaten – hingerichtet.

    „Leben im Imperialismus“ – die Schüler dürfen die Migrantenkinder der Schule Arbeiten schicken und den Lohn einstreichen.

    Generalsekretär

    2. April 2011 at 11:32


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