Misanthropenwald

Hauptsache bunt

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Als Schüler und Student kennt man das ja, man muss einen Vortrag halten und weiß nicht, wie man’s am besten bewerkstelligt. Und weil man fürchtet, dass der Vortrag inhaltlich eher schwach sein wird, stützt man sich voll und ganz auf Powerpoint, macht Folien mit geil viel Animationen und so’n Zeug. Doch Powerpointanimationen sind wie Drogen, irgendwann braucht man mehr davon um high zu werden. Was also tun?

SPON, Werbeplattform für allen möglichen Mist, hat die Lösung! Mit geilen Powerpointalternativen, die „viel hipper, cooler und jünger“ sind, genau wie ihre Benutzer. Yeah! Denn auf Hippness, Coolness und Jungness kommt es an, wenn man ein Referat hält.

Der hippe, coole und junge Exempelstudent ist Philipp von Hammerstein, er studiert BWL – wobei „studieren“ hier schon fast zu viel gesagt ist, denn BWL studiert man nicht, BWL lernt man auswendig und dann bekommt man Multiple-Choice-Klausuren. Doch Erfolgsstudent von Hammerstein ist nicht nur hipp, cool und erfolgsorientiert, weil er BWL studiert und später mal einen Haufen Kohle verdienen wird, nein. Er studiert natürlich nicht an irgendeiner icksbeliebigen Klitschenuni, sondern an der Privtauniversität in Vallendar, dem Nabel der Welt.

Wo also der gemeine Student nächtelang an seiner Powerpointpräsentation feilt, da lächelt der hippcoole Privatstudent Hammerstein nur müde, denn sowas kann ihn nicht beeindrucken. Ihn ödet dieser Vortragsstil geradezu an! Denn Hammerstein weiß, warum Powerpoint mies ist:

Meine Zuhörer brauchen jedes Mal 30 Sekunden, um das Blatt durchzulesen. […] Zeit, in der sie mir nicht zuhören.

Dreißig (in Ziffern: 30) Sekunden für eine Folie (der Privatstudent nennt sie gutsituiert „Slide“), da stand der Hammerstein also während seines Vortrags im Hightech-Seminarraum mit der Stoppuhr und – halt, dass er die Zeit weiß, ist gar nicht das lustige daran, sondern dass die Zuhörer so lange brauchen, um eine Folie zu lesen. Liegt das daran, weil Privatunistudenten im Lesen generell nicht so fit sind? Nein, natürlich nicht. Es liegt vielmehr daran, dass der coole Hammerstein seine Folien vollgestopft hat als wären’s Mastgänse. Mit anderen Worten: wenn ich zu blöd bin, eine Folie meiner Powerpointpräsentation ökonomisch zu füllen, dann brauche ich ein cooles Spielzeug, um meiner Unfähigkeit Ausdruck zu verleihen.

Und dafür fand er Prezi:

Für seine Präsentationen an der Uni suchte er im Netz nach Alternativen und fand Prezi. „Tolle Sache“, lautet sein Fazit nach rund 15 Präsentationen.

Fünfzehn Präsentation hat der 20-jährige Sohn von Beruf also angeblich bereits gehalten, soso. In einem Fach, in dem es keine Seminare gibt, aha. Nun gut, wollen wir uns damit mal nicht aufhalten. Prezi ist also das neue Spielzeug für Leute, die für ordentliche Powerpointpräsentationen zu dämlich sind. Was kann dieses Prezi denn so?

Das webbasierte Programm folgt nicht dem klassischen Präsentationsansatz der Diashow, sondern setzt auf eine Art virtuellen Rundgang durch eine Mindmap. Statt Folien gibt es eine unbegrenzt große Leinwand, auf der sich Elemente frei verteilen lassen.

Boah, voll cool!

Das ganze nennt sich dann übrigens Zooming Presentation, weil man mit der Kamera über dieses wirre etwas namens Präsentation schwebt und auf einzelne Aspekte zommen kann. Und wie sieht das ganze am Ende aus?

In der Praxis sieht die Arbeit mit Prezi vor allem bunt aus: Der Nutzer kann Fotos, Texte oder Videos auf die Präsentationsfläche ziehen. Die Elemente lassen sich drehen, verschieben und in der Größe verändern. Das Ergebnis erinnert an eine Filmvorführung

Genau das, was eine Präsentation machen soll! Vom eigentlichen Vortrag ablenken! Mit vielen bunten Bildern und Animationen und wusch und hui! Wer braucht da noch Inhalt, wenn der nächste Spiegelstrich angeflogen kommt, eine kleine Schleife fliegt und wieder davondüst?

Und wie findet Spitzenprivatstudent und Massenpräsentator Hammerstein diese Zooming Presentations? Natürlich H-A-Doppel M-E-R! Außerdem:

„Der Redner muss sich in seinem Thema sehr gut auskennen.“ Wer beim Vortragen schüchtern sei, für den seien solche Programme weniger geeignet.

Jahaha, das ist nix für Weicheistudenten, sondern was für Menschen mit gigantischen Eiern! Oder für Referenten, deren Themen so dermaßen wurscht sind, dass ein roter Faden völlig deplaziert wär und Inhalt nur von den geilen Kamerafahrten und Zooms ablenken tät‘.

Wer von Prezi allerdings nicht überzeugt ist, der kann es ja mal mit anderen Produkten versuchen, wie SlideRocket, wo der Name schon sagt, wohin die Reise geht. Denn während man über die Slides rocketet, kann man gleichzeitig twittern oder eine Nachricht auf Facebook schreiben! Das ist ja so geil, das braucht man unbedingt! Wie konnte man Referate nur bislang ohne halten?

Wem das dann doch zu viel Hobei ist, der kann ja auf Zoho Show zurückgreifen, die schlankere Variante von dem ganzen Scheiß:

Wer eine solide Präsentationssoftware ohne zu viele Funktionen und Schnickschnack sucht, wird hier ausgezeichnet bedient.

Oder kann gleich bei Powerpoint bleiben.

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Written by Quax

16. April 2011 um 23:38

Veröffentlicht in Mischwald

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2 Antworten

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  1. Hehe sehr gut, mal wieder alles dabei, was ein ordentlicher Post so braucht: BWLer-Bashing, Veriss über Powerpoint und Verhöhnung sinnfreier Pseudoalternativen.
    Hab den Artikel auch gelesen und fands erst gar nicht so schelcht. Hab mir dann aber auf der Seite angeschaut, wie sich der Quatsch in reality gestaltet – das Ergebnis war verhherend Muss schon nervig sein, wenn der Referent stets hinter dem Laptop sitzt, weil er mit der Maus seine tolle Präsentation steuern muss.
    Der Herr BWL-Student hat aber auch keien richtige Ahnng, wenn er meint, wie super toll das ist. Denn die Frau, die das Programm testete, meinte ja, dass es für Business-Presentationen eher nicht geeignet ist. Aber der Hammerstein macht bestimmt superkreatives Zeugs, ganz ohne Zahlen – ist ja in der Finanzwelt eher zweitrangig.

    klugscheißer

    17. April 2011 at 22:11

  2. Ich hab zwar selber noch nicht mit Prezi gearbeitet, aber mal ein Referat, das damit gestaltet war, gehört. War ziemlich gut. Ewiggestriges Geseiere hier aus der Historiker-Ecke.

    Der krawallige Achjamann

    21. April 2011 at 00:20


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