Misanthropenwald

Besser spät als nie

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Im Jahre 1517 flitzte ein kleiner, dicker Mönch durch Thüringen und hängte einen Zettel mit einigen Thesen an eine Kirchentür. Dann schimpfte er laut über die Kirche, pöbelte ein bisschen in der Weltgeschichte herum und bezichtigte den Papst, der Antichrist zu sein. Ihr merkt’s schon, es handelt sich um Martin Luther.

Nicht ganz fünfhundert Jahre später saßt in Augsburg ein Bischof namens Müller, der mag sich wohl gedacht haben: „Mensch, wie kommen ich und meine Kirche, die da ist katholisch und den Papst super findet, mal wieder so richtig in die Schlagzeilen?“ – oder etwas in der Art. Dann blätterte er vermutlich das Offizielle Handbuch zur PR der Röm.-Kath.-Kirch. und schaute, was es da so gab: unsinnige Behauptungen, Wohltätigkeitsorganisationen, Wunder, Marienerscheinungen, Nazivergleiche – nein, das war nicht das, was Bischof Müller suchte.

Als schlug er in seiner Feindesliste nach, ob man da irgendetwas brauchbares findet, denn Anschuldigungen sind ja immer gut. Hexen? Doch nicht im zwanzigsten Jahrhundert! Homosexuelle? Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Ungläubige? Das Feld hat dieser Sarrazin schon abgegrast. Protestanten? Hm…

Hmm…

Protestanten! Diese Schlingel, die weder den Papst, noch die wahre Kirche anerkennen und so! Die sollen sich mal für irgendwas entschuldigen, wie… wie…

Was mag Müller dann wohl gemacht haben? Hat er das Lexikon der 1000 schönsten Protestantentaten aus dem Giftschrank genommen? Dann schlug er bestimmt wahllos eine Seite auf, deutete auf einen beliebigen Begriff und sagte dann sowas wie: „Ja. Das ist gut, dafür müssen sie sich entschuldigen und zwar sofort!“

Dann ging Müller an die Öffentlichkeit und forderte, dass die Protestanten sofort und höchstoffiziell Abstand nehmen sollen, von Luthers Behauptung, der Papst sei der Antichrist.
Das klingt jetzt nicht so clever für einen Laien – aber vielleicht muss man katholisch sein, um zu verstehen, warum man sich nun ausgerechnet jetzt von einer fünfhundert Jahre alten Behauptung distanzieren muss.

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Written by Quax

28. April 2011 um 15:42

Veröffentlicht in Mischwald

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Eine Antwort

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  1. Warum sollte eine solche Distanzierung notwendig sein? Die protestantische „Kirche“ ist eine seit Jahrhunderten unverständlicherweise geduldete Sekte, die mit ihren Irrlehren bereits Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen ins Feuer der Hölle gerissen hat.

    Die ehrwürdige, einzige und wahrhaftige katholische Kirche, die derzeit so weise von Papst Benedikt XVI. geführt wird, hat es nicht nötig, die Entschuldigung eines Haufens von Häretikern und irrgläubigen Laienpredigern entgegenzunehmen.

    Ebenso wenig, wie ein Staat diplomatische Beziehungen zu Kleingärtnervereinen unterhält, ist die katholische Kirche auf irgendeinen Kontakt zu den Protestanten angewiesen.

    Wer Ironie findet, darf sie behalten.

    Der Kardinalsekretär

    29. April 2011 at 14:44


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