Misanthropenwald

Archive for Juli 2011

Weniger ist mehr

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Kinder, Kinder… Das ist es, wovon wir zu wenig haben. Wir haben die wenigsten Kinder Europas. Aber nur vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht und unter Umständen. 

Da liest man unter anderem bei der Deutschen Welle, dass in Deutschland pro Jahr nur noch zwei Kinder zur Welt kämen und wir damit europaweit die dickste Staubschicht in unseren Kreißsälen hätten. Panik Panik, der Deutsche stirbt aus.

Bei SPON liest sich die Sache anders, denn da hat Italien die rote Laterne.

Jetzt meine berechtigte Frage: Wer hat recht und wer nich‘?

Written by Quax

29. Juli 2011 at 17:37

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Äh…

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In Mecklenburg-Vorpommern leben Menschen. Erstaunlich genug.

Aber da wird auch bald gewählt und die CDU hat was als Wahlslogan?

C wie Zukunft

Äh… Dacu möchte ich nichts mehr sagen.

Written by Quax

26. Juli 2011 at 15:02

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Harald Schmidt

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Kommen wir nun zu einem Thema, das mir persönlich am Herzen liegt, diesem kleinen, schwarzen Klumpen in meiner Brust: Döörty Harry. Der Late-Night-Talker hat ganz schon abgebaut und das gefällt mir ganz und gar nicht.

1995 war ich mit meinen sieben Lenzen noch kein Fan von Harald Schmidt, der am 5. Dezember auf Sat1 die erste Folge der Harald-Schmidt-Show hinter sich gebracht hatte. Das Konzept kam aus Amerika: ein Mann stellt sich zuerst fünf Minuten vor sein Publikum und kommentiert lustig das Tagesgeschehen, dann sitzt er an einem Schreibtisch und am Ende kommen prominente Gäste. Zunächst klebte Schmidt am amerikanischen Vorbild, besonders an David Letterman und die Quoten waren auch eher naja. Seinen ersten kleinen Skandal hatte Schmidt schließlich von Dezember ’95 bis Februar ’96:

Von da an ging es bergauf. Vielleicht nicht unbedingt deswegen, aber jede PR ist gute PR und letztlich geschadet hat’s der Sache ja nicht. Mit dem Erfolg der Show wurde auch die Schlagzahl erhöht; nicht mehr nur zweimal die Woche, sondern bald schon fünfmal die Woche zum festen Termin. Im Laufe der Zeit befreite sich Schmidt vom engen Korsett des amerikanischen Vorbildes und erweiterte den Personenkreis, mit dem er während der Show interagieren konnte. Zunächst gab es nur Helmut Zerlett, den Bandleader, der als Gesprächspartner aber nicht taugte, aber dazu später mehr.

Mitte 2000 setzte Schmidt sich seinen Redaktionsleiter Manuel Andrack an die Seite an einen kleinen, provisorischen Tisch, der dann als Stichwortgeber und Gesprächspartner Schmidts diente (Andrack, nicht der Tisch). Die Zeit von da an bis Ende 2003 gilt für viele als das goldene Zeitalter der Harald-Schmidt-Show. Weil einfach alles gepasst hat, man merkte, dass Schmidt selber Spaß an dem hatte, was er da tat, er war spontan und schlagfertig und die Dialoge mit Andrack immer unterhaltsam.

Und da wären wir auch beim Substantiellen – egal was in jeder einzelnen Folge gemacht wurde, die Show war unterhaltsam. Natürlich waren auch schwächere Ausgaben dabei, aber wirklich langweilig war es nie. (Das kann ich nicht aus persönlicher Erfahrung bewerten, sondern aus den Folgen, die bei YouTube hochgeladen wurden. Das erste Mal sah ich aktiv einen Ausschnitt aus der Harald-Schmidt-Show 2003, da kochte er gerade Fischstäbchen in der Sendung.) Nichts in der Show wirkte aufgesetzt oder vom Sender verordnet, alles war aus sich selbst gewachsen und Schmidt genoss bei Sat1 absolute Narrenfreiheit.

Bis Ende 2003. Zu einem Wechsel in der Chefetage des Senders kam noch hinzu, dass Schmidt gesättigt war. Er selbst beschrieb es in einem Interview so, dass er keine neuen Ideen hätte und das Gefühl gehabt habe, als habe man schon alles gemacht, was man hätte machen können. Schmidt zog die Notbremse und legte eine einjährige Kreativpause ein. Unter großer Anteilnahme des Feuilletons und des Publikums verabschiedete sich Schmidt im Dezember 2003 aus Sat1 und eine Institution im deutschen Fernsehen fiel weg.

Aber Schmidt blieb nicht ewig verschollen, Ende 2004 kehrte er in die ARD zurück – wieder mit einer Late-Night-Show, die diesmal aber nur „Harald Schmidt“ hieß. (Das war etwa die Zeit, in der ich anfing, regelmäßig Harald Schmidt zu gucken.) Wieder mit dabei war Manuel Andrack als Sidekick, dafür schien das gesamte restliche Team samt Bandleader Zerlett ausgetauscht worden zu sein. Das Konzept sollte das bewährte bleiben, aber irgendwie hatte die ARD so lange daran herumgemurkst, bis das dabei herauskam, was dabei herauskam. Die Anwesenheit Andracks hatte nicht mehr den provisorischen, amateurhaften Charme aus der Sat1-Zeit, sondern sah unpassend professionell und gesetzt aus. Die Show war nicht schlecht, wirkte bisweilen aber irgendwie breiig und so, als säße der WDR-Intendant (denn unter WDR-Fuchtel wurde das ganze letztenendes produziert) der Redaktion im Nacken. Die Leichtigkeit der Sat1-Zeit wollte sich nicht einstellen.

Der Niedergang des Harald Schmidt hatte schleichend begonnen und wurde ab 2007 immer offensichtlicher, als irgendein hirntoter Berufstrottel auf die Idee kam, junges Publikum an die ARD zu binden, indem man Schmidt einen jüngeren Kollegen zur Seite stellte: Oliver Pocher. Andrack verschwand wieder zurück in die Redaktion und verließ schließlich komplett die Show, dafür kam Zerlett als Bandleader zurück.

Bevor ich jetzt auf das Verhältnis Schmidt/Pocher eingehe, muss ich zunächst beschreiben, warum die Kombination Schmidt/Andrack so wunderbar funktionierte. Da wäre zum einen die klare Rollenverteilung. Schmidt als der Chef, der intellektuelle Theaterschauspieler, der sagt wo’s langgeht und Andrack als der Untergebene, der über der restlichen Redaktion steht, aber eben deutlich unter Schmidt, der Fußballfan und leidenschaftliche Biertrinker (zu Sat1-Zeiten trank Andrack in jeder Sendung ein anderes Bier einer deutschen Brauerei und bekam vom deutschen Brauereiverband dafür eine Auszeichnung), der an viele Sachen mit geradezu kindlicher Begeisterung heranging. Mit Pocher hingegen kam ein Proll an Schmidts Seite, der gleichberechtigt neben Schmidt stehen sollte – und wenn man einigen Interviews glauben schenken kann, dann sei sogar angedacht gewesen, dass Pocher Schmidt nach und nach ablösen sollte. Schmidt fing damit an, große Teile der Show komplett Pocher zu überlassen, der natürlich nicht mit dem Großmeister mithalten konnte, geschweige denn, seine Fußstapfen austopfen. Das dumme war nur, Schmidt konnte das selber auch nicht mehr. Dass Schmidt Pocher mit der Zeit überdrüssig wurde, zeigt sehr gut folgende Szene:

Auch wenn beide versuchten, diese Szene kleinzureden, man merkt doch irgendwie, dass Schmidt im Laufe der Zeit gemerkt haben, dass Pocher ihn nicht ersetzen kann. 2009 sahen das auch die WDR-Verantwortlichen so und beendeten das katastrophale Experiment namens Schmidt & Pocher.

Schmidt machte die Show wieder alleine und zwar einmal wöchentlich auf einem Sendeplatz, den er sich alle zwei Wochen mit dem Satire Gipfel teilen musste. Zu allem Überfluss begann die Show fast jede Woche zu einer anderen Uhrzeit. Konnte man bei Sat1 noch sicher jeden Abend zur gleichen Zeit einschalten und sicher sein, Schmidt zu sehen, musste man nun erstmal schauen, ob die Sendung diese Woche überhaupt läuft und vor allem wann. Eingangs habe ich beschrieben, dass das Late-Night-Konzept vorsieht, dass zu Beginn das Tagesgeschehen durchgenommen wird. Geradezu unmöglich wird das natürlich, wenn die Show nur einmal die Woche läuft und man wöchentliche Zusammenfassungen machen muss. Bei Sat1 hatte er die Möglichkeit, Gags und Anspielung über mehrere Sendungen hinweg zu kultivieren und zu verwenden, bei der einwöchigen Sendung war das von vornherein ausgeschlossen.

Dazu kam das starre Konzept der Sendung. Gab es bei allen Shows davor doch immer diese Momente, in denen man das Gefühl haben konnte, dass das, was man da sieht, weder geschrieben noch geprobt wurde, sondern locker improvisiert wurde, so musste sich Schmidt am Gerüst entlanghangeln, das seine Autoren ihm verpassten. Wobei der Vergleich mit einem Gerüst irreführend ist, ein enger Tunnel wäre wohl passender. Andererseits hatte Schmidt auch nicht viele Alternativen, denn der einzige Gesprächspartner, der zur Verfügung gestanden hätte, war Helmut Zerlett, dessen Antworten sich jedoch meist auf „joa“, „nee“ und „nee, hab‘ ich nich'“ beschränkten und als Stichwortgeber oder gar jemand, der Schmidt ein bisschen Paroli bieten konnte, ausfiel. Stattdessen bekam Schmidt neue Kollegen an die Seite gestellt, die durch Einspielfilmchen die Show auflockern sollten. Und mit „auflockern“ meine ich „zukleistern“. Da die Show nur einmal die Woche lief und sich viel Material anstaute, waren gerade die letzten Sendungen geradzu zugemüllt von Einspielfilmchen, von denen nicht wenige gerade einmal den Unterhaltungswert „meh“ hatten. Hinzu kam auch Katrin Bauernfeind, die sich hinsichtlich spontanen Humors leider als absolute Fehlbesetzung erwies. Nicht zu vergessen sind die Sketche, die mehr Nerven töteten als Lachmuskeln strapazierten.

Immerhin konnte ließ sich in der bisher letzten Harald-Schmidt-Staffel von 2009 bis 2011 ein aufstrebender Trend ablesen. Was kein Grund zum jubeln ist, denn noch schlimmer konnte es eigentlich nicht werden. Bis zum September 2010, als bekannt wurde, dass Schmidt zu Sat1 zurückkehren werde, war die Stoßrichtung der Show vor allem auf Kultur ausgelegt. Gäste waren Leute aus dem Theaterumfeld, die meisten vermutlich wegen Schmidts persönlichen Theaterinteresse eingeladen. Gefühlt war die Show nicht mehr auf eine Gesellschaftsschicht ausgerichtet, nämlich das gebildete Bürgertum (denn für andere, gerade die Jüngeren, gab und Gibt’s ja Stefan Raab), sondern – wie schon bei Schmidt & Pocher – auf eine Altersschicht. Nur diesmal eben nicht auf Jugendliche, sondern auf Rentner, wie es schien. Die Show schleppte sich, Woche für Woche. Die Einspielerfilmchen waren so interessant, wie Einspielerfilmchen halt interessant sein können, wenn jemand Photoshop entdeckt hat und jetzt Merkel in einem Video ein blaues Auge verpassen kann oder ähnliches. Die Show hatte Längen und war schlicht langweilig. Auch wenn ich mir jedes Mal eingeredet habe, dass es nächste Woche bestimmt besser wird – ach nein, da läuft ja der Satire Gipfel.

September 2010 wurde bekannt, dass Schmidt die ARD verlassen und ab September 2011 wieder bei Sat1 late-nighten werde. Von da an wurde die Show ein wenig besser. Alte Elemente aus Sat1 wurden langsam wieder eingeführt, wie der Liebling des Monats – aus einer Reihe von Persönlichkeiten, die in diesem Monaten besonders in den Schlagzeilen waren, konnte das Publikum via Applaus ihren Favoriten auswählen, der dann Liebling des Monats wurde. Ungeschickt war’s da nur, dass es alle vier Sendungen wieder einen neuen Liebling des Monates zu küren gab, weil diese Sendung ja nur wöchentlich lief (wenn man Glück hatte und nicht gerade Mathias Richlings Travestieshow zu sehen bekommt).

Im Juni lief die letzte Ausgabe von Harald Schmidt in der ARD. Im September wird er wieder – zweimal die Woche – auf Sat1 zu sehen sein. Dafür muss er sich aber deutlich steigern und sollte tunlichst versuchen, an die alten Sat1-Zeiten anzuknüpfen. Denn wenn er so weitermacht, wie er aufgehört hat, wird das ein kurzes Comeback.

Puoah, uff.

Dieser Eintrag hier ist natürlich durchsuppt von meiner absolut subjektiven Einschätzung des ganzen. Und ich habe nicht einmal alles das angesprochen, was ich hätte ansprechen müssen, z.B. wie die ARD (bzw. der WDR) an der Länge der Show geschraubt hatte, aus der dreiviertel Stunde (die bei Sat1 durch Werbung auf eine volle Stunde gestreckt wurde) eine halbe machte und die Show dafür zweimal die Woche laufen ließ oder die merkwürdigen Personalentscheidungen, wie die unnötige Anwesenheit der Französin Natalie Licard als nie genutzter Zerlettersatz und „Sängerin der Showband“, als Zerlett nicht mehr von der Partie war. Oder wie die Harald-Schmidt-Show irrelevant geworden ist und von der Heute Show verdrängt wurde.

Ich weiß auch nicht, wie es hinter den Kulissen der Show zugeht, ob es im Autorenteam noch viele alte Autoren gibt, die den Zirkusvon Sat1 bis zur ARD und wieder zurück mitgemacht haben oder ob da kontinuierlich ausgetauscht wurde, auf jeden Fall sollte da wohl Stabilität reingebracht werden. Entweder das alte, eingespielte Team wiederherstellen oder Tabula Rasa machen und komplett neue Köpfe einholen (und vielleicht ein, zwei Autoren für den Übergang belassen). Aber was weiß ich schon.

Vielleicht werde ich ja positiv überrascht, wenn es ab September wieder heißt: „Aus dem Studio 449 in Köln: Die Harald-Schmidt-Show!“

Written by Quax

15. Juli 2011 at 15:13

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Der Unterschied zwischen Schön und Kitsch

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Musik ist super! Jeder mag Musik. Nicht jede Musik, aber mit irgendeiner Musik kann jeder was anfangen. Es gibt laute Musik, schnelle Musik, langsame und leise Musik. Mit viel Bass und Schlagzeug oder mit Harfen und Klampfen. Musik, bei der man durch die Wohnung tanzt, heftig mit dem Kopf nickt oder Musik, bei der man sich die Pulsadern öffnen möchte. Weil sie so schön ist.

Bei viel zu vielen Menschen ist die Geschmacksverkrüppelung schon so weit vorangeschritten, dass sie wirklich schöne Musik nicht mehr von Kitsch unterscheiden können und jeden hingeschwappten Song sofort als große Kunst und Kultur auffassen, weil ein paar Geigen mitschrubben. Da muss ich unbedingt Abhilfe schaffen, denke ich. Denn besonders bei einer ganz bestimmten Band ist das „Mei, isch des schee!“ weit verbreitet, obwohl es im Grunde der gleiche akustische Müll ist, der es schon als Originalpopmusik war – nur langsamer und mit Geigen.

Damit will ich nicht sagen, dass Popmusik böse und scheiße ist und ich möchte schon gar nicht so snobistisch daherkommen, als täte ich keine Popmusik hören, ganz im Gegenteil: Unfassbar eingängig und unterhaltsam sind die Lieder vom größten Musikschrottplatz Europas, der da Eurvision Song Contest heißt und dessen musikalisches Textgut ich auf keinen Fall missen möchte („I will be popular, I will be popular … My body wants you, Girl!“). Oder Karnevalsmusik, die ganz objektiv betrachtet schlimmer als Folter ist. Nur damit hinterher niemand sagen kann, ich würde bestimmte Leute als doof ansehen, weil sie eine bestimmte Musikrichtung hören und meine Musikrichtung fände ich dann wohl als die Beste, dabei sei das ja wohl größerer Müll. Nein, ich weiß ja, dass ich meinen Trommelfellen unerhört viel Musikabfall zumute. That said kann’s nun auch losgehen.

Seit einiger Zeit tritt eine Art, Lieder zu covern häufig auf. Dazu werden bekannte Songs genommen und völlig neu arrangiert, sodass dumme Leute sie für ganz hohe Kunst und Musikavantgarde halten (z.B. weil Geigen vorkommen). Das kann man gut machen, sodass man die tollen alten Lieder in einer auch tollen, aber anders tollen neuen Version hört. Das Positivbeispiel wäre dafür die Band Scala & Kolacny Brothers aus Belgien. Ein Mädchenchor aus knapp 200 (sic) 16- bis 26-jährigen Sängerinnen, die auch deutsche Lieder covern. Ganz unaufdringlich und nett anzuhören. Zum Beispiel „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten.

Das gefällt mir gut. Schlicht gehalten und schön anzuhören.

Am bekanntesten dürfte aber Scala & Kolacny Brothers‘ Version von „Hungriges Herz“ sein, das eine ganze Weile in der Werbung der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu hören war:

Das ist schön. Schlicht, nur ein Klavier als musikalische Begleitung, den Rest macht der Chor. So läuft das.

Kommen wir nun zur Schattenseite. Kommen wir zum Kitsch. Kommen wir zu Adoro. Adoro sind fünf Hornochsen Opernsänger, die im Grunde genauso arbeiten wie Scala & Kolacny Brothers, nur dass sie die Sache mit mehr Kitsch angehen und bei der Songauswahl ein weniger gutes Händchen haben wie die Mädels aus Belgien. Oder wie es jemand auf der Diskussionsseite zum Wikipediaartikel über Adoro geschrieben hat: die fünf Jungs „knödeln bereits vielfach ausgelutschte Kommerz-Bonbon-Popsongs über schwülstige Orchesterarrangements aus dem Sampler“. Ihr glaubt mir nicht? Beweisstück A:

Einen Rocksong zur Ballade machen, okay. Einen Popsong zur Ballade zu machen, okay. Eine Ballade noch zu verballadigen grenzt dagegen an Körperverletzung. Auch die übrige Songauswahl ist mehr so wäh. Da hätten wir ein Cover von A-has „Take on Me“ auf Deutsch mit dem Titel „Halt mich fest“, „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo oder „Geboren um zu leben“ von Unheilig.

Vielleicht taugen die Arrangements ja was. Wir können ja mal spaßernshalber die beiden Lieder von Scala & Kolacny Brothers hier mit Adoros Version von „Liebe ist“ vergleichen: Statt eines einzigen Instruments (ein Klavier, ein Klavier!) haben wir hier eine Harfe, ein paar Streicher – darunter natürlich Geigen – und eine Oboe im Solomodus. Kitsch as Kitsch can. Dann setzen vier Schleimbolzen (einer ist krank) die Mikrofone an mit tiefgründigem, wehmütigen Blick und schmalzen los. Noch nicht überzeugt?

Dann hilft vielleicht der Clusterfuck, zu dem sie „Stille Nacht“ ab etwa 2:00 gemacht haben:

Nun gut, zu Weihnachten darf’s ja ruhig ein wenig kitschig sein. Aber selbst die kitschigste Jahreszeit der Welt kann Adoro noch viel kitschiger machen. Vorhang auf und Bühne frei!

Vorhölle.

Damit hat’s Adoro auch völlig verdient, parodiert zu werden. Zum Beispiel von der Wochenshow:

Written by Quax

14. Juli 2011 at 13:40

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Elitelügner

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Pusten wir sanft den Staub von diesem Blog. Nach fast einem ganzen Monat Nichts, galt dieser Blog als tot (nicht ganz zuunrecht). Aber nun geht’s weiter – und ich bin wütend. Ich bin so wütend, dass ich Koch bin und mein Herd ist Wut. Denn ich koche vor Wut. Sollte jemand das Glück haben, den FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis zu treffen, dann möge man ihn bitte ausbuhen und ihm feuchte, übelriechende Sachen hinterherwerfen.

Denn die Dreistigkeit des Chatzimarkakis kennt noch weniger Grenzen als der Schengen-Raum. Aber bevor ich wieder hyperventiliere und um mich schlage wie die Stuttgarter Polizei auf einer Stuttgart-21-Demo: einatmen – hnnnnnf! – ausamten – hfaaaaa! Schon besser. Fangen wir von vorne an, den chronologisch ist es logisch.

Chatzmarkakis ist in der FDP und sitzt für ebenjene im Europaparlament. Außerdem erhielt er den Doktorgrad von der Universität Bonn. Das ist alles nicht so ungewöhnlich. Doch die fleißigen Plagiatsjäger aus dem ominösen Internet haben Chatzimarkakis Doktorarbeit auf Plagiate untersucht und wurden fündig. Nu‘ kann man sagen „Scheiße passiert“, der Mann verliert seinen Doktortitel und versinkt in die Bedeutungslosigkeit seiner Partei. Aber nicht mit Chatzimarkakis! Er rechtfertigt sich, aber nicht so wie Guttenberg mit Familienstress usw., sondern viel schlimmer. Viel, viel. Chatzmarkakis behauptet ernsthaft – und ich denke mir das nicht aus -, dass seine Arbeit kein Plagiat nicht sei, weil… weil… Weil er nicht die deutsche Zitierweise benutzt habe, sondern die Harvard-Zitierweise.

Die berühmte Harvard-Zitierweise. Bei der man seine Zitate nicht kennzeichnen muss. Für wie dämlich hält der Mann seine Wähler eigentlich? Müsste ich voller Ehrfurcht zusammenzucken, weil er die übermächtige Eliteuni Harvard mal gesehen hat?

Aber ich tue dem man Unrecht, denn eine Harvard-Zitierweise gibt es wirklich. In der Regel wird in Deutschland – zumindest bei den Geisteswissenschaften – folgendermaßen zitiert und Quellen so angegeben:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“².

_______________
² Quax: Der Misanthropenwald. Herausgegeben vom Achjamann, Dinslaken 2011, S. 1.

Das Zitat steht im Text und wird mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Dahinter kommt ’ne Fußnote und am Ende der Seite wird die Fußnote wieder aufgegriffen und dort findet sich die Quellenangabe. Soweit, so deutsch. Nun wird’s Harvard:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“ (Quax 2011: S.1).

Zitat wieder mit Gänsefüßchen, der Literaturverweis steht dafür mitten im Text als Kurztitel. Hinten im Literaturverzeichnes findet sich dann die vollständige Literaturangabe und alle sind glücklich. Chatzimarkakis versteht unter „Harvard“ aber etwa das hier:

Wer plagiiert, läuft auch mit hochgeklapptem Hemdkragen herum.

Fick dich, Quelle, du kommst erst irgendwo im Literaturverzeichnis vor. Dass da ein Zitat ist, interessiert ja keine Sau.

Aber Chatzimarkakis ist ja kein Idiot.³ Im ARD-Trashtalk von Anne Will durfte der ex-Dr. in spé sich nochmals rechtfertigen. Indem er die Eliteuni wechselte und nicht mehr von der Harvard-Zitierweise sprach, sondern von der Oxford-Zitierweise.

Den Unterschied zwischen der Harvard- und  der Oxford-Zitierweise kann man nur in Zahlen bemessen. Gesuchte Zahl ist ein großer Kreis, nämlich eine wunderschöne, aus Indiem stammende und von Fibonacci eingeführte 0 (in Worten: Null).

Bei RTL Punkt Tzwölf mit Katja Burkahrd durfte Chatzimarkakis auch noch richtig auf die Tränendrüse drücken: sein Vater (oder Großvater) sei stolz wie Bolle auf seinen Akademikerspross gewesen, doch leider verstarb der Ahn über die Promotion, sodass Chatzimarkakis ein Exemplar seines Plagiats mit in den Sarg legte. Ob die Uni Bonn dem FDP-Mann deswegen seinen Doktor behalten lässt, bleibt abzuwarten.

Aber zurück zu Sturkopf-Jorgo: Dass Chatzimarkakis ausländische Unis in den Dreck ziehen will, ging zwei Doktoranden dann doch zu weit und wandten sich öffentlich gegen die Katastrophe, die Chatzimarkakis angerichtet hatte. Und prompt kam sogar Post vom Europaabgeordneten, der sich untertänigst etnschuldigte, aber seinen Fehler kein bisschen einsah. Sondern lieber beharrlich bei seiner blödsinnigen ich-hab-nichts-plagiiert-und-mein-Gewissen-ist-rein-Haltung blieb. Heute entscheidet die Uni Bonn, ob Daumen hoch oder Daumen runter.

Wenigstens ist Chatzmarkakis in bester Gesellschaft, denn auch seine Kollegin Mathiopoulos steht unter strenger Beobachtung und könnte ihren Doktor verlieren (und damit vermutlich auch die beiden Ehrenprofessuren, hihi). Ebenfalls promoviert an der Uni Bonn.

Vielleicht sollte man in Bonn mal aufhören, jeden Deppen durchzuwinken, der zwei Seiten vollmalen kann.

_________________
³ Diese These möchte ich zur Disposition stellen.

 

Nachtrag 13:00 Uhr: Wenn ich so viel kotzen könnte, wie ich kotzen wollte, dann wär‘ ich ausgetrocknet.

Written by Quax

13. Juli 2011 at 12:43

Veröffentlicht in Bildung, Politik

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