Misanthropenwald

Elitelügner

with one comment

Pusten wir sanft den Staub von diesem Blog. Nach fast einem ganzen Monat Nichts, galt dieser Blog als tot (nicht ganz zuunrecht). Aber nun geht’s weiter – und ich bin wütend. Ich bin so wütend, dass ich Koch bin und mein Herd ist Wut. Denn ich koche vor Wut. Sollte jemand das Glück haben, den FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis zu treffen, dann möge man ihn bitte ausbuhen und ihm feuchte, übelriechende Sachen hinterherwerfen.

Denn die Dreistigkeit des Chatzimarkakis kennt noch weniger Grenzen als der Schengen-Raum. Aber bevor ich wieder hyperventiliere und um mich schlage wie die Stuttgarter Polizei auf einer Stuttgart-21-Demo: einatmen – hnnnnnf! – ausamten – hfaaaaa! Schon besser. Fangen wir von vorne an, den chronologisch ist es logisch.

Chatzmarkakis ist in der FDP und sitzt für ebenjene im Europaparlament. Außerdem erhielt er den Doktorgrad von der Universität Bonn. Das ist alles nicht so ungewöhnlich. Doch die fleißigen Plagiatsjäger aus dem ominösen Internet haben Chatzimarkakis Doktorarbeit auf Plagiate untersucht und wurden fündig. Nu‘ kann man sagen „Scheiße passiert“, der Mann verliert seinen Doktortitel und versinkt in die Bedeutungslosigkeit seiner Partei. Aber nicht mit Chatzimarkakis! Er rechtfertigt sich, aber nicht so wie Guttenberg mit Familienstress usw., sondern viel schlimmer. Viel, viel. Chatzmarkakis behauptet ernsthaft – und ich denke mir das nicht aus -, dass seine Arbeit kein Plagiat nicht sei, weil… weil… Weil er nicht die deutsche Zitierweise benutzt habe, sondern die Harvard-Zitierweise.

Die berühmte Harvard-Zitierweise. Bei der man seine Zitate nicht kennzeichnen muss. Für wie dämlich hält der Mann seine Wähler eigentlich? Müsste ich voller Ehrfurcht zusammenzucken, weil er die übermächtige Eliteuni Harvard mal gesehen hat?

Aber ich tue dem man Unrecht, denn eine Harvard-Zitierweise gibt es wirklich. In der Regel wird in Deutschland – zumindest bei den Geisteswissenschaften – folgendermaßen zitiert und Quellen so angegeben:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“².

_______________
² Quax: Der Misanthropenwald. Herausgegeben vom Achjamann, Dinslaken 2011, S. 1.

Das Zitat steht im Text und wird mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Dahinter kommt ’ne Fußnote und am Ende der Seite wird die Fußnote wieder aufgegriffen und dort findet sich die Quellenangabe. Soweit, so deutsch. Nun wird’s Harvard:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“ (Quax 2011: S.1).

Zitat wieder mit Gänsefüßchen, der Literaturverweis steht dafür mitten im Text als Kurztitel. Hinten im Literaturverzeichnes findet sich dann die vollständige Literaturangabe und alle sind glücklich. Chatzimarkakis versteht unter „Harvard“ aber etwa das hier:

Wer plagiiert, läuft auch mit hochgeklapptem Hemdkragen herum.

Fick dich, Quelle, du kommst erst irgendwo im Literaturverzeichnis vor. Dass da ein Zitat ist, interessiert ja keine Sau.

Aber Chatzimarkakis ist ja kein Idiot.³ Im ARD-Trashtalk von Anne Will durfte der ex-Dr. in spé sich nochmals rechtfertigen. Indem er die Eliteuni wechselte und nicht mehr von der Harvard-Zitierweise sprach, sondern von der Oxford-Zitierweise.

Den Unterschied zwischen der Harvard- und  der Oxford-Zitierweise kann man nur in Zahlen bemessen. Gesuchte Zahl ist ein großer Kreis, nämlich eine wunderschöne, aus Indiem stammende und von Fibonacci eingeführte 0 (in Worten: Null).

Bei RTL Punkt Tzwölf mit Katja Burkahrd durfte Chatzimarkakis auch noch richtig auf die Tränendrüse drücken: sein Vater (oder Großvater) sei stolz wie Bolle auf seinen Akademikerspross gewesen, doch leider verstarb der Ahn über die Promotion, sodass Chatzimarkakis ein Exemplar seines Plagiats mit in den Sarg legte. Ob die Uni Bonn dem FDP-Mann deswegen seinen Doktor behalten lässt, bleibt abzuwarten.

Aber zurück zu Sturkopf-Jorgo: Dass Chatzimarkakis ausländische Unis in den Dreck ziehen will, ging zwei Doktoranden dann doch zu weit und wandten sich öffentlich gegen die Katastrophe, die Chatzimarkakis angerichtet hatte. Und prompt kam sogar Post vom Europaabgeordneten, der sich untertänigst etnschuldigte, aber seinen Fehler kein bisschen einsah. Sondern lieber beharrlich bei seiner blödsinnigen ich-hab-nichts-plagiiert-und-mein-Gewissen-ist-rein-Haltung blieb. Heute entscheidet die Uni Bonn, ob Daumen hoch oder Daumen runter.

Wenigstens ist Chatzmarkakis in bester Gesellschaft, denn auch seine Kollegin Mathiopoulos steht unter strenger Beobachtung und könnte ihren Doktor verlieren (und damit vermutlich auch die beiden Ehrenprofessuren, hihi). Ebenfalls promoviert an der Uni Bonn.

Vielleicht sollte man in Bonn mal aufhören, jeden Deppen durchzuwinken, der zwei Seiten vollmalen kann.

_________________
³ Diese These möchte ich zur Disposition stellen.

 

Nachtrag 13:00 Uhr: Wenn ich so viel kotzen könnte, wie ich kotzen wollte, dann wär‘ ich ausgetrocknet.

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Written by Quax

13. Juli 2011 um 12:43

Veröffentlicht in Bildung, Politik

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Eine Antwort

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  1. cool, das du wieder schreibst :)

    noart

    15. Juli 2011 at 02:10


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