Misanthropenwald

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Elitelügner

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Pusten wir sanft den Staub von diesem Blog. Nach fast einem ganzen Monat Nichts, galt dieser Blog als tot (nicht ganz zuunrecht). Aber nun geht’s weiter – und ich bin wütend. Ich bin so wütend, dass ich Koch bin und mein Herd ist Wut. Denn ich koche vor Wut. Sollte jemand das Glück haben, den FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis zu treffen, dann möge man ihn bitte ausbuhen und ihm feuchte, übelriechende Sachen hinterherwerfen.

Denn die Dreistigkeit des Chatzimarkakis kennt noch weniger Grenzen als der Schengen-Raum. Aber bevor ich wieder hyperventiliere und um mich schlage wie die Stuttgarter Polizei auf einer Stuttgart-21-Demo: einatmen – hnnnnnf! – ausamten – hfaaaaa! Schon besser. Fangen wir von vorne an, den chronologisch ist es logisch.

Chatzmarkakis ist in der FDP und sitzt für ebenjene im Europaparlament. Außerdem erhielt er den Doktorgrad von der Universität Bonn. Das ist alles nicht so ungewöhnlich. Doch die fleißigen Plagiatsjäger aus dem ominösen Internet haben Chatzimarkakis Doktorarbeit auf Plagiate untersucht und wurden fündig. Nu‘ kann man sagen „Scheiße passiert“, der Mann verliert seinen Doktortitel und versinkt in die Bedeutungslosigkeit seiner Partei. Aber nicht mit Chatzimarkakis! Er rechtfertigt sich, aber nicht so wie Guttenberg mit Familienstress usw., sondern viel schlimmer. Viel, viel. Chatzmarkakis behauptet ernsthaft – und ich denke mir das nicht aus -, dass seine Arbeit kein Plagiat nicht sei, weil… weil… Weil er nicht die deutsche Zitierweise benutzt habe, sondern die Harvard-Zitierweise.

Die berühmte Harvard-Zitierweise. Bei der man seine Zitate nicht kennzeichnen muss. Für wie dämlich hält der Mann seine Wähler eigentlich? Müsste ich voller Ehrfurcht zusammenzucken, weil er die übermächtige Eliteuni Harvard mal gesehen hat?

Aber ich tue dem man Unrecht, denn eine Harvard-Zitierweise gibt es wirklich. In der Regel wird in Deutschland – zumindest bei den Geisteswissenschaften – folgendermaßen zitiert und Quellen so angegeben:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“².

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² Quax: Der Misanthropenwald. Herausgegeben vom Achjamann, Dinslaken 2011, S. 1.

Das Zitat steht im Text und wird mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Dahinter kommt ’ne Fußnote und am Ende der Seite wird die Fußnote wieder aufgegriffen und dort findet sich die Quellenangabe. Soweit, so deutsch. Nun wird’s Harvard:

Wer plagiiert, läuft auch mit „hochgeklapptem Hemdkragen herum“ (Quax 2011: S.1).

Zitat wieder mit Gänsefüßchen, der Literaturverweis steht dafür mitten im Text als Kurztitel. Hinten im Literaturverzeichnes findet sich dann die vollständige Literaturangabe und alle sind glücklich. Chatzimarkakis versteht unter „Harvard“ aber etwa das hier:

Wer plagiiert, läuft auch mit hochgeklapptem Hemdkragen herum.

Fick dich, Quelle, du kommst erst irgendwo im Literaturverzeichnis vor. Dass da ein Zitat ist, interessiert ja keine Sau.

Aber Chatzimarkakis ist ja kein Idiot.³ Im ARD-Trashtalk von Anne Will durfte der ex-Dr. in spé sich nochmals rechtfertigen. Indem er die Eliteuni wechselte und nicht mehr von der Harvard-Zitierweise sprach, sondern von der Oxford-Zitierweise.

Den Unterschied zwischen der Harvard- und  der Oxford-Zitierweise kann man nur in Zahlen bemessen. Gesuchte Zahl ist ein großer Kreis, nämlich eine wunderschöne, aus Indiem stammende und von Fibonacci eingeführte 0 (in Worten: Null).

Bei RTL Punkt Tzwölf mit Katja Burkahrd durfte Chatzimarkakis auch noch richtig auf die Tränendrüse drücken: sein Vater (oder Großvater) sei stolz wie Bolle auf seinen Akademikerspross gewesen, doch leider verstarb der Ahn über die Promotion, sodass Chatzimarkakis ein Exemplar seines Plagiats mit in den Sarg legte. Ob die Uni Bonn dem FDP-Mann deswegen seinen Doktor behalten lässt, bleibt abzuwarten.

Aber zurück zu Sturkopf-Jorgo: Dass Chatzimarkakis ausländische Unis in den Dreck ziehen will, ging zwei Doktoranden dann doch zu weit und wandten sich öffentlich gegen die Katastrophe, die Chatzimarkakis angerichtet hatte. Und prompt kam sogar Post vom Europaabgeordneten, der sich untertänigst etnschuldigte, aber seinen Fehler kein bisschen einsah. Sondern lieber beharrlich bei seiner blödsinnigen ich-hab-nichts-plagiiert-und-mein-Gewissen-ist-rein-Haltung blieb. Heute entscheidet die Uni Bonn, ob Daumen hoch oder Daumen runter.

Wenigstens ist Chatzmarkakis in bester Gesellschaft, denn auch seine Kollegin Mathiopoulos steht unter strenger Beobachtung und könnte ihren Doktor verlieren (und damit vermutlich auch die beiden Ehrenprofessuren, hihi). Ebenfalls promoviert an der Uni Bonn.

Vielleicht sollte man in Bonn mal aufhören, jeden Deppen durchzuwinken, der zwei Seiten vollmalen kann.

_________________
³ Diese These möchte ich zur Disposition stellen.

 

Nachtrag 13:00 Uhr: Wenn ich so viel kotzen könnte, wie ich kotzen wollte, dann wär‘ ich ausgetrocknet.

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Written by Quax

13. Juli 2011 at 12:43

Veröffentlicht in Bildung, Politik

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Zum Rechnen zu Blöd

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Klappt die Hemdkragen hoch und schlagt die Arme über dem Kopf zusammen: Nordrhein-Westfalen hat Abitur geschrieben. Auch in Mathe, was aber völlig sinnfrei ist, denn mit Zahlen kann an Pott und Kölsch eh‘ keiner umgehen.

2007 wurde im halbwegs sympathischen Kohlebundesland zum allerersten Mal Zentralabitur geschrieben. Das heißt, dass nicht mehr die Lehrer selber solche Abiaufgaben stellen durften, wie „Mein schönstes Ferienerlebnis auf dem Drachenfels“ (H. Schmidt), sondern diese Aufgaben kommen seitdem von Düsseldorf und sind dementsprechend professionell („Elaborieren Sie die attraktivste Arbeitsvakanzimpression auf einer ehemaligen Festungsanlage aus mediävistischer Ära“).

Zwotausendacht bedankte sich das Bildungsministerium NRW bei allen, die so blauäugig waren, Mathe zu wählen (ja, Mathe ist in NRW nicht verpflichtend Bestandteil des Abiturs. Suck it, Baden-Württemberg!). Mit dem berüchtigten Todesoktaeder des Grauens der Vernichtung – eine unlösbare Aufgabe über ein im Raum schwebenden Klumpen, den man berechnen sollte. Das stellte sich als unlösbare Aufgabe heraus – dummerweise erst hinterher. Das Missbildungsministerium hatte daraufhin eine grandiose Idee: man richtete eine Prüfungsstelle ein, die die Abiaufgaben auf Lösbarkeit durchgucken sollen. Warum es sowas nicht vorher gab, wissen nur die Götter allein. Die Prüfung der Prüfungen verlief ohne Zwischenfälle.

Bis jetzt.

Denn dieses Jahr gab es wieder eine Panne bei Mathe, denn niemand in der Prüfungenprüfungskommission kann lesen und nicht viel weniger mit Zahlen rechnen. Was genau schief gelaufen ist, ist unwichtig, aber es war bestimmt die Hölle.

Jedenfalls, das Bildungsministerium in seiner emotional verkrüppelten Haltung hat nun bekannt gegeben, dass es sich dazu herablässt, die Abiturenten (sic!) nochmal die Matheklausur zu machen. Freude allen Ortens. Denn wer hat als Abiturient nicht Bock, die dümmste Klausur der Erde ein zweites Mal zu verhauen schreiben? Ne? Eben.

Gut, wofür braucht man schon Leute die Zahlen kennen? Außer für Abiprüfungprüfungsstellen.

Written by Quax

19. Mai 2011 at 20:21

Veröffentlicht in Bildung

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Brain Drain

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Keine Doktoren, keine Unis, kein Geld, keine jungen Studenten und Nobelpreise gewinnen wir ja auch keine mehr. Wozu also Hochschulen, die eigentlich niemand will? Wird Wissenschaft überbewertet. Es wird. Aber hallo!

Der Gelehrtenschwund setzt ja schon von oben an. In den letzten Tagen haben bereits drei Doktoren ihre Doktorhüte genommen und artgerecht verbrannt, nämlich ex-Dr. Guttenberg, ex-Dr. Koch-Mehrin und ex-Dr. Tochter vom Stoiber. Alle drei erkannten die Sinnlosigkeit von Wissenschaft und gaben sich für ihren akademischen Grad so überhaupt keine Mühe. Durch Lug und Trug setzten sie ein Statement gegen Wissenschaft, dieses unnütze, geldverschlingende Hobby verbeamteter Professoren.

Hinzu kommt der demographische Wandel. Weil’s ja eh bald keine Kinder mehr in Deutschland geben wird, wird’s auch keine Studenten mehr geben – wozu dann Unis? Weil sie so geil aussehen? Das muss man stets bedenken, wenn in nächster Zeit wieder eine Fakultät eingeweiht, ein neuer Hörsaal gebaut und eine neue Professur ausgeschrieben wird. Was sollen Professoren ohne Studenten tun, außer sich gegenseitig schlagen und/oder Bücher auf und zu?

Zumal Polen offen ist. Die Grenze ist so porös, dass polnische Wissenschaftler in Heerscharen nach Deutschland abwandern – das befürchtet die polnische Regierung. Und diese Polenprofs kommen natürlich nicht zum Spargelstechen, denn wer mag schon Spargel?, sondern zum Arbeiten. Gut ausgebildet in ihrem Heimatland, machen sie den Wissenschaftsbetrieb in Deutschland völlig überflüssig.

Hamburg hat die Zeichen der Zeit bereits erkannt. Hamburg baut seine Hochschulen Stück für Stück ab. Völlig zurecht. Hochschulen haben eh keine Zukunft mehr. Genauso wie Hamburg.

Written by Quax

13. Mai 2011 at 10:20

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Gewalt an Schule

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Erinnert sich noch jemand an die Lehrerin aus Vechta, die Angst vor Hasen hatte? Nun, sie dürfte folgendes Ereignis freudig mitverfolgt haben, falls sie selbst nicht dabei war.

Wir befinden uns in Schleswig-Holstein, dem gleichmäßig von Bauern und Schafen bewohnten Gebiet, das als Puffer zwischen Hamburg und Dänemark dient. In einer Schule wurde gerade die Steinzeit durchgenommen und ein Landwirt kam auf die gutartigste Idee aller Zeiten, den lieben Kinderlein vorzuführen, wie der steinzeitliche Schleswig-Holsteiner sich ernährte. Dazu brachte er ein Kaninchen mit an die Schule, stand auf dem Schulhof (hoffentlich. Im Klassenzimmer hätt’s eine Riesensauerei gegeben.) und hatte das Kaninchen zwischen seine Beine geklemmt. In Niedersachsen haben sie zu diesem Zweck Ziegen, aber es ging ja nicht um Fortpflanzungsriten aus der Lüneburger Heide, sondern um’s spachteln.

Die Kinderlein standen im Halbkreis um des Landwirts Lenden herum, jeder kam einzeln vor, um sich von Häschen zu verabschieden. Dann schwang der Bauer seinen mächtigen Hammer wie dereinst der Donnergott Thor und schlug dem Karnickel den Schädel ein. Dann häutete er das Tier – oder das, was davon übrig war – und warf es auf einen heißen Stein zum grillen. Steinzeit eben.

Das mag als Idee schon ein wenig beknackt erscheinen, einer Schule anzubieten, im Rahmen der Themenwoche modernes Norddeutschland Steinzeit live auf dem Pausenhof einem Mümmelmann die Rübe zu zerkrümeln. Aber der Landwirt dachte sich nichts dabei, schließlich hatte er bereits an einer Grundschule Hühner geschlachtet.

Wie dem auch sei, mit diesem Ereignis brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie konnte es nur so weit kommen! Wie! Schülervertreter hatten eine Petition eingereicht und flehten den grausamen Metzger von Holstein an, das Leben des Langohrs zu schonen. Alles vergebens. Denn die Klassenlehrerin, die dem Landwirt zustimmte, dass es ja eine super Idee wär‘, vor den Augen von Kindern ein süßes Hoppelhäschen zu zerledern, lehnte auch die Petition ab. Und wie rechtfertigt sich so eine dusselige Lehramtsschnalle, wenn’s um lebende Viecher geht?

Man kann ja auch keine Unterschriften gegen eine Mathe-Arbeit vorlegen!

Jawoll, Klassenarbeit, Schlachterei, wo ist da der Unterschied? Bei beiden fließt Blut und es geht um Leben und Tod. Wobei, für Meister Lampe ging’s ja nur um Tod.

Wie dem auch sei, wie reagieren denn die Eltern vom kleinen Dominic Torben, von Jeremy-Pascal und Sören-Oliver, wenn sie hören, welch‘ Bluttat da stattgefunden hat? Die dumpfbackigen Erzeuger beschweren sich natürlich –  bei der Presse. Wo sonst?

Dort jammern sie dann. Die, die Erziehung sonst nicht so wichtig finden und das lieber der Schule überlassen, weil dafür isse ja da, die Penne. Da fallen dann solche Sätze wie:

Jetzt habe ich noch mehr Probleme, wie ich meinen Kind erklären soll, wo das Fleisch herkommt.

Das bringt der Storch! – halt, doch nicht. Der bringt auch Fleisch, aber das isst man in der Regel nicht. Wie dem auch sei, es ist ja ganz furchtbar, dass Eltern ihren Kinder jetzt was erklären müssen! Ieh, Erziehung, wie schrecklich! Elterliche Pflichten, was’n das? Vor allem, wo das Fleisch herkommt, das ist so ein peinliches Thema, über das man lieber nicht spricht!

Das sollen die mal schön in der Schule lernen!

(Quelle ist mein Informant, der aus geheimdienstlichen Gründen namentlich nicht erscheinen darf)

Written by Quax

31. März 2011 at 19:52

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Er ist Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand

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Guttenberg ist ein toller Kerl. Er ist nicht nur Freiherr sondern auch Doktor der Jurisprudenz und kennt sich als solcher natürlich mit allerlei Gesetzen und Rechtsgedöns aus. Er weiß, was man machen darf und was man nicht tun darf, sozusagen verboten ist. Zum Beispiel Klauen. Nein, nicht das, was Tiere an den Pfoten haben, sondern Diebstahl. Das wüsste Guttenberg, wenn er seine Dissertation selber geschrieben hätte.

Ein Bremer Professor hat spaßernshalber mal mit Guttenbergs Doktorarbeit das gemacht, was mit jeder ordentlichen Uniarbeit passiert. Er hat sie durch eine Software gejagt, die nachschaut, ob irgendwo in der Arbeit Stellen sind, die nicht als Zitat gekennzeichnet sind, aber trotzdem wortwörtlich übernommen wurden. So etwas nennt man Plagiat und wird mit Zuchthaus nicht unter tausend Jahren bestraft.

Der Prof aus der Fischkoppstadt fand heraus, dass mindestens drei Seiten der Arbeit aber so dermaßen abgeschrieben sind, dass es nicht mehr feierlich ist. Die Süddeutsche Zeitung machte sich mal die Mühe und verglich die Originaltexte mit dem, was der Guttenberg da zur Promotion eingereicht hatte, damals in Bayreuth. Er hatte die Promotion damals, vor vielen vielen Monden, erfolgreich bestanden, sogar mit eins plus mit Sternchen und Auszeichnung, nämlich „summa cum laude“, was soviel bedeutet wie „geilstes Zeuch ever“.

Jetzt gibt’s unterschiedliche Weisen, wie man reagieren kann. Entweder erkennt man dem Räuber Guttenberg den Adelstitel Doktortitel ab und die Sache ist gegessen. Oder aber man überlegt, warum Guttenberg die Doktorwürde der Rechtsgelehrtheit ohnehin nicht verdient hat.

Mal angenommen, er hat die Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben und sich ganz allein die passenden Textpassagen zusammengeklaut. Dann hat er eine Straftat begangen, um im Fach Jura zu promovieren, ist also Doktor der Gesetze, der selbige ohne mit der Wimper zu zucken bricht. Und einem Straftäter einen Titel in Rechtswissenschaften zu geben, wäre ziemlich paradox.

Eine andere Möglichkeit wäre, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst, sondern einen Ghostwriter beauftragt, die Arbeit zu schreiben. Dann scheint Guttenberg recht knausrig gewesen zu sein, wenn der Ghostwriter so unmotiviert war und die ein oder andere Stelle aus anderen Texten kommentarlos übernahm. Das täte bedeutet, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst und dementsprechend auch keine Ahnung von Recht und Gesetz, weswegen er den Titel abgeben müsste. Der ginge dann an den Ghostwriter, als eigentlichen Verfasser der Doktorarbeit, über – damit man sie ihm wegen Plagiatsvorwürfen wieder aberkennen kann.

Written by Quax

16. Februar 2011 at 18:13

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Spirale der Blödheit

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Gestern ließ sich auf SPON ein Artikel einer (eventuell tatsächlich existierenden) Studentin erspähen, die einen Brief an ihren Lehrer von einst schrieb und ihm ankreidet, dass er sie schlecht auf die Uni vorbereitet habe, weil nur Transferleistungen abgefragt worden seien und keine Auswendiglernereien, wie man das auf der Unität nunmal benötigt. Und heute antwortete der Lehrer, dass die Uni ihn damals schlecht auf den Lehrerberuf vorbereitet habe. Nunja.

Beginnen wir mit dem Studentinnenbrief von Charlotte Haunhorst. Sie ist im Grunde gar sehr entzückt darüber, dass Lehrer Christian Bode nicht so großen Wert auf Zahlen legte, sondern mehr so die großen Zusammenhänge lehrte. Mit viel Eigeninitiative las sie freiwillig auch Bücher (!) und bildete sich weiter.

Dann kam Charlotte auf die Uni und machte einen großen Fehler. Sie studierte „was mit Medien“ – und wunderte sich, dass man in einem solch überschätzten Studiengang zum Abschluss krabbeln kann, ohne auch nur ein Buch in der Hand gehabt zu haben. Außerdem erwies sie sich als extrem unflexibel; statt von ihren aus der Schule gewohnten Transferlernverhalten abzuweichen und das dümmlich-stupide Auswendiglernverhalten zu übernehmen, blieb sie stur dabei und bekam notenmäßig auch gleich die Quittung. Spätestens nach der ersten Klausurenphase hätte es ja im Hirne rappeln können, dass Wasmitmedienistik weniger mit Denk-, denn mehr mit Gedächtnisleistung zu tun hat und ganz und gar anspruchslos ist. Statt sich einen neuen Studiengang mit mehr Anspruch zu suchen, blieb sie in dem Sammelbecken für all jene, die nach dem Abi nicht wissen, was sie studieren sollen. Nach dem dritten Semester erst resignierte sie und lernte nur noch Folien auswendig. Wie es sich gehört.

Nun folgt die Antwort von Lehrer Bode – und da geht es los:

Liebe Charlotte,

es tut mir leid! Ich konnte es nicht besser, aber ich habe eine Entschuldigung: Man hat mich völlig falsch auf das Lehrerleben vorbereitet!

Charlotte lernt nix auf die Uni, weil die Uni ihren Lehrer nicht gut darauf vorbereitet hat, wie man die Pennäler auf die Uni vorbereitet – Fuck it!

Darauf folgt die Schwärmerei, wie man damals nicht in Vorlesungen brauchte, weil man den Schein auch so bekam und die Dozenten sich keine Mühe bei den Vorlesungen gaben – warum auch, es kam ja eh keiner. Aber die Seminare, da fand „das eigentliche Studium“ statt und es lehrten „hoch motivierte und junge (wichtig!) Dozenten“ auf teufelkommraus alles das, was man im schulischen Dienst ohnehin nicht mehr bräuchte und manchmal, wenn man besonders viel Glück hatte, durfte man sogar – man höre und staune ob dieser tollen Seminare damals! – eine Hausarbeit schreiben und ab und an bekam man dabei sogar Hilfe! Eiderdaus!

Zu dumm, dass Seminare an den Unis verschwunden sind und nur noch Zwangsvorlesungen mit dreifacher Anwesenheitspflicht und anschließender Auswendiglernklausur existieren.

Doch früher war mitnichten alles besser, denn spätestens im Examen zeigte sich das Symptom, dass Lotte so schön beschreibt:

Spätestens im Examen zeigte sich dann das Symptom, das Du so schön beschreibst: Es wurde ein zentrales Thema gestellt, dazu gab es eine Literaturliste (mit echten Büchern!) und dann wurde stumpf gepaukt.

Obacht, es folgt nun ein Witz:

Fakten, Fakten, Fakten, und zwar lang schon, bevor der Focus das zu seinem journalistischen Credo machte!

Lauthalse Schmunzelei, allenortens. Aber das war ja alles bisher nur nostalgisches Vorgeplänkel, denn jetzt geht’s um die wurscht! Als Lehramtsstudent wurde man gar nicht auf die Schule vorbereitet:

Die Schulpraktika waren eine Farce […] Die Pädagogikseminare waren eine Reise an die Grenzen des Verstandes und der Geduld

Und viele merkten erst im Referendariat, dass sie ja mal mit Kindern zu tun haben würden!

Gymnasiallehrer – Menschen, die vier Monate Ferien im Jahr haben, nur den halben Tag arbeiten und sonst zugucken, wie ihnen das üppige Beamtengehalt aufs Konto gespült wird. Man merkt ihnen an, dass sie vormals zur Gruppe der Lehramtsstudenten gehörten. Zu jenen geistig einfältigen Figuren, die ob ihrer Beschränktheit nicht zu unrecht in der Studentenhierarchie ganz unten angesiedelt sind, gerade weil sie den Schuss nicht gehört haben und tatsächlich wider besseren Wissens an die Schule wollen, Klassen mit dreißig Volldeppen unterrichten. Immerhin, so ein ex-Lehrämtler kennt dann seine Pappenheimer. Und weil er es nicht besser gelernt hat an der Universitaet, bringt er seinen Kinderlein das Unnötige bei und die besonders wenig hellen Kinderlein gehen dann mit dem ganzen Blödwissen an die Uni und studieren Lehramt und so fort.

 

 

Und nun freue ich mich auf eure billigen Ausflüchte Kommentare, liebe Lehramts-„Studenten“.

Written by Quax

28. Januar 2011 at 22:22

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Neulich in der Provinz

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In Potsdam, der pulsierenden Metropole, da gehen die Uhren anders, nämlich rückwärts. Schon drollig, was da so alles durch den märkischen Sand wuselt und ein Mindestmaß an Haupthaar vermissen lässt. Die Universität Potsdam lässt einige jener Haarlosen bei sich studieren, man kann’s ja nicht ändern.

Einer dieser Herren ist nun von seiner politischen Haltung höchstens bedingt das, was man gemeinhin „Kommunist“ nennen mag, sondern eher das komplette Gegenteil. Er ist ein recht rechter Geselle, bzw. Kamerad und rennt studierend über den Campus der Unität Potsdam. Da er nun seine drei Gedanken nicht an sich halten konnte, sorgt er nun für Probleme an seiner Alma Mater.

Er absolvierte ein Praktikum in der NPD-Zentrale und wünscht nun die Anerkennung jenes Praktikums, wogegen sich die Verantwortlichen Universitätsmenschen sperren, die es für unschicklich halten, dass ein späterer Diplom-Politikwissenschaftler sein Pflichtpraktikum in der NPD-Zentrale absolviert hat.

Was nun besonders kurios ist, ist folgender Sachverhalt. Der Kerl, der da sein Praktikum abgesessen hat, ist der stellvertretende NPD-Vorsitzende in Brandenburg – und der hat in der Bundeszentrale sein Praktikum gemacht! Also… also… der Landesvize macht im Braunen Haus sein Praktikum. Das ist so, als würde ich ein Praktikum in meiner eigenen Küche machen. Kein Wunder, dass der Quatsch nicht anerkannt wird! Täte ich neben meinem harten, harten Studium beispielsweise noch bei Burger King (wo es besonders lecker ist) zwecks monetärer Beschaffung abwechselnd Brötchenhälften und Fleisch aufeinanderschichten, dann würde ich mein Praktikum doch auch nicht an der Kasse des eben genannten Etablissements machen und darauf hoffen, dass mir das als Praktikum im Bereich VWL/International Finance anerkannt wird.

Also ehrlich, NPD, mit solchen Leuten an der Parteispitze nehmt ihr dem Kampf gegen Rechts aber ordentlich die Butter vom Brot.

Written by Quax

10. Januar 2011 at 19:19

Veröffentlicht in Bildung, Politik

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