Misanthropenwald

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Weniger ist mehr

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Kinder, Kinder… Das ist es, wovon wir zu wenig haben. Wir haben die wenigsten Kinder Europas. Aber nur vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht und unter Umständen. 

Da liest man unter anderem bei der Deutschen Welle, dass in Deutschland pro Jahr nur noch zwei Kinder zur Welt kämen und wir damit europaweit die dickste Staubschicht in unseren Kreißsälen hätten. Panik Panik, der Deutsche stirbt aus.

Bei SPON liest sich die Sache anders, denn da hat Italien die rote Laterne.

Jetzt meine berechtigte Frage: Wer hat recht und wer nich‘?

Written by Quax

29. Juli 2011 at 17:37

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Harald Schmidt

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Kommen wir nun zu einem Thema, das mir persönlich am Herzen liegt, diesem kleinen, schwarzen Klumpen in meiner Brust: Döörty Harry. Der Late-Night-Talker hat ganz schon abgebaut und das gefällt mir ganz und gar nicht.

1995 war ich mit meinen sieben Lenzen noch kein Fan von Harald Schmidt, der am 5. Dezember auf Sat1 die erste Folge der Harald-Schmidt-Show hinter sich gebracht hatte. Das Konzept kam aus Amerika: ein Mann stellt sich zuerst fünf Minuten vor sein Publikum und kommentiert lustig das Tagesgeschehen, dann sitzt er an einem Schreibtisch und am Ende kommen prominente Gäste. Zunächst klebte Schmidt am amerikanischen Vorbild, besonders an David Letterman und die Quoten waren auch eher naja. Seinen ersten kleinen Skandal hatte Schmidt schließlich von Dezember ’95 bis Februar ’96:

Von da an ging es bergauf. Vielleicht nicht unbedingt deswegen, aber jede PR ist gute PR und letztlich geschadet hat’s der Sache ja nicht. Mit dem Erfolg der Show wurde auch die Schlagzahl erhöht; nicht mehr nur zweimal die Woche, sondern bald schon fünfmal die Woche zum festen Termin. Im Laufe der Zeit befreite sich Schmidt vom engen Korsett des amerikanischen Vorbildes und erweiterte den Personenkreis, mit dem er während der Show interagieren konnte. Zunächst gab es nur Helmut Zerlett, den Bandleader, der als Gesprächspartner aber nicht taugte, aber dazu später mehr.

Mitte 2000 setzte Schmidt sich seinen Redaktionsleiter Manuel Andrack an die Seite an einen kleinen, provisorischen Tisch, der dann als Stichwortgeber und Gesprächspartner Schmidts diente (Andrack, nicht der Tisch). Die Zeit von da an bis Ende 2003 gilt für viele als das goldene Zeitalter der Harald-Schmidt-Show. Weil einfach alles gepasst hat, man merkte, dass Schmidt selber Spaß an dem hatte, was er da tat, er war spontan und schlagfertig und die Dialoge mit Andrack immer unterhaltsam.

Und da wären wir auch beim Substantiellen – egal was in jeder einzelnen Folge gemacht wurde, die Show war unterhaltsam. Natürlich waren auch schwächere Ausgaben dabei, aber wirklich langweilig war es nie. (Das kann ich nicht aus persönlicher Erfahrung bewerten, sondern aus den Folgen, die bei YouTube hochgeladen wurden. Das erste Mal sah ich aktiv einen Ausschnitt aus der Harald-Schmidt-Show 2003, da kochte er gerade Fischstäbchen in der Sendung.) Nichts in der Show wirkte aufgesetzt oder vom Sender verordnet, alles war aus sich selbst gewachsen und Schmidt genoss bei Sat1 absolute Narrenfreiheit.

Bis Ende 2003. Zu einem Wechsel in der Chefetage des Senders kam noch hinzu, dass Schmidt gesättigt war. Er selbst beschrieb es in einem Interview so, dass er keine neuen Ideen hätte und das Gefühl gehabt habe, als habe man schon alles gemacht, was man hätte machen können. Schmidt zog die Notbremse und legte eine einjährige Kreativpause ein. Unter großer Anteilnahme des Feuilletons und des Publikums verabschiedete sich Schmidt im Dezember 2003 aus Sat1 und eine Institution im deutschen Fernsehen fiel weg.

Aber Schmidt blieb nicht ewig verschollen, Ende 2004 kehrte er in die ARD zurück – wieder mit einer Late-Night-Show, die diesmal aber nur „Harald Schmidt“ hieß. (Das war etwa die Zeit, in der ich anfing, regelmäßig Harald Schmidt zu gucken.) Wieder mit dabei war Manuel Andrack als Sidekick, dafür schien das gesamte restliche Team samt Bandleader Zerlett ausgetauscht worden zu sein. Das Konzept sollte das bewährte bleiben, aber irgendwie hatte die ARD so lange daran herumgemurkst, bis das dabei herauskam, was dabei herauskam. Die Anwesenheit Andracks hatte nicht mehr den provisorischen, amateurhaften Charme aus der Sat1-Zeit, sondern sah unpassend professionell und gesetzt aus. Die Show war nicht schlecht, wirkte bisweilen aber irgendwie breiig und so, als säße der WDR-Intendant (denn unter WDR-Fuchtel wurde das ganze letztenendes produziert) der Redaktion im Nacken. Die Leichtigkeit der Sat1-Zeit wollte sich nicht einstellen.

Der Niedergang des Harald Schmidt hatte schleichend begonnen und wurde ab 2007 immer offensichtlicher, als irgendein hirntoter Berufstrottel auf die Idee kam, junges Publikum an die ARD zu binden, indem man Schmidt einen jüngeren Kollegen zur Seite stellte: Oliver Pocher. Andrack verschwand wieder zurück in die Redaktion und verließ schließlich komplett die Show, dafür kam Zerlett als Bandleader zurück.

Bevor ich jetzt auf das Verhältnis Schmidt/Pocher eingehe, muss ich zunächst beschreiben, warum die Kombination Schmidt/Andrack so wunderbar funktionierte. Da wäre zum einen die klare Rollenverteilung. Schmidt als der Chef, der intellektuelle Theaterschauspieler, der sagt wo’s langgeht und Andrack als der Untergebene, der über der restlichen Redaktion steht, aber eben deutlich unter Schmidt, der Fußballfan und leidenschaftliche Biertrinker (zu Sat1-Zeiten trank Andrack in jeder Sendung ein anderes Bier einer deutschen Brauerei und bekam vom deutschen Brauereiverband dafür eine Auszeichnung), der an viele Sachen mit geradezu kindlicher Begeisterung heranging. Mit Pocher hingegen kam ein Proll an Schmidts Seite, der gleichberechtigt neben Schmidt stehen sollte – und wenn man einigen Interviews glauben schenken kann, dann sei sogar angedacht gewesen, dass Pocher Schmidt nach und nach ablösen sollte. Schmidt fing damit an, große Teile der Show komplett Pocher zu überlassen, der natürlich nicht mit dem Großmeister mithalten konnte, geschweige denn, seine Fußstapfen austopfen. Das dumme war nur, Schmidt konnte das selber auch nicht mehr. Dass Schmidt Pocher mit der Zeit überdrüssig wurde, zeigt sehr gut folgende Szene:

Auch wenn beide versuchten, diese Szene kleinzureden, man merkt doch irgendwie, dass Schmidt im Laufe der Zeit gemerkt haben, dass Pocher ihn nicht ersetzen kann. 2009 sahen das auch die WDR-Verantwortlichen so und beendeten das katastrophale Experiment namens Schmidt & Pocher.

Schmidt machte die Show wieder alleine und zwar einmal wöchentlich auf einem Sendeplatz, den er sich alle zwei Wochen mit dem Satire Gipfel teilen musste. Zu allem Überfluss begann die Show fast jede Woche zu einer anderen Uhrzeit. Konnte man bei Sat1 noch sicher jeden Abend zur gleichen Zeit einschalten und sicher sein, Schmidt zu sehen, musste man nun erstmal schauen, ob die Sendung diese Woche überhaupt läuft und vor allem wann. Eingangs habe ich beschrieben, dass das Late-Night-Konzept vorsieht, dass zu Beginn das Tagesgeschehen durchgenommen wird. Geradezu unmöglich wird das natürlich, wenn die Show nur einmal die Woche läuft und man wöchentliche Zusammenfassungen machen muss. Bei Sat1 hatte er die Möglichkeit, Gags und Anspielung über mehrere Sendungen hinweg zu kultivieren und zu verwenden, bei der einwöchigen Sendung war das von vornherein ausgeschlossen.

Dazu kam das starre Konzept der Sendung. Gab es bei allen Shows davor doch immer diese Momente, in denen man das Gefühl haben konnte, dass das, was man da sieht, weder geschrieben noch geprobt wurde, sondern locker improvisiert wurde, so musste sich Schmidt am Gerüst entlanghangeln, das seine Autoren ihm verpassten. Wobei der Vergleich mit einem Gerüst irreführend ist, ein enger Tunnel wäre wohl passender. Andererseits hatte Schmidt auch nicht viele Alternativen, denn der einzige Gesprächspartner, der zur Verfügung gestanden hätte, war Helmut Zerlett, dessen Antworten sich jedoch meist auf „joa“, „nee“ und „nee, hab‘ ich nich'“ beschränkten und als Stichwortgeber oder gar jemand, der Schmidt ein bisschen Paroli bieten konnte, ausfiel. Stattdessen bekam Schmidt neue Kollegen an die Seite gestellt, die durch Einspielfilmchen die Show auflockern sollten. Und mit „auflockern“ meine ich „zukleistern“. Da die Show nur einmal die Woche lief und sich viel Material anstaute, waren gerade die letzten Sendungen geradzu zugemüllt von Einspielfilmchen, von denen nicht wenige gerade einmal den Unterhaltungswert „meh“ hatten. Hinzu kam auch Katrin Bauernfeind, die sich hinsichtlich spontanen Humors leider als absolute Fehlbesetzung erwies. Nicht zu vergessen sind die Sketche, die mehr Nerven töteten als Lachmuskeln strapazierten.

Immerhin konnte ließ sich in der bisher letzten Harald-Schmidt-Staffel von 2009 bis 2011 ein aufstrebender Trend ablesen. Was kein Grund zum jubeln ist, denn noch schlimmer konnte es eigentlich nicht werden. Bis zum September 2010, als bekannt wurde, dass Schmidt zu Sat1 zurückkehren werde, war die Stoßrichtung der Show vor allem auf Kultur ausgelegt. Gäste waren Leute aus dem Theaterumfeld, die meisten vermutlich wegen Schmidts persönlichen Theaterinteresse eingeladen. Gefühlt war die Show nicht mehr auf eine Gesellschaftsschicht ausgerichtet, nämlich das gebildete Bürgertum (denn für andere, gerade die Jüngeren, gab und Gibt’s ja Stefan Raab), sondern – wie schon bei Schmidt & Pocher – auf eine Altersschicht. Nur diesmal eben nicht auf Jugendliche, sondern auf Rentner, wie es schien. Die Show schleppte sich, Woche für Woche. Die Einspielerfilmchen waren so interessant, wie Einspielerfilmchen halt interessant sein können, wenn jemand Photoshop entdeckt hat und jetzt Merkel in einem Video ein blaues Auge verpassen kann oder ähnliches. Die Show hatte Längen und war schlicht langweilig. Auch wenn ich mir jedes Mal eingeredet habe, dass es nächste Woche bestimmt besser wird – ach nein, da läuft ja der Satire Gipfel.

September 2010 wurde bekannt, dass Schmidt die ARD verlassen und ab September 2011 wieder bei Sat1 late-nighten werde. Von da an wurde die Show ein wenig besser. Alte Elemente aus Sat1 wurden langsam wieder eingeführt, wie der Liebling des Monats – aus einer Reihe von Persönlichkeiten, die in diesem Monaten besonders in den Schlagzeilen waren, konnte das Publikum via Applaus ihren Favoriten auswählen, der dann Liebling des Monats wurde. Ungeschickt war’s da nur, dass es alle vier Sendungen wieder einen neuen Liebling des Monates zu küren gab, weil diese Sendung ja nur wöchentlich lief (wenn man Glück hatte und nicht gerade Mathias Richlings Travestieshow zu sehen bekommt).

Im Juni lief die letzte Ausgabe von Harald Schmidt in der ARD. Im September wird er wieder – zweimal die Woche – auf Sat1 zu sehen sein. Dafür muss er sich aber deutlich steigern und sollte tunlichst versuchen, an die alten Sat1-Zeiten anzuknüpfen. Denn wenn er so weitermacht, wie er aufgehört hat, wird das ein kurzes Comeback.

Puoah, uff.

Dieser Eintrag hier ist natürlich durchsuppt von meiner absolut subjektiven Einschätzung des ganzen. Und ich habe nicht einmal alles das angesprochen, was ich hätte ansprechen müssen, z.B. wie die ARD (bzw. der WDR) an der Länge der Show geschraubt hatte, aus der dreiviertel Stunde (die bei Sat1 durch Werbung auf eine volle Stunde gestreckt wurde) eine halbe machte und die Show dafür zweimal die Woche laufen ließ oder die merkwürdigen Personalentscheidungen, wie die unnötige Anwesenheit der Französin Natalie Licard als nie genutzter Zerlettersatz und „Sängerin der Showband“, als Zerlett nicht mehr von der Partie war. Oder wie die Harald-Schmidt-Show irrelevant geworden ist und von der Heute Show verdrängt wurde.

Ich weiß auch nicht, wie es hinter den Kulissen der Show zugeht, ob es im Autorenteam noch viele alte Autoren gibt, die den Zirkusvon Sat1 bis zur ARD und wieder zurück mitgemacht haben oder ob da kontinuierlich ausgetauscht wurde, auf jeden Fall sollte da wohl Stabilität reingebracht werden. Entweder das alte, eingespielte Team wiederherstellen oder Tabula Rasa machen und komplett neue Köpfe einholen (und vielleicht ein, zwei Autoren für den Übergang belassen). Aber was weiß ich schon.

Vielleicht werde ich ja positiv überrascht, wenn es ab September wieder heißt: „Aus dem Studio 449 in Köln: Die Harald-Schmidt-Show!“

Written by Quax

15. Juli 2011 at 15:13

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Der Unterschied zwischen Schön und Kitsch

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Musik ist super! Jeder mag Musik. Nicht jede Musik, aber mit irgendeiner Musik kann jeder was anfangen. Es gibt laute Musik, schnelle Musik, langsame und leise Musik. Mit viel Bass und Schlagzeug oder mit Harfen und Klampfen. Musik, bei der man durch die Wohnung tanzt, heftig mit dem Kopf nickt oder Musik, bei der man sich die Pulsadern öffnen möchte. Weil sie so schön ist.

Bei viel zu vielen Menschen ist die Geschmacksverkrüppelung schon so weit vorangeschritten, dass sie wirklich schöne Musik nicht mehr von Kitsch unterscheiden können und jeden hingeschwappten Song sofort als große Kunst und Kultur auffassen, weil ein paar Geigen mitschrubben. Da muss ich unbedingt Abhilfe schaffen, denke ich. Denn besonders bei einer ganz bestimmten Band ist das „Mei, isch des schee!“ weit verbreitet, obwohl es im Grunde der gleiche akustische Müll ist, der es schon als Originalpopmusik war – nur langsamer und mit Geigen.

Damit will ich nicht sagen, dass Popmusik böse und scheiße ist und ich möchte schon gar nicht so snobistisch daherkommen, als täte ich keine Popmusik hören, ganz im Gegenteil: Unfassbar eingängig und unterhaltsam sind die Lieder vom größten Musikschrottplatz Europas, der da Eurvision Song Contest heißt und dessen musikalisches Textgut ich auf keinen Fall missen möchte („I will be popular, I will be popular … My body wants you, Girl!“). Oder Karnevalsmusik, die ganz objektiv betrachtet schlimmer als Folter ist. Nur damit hinterher niemand sagen kann, ich würde bestimmte Leute als doof ansehen, weil sie eine bestimmte Musikrichtung hören und meine Musikrichtung fände ich dann wohl als die Beste, dabei sei das ja wohl größerer Müll. Nein, ich weiß ja, dass ich meinen Trommelfellen unerhört viel Musikabfall zumute. That said kann’s nun auch losgehen.

Seit einiger Zeit tritt eine Art, Lieder zu covern häufig auf. Dazu werden bekannte Songs genommen und völlig neu arrangiert, sodass dumme Leute sie für ganz hohe Kunst und Musikavantgarde halten (z.B. weil Geigen vorkommen). Das kann man gut machen, sodass man die tollen alten Lieder in einer auch tollen, aber anders tollen neuen Version hört. Das Positivbeispiel wäre dafür die Band Scala & Kolacny Brothers aus Belgien. Ein Mädchenchor aus knapp 200 (sic) 16- bis 26-jährigen Sängerinnen, die auch deutsche Lieder covern. Ganz unaufdringlich und nett anzuhören. Zum Beispiel „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten.

Das gefällt mir gut. Schlicht gehalten und schön anzuhören.

Am bekanntesten dürfte aber Scala & Kolacny Brothers‘ Version von „Hungriges Herz“ sein, das eine ganze Weile in der Werbung der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu hören war:

Das ist schön. Schlicht, nur ein Klavier als musikalische Begleitung, den Rest macht der Chor. So läuft das.

Kommen wir nun zur Schattenseite. Kommen wir zum Kitsch. Kommen wir zu Adoro. Adoro sind fünf Hornochsen Opernsänger, die im Grunde genauso arbeiten wie Scala & Kolacny Brothers, nur dass sie die Sache mit mehr Kitsch angehen und bei der Songauswahl ein weniger gutes Händchen haben wie die Mädels aus Belgien. Oder wie es jemand auf der Diskussionsseite zum Wikipediaartikel über Adoro geschrieben hat: die fünf Jungs „knödeln bereits vielfach ausgelutschte Kommerz-Bonbon-Popsongs über schwülstige Orchesterarrangements aus dem Sampler“. Ihr glaubt mir nicht? Beweisstück A:

Einen Rocksong zur Ballade machen, okay. Einen Popsong zur Ballade zu machen, okay. Eine Ballade noch zu verballadigen grenzt dagegen an Körperverletzung. Auch die übrige Songauswahl ist mehr so wäh. Da hätten wir ein Cover von A-has „Take on Me“ auf Deutsch mit dem Titel „Halt mich fest“, „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo oder „Geboren um zu leben“ von Unheilig.

Vielleicht taugen die Arrangements ja was. Wir können ja mal spaßernshalber die beiden Lieder von Scala & Kolacny Brothers hier mit Adoros Version von „Liebe ist“ vergleichen: Statt eines einzigen Instruments (ein Klavier, ein Klavier!) haben wir hier eine Harfe, ein paar Streicher – darunter natürlich Geigen – und eine Oboe im Solomodus. Kitsch as Kitsch can. Dann setzen vier Schleimbolzen (einer ist krank) die Mikrofone an mit tiefgründigem, wehmütigen Blick und schmalzen los. Noch nicht überzeugt?

Dann hilft vielleicht der Clusterfuck, zu dem sie „Stille Nacht“ ab etwa 2:00 gemacht haben:

Nun gut, zu Weihnachten darf’s ja ruhig ein wenig kitschig sein. Aber selbst die kitschigste Jahreszeit der Welt kann Adoro noch viel kitschiger machen. Vorhang auf und Bühne frei!

Vorhölle.

Damit hat’s Adoro auch völlig verdient, parodiert zu werden. Zum Beispiel von der Wochenshow:

Written by Quax

14. Juli 2011 at 13:40

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Wörter-Trennung

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Lange Wörter sind schwer zu lesen und verwirren. Wörter wie „Stochastikwettbewerb“ sehen ultrawichtig aus, lesen sich aber ungemein ungut. Besser, man trennt solche Wortmonstren – pardon, Wort-Monstren. Wie SPON beispielsweise.

Allein in den ersten Zeilen! Es geht um den Artikel zu Milchschnitte und dass das von den Klitschkos beworbene Produkt gar nicht so gesund ist, wie die Werbung immer tut. Jedenfalls:

Die Milch-Schnitte bekommt den Goldenen Windbeutel für den frechsten Werbeschwindel. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierten Zehntausende Teilnehmer das Ferrero-Produkt als irreführend. Alle Gewinner des Negativ-Preises in der Übersicht.

Wir zählen mit.

  1. Milch-Schnitte
  2. Online-Abstimmung
  3. Ferrero-Produkt
  4. Negativ-Preis

Normalerweise macht nur BILD sowas und spricht dann vom Schweine-Bauern, der seine Jugend-Liebe zum Romantik-Dinner ausgeführt hat. So halt.

Offenbar wurde dem zuständigen Schreibknecht die Wörter-Trennung irgendwann selber zu blöde, denn aus dem „Negativ-Preis“ wird schon wenig später ein „Negativpreis“. Und Vokabeltitanen, wie „Süßwarenkonzern“, „Etikettenschwindel“, „Zwischenmahlzeit“ und „Lebensmittelindustrie“ werden zur Vorsicht erst gar nicht bebindestricht. Aber dafür haben wir „Schoko-Sahnetorte“ und „Windbeutel-Kandidaten“. Nice Continuity.

Written by Quax

17. Juni 2011 at 15:29

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Obacht, Panik.

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Völlig und absolut unbedarft surft man mal so auf bild.de herum um, weil man sich ja irgendwo informieren muss. Kaum auf der Startseite eröffnet sich auch schon, was alles schlimm und schrecklich auf der Welt ist und warum der blaue Planet ja gottlob nächstes Jahr schon untergeht.

Da haben wir einmal EHEC, die Geißel der Menschheit. Schon zweiundzwanzig Tote und damit „schlimmer als die Schweinegrippe“. Und der Ursprung von der Seuche wurde noch nicht gefunden. Erst waren’s Gurken aus Spanien (deren Landwirtschaft dank uns jetzt ein paar Einbußen hat), dann war mal kurz Biogas im Gespräch und jetzt sind es Sprossen. Gestern schrie bild.de noch, dass man das mit den Todeskeimen in den Pflanzenkeimen ja schon immer gewusst habe und das ganze „lange bekannt“ gewesen sei.

Aber auch nur bis heute, denn heute fragt bild.de mächtig empört und ganz vorwurfsvoll: „War der Sprossen-Alarm falsch, Herr Minister?“ Eiderdaus, das wäre ja was. Und dabei konnte man gestern in der ARD noch zugucken, wie gesundheitsbewusste Bioladenverkäuferinnen die Sprossen aus ihren Regalen nahmen. Völlig für umme, so wie’s aussieht.

Auch das Wetter lässt uns keine ruhige Minute, das „Schwere Unwetter über Deutschland“, lässt bild.de wissen, sorgte für „+++ 1500 Feuerwehr-Einsätze in Hamburg +++ Brände im Nordosten +++ Hagelwalze in Bayern +++“, jawollja. In spätestens zwei Wochen stöhnt man dann von der Hitze-Welle, die schon soundso viele Menschenleben gefordert hätte, aber vielleicht schiebt man die auch auf EHEC, um die Statistik bedrohlicher aussehen zu lassen.

Darüber hinaus featured bild.de einen Artikel über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Und hier ist das Foto besonders interessant. Warum kopiert das Legoweibchen einen – Geldschein?

Written by Quax

7. Juni 2011 at 10:08

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Oh, Bild!

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Von allen doofen Sachen, die man so landein landaus lesen darf, war das doch das bisher dööfste. Aller Zeiten.

Da schaut man nichtsahnend auf bild.de, denn man muss sich ja informieren, wie panisch man inzwischen sein muss, und da schreibt Bild allen ernstes:

EHEC-Welle ist ernster als Schweinegrippe!

Ja, fuck! Die Schweinegrippe, die damals ganze Landstriche entvölkerte! Ja hat denn niemand mehr die Darmkeime unter Kontrolle?

Darm-Keime außer Kontrolle – schon 6 Tote!

Doppelfuck, schon sechs. Bei der Schweinegrippe waren es wieviele? drei?

Hoffentlich wird schnell was gefunden, sonst sind wir alle unter der Erde, aus der das Gift-Gemüse (fehlt noch als Bildschlagzeile) kam. Und denkt eigentlich mal jemand an die Kinder?

Written by Quax

27. Mai 2011 at 21:07

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Gurke des Grauens

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Wir hatten SARS. Wir hatten BSE und Creutzfeld-Jakob. Wir hatten Vogel- und Schweinegrippe. Wir hatten auch Dioxin und Gammelfleisch. Doch eines hatten wir noch nicht: Gurken.

Pest und Cholera und Spanische Grippe gab’s auch mal, aber die sind lange weg. Solche Krankheiten vom alten Schlage gibt es inzwischen gar nicht mehr, möchte man wehmütig anmerken, wenn nicht gerade die Weltenseuche EHEC über Europa zöge und wie ein schwarzer Schleier bleischwer über dem Land läge. Müssen wir alle an EHEC und der EHECschen Scheißerei sterben? Ja, wenn’s nach SPON und Bild geht, denn wenn man mal die Berichterstattung kurz zusammenfasst, kommt man auf PANIK, PANIK, PANIK!!!

Schlimm. Killer-Keime und Todes-Bakterien in unserem Essen, besonders in der deutschen Gurke. Inzwischen sogar in der spanischen Gurke und vielleicht auch in der holländischen. Fehlt nur noch der Spruch, der bei Lebensmittelskandalen irgendwann eigentlich immer fällt: „Man kann ja gar nichts mehr essen, Gurke ist ja überall drin!“ – wahlweise statt Gurke auch Ei/Rindfleisch/Kautschuk/wasauchimmer. Gefolgt von der Frage an „Ernährungsexperten“ bzw. „Lebensmittelexperten“, die in jedem Morgenmagazin gestellt wird: „Was können wir denn überhaupt noch essen?“

Die Antwort lautet: Fleisch! Essen Sie ein leckeres Schnitzel mit Speckwürfeln, ein delikates Cordon Blö mit einer Soße aus Geschnetzeltem und Würstchen oder ein schmackhaftes Hacksteak mit Prosciutto. Ein bisschen chauvi ist’s ja schon, wen das Bakterium EHEC zur Zielgruppe erwählt hat: Frauen, weil die so viel Gemüse essen. In einer patriarchalischen Gesellschaft hätt’s EHEC bestimmt schwerer. Also besser kein Gemüs‘ mehr futtern, sonst hat man Darm. Lieber ein paar Bockwürstchen zu sich nehmen, ist momentan gesünder.

Gerade jetzt im Sommer empfiehlt sich zum Beispiel ein vorzügliches Fleischeis.

Written by Quax

27. Mai 2011 at 15:02

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