Misanthropenwald

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Löbel!

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Meine Fresse, ich wollte dir beim letzten Mal schon androhen, dass ich dir auf den Sack gehe, wenn du mir noch einen Flyer in den Briefkasten setzt – und jetzt sind es gleich zwei! So nicht, Löbel, soooo nicht. Ich wollte ja nicht, aber du drängst mich ja! Chancenloser CDU-Löbel, du!

Könnt‘ ich mich ja drüber aufregen! Schon die graue Textwüste auf der Vorderseite des ganzen Propagandaflugblattes ist ein Traum. Denn es ist „Zeit für neue Ideen!“ und keine andere Farbe schreit Innovation so sehr heraus wie betongrau. „Politik wird mit Herz, Mut und Verstand gemacht“ und an allem mangelt’s dir, vermutlich besonders an letzterem.

Toll auch dein holpriges „Als Landtagsabgeordneter verspreche ich Ihnen voller Tatkraft und Engagement für Sie zu arbeiten“ – Ist dir die Kommasetzung vertraut, mein Freund und Kupferstecher? „…verspreche ich, [in Worten: KOMMA] Ihnen voller usw.“ – manchmal gibt es Lektoren, die solche Flugblätter korrigieren, aber manchmal eben auch nicht.

Ganz links, Löbel lässig und cool auf einem Stuhl. So kennen wir den Mann mit der teuren Uhr. Und weil’s ja grad aktuell ist, noch schnell ein populistisches „Atomkraft – Nein Nein“ hineingeblökt; es würde mich nicht wundern, wenn er vor drei Wochen noch vollster Atombefürworter gewesen wär‘. Wenn ich Atomkraftgegener wählen will, die auch das übliche Geseiere verbreiten, dann wähle ich doch die Grünen (was ich mangels Hirnschaden aber nie machen würde) und nicht den Löbel, der sich schön mit Mappus ablichten lässt, der bis vor kurzem noch größter Atommann Deutschlands war.

Dann oben links: Löbel in seriöser Pose, denn Löbel hat sich für mich und meinen Stadtteil eingesetzt, der offensichtlich nicht sein eigener ist, sonst täte er das mitreißende „uns“ benützen. Denn Löbel wohnt offensichtlich in F4, das ist das Quadrat in der Innenstadt. „Einsetzen“ tut er sich für Neckarstadt, das ist ein bisschen so, als würde der Berlinabgeordnete von Kreuzberg unter den Linden wohnen.  Aber was soll’s, so ein Löbel hat halt alle Hände voll zu tun, wenn der Wahlkampf „nicht erst vier Wochen vor der Wahl“ beginnt, sondern eine. Beziehungsweise sechs, wenn wir so großzügig sind und ab dem ersten Flyer zählen. In dieser Zeit hat er aber auch wahnsinnig viel bewegt, zum Beispiel hat er das Kinderhaus gerettet. Als Landtagsabgeordneter will sowas weiter machen – ob er weiß, dass der Landtag kein Repräsentantenhaus ist? Nicht nur Kindergärten rettet der Selbstdarsteller und Eitelkopf Löbel, sondern er kämpft auch gegen Schlaglöcher, dieser mutige Mann. In dem er Blumen in die Löcher pflanzt. Aber vorher sich beschweren, dass Schlaglöcher den Verkehr behindern, was Vegetation im Loch natürlich nicht tut. Hohe Symbolkraft und ein schönes Grinsefoto für den Flyer, das reicht. Denn nur eine starke CDU setzt die richtigen Prioritäten, wie Natur auf unseren Straßen.

Apropos Foto: Löbel in seriös, Löbel als Gärtner, Löbel als hemdsärmliger Landratsabgeordneter in Kindergärten, Löbel mit Mappus. Löbel mit Guttenberg ist, hihi, inzwischen verschwunden. Das ist das Licht von eitel Sonnenschein, was da auf den Löbelschen Schädel knallert. Freuen wir uns, dass wir so einen engagierten, jungen Mann wählen dürfen, der „mit beiden Beinen fest auf dem Boden!“ steht. Jemand, der sich auch für die Gesellschaft einbringt und ein Praktikum bei der Müllabfuhr gemacht hat, wovon es natürlich ein geiles Werbebild gibt. Eigentlich möchte ich, dass Löbel weiter etwas für die Bürger tut und gute Arbeit verrichtet und unsere Tonnen leert. Wer soll das machen, wenn er im Stuttgarter Landtag herumlungert?

Neben seinem Praktikum (ob ihm das wohl an der Uni als Pflichtpraktikum angerechnet werden konnte? So als studierender Jurist?) kennt er sich auch mit den sozialen Problemen der Stadt aus, weil er hat schon „zahlreiche Besuche“ in karitativen Einrichtungen gemacht. Jetzt weiß er, wie schlimm es in Mannheim zugeht und will möglichst schnell nach Stuttgart gewählt werden, um das Elend nicht länger ertragen zu müssen.

Uff.

Nächster Flyer.

Vorne drauf der Geisler und der Löbel und der Austausch der Generationen, wie bei Star Trek, als Käpt’n Kirk und Käpt’n Picard aufeinandergetroffen sind. Nur, dass diesmal beide nicht so cool sind. Eigentlich überhaupt nicht. Bezeichnend, dass auch nur diese beiden sprechen, ein Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern aber gar nicht vorgesehen ist – wäre wohl auch albern, schließlich will Löbel nur von denen nach Stuttgart gehievt werden und keinen Debattierclub eröffnen.

Hinten drauf wird’s aber allerhöchste Zeit, „dass die Neckarstadt einen jungen engagierten CDU-Abgeordneten bekommt!“, was schon zweimal falsch ist. Einmal wieder das liebe Komma zwischen „jung“ und „engagiert“ – in der Aufzählung fehlt noch „bemüht“ und „selbstverliebt“ – „Neckarstadt“ ist der Name des Stadtteils. Ich vermute mal heftig, dass das wie ein Eigenname behandelt wird, dementsprechend ohne Artikel. Wie bei Städten. Es sagt ja auch keiner, dass „die Hamburg“ einen schönen Hafen hat oder dass „der Mönchengladbach“ hoffnungslos verloren ist.

Wie dem auch sei, es folgt das übliche Geschwafel dessen, wofür er sich alles einsetzen will, was – bis auf den Teil mit der Videoüberwachung – exakt so auch in allen anderen Programmen stehen könnte und vermutlich auch tut. Bisher war nur Löbel so dreist, Werbung in meinem Briefkästle zu hinterlassen. Zum Schluss gibt’s noch die hektisch angepappte Antiatomerklärung, man will ja möglichst viele Panikstimmen abfischen. Was völlig fehlt, ist der Hinweis, dass man auf dem Wahlzettel Koch-Löbel wählen muss und dass die CDU den Wahlkreis Mannheim-Nord schon selber abgeschrieben hat.

Es ist nämlich so, in Baden-Württemberg hat der Wähler nur eine Stimme, mit der er den Direktkandidaten samt Partei wählt. Wenn ich das richtig sehe, darf sich jede Partei ein paar der 70 Wahlkreise aussuchen, in denen die Anzahl der abgegebenen Stimmen auch für die Landesliste zählt und je mehr Prozent mann in diesen Wahlkreisen hat, desto mehr Abgeordnete gibt’s zusätzlich im Landtag. So in etwa. Wenn eine Partei ihr Zweitmandat auf einen Wahlkreis gar nicht erst legt, kann man davon ausgehen, dass das eh ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Und ihr Don Quichotte heißt Löbel.

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Written by Quax

22. März 2011 at 00:16

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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Schlacht am Guttenberg

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Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Das wurde auch langsam Zeit. Sagt jedenfalls der eine Teil der Deutschen. Der andere bedauert den Schritt und sähe den Verteidigungsminister weiterhin gerne im Amt. Aber wer steht auf der einen Seite und wer auf der anderen? Und warum? Auf der Suche nach der Frontlinie.

Die Medien
…stehen auf der Seite der Guttenberg-Gegner: Nachdem die Süddeutsche Zeitung aufgedeckt hatte, dass der Minister a.D. bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, war die Stoßrichtung: Das ist ein großer Skandal, er muss sich entschuldigen und bald hieß es, er solle seinen Posten räumen. Als zu Guttenberg dann rumkrebste, von „abstrusen“ Vorwürfen sprach, obwohl täglich neue Stellen in seiner Doktorarbeit gefunden wurden, die nicht von ihm waren, und schließlich doch „Blödsinn“ einräumte, forderten quasi alle Medien seinen Rücktritt.

Einzige Ausnahme: Die Bild-Zeitung. Sie hielt zu Guttenberg die Stange, hatte ihn schließlich zuvor schon für „gutt“ befunden und blieb dabei und ihm treu. So auch die Bildleser, wenn man denn der Umfrage des Blatts glauben kann, in der ihm 87 Prozent ihre Unterstützung zusicherten. Bei allen anderen größeren Zeitungen sah das anders aus und bereits bei bild.de waren es plötzlich 55 Prozent – die seinen Rücktritt forderten.

Die Wissenschaft
…steht mittlerweile wohl auf der Seite der Gegner. Jedenfalls spätestens, seitdem sich diverse Professoren und schließlich auch zu Guttenbergs Doktorvater (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. – geil!) Peter Häberle gegen die Arbeitsweise des Ex-Ministers ausgesprochen haben. Für zu Guttenberg persönlich (es folgt eine wilde Vermutung) könnten auch die wäschekorbweise zu Angela Merkel angeschleppten Unterschriftenlisten mit den Signaturen enttäuschter junger Doktoranten ausschlaggebend gewesen sein, seinen Helm zu nehmen (Verteidigungsministerwitz).

Die, wo sich sonst eigentlich nicht für Politik interessieren
…sind klar für zu Guttenberg und betrauern seinen Rücktritt. In einem Facebook-Status steht u.a., dass seine Fehler mehr Nähe zu den Bürgern erzeugten, und dass sie ihn sympathischer machten. Die Argumentation pro zu Guttenberg läuft meist über Softskills: Bürgernah, gutaussehend, anpackendes Auftreten, Redetalent. Stimmen gegen zu Guttenberg werden mit „grünes Gelaber“, lustigen Sozibeschimpfungen und Missgunst gekontert. „Armes Deutschland“, das „nicht zu schätzen weiß, wenn mal einer kompetent ist, sondern denjenigen einfach verheizt.“

Die Soldaten:
…stehen weitgehend zu ihrem Minister. Er gilt als Macher, der die längst überfällige Bundeswehrreform angepackt hat. Ihm wird angerechnet, dass er zu seinen Soldaten steht und sich in Afghanistan sehen lässt. Ein ehemaliger Professor der Bundeswehruni München ließ ihn zwar gestern fallen, ist aber auch kein Militär.

Die „Intellektüllen“(Vgl. Pispers u.a.)
…sind neben den Medien die Speerspitze der Anti-zu-Guttenberg-Bewegung. Sie fürchten um seine Glaubwürdigkeit bzw. viel mehr, was noch alles erfunden und abgeschrieben ist, was so aus dem Hause zu Guttenberg kommt. Außerdem heißt es, mit Betrug dürfe man einfach nicht durchkommen. Sonst hätten sie ja damals auch abschreiben können, in ihrer Dissertation/Magisterarbeit/Abiklausur/Führerscheinprüfung. Und das haben sie ja nicht, wg. Moral u.ä.

Die Politiker
Stehen, zwiegespalten wie sie sind, auf beiden Seiten. Sie verurteilen zu Guttenbergs Verhalten sicherlich (sind ja intellektuelle Elite und meist auch promoviert) und finden sein Krisenmanagement (hoffentlich) lausig. Anderseits sehen sie kommen, dass auch ihre Dissertationen und Veröffentlichungen (neudeutsch: Papers, obwohl man sie nicht rauchen soll) bald mal unter die Lupe genommen werden. Und das kann keiner wollen.

Die, denen alles egal ist
…scheint es in diesem Fall nicht zu geben. Ich wünsche mir mal einen entsprechenden Facebook-Status. „Guttenberg ist und bleibt mir egal. Ob er betrogen hat, oder nicht, interessiert mich nicht. Dass er nun geht, habe ich mit einem Achselzucken wahrgenommen.“

Margot Käßmann
…hat sich zwar noch nicht geäußert, war aber die Letzte, die unkonventionell war, schnell empor kam und wegen eines Skandals zurücktrat. Direkt am Folgetag und mit Entschuldigung. Hat nun gelernt, dass sie wahrscheinlich mit ein bisschen mehr Ausdauer und Leugnen heute noch im Amt sein könnte.

Written by Achja

1. März 2011 at 20:58

Die Unverbesserlichen

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Eigentlich ist das Thema ja gegessen. Eigentlich braucht man dazu nichts mehr zu schreiben, bis die Uni Bayreuth zu irgendeinem Schluss gekommen ist. Eigentlich, eigentlich. Aber dann muss ich sehen, dass es auf Facebook nun eine Guttenbergunterstützungsseite gibt. Mir tut der Kopf weh.

Wenn man die Unterstützerseite betritt (und ich werde sie nicht verlinken, ich will ja nicht noch Werbung für den Unsinn machen), sieht man Guttenbergs Frontalprofil inklusive Grinsen. An der Uni Mannheim nennen wir solche Visagen Gesichterzumreinschlagen. Und trotzdem haben über 90.000 Menschen (oder ein Guttenberg und 89.999 Zweitaccounts) den „gefällt mir“-Button geklickt, um zu signalisieren: gefällt mir.

Im Kommentarbereich der konservativen Guttenbergschen Verteidigungsmassen findet sich dann jede Phrase, die man kennt und liebt. „Typisch deutsch !!“, „Armes Deutschland !!“, „bei einem SPD-Mann hätte es das nicht gegeben !!“ und fassungslose Betroffenheit ob der Vorverurteilung – ja, es ist nicht leicht, in diesen Tagen CDU-Freund zu sein.

Am allerbesten gefallen mir aber die Versuche, das ganze Ausmaß kleinreden zu wollen. Guttenberg habe ja „nur ein paar Fußnoten“ vergessen und überhaupt, in jeder Doktorarbeit würde man seitenweise zitieren und dann ab und an mal eine Quellenangabe vergessen.

Bwahaha.

Der gute Mann hat ganze Absätze aus Zeitungsartikeln geklaut und dann solche Sachen wie „im nachhinein“ durch „ex post“ zu ersetzen, was klüger weil fremdwörtiger klingt. Dazu kommt ja noch, dass Dr. Langfinger nicht irgendwelche Faktendarstellungen für seinen Mittelteil geklaut hat, sondern gleich für die Einleitung gestohlen hat, als ob’s kein Morgen gäbe. Dito bei Bewertungen von Sachverhalten. Also eigentlich den Kernstücken einer Arbeit. Jeder Idiot kann eine Einleitung und Bewertung schreiben, Himmel, ja selbst ich kann das!

Und wenn man in einer Doktorarbeit seitenweise zitiert, hat man ohnehin irgendwas falsch gemacht. Ja, eine Fußnote kann man mal vergessen, wenn man derer über tausend hat – nebenbei, ist jemandem aufgefallen, dass im Laufe der Diskussion die Zahl der Fußnoten von 1200 auf 1300 erhöht hat?
Jedenfalls, eine Arbeit, in der Fußnoten „vergessen“ (aber sicher!) werden, ist dann bestimmt kein „summa cum laude“ (Lateinisch für „Addition mit Spaß“) wert.

Falls das an der Uni Bayreuth so usus (Fremdwort! Fremdwort! Ich bin so intellent!) sein sollte, vielleicht sollte ich da auch promovieren. Da schafft’s ja jeder Depp.

Written by Quax

20. Februar 2011 at 20:27

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Der Bastian Sick ist dem Lehrer sein Mario Barth

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Überall finden sich Menschen, die sich für gebildet und besonders vornehm-klug halten; im Grunde leben wir in einem Land voller Til Schweigers und unser König ist Sprachdiktator Bastian Sick. Der Oberlehrer machte sich einen Namen und einen Spaß durch die Zurschaustellung sprachlicher Unzulänglichkeiten anderer Leut‘ und versteht selbst äußerst wenig Spaß.

Da liest man nämlich auf dem Lawblog folgende Posse: Bastian Sick verklagt Google. Gut, das kann vorkommen, was ist denn der Anlass für die Klagerei? Herrn Sick gefällt nicht, was Google so ausspuckt, wenn man seinen Namen sucht, denn darunter befindet sich auch eine Satire von Welt.de, in der er ordentlich runtergeputzt wird. Nicht das Auftauchen des Artikels selbst wurmt den Besserwisser, sondern die Tatsache, dass Google die Satire nicht als Satire kennzeichnet und viele Menschen nun einen falschen (und doch irgendwie richtigen) Eindruck von Bastian Sick bekommen könnten.

Nundenn. Jeder, der den Welt-Artikel gelesen hat, dürfte ziemlich flott bemerkt haben, dass es sich dabei um eine Satire handelt, sofern er nicht völlig matsche im Kopf ist. Aber dann schaut man sich die Kommentare unter dem Artikel an. Nicht jeder wurde mit der Gabe des Verstandes gesegnet, denn Nadja kommentiert verwirrt:

So ein Quatsch! Ich war gestern da. Ausverkauft bis auf den letzten Platz. Nichts von dem, was hier steht, ist wahr. Das Publikum war begeistert, es gab weder Banner noch Unterschriftensammler im Vorraum. Das Publikum wollte Zugaben und Bastian Sick hat drei gegeben. Es wurde die ganze Zeit herzhaft gelacht – ohne Ausnahmen. Ich versteh nur Bahnhof und weiß nicht, was das hier soll.

Ahnungslosigkeit, gepaart mit Naivität und Engstirnigkeit ergibt ein besonders hässliches Kind, den Bastian-Sick-Fan. Statt eines anerkennenden Schmunzelns, das bei Sicks Gedöns durchaus mal drin ist, wurde also „herzhaft gelacht“. Uff. Auch Manu ist sehr geschockt:

Was man hier unter Satire verteht, ist einfach widerlich. Selbst wenn ein Mensch schlechte Auftritte macht, ist es ekelhaft einen solchen Sch… daraus zu machen. Und das ist bei Bastian Sick nicht mal der Fall.
Es ist außerdem verantwortungslos, zumal ich fast 5 Minuten brauchte, um zu bemerken, dass es in dieser Kategorie stand – über die Googlesuche nach Bastian Sick kommt man nämlich so schnell hier her, dass sich sicherlich nicht viele Leute die Zeit nehmen und auf den Gedanken kommen, dass solch ein Artikel trotz allem nicht den Tatsachen entsprechen könnte.

Die eigene Blödheit ist „verantwortungslos“, das Wort „Scheiß“ ist natürlich sehr unanständig und muss mit „Sch…“ umschrieben werden, welcher außerdem noch „ekelhaft“ ist und was man hier unter Satire verteht [sic!, haha] – da sieht man mal, wie viel so ein Sickbesuch dem eigenen Sprachgefühl bringt -, ist „einfach widerlich“. Einen gutspießerlicher Kleinbürger, den wir hier haben. Jemand, der vermutlich von sich selbst behauptet, sonst „gerne zu lachen“ und „viel Humor“ zu haben. Das sind die schlimmsten! Das ist das, was man gemeinhin auch als „humorloses Pack“ beschimpfen muss, denn es geht ja nicht anders. Furchtbar, aus was für Menschen sich das Welt.de-Publikum zusammensetzt. In die gleiche Kerbe wie Manu schlägt auch Geordie:

Ich habe Sebastian Sick gestern und heute abend zum ersten mal gesehen, fand ihn einfach super und wollte nun mehr über ihn erfahren. Um so erschrockener war ich, diesen asozialen „Satire“-Beitrag zu lesen. Auch bei mir hat es länger gedauert, bis ich merkte, daß es nur ein „Spaß“ sein soll. Allerdings kann ich genausowenig darüber lachen, wie die meisten der Kommentarschreiber hier.
Wer so eine dumme Scheiße schreibt und dann auch noch Geld dafür bekommt…
Ich kann Marcel Reich-Ranicki absolut verstehen.

Aber natürlich, „erschrocken“. Erschrocken und bestürzt, das sind solche Menschen, solche Bastian-Sick-gut-Finder und Til-Schweiger-Gucker. Der Beitrag ist natürlich „asozial“, geht ja um jemanden, den man selbst gut findet. Ginge es im gleichen Artikel um Westerwelle, täten sie alle lauthals lachen, weil den mag man ja nicht, höhö. Solche Leute lachen auch hohoho“, wenn ein linksliberaler Kabarettist (Tautologie?) einen kleinen Seitenhieb auf den Islam oder die Grünen bringt. Bestürzt ist auch Mirijam:

Ich kann mich den letzten Beiträgen nur anschließen und meine Empörung ausdrücken. Ich bin entsetzt. Hier ist wirklich alles übertroffen worden- vor allem der gute Geschmack. Mir ging es genauso, dass ich diesen nicht lustigen sondern rufmordenen Beitrag über die Suchmaschine als eines der ersten Texte zu lesen bekam und fassungslos, mitleidend für wahr nahm. Wir können hier noch lange Kommentare schreiben, aber ich finde, dieser beschämende Artikel sollte so schnell wie möglich enternt werden, damit nicht immer noch mehr Leute diesen Unsinn lesen und wenn sie nicht so fassungslos nach Details weiterlesen, noch für wahr nehmen! Dieser schlimme Schund schadet auch „WELT“. Eine Entschuldigung- ebenfalls veröffentlicht- wäre angemessen. Was hat sich der Schreiber nur dabei gedacht?

Empört! Empört und entsetzt! Das ist man, weil hier ja die Grenze des Geschmacks (gut) überschritten wurde und das ganze „rufmordend“ ist. Da ist man natürlich fassungslos, wenn der Lieblingsautor so geschmacklos gerufmordet wurde. Was hat sich der Schreiber nur dabei gedacht? Und warum denkt niemand an die Kinder? Armes Deutschland !!!1

Doch genug von gespielter und echter Empörung und der Bloßstellung der sickschen Verteidigungsmiliz. Das alberne Kasperletheater um diese ganz gelungene Satire (die einem umso besser gefällt, je weniger man den Sick mag) ist auch anderen ein Dorn im Auge. So findet man im Internet, das ja wohl ein rechtsfreier Raum ist, warum unternehmen unsere Politiker nicht mal was dagegen, satt dem kleinen Sparer immer nur das Geld aus der Tasche zu ziehen – im Internet findet man also Kommentare, die vorschlagen, jegliche Suchanfrage zu „Bastian Sick“ völlig ins Leere laufen zu lassen oder – auch sehr schön – auf Suchbegriffe wie „Penisvergrößerung“ umzuleiten.

„Mensch, Quax“, werdet ihr sagen und fragen, „woher kommt dein ganzer Abscheu über den armen Herrn Sick denn her?“ Auf diese mir nie gestellte Frage möchte ich eine uninteressante Antwort geben. Ich hasse gerne. Was mich bei Bastian Sick besonders sickig (Haha, get it? Na? Na?) macht, zeigt ganz gut dieses Interview, das das Deutschlandradio mit einem Sprachwissenschaftler geführt hat. Der Mann, der im anglophonen Raum wohl als General Grammar Nazi bekannt wäre, ist schlichtweg nicht vom Fach. Er hat von Sprache genauso viel Ahnung als wie du und ich. Bastian Sick hat Romanistik studiert. Ro-ma-nis-tik! Den Erzfeind der Germanistik. Bastian Sick hat im Laufe seines Spracherwerbs nicht eine Germanistikvorlesung auch nur freiwillig mit dem Arsch angeguckt. Dann wüsste er vermutlich, dass Sprache sich verändert. Latein, zum Beispiel, Latein hat sich jahrelang fröhlich vor sich hin entwickelt, dann irgendwann nicht mehr und zack! ausgestorben. Die Elitesprache Deutsch hingegen hat sich aus Grunz- und Kratzlauten über Röchelklänge zu Goethe entwickelt und von da aus immer weiter. Weil der Deutsche gerne spricht. Und wenn der Deutsche spricht, tut er nunmal Fehler tun. Und die Fehler, gefallen anderen Deutschen dann und verbreiten sie unter wieder anderen Deutschen, insofern sie nicht alle gerade Krieg untereinander führen oder einen Verein gründen oder sowas, woher soll ich das auch wissen, bin ich etwa Historiker? Oder Germanistiker?

Wie dem auch sei, das, was eigentlich als Fehler gelten söllte, wird auf einmal zur Regel, weil es nach dem Sprachgefühl richtig ist. Und das Sprachgefühl ist das wo sich verändert. Stattdessen klammert sich der Oberlehrer (oder wenn wir ganz lustig sein wollen: Oberleerer, hihi!) an die momentan vorherrschenden Regeln.

Vermuthlich weyss Herr Sick nicht-eynmal, dasz es eyne eynheithliche theutsche Rechtschreybunck erst seith 1901 giebt; davor untherschied sich nicht nur die Rechtschreybunck von theutschem Lande zu theutschem Lande, sondern gar von Schule zu Schule ûnd bisweylen gar von Lehrer zu Lehrer inner-halb eyner Schule. Tanderadey!

Written by Quax

7. Februar 2011 at 13:16

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Spirale der Blödheit

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Gestern ließ sich auf SPON ein Artikel einer (eventuell tatsächlich existierenden) Studentin erspähen, die einen Brief an ihren Lehrer von einst schrieb und ihm ankreidet, dass er sie schlecht auf die Uni vorbereitet habe, weil nur Transferleistungen abgefragt worden seien und keine Auswendiglernereien, wie man das auf der Unität nunmal benötigt. Und heute antwortete der Lehrer, dass die Uni ihn damals schlecht auf den Lehrerberuf vorbereitet habe. Nunja.

Beginnen wir mit dem Studentinnenbrief von Charlotte Haunhorst. Sie ist im Grunde gar sehr entzückt darüber, dass Lehrer Christian Bode nicht so großen Wert auf Zahlen legte, sondern mehr so die großen Zusammenhänge lehrte. Mit viel Eigeninitiative las sie freiwillig auch Bücher (!) und bildete sich weiter.

Dann kam Charlotte auf die Uni und machte einen großen Fehler. Sie studierte „was mit Medien“ – und wunderte sich, dass man in einem solch überschätzten Studiengang zum Abschluss krabbeln kann, ohne auch nur ein Buch in der Hand gehabt zu haben. Außerdem erwies sie sich als extrem unflexibel; statt von ihren aus der Schule gewohnten Transferlernverhalten abzuweichen und das dümmlich-stupide Auswendiglernverhalten zu übernehmen, blieb sie stur dabei und bekam notenmäßig auch gleich die Quittung. Spätestens nach der ersten Klausurenphase hätte es ja im Hirne rappeln können, dass Wasmitmedienistik weniger mit Denk-, denn mehr mit Gedächtnisleistung zu tun hat und ganz und gar anspruchslos ist. Statt sich einen neuen Studiengang mit mehr Anspruch zu suchen, blieb sie in dem Sammelbecken für all jene, die nach dem Abi nicht wissen, was sie studieren sollen. Nach dem dritten Semester erst resignierte sie und lernte nur noch Folien auswendig. Wie es sich gehört.

Nun folgt die Antwort von Lehrer Bode – und da geht es los:

Liebe Charlotte,

es tut mir leid! Ich konnte es nicht besser, aber ich habe eine Entschuldigung: Man hat mich völlig falsch auf das Lehrerleben vorbereitet!

Charlotte lernt nix auf die Uni, weil die Uni ihren Lehrer nicht gut darauf vorbereitet hat, wie man die Pennäler auf die Uni vorbereitet – Fuck it!

Darauf folgt die Schwärmerei, wie man damals nicht in Vorlesungen brauchte, weil man den Schein auch so bekam und die Dozenten sich keine Mühe bei den Vorlesungen gaben – warum auch, es kam ja eh keiner. Aber die Seminare, da fand „das eigentliche Studium“ statt und es lehrten „hoch motivierte und junge (wichtig!) Dozenten“ auf teufelkommraus alles das, was man im schulischen Dienst ohnehin nicht mehr bräuchte und manchmal, wenn man besonders viel Glück hatte, durfte man sogar – man höre und staune ob dieser tollen Seminare damals! – eine Hausarbeit schreiben und ab und an bekam man dabei sogar Hilfe! Eiderdaus!

Zu dumm, dass Seminare an den Unis verschwunden sind und nur noch Zwangsvorlesungen mit dreifacher Anwesenheitspflicht und anschließender Auswendiglernklausur existieren.

Doch früher war mitnichten alles besser, denn spätestens im Examen zeigte sich das Symptom, dass Lotte so schön beschreibt:

Spätestens im Examen zeigte sich dann das Symptom, das Du so schön beschreibst: Es wurde ein zentrales Thema gestellt, dazu gab es eine Literaturliste (mit echten Büchern!) und dann wurde stumpf gepaukt.

Obacht, es folgt nun ein Witz:

Fakten, Fakten, Fakten, und zwar lang schon, bevor der Focus das zu seinem journalistischen Credo machte!

Lauthalse Schmunzelei, allenortens. Aber das war ja alles bisher nur nostalgisches Vorgeplänkel, denn jetzt geht’s um die wurscht! Als Lehramtsstudent wurde man gar nicht auf die Schule vorbereitet:

Die Schulpraktika waren eine Farce […] Die Pädagogikseminare waren eine Reise an die Grenzen des Verstandes und der Geduld

Und viele merkten erst im Referendariat, dass sie ja mal mit Kindern zu tun haben würden!

Gymnasiallehrer – Menschen, die vier Monate Ferien im Jahr haben, nur den halben Tag arbeiten und sonst zugucken, wie ihnen das üppige Beamtengehalt aufs Konto gespült wird. Man merkt ihnen an, dass sie vormals zur Gruppe der Lehramtsstudenten gehörten. Zu jenen geistig einfältigen Figuren, die ob ihrer Beschränktheit nicht zu unrecht in der Studentenhierarchie ganz unten angesiedelt sind, gerade weil sie den Schuss nicht gehört haben und tatsächlich wider besseren Wissens an die Schule wollen, Klassen mit dreißig Volldeppen unterrichten. Immerhin, so ein ex-Lehrämtler kennt dann seine Pappenheimer. Und weil er es nicht besser gelernt hat an der Universitaet, bringt er seinen Kinderlein das Unnötige bei und die besonders wenig hellen Kinderlein gehen dann mit dem ganzen Blödwissen an die Uni und studieren Lehramt und so fort.

 

 

Und nun freue ich mich auf eure billigen Ausflüchte Kommentare, liebe Lehramts-„Studenten“.

Written by Quax

28. Januar 2011 at 22:22

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Türchen Nummer Vierundzwanzig

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Weihnachten, da wird gesungen, gesoffen, gehurt und gelacht. Wir haben uns aber nur unterhalten und zwar über das vergangene Jahr. Zu euer aller Freude lief dabei – wie zufällig – ein Mikrofon. Also seid beschenkt mit dem letzten Podcast des Jahres! Und haltet durch! Der Beitrag wird besser, je länger er läuft!

Öffnen wir mit einem EIGENWERBUNG Türchen Nummer Vierundzwanzig.

Guttenberg haben wir absichtlich rausgelassen. Wir sind ihm immer noch böse, dass wir nicht nach Afghanistan eingeladen wurden.

ER IST FÜRST!

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Verdammte Scheiße, SPON! Du bist weder die Bunte noch Gala oder Welt der Frau, man kann ja wohl ein klitzekleines winziges bisschen Recherchearbeit von dir verlangen, wo du dich schon hochtrabend „Nachrichtenmagazin“ nennst! Nur weil’s Sonntag ist, heißt das nicht, dass komplett ahnungslose Berufstrottel Artikel zu Themen schreiben dürfen, von denen sie keine Ahnung haben!

In einem Artikel über das englische Königshaus klärst du, SPON, deine Leser darüber auf, dass der Pöbel auf der Insel nichts zu sagen hat. Der würde sehr gerne die Nummer zwei in der Thronfolge, nämlich Prinz William, als nächsten König sehen und nicht dessen Vater Charles. William hingegen möchte, dass sein Vater König wird, weil das nunmal so Brauch ist. Da beziehst du, SPON!, dich auf den Sunday Telegraph, in dem folgender Satz steht:

There is no question in Prince William’s mind that the Prince of Wales will be the next monarch.

So weit so richtig. Diesen Satz nahmst du, SPON verdammt!, jetzt und übersetztest ihn wohl mit der Google-Übersetzungmaschine und kamst am Ende auf folgendes Ergebnis:

Für die 28-jährige Nummer zwei der britischen Thronfolge stehe es „außer Frage, dass der Prinz von Wales der nächste Monarch sein wird“

GRAWLBRGHWHLLBRGHWLBRAH!

PRINZ VON WALES? SPOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOON!

Eine kleine Einführung in die Welt des Lateinischen. Das Wort „Princeps“ bedeutet wörtlich übersetzt ARD „der Erste“. Das deutsche Wort „Prinz“ und das englische Wort „Prince“ leiten sich von „Princeps“ ab, weil sowohl der Prinz als auch sein englisches Pendant den Ersten in der Thronfolge bezeichnet. Klarsoweit? Klarsoweit. Schlichte Gemüter, wie jene, die bei SPON ihr Dasein fristen, werden jetzt sagen: „Der Charles is‘ Prince of Wales un‘ is‘ Thronfolger, also alles rischtig gemacht“, aber solche Leute mögen doch bitte nun anfangen, rohe Toastscheiben mit einer Heißklebepistole an ihrer Stirn zu befestigen.

Bezieht sich „Princeps“ auf den ersten Mann, also den Herrscher, eines – Achtung! – Fürstentums, dann heißt „Princeps“ nicht „Prinz“, SPON du Versager!, sondern „Fürst“. „Fürst“ klingt wie „First“, was englisch für „Erster“ ist. The Fürst is the first in his Firstentum Fürstentum.

Nun ist der Herrscher, und nun volle Aufmerksamkeit, SPON!, von Wales kein schnöder Prinz, – weil Wales sich kein richtiges Oberhaupt leisten kann oder was? – sondern Fürst. Prinz [sic!] Charles ist Fürst von Wales, nicht Prinz!

Ihr dämlichen, ascheschniefenden Wurstsoldaten im Prinzentum SPIEGEL ONLINE!

Written by Quax

28. November 2010 at 14:59