Misanthropenwald

Posts Tagged ‘Ägypten

Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt

leave a comment »

Ich glaube, das ist von einer Metaebene auf die nächste auf die übernächste. Hypermeta – egal. Ägypten beherrscht die Schlagzeilen wie seit dem Tod Kleopatras nicht mehr. Sei ihnen der Spaß gegönnt, den Ägyptern. Wem man aber nur sehr ungern etwas gönnt, ist die BILD-Zeitung, das Fachblatt für alles.

Auf bild.de konnte man – laut Bildblog – für kurze Zeit lesen, dass Mubarak zurückgetreten sei, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zurückgetreten war. Muss ein großer Lacher gewesen sein, alle konnten mal mit dem Finger auf BILD zeigen und ordentlich ablachen.

Heute konnte man diese kleine und ebenso lustige wie peinliche Geschichte auf dem Bildblog lesen. Und dann das: haben die BILD-Leute prophetische Fähigkeiten gezeigt! Nur Stunden nach dem Bildblogbildbeitrag tritt der blöde Mubarak tatsächlich zurück! Womit BILD dann ja doch recht hatte, wenn auch zu früh. كيف مزعج!, wie die Araber sagen würde. Wie ärgerlich. Wenigstens hatte man bei bild.de nicht den bereits bekannten Aufmacher der Frühmeldung verwendet, sondern einen neuen gemacht. Aber mit dem gleichen Bild vom Mubarak. Aber irgendwas ist ja immer.

Advertisements

Written by Quax

12. Februar 2011 at 02:03

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , ,

Von Ägypten lernen heißt siegen lernen

with 2 comments

Soeben vernimmt man auf SPON, dass Mubarak seinen Hut genommen hat und zurückgetreten ist. Druck des Volkes und so. Da freut sich der Ägypter und der Westen leidet.

Zum einen, weil wir (d.h. der Westen) jetzt einen treuen Verbündeten verliert und sich jeder nun auf das Herumgeheuchel aller westlichen Regierungschefs freuen darf, dass nun gottseidank der böse Diktator weg ist, der vor ein paar Monaten unser dickster Kumpel war. So ist das im Leben.

Während das emsige Pyramidenvolk mit Dauerdemos den eigenen Staatschef aus dem Amt jagt, schaffen’s die Schwaben nicht mal, einen Bahnhof zu bauen. Und nicht nur das kriegen wir nicht hin, wir dulden sogar so einen wie Wulff (!) und Merkel haben wir sogar wiedergewählt (von Westerwelle ganz zu schweigen). Und geht bei uns jemand gegen Wulff auf die Straße? Nein! Aber im Internet rumjammern, das können wir! Wir sollten mehr ägyptisch werden, uns Pyramiden in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Da stören sie niemanden.

Also, Ägypten. Vielleicht wird euer Beispiel Schule machen. Oben bleiben!

Written by Quax

11. Februar 2011 at 17:24

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , ,

Et bliev nix wie et wor

leave a comment »

Das Faktenmagazin Titanic bringt die Umstürze in Tunesien und Ägypten und den Karneval in einem Cartoon unter und der Kölner Express tut uns den Gefallen, sich darüber aufzuregen. Ein Spaß für Jung und Kölsch Alt.

Auf ihrer Internetseite zeigt die Titanic diesen Startcartoon. Man liest: „Arabische Welt in Flammen! Erst Tunesien, dann Ägypten: Wo kracht’s als nächstes?“ Und man sieht Funken rut-wieß vorm Dom.

Der kölsche Karneval beleidigt? Ein Sakrileg!, findet der Express und artikelt wütend auf seiner Internetpräsenz:

„Titanic“ vergleicht Karneval mit Ägypten-Revolution

Man ist sehr empört, denn die Titanic hat wieder zugeschlagen und macht sich über den Karneval lustig:

Die „Titanic“ hat wieder zugeschlagen – diesmal macht sie sich über den Kölner Karneval lustig!

Ach, wenn es doch wenigstens Düsseldorf gewesen wäre!

Der Express wendet sich an seine Leser und fragt:

Darf man den Kölner Karneval so verunglimpfen?

Das klingt sehr erschüttert und ein wenig nach „Darf man über Hitler lachen?“ – bei beiden heißt die Antwort natürlich „Njet, mein Sohn“. Jeder, der schonmal eine Prunksitzung über sich ergehen ließ, der weiß, dass es im Kölner Karneval nichts zu lachen gibt. Bevor sich die Düsseldorfer, die Mainzer (ganz besonders die Mainzer!) und die Gestalten der allemannischen Fasenacht selbstsicher und überheblich, wie sie nunmal sind, zurücklehnen: kümmert euch mal um eure eigenen traurigen, bemitleidenswerten Veranstaltungen.

Zum Ende hin hat der Express noch eine Umfrage mit drei Auswahlmöglichkeiten, nämlich „Echt lustig – darüber kann man lachen!“ für dat jecke Spasskanönsche vom Ring, „Ich versteh den Gag nicht…“ für die etwas blöderen Expressleser und – in Anbetracht der Cartoonzeile „Wo kracht’s als nächstes?“ besonders lustig – „Das sprengt die Grenzen des guten Geschmacks!“

Worüber ich dann doch lauthals schmunzeln musste.

Written by Quax

1. Februar 2011 at 19:34

Veröffentlicht in Mischwald

Tagged with , , , , ,

Soviel dazu.

leave a comment »

In Ägypten ist momentan ja einiges los, Demonstrationen überall, machtlose Polizei, Plünderungen. So weit das Auge reicht. Ein kleinwenig lustig ist’s da, wenn man sich in Erinnerung ruft, was ein paar Tage zuvor über den Äther ging.

Herr Zahi Hawass ist ein Strolch und ein Schlitzohr. Das ist nicht einmal abwertend gemeint, denn er weiß, wie man in die Medien kommt. Und das schafft er, nicht zuletzt, weil er der Leiter der ägyptischen Altertumsverwaltung ist. In fast schon wunderbarer Regelmäßigkeit bekommt man in Berlin Post von Herrn Hawass. Zwar nicht im Regierungsviertel, sondern nur auf die Museumsinsel, aber immerhin. Denn dort steht im Neuen Museum die Büste der Nofretete, ein echter Publikumsmagnet. Deutsche Forscher hatten die Büste vor gut hundert Jahren bei einer Ausgrabung in Ägypten entdeckt und die Altertumsverwaltung des Nillandes gab grünes Licht für die Ausfuhr der Büste nach Berlin – zugegeben, die Deutschen haben ein wenig nachgeholfen und die Büste mit Matsch beschmiert, damit sie wertlos aussieht, aber wer als Altertumssachbearbeiter eine wertvolle Büste mit Matsche drauf nicht von Ramsch mit Matsche drauf unterscheiden kann, hat halt Pech gehabt. Unterm Strich kam die Büste also ganz legal zu uns.

Das wurmt Herrn Hawass nun. Vor ein paar Tagen ließ er nun einen besonderen Brief gen Hauptstadt flattern. Der Staat Ägypten fordere nun offiziell die Büste der Nofretete zurück, Unterschrift Ministerpräsident, Stempel, Siegel, ab dafür. Was haben sie an der Spree gelacht, als das Schreiben durch den Schredder ging! Denn nüschts gibt’s für Ägypten, die Büste bleibt, wo sie ist. Argumente gibt es reichlich, zum Beispiel, dass Deutschland die Büste damals völlig rechtens erworben hat. Oder dass man nach dieser Logik alle Bilder Rembrandts und van Goghs wieder in die Niederlande schaffen müsste und die Mona Lisa nach Italien. Oder dass die Sicherheit der Büste in Ägypten nicht sichergestellt sei.

Letztere Aussage wurmte Herrn Hawass dann fast noch mehr als das Nichtvorhandensein der Büste. Entrüstet entgegnete er, dass das eine Beleidigung der Ägypter wäre, die Büste wäre aber sowas von sicher in Kairo, Zeter, Zeter, Mordio.

Ein paar Tage später stand in Ägypten das Volk auf der Straße und forderte solch westlichen Quatsch wie Meinungs- oder Pressefreiheit. Die Polizei versuchte die Demonstrationen mit Tränengasgranaten aufzulösen, doch anders als die Stuttgarter Weichlinge, die schon bei Wassereinsatz weinen, weicht so ein Ägypter nicht. Die Polizei konnte die öffentliche Ordnung nicht mehr herstellen und das Militär zeigt sich auch eher demonstrantenfreundlich. Eventuell würde sich die Bundeswehr im Schlossgarten ähnliche verhalten.

Wie dem auch sei. Wir sind ja nicht zum Spaß hier, sondern zum Lernen. Plünderer begannen, ihrem Namen alle Ehre zu machen und plünderten, was das Zeug hielt. Die Polizei war ja grad anderweitig beschäftigt. Und das Militär konnte seine Augen nicht überall haben. Das Ägyptische Museum in Kairo wurde auch eher sporadisch von Soldaten vor Plünderungen geschützt, man war da sehr froh, dass die Museumswachleute vor Ort waren.

Nun ist so ein Wachmann im Ägyptischen Museum nicht gerade der bestbezahlteste Mensch im Schatten der Pyramiden und so dachten sich ein paar besonders gewiefte Gesellen: „Mensch, wir sitzen hier den ganzen Tag im Museum rum und bewachen wertvolles Zeugs und draußen geht das Chaos und niemand würde merken, wenn wir ein paar Sachen  mopsen täten und dann verhökern wir den Krempel und sind gemachte Männer, ehe das jemandem auffällt“ – sprach’s und schon ging man an die Arbeit. Und wo gehobelt (bzw. -plündert) wird, da fallen Späne (bzw. Statuen). Bei ihren Raubzügen zerdepperten die Plünderwachleute einigen Plunder, darunter nicht eine, nein, sondern gleich zwei Mumien und ein paar sehr wertvolle Statuen aus der Grabkammer Tutenchamuns. Aus selbiger Grabkammer ist auch die berühmte Totenmaske ebenjenes Pharaos, ziemlich aus Gold und ziemlich wertvoll. So groß der Schwarzmarkt für gülden glitzernde Ägyptenschätze auch sein mag, so eine Totenmaske ist ziemlich unverkäuflich. Nehmen wir also mal so, einfach nur mal so, an, ein besonders skrupelloser Wachmann täte sich der Maske bemächtigen. So voll mit Gold und alles und verkaufen ginge nicht. Was tut man dann? Man schmilzt es ein und verscherbelt das Gold.

Herrn Hawass‘ Hass dürfte inzwischen keine Grenzen mehr kennen, denn nun zeigt sich, wie überlegen sicher ägyptische Kulturschätze in Ägypten so sind. Ägerlich, ärgerlich. Denn so bekommt man bestimmt keine Büste zurück, die bei uns sogar den Zweiten Weltkrieg überlebt hat.

Achja (nicht der Achja, sondern „Achja“, als Ausruf des Erinnerns), die ganzen zerdepperten und/oder geklauten Stücke im Ägyptischen Museum waren nicht verischert. Weil nichts in diesem Museum versichert ist.

Written by Quax

31. Januar 2011 at 20:32