Misanthropenwald

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Obacht, Panik.

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Völlig und absolut unbedarft surft man mal so auf bild.de herum um, weil man sich ja irgendwo informieren muss. Kaum auf der Startseite eröffnet sich auch schon, was alles schlimm und schrecklich auf der Welt ist und warum der blaue Planet ja gottlob nächstes Jahr schon untergeht.

Da haben wir einmal EHEC, die Geißel der Menschheit. Schon zweiundzwanzig Tote und damit „schlimmer als die Schweinegrippe“. Und der Ursprung von der Seuche wurde noch nicht gefunden. Erst waren’s Gurken aus Spanien (deren Landwirtschaft dank uns jetzt ein paar Einbußen hat), dann war mal kurz Biogas im Gespräch und jetzt sind es Sprossen. Gestern schrie bild.de noch, dass man das mit den Todeskeimen in den Pflanzenkeimen ja schon immer gewusst habe und das ganze „lange bekannt“ gewesen sei.

Aber auch nur bis heute, denn heute fragt bild.de mächtig empört und ganz vorwurfsvoll: „War der Sprossen-Alarm falsch, Herr Minister?“ Eiderdaus, das wäre ja was. Und dabei konnte man gestern in der ARD noch zugucken, wie gesundheitsbewusste Bioladenverkäuferinnen die Sprossen aus ihren Regalen nahmen. Völlig für umme, so wie’s aussieht.

Auch das Wetter lässt uns keine ruhige Minute, das „Schwere Unwetter über Deutschland“, lässt bild.de wissen, sorgte für „+++ 1500 Feuerwehr-Einsätze in Hamburg +++ Brände im Nordosten +++ Hagelwalze in Bayern +++“, jawollja. In spätestens zwei Wochen stöhnt man dann von der Hitze-Welle, die schon soundso viele Menschenleben gefordert hätte, aber vielleicht schiebt man die auch auf EHEC, um die Statistik bedrohlicher aussehen zu lassen.

Darüber hinaus featured bild.de einen Artikel über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Und hier ist das Foto besonders interessant. Warum kopiert das Legoweibchen einen – Geldschein?

Written by Quax

7. Juni 2011 at 10:08

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Oh, Bild!

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Von allen doofen Sachen, die man so landein landaus lesen darf, war das doch das bisher dööfste. Aller Zeiten.

Da schaut man nichtsahnend auf bild.de, denn man muss sich ja informieren, wie panisch man inzwischen sein muss, und da schreibt Bild allen ernstes:

EHEC-Welle ist ernster als Schweinegrippe!

Ja, fuck! Die Schweinegrippe, die damals ganze Landstriche entvölkerte! Ja hat denn niemand mehr die Darmkeime unter Kontrolle?

Darm-Keime außer Kontrolle – schon 6 Tote!

Doppelfuck, schon sechs. Bei der Schweinegrippe waren es wieviele? drei?

Hoffentlich wird schnell was gefunden, sonst sind wir alle unter der Erde, aus der das Gift-Gemüse (fehlt noch als Bildschlagzeile) kam. Und denkt eigentlich mal jemand an die Kinder?

Written by Quax

27. Mai 2011 at 21:07

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The Royal Overkill

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Wer die letzten Wochen unter dem Stein der Glückseligen geschlummert hat, wird es noch nicht wissen: Heute hat der zukünftig-zukünftige König von Großbritannien seine Mätresse geheiratet. Das ist einigermaßen interessant, weil’s da schließlich um das künftige Staatsoberhaupt der Insel ging. Aber man kann Sachen auch breiig zu Tode labern.

Schon seit Wochen gab’s ja im Grunde kein anderes Thema mehr in den good ol‘ Medien von good ol‘ Germany. Man könnte meinen, es ginge um den König von Germanien, aber dabei war’s doch nur der englische Prinz William, der mit der Sicherung der Thronfolge begann und „seine Kate“ (O-Ton aus jedem Käseblatt) vor den Altar führte. Nun mag man den güldenen Zeitschriften Gala, Bild der Frau, Prisma usw. das bisschen monarchisches Eingeheimel gönnen – der Märchenkitsch sei ihnen gestattet. Dass BILD großspurig und laut und mit viel Tamtam die „Märchenhochzeit“ (Jeder Schreiberling, überall) begleitet, war ja nicht anders zu erwarten. Genausowenig wie die Hasstiraden von z.B. SPON, wo im Vorfeld der Hochzeit kräftig gegen die Schmarotzer und Geldverbrenner aus Windsor Castle gefeuert wurde.

So weit also nichts auffälliges. Wer jedoch heute morgen den Fernseher einschaltete, wurde aber schon regelrecht erschlagen mit Hofberichterstattung. Die ARD übertrug die Hochzeit in ihrer Aufgabe als Öffentlich-Rechtlicher Sender. Das ZDF sendete bereits seit acht Uhr morgens, also gut anderthalb Stunden, bevor irgendwas Spannendes passierte. Die ARD mutete ihren Zuschauern Barbara Schöneberger zu und stellte ihre gesamte Berichterstattung unter den Titel „Küss mich, Kate“. Urgs. Und weil der Gebührenzahler gerne parallel zwischen den Öffentlich-Rechtlichen Sendern hin- und herzappt, musste das ZDF natürlich auch irgendwas aufbieten und schickte Andrea Kiewel in den Hyde Park, um Engländer zu terrorisieren und viel zu Große Mengen Sekt zu trinken.

Ein Hort der Stabilität könnten da nur die Privaten sein, die sich dem Quotendruck beugen müssen – und das gleiche Zeuch auch liefern! Auf Sat1 redet „Society Expertin“ (O-Ton Sat1) Sibylle Waischenberg äußerst wichtig daher. Auf RTL quält die ewig lispelnde Katja Burkhard ihre Umwelt und die Zuschauer (bzw. Tßuschauer, um’s in ihrer Sprache zu sagen) mit ziemlich dummen Fragen. Auch die Nachrichtensender n-tv und N24 sind sich zu fein, sich so ein geiles Ereignis wie eine Hochzeit in London durch die Lappen gehen zu lassen und berichten eifrig drauf los, samt Liveticker am unteren Bildrand, sodass man live noch mitverfolgen kann, wie die Hochzeit sich auf die Aktienkurse auswirkt. Und man erfährt, dass Merkel sich die Hochzeit nicht live angesehen hat.

Nur Phoenix hielt tapfer gegen die Monarchenbeschallung und brachte – hihihi! – eine Dokumentation zur Französischen Revolution. Und ProSieben wiederholte zum fünftausendsten Mal Scrubs.

Jolly Shocking das ganze. Aber nicht einmal auf gestandene, treue Republikaner konnte man sich verlassen – denn was machte SPON, das Vorzeigebollwerk der Republik? Nachdem man dort eine handvoll böser antimonarchischer Hasstiraden lesen konnte? Na? Was wohl? Die knickten völlig ein! Ein Riiiiiesenbanner über die Hochzeit! Drei Hochzeitsartikel allein auf der Startseite! Und die Krönung (im wahrsten Sinne des Wortes): Das „O“ im SPONschen Banner „SPIEGEL ONLINE“ wurde durch ein kleines Krönchen ersetzt. Also wirklich!

Als ob’s um unsere Majestät gegangen wär‘.

Written by Quax

29. April 2011 at 21:40

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Superlativistisch!

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Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Es gab ein Erdbeben in Japan, das löste einen Tsunami aus und der traf wiederum ein Kernkraftwerk, das im moment die Umgebung bekatastropht. Und in der Qualitätspresse überschlagen sie sich vor geil geschlagzeilter Panikmache.

Man fragt sich, wo das enden soll. Bisher kam es ja noch nicht zur Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima I und damit noch nicht zum allerschlimmsten. Aber für die Panikpresse kein Grund, nicht schon mal den Phrasengenerator anzuwerfen und mit Superlativbenzin nachzutanken. So titelt die BILD heute noch vom „HORROR-BEBEN“ und der Express gestern schon von der „ATOM-APOKALYPSE“, woraufhin bild.de heute nachzog mit 

DIE JAPAN-KATASTROPHE ++ HORROR-BEBEN ++ TSUNAMI ++ ATOM-ANGST

Letzteres vermutlich nur, weil die Alliteration mit „Apokalypse“ schon besetzt war. Dafür kann bild.de fragen: „WIRD JAPAN SCHLIMMER ALS TSCHERNOBYL?“, weil eine Stadt eine Stadt ist und ein ganzes Land ein ganzes Land. Wegen der „ATOM-GEFAHR“ (und wie gerne würde man „Apokalypse“ schreiben!) fragt bild.de bange nach der „ANGST VOR DEM STRAHLEN-TOD“ und erklärt, wie Radioaktivität funktioniert.

Uff.

Die schlimmste aller Fragen jedoch: wie reagiert die Börse? Was hat das für Auswirkungen auf Deutschland? Mögliche, von verängstigten Lesern womöglich nie gestellte Fragen werden beantwortet. Soll man in blinden Aktionismus ausbrechen, auch wenn man keiner Regierungskoalition angehört? Nein. Denn bild.de beruhigt, die radioaktive Wolke käme frühestens in zwei Wochen bei uns an und hätte sich bis dahin radiodeaktiviert (oder so). Aber irgendwas müssen wir doch tun! Man könnte prophylaktisch Jodtabletten essen, aber davon rät bild.de lieber ab. Ebenso wie von den Plänen, sich einen Geigerzähler zu kaufen, denn „Privatleute können die Anzeige kaum einordnen und nutzen.“ Nundenn, vor ein paar Jahren war sich BILD nicht zu blöd, das Cockpit eines Flugzeugs abzubilden und seinen Lesern zu zeigen, wie man als Fliegelaie und Malle-Touri ein Flugzeug landet – da wäre eine kurze Anleitung zur Handhabung eines Geigerzählers doch wirklich nicht zu viel verlangt!

Schlimmer als nichts tun zu können, ist nur der Verzicht auf liebgewonnenes und so beruhigt bild.de seine Leser auch zu jenen Fragen, die jedem von uns beim Betrachten der Bilder aus Fernost als erstes durch den Kopf schossen: „Muss ich Angst haben, Fisch zu essen?“ – „Was ist mit Sushi?“ – „Können andere japanische Produkte verstrahlt sein?“ und „Werden Produkte aus Japan jetzt knapp?“

Die Frage, ob man nun vor lauter Wut auf die Energieriesen seinen „Atom-Strom-Vertrag“ [sic!] kündigen solle, antwortet bild.de geschickt linientreu:

Bedenken Sie, dass die Ursache der Katastrophe natürlich war (Erdbeben, Tsunami). Moderne Atomkraftwerke gelten als sehr sicher.

…denn die Japsen bauen nur steinalte Krüppelbauten, gelle?

Aber nicht nur in Deutschland neigt man zur Sensationshascherei, auch unsere Freunde auf der Insel rotieren wie wild, insbesondere das Faktenmagazin Sun schreit: „SECOND NUKE BLAST“ und läuft sich schonmal schreiend im Kreis warm für „Threat of further Megaquake ‚in days'“ – an dieser Stelle ist es dann doch enttäuschend von bild.de, dass wir noch nichts vom „MEGA-BEBEN“ lesen durften, bzw. mussten. Irgendein Hiroshimavergleich darf natürlich auch nicht fehlen, also: „Drowned town ‚is just like Hiroshima'“ und für all die Blöden hat die Sun gleich noch ein Bild von Hiroshima danebengeklatscht. Der Vergleich mit der ersten Stadt, auf die je eine Atombombe fiel, wird natürlich nicht mit Hinblick auf Fukushima gemacht.

Das wäre ja albern.

 

Nachtrag 15.3.11, 8:39 Uhr: Neuer Tag, neue Schlagzeilen. Bei bild.de freut man sich, endlich eine passende Alliteration gefunden zu haben, diesmal „FUKUSHIMA 1 DAS ALBTRAUM-AKW“, optional ginge ja auch „KATASTROPHEN-KERNKRAFTWERK“, aber das lesen wir vermutlich morgen. Inzwischen ist auch derwahre Super-GAU eigetreten: „DRAMATISCHER KURS-STURZ AN TOKIO-BÖRSE“ – furchtbar! Spätestens jetzt kann niemand mehr ruhig schlafen.

Außerdem ließ bild.de nachzählen, was so alles zerstört wurde: „72.945 HÄUSER KAPUTT“, wobei „kaputt“ schon ziemlich niedlich klingt, wenn man sich mal die Bilder ansieht. Fast so drollig, wie ein Sprecher des SWR-Fernsehens, der am Wochenende bewegte Bilder aus Japan kommentierte und angesichts des Zuges, der von den Gleisen geschleudert und mehrere Meter landeinwärts geschleift wurde, davon sprach, dass der Zug „offensichtlich entgleist“ sei. Ja, entgleist.

 

Nachtrag 15.3.11, 8:50 Uhr: Ach, SPON! Fast wärst du vergessen worden, aber jetzt gibt’s eine Fotostrecke mit einem Titel, der von jedem Horrorfilm (bzw. „HORROR-FILM“ für Bildleser) stammen könnte: „Der Tod kam aus dem Meer“

Written by Quax

14. März 2011 at 19:01

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Schlacht am Guttenberg

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Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Das wurde auch langsam Zeit. Sagt jedenfalls der eine Teil der Deutschen. Der andere bedauert den Schritt und sähe den Verteidigungsminister weiterhin gerne im Amt. Aber wer steht auf der einen Seite und wer auf der anderen? Und warum? Auf der Suche nach der Frontlinie.

Die Medien
…stehen auf der Seite der Guttenberg-Gegner: Nachdem die Süddeutsche Zeitung aufgedeckt hatte, dass der Minister a.D. bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, war die Stoßrichtung: Das ist ein großer Skandal, er muss sich entschuldigen und bald hieß es, er solle seinen Posten räumen. Als zu Guttenberg dann rumkrebste, von „abstrusen“ Vorwürfen sprach, obwohl täglich neue Stellen in seiner Doktorarbeit gefunden wurden, die nicht von ihm waren, und schließlich doch „Blödsinn“ einräumte, forderten quasi alle Medien seinen Rücktritt.

Einzige Ausnahme: Die Bild-Zeitung. Sie hielt zu Guttenberg die Stange, hatte ihn schließlich zuvor schon für „gutt“ befunden und blieb dabei und ihm treu. So auch die Bildleser, wenn man denn der Umfrage des Blatts glauben kann, in der ihm 87 Prozent ihre Unterstützung zusicherten. Bei allen anderen größeren Zeitungen sah das anders aus und bereits bei bild.de waren es plötzlich 55 Prozent – die seinen Rücktritt forderten.

Die Wissenschaft
…steht mittlerweile wohl auf der Seite der Gegner. Jedenfalls spätestens, seitdem sich diverse Professoren und schließlich auch zu Guttenbergs Doktorvater (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. – geil!) Peter Häberle gegen die Arbeitsweise des Ex-Ministers ausgesprochen haben. Für zu Guttenberg persönlich (es folgt eine wilde Vermutung) könnten auch die wäschekorbweise zu Angela Merkel angeschleppten Unterschriftenlisten mit den Signaturen enttäuschter junger Doktoranten ausschlaggebend gewesen sein, seinen Helm zu nehmen (Verteidigungsministerwitz).

Die, wo sich sonst eigentlich nicht für Politik interessieren
…sind klar für zu Guttenberg und betrauern seinen Rücktritt. In einem Facebook-Status steht u.a., dass seine Fehler mehr Nähe zu den Bürgern erzeugten, und dass sie ihn sympathischer machten. Die Argumentation pro zu Guttenberg läuft meist über Softskills: Bürgernah, gutaussehend, anpackendes Auftreten, Redetalent. Stimmen gegen zu Guttenberg werden mit „grünes Gelaber“, lustigen Sozibeschimpfungen und Missgunst gekontert. „Armes Deutschland“, das „nicht zu schätzen weiß, wenn mal einer kompetent ist, sondern denjenigen einfach verheizt.“

Die Soldaten:
…stehen weitgehend zu ihrem Minister. Er gilt als Macher, der die längst überfällige Bundeswehrreform angepackt hat. Ihm wird angerechnet, dass er zu seinen Soldaten steht und sich in Afghanistan sehen lässt. Ein ehemaliger Professor der Bundeswehruni München ließ ihn zwar gestern fallen, ist aber auch kein Militär.

Die „Intellektüllen“(Vgl. Pispers u.a.)
…sind neben den Medien die Speerspitze der Anti-zu-Guttenberg-Bewegung. Sie fürchten um seine Glaubwürdigkeit bzw. viel mehr, was noch alles erfunden und abgeschrieben ist, was so aus dem Hause zu Guttenberg kommt. Außerdem heißt es, mit Betrug dürfe man einfach nicht durchkommen. Sonst hätten sie ja damals auch abschreiben können, in ihrer Dissertation/Magisterarbeit/Abiklausur/Führerscheinprüfung. Und das haben sie ja nicht, wg. Moral u.ä.

Die Politiker
Stehen, zwiegespalten wie sie sind, auf beiden Seiten. Sie verurteilen zu Guttenbergs Verhalten sicherlich (sind ja intellektuelle Elite und meist auch promoviert) und finden sein Krisenmanagement (hoffentlich) lausig. Anderseits sehen sie kommen, dass auch ihre Dissertationen und Veröffentlichungen (neudeutsch: Papers, obwohl man sie nicht rauchen soll) bald mal unter die Lupe genommen werden. Und das kann keiner wollen.

Die, denen alles egal ist
…scheint es in diesem Fall nicht zu geben. Ich wünsche mir mal einen entsprechenden Facebook-Status. „Guttenberg ist und bleibt mir egal. Ob er betrogen hat, oder nicht, interessiert mich nicht. Dass er nun geht, habe ich mit einem Achselzucken wahrgenommen.“

Margot Käßmann
…hat sich zwar noch nicht geäußert, war aber die Letzte, die unkonventionell war, schnell empor kam und wegen eines Skandals zurücktrat. Direkt am Folgetag und mit Entschuldigung. Hat nun gelernt, dass sie wahrscheinlich mit ein bisschen mehr Ausdauer und Leugnen heute noch im Amt sein könnte.

Written by Achja

1. März 2011 at 20:58

„Die Monarchie ist zusammengebrochen!“

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„Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die Kriegsjahre. Grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Blut hat bringen müssen. Der unglückselige Krieg ist zu Ende; das Morden ist vorbei.“ – Äh, ja. Erstens ist das ein wenig übertrieben und zweitens hatte ich diesen guten Scherz bereits gemacht, als Köhler damals zurückgetreten ist. Doch gute Witze kann man gar nicht oft genug bringen.

Wie dem auch sei, Bild.de meldet, dass der überführte Betrüger Guttenberg seinen Rücktritt eingereicht habe hat und noch im Laufe des heutigen Tages ordentlich Fersengeld geben will. Die spannende erste Frage lautet nun, wann genau wird er seinen Hut nehmen und auf den Kopf setzen? Und wird der Hut dort kleben bleiben? Und die zweite Frage lautet, wer wird unsere Armeen führen? Steht und da eine große Aufgabe bevor? Riesige Fußstapfen werden auszufüllen sein, merkt euch meine Worte! Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt. Unerhörtes ist geschehen! Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor.

Geht es jetzt allen Plagiateuren im Bundestag an den Kragen? Da werden einige noch ins Schwitzen kommen! Es wäre nicht schlecht, wenn jetzt noch ein paar mehr Doktorarbeiten überprüft werden, nicht wahr, ihr Hinterbänkler? Diese Volksfeinde sind hoffentlich für immer erledigt. Der Freiherr hat abgedankt; er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt!

Was haben die Konservativen ihren Guttenberg nicht bis zum bitteren Ende verteidigt! Während mutige Mannen mutig die langweilige (weil aus der FAZ abgeschriebene) Doktorarbeit des Konrad-Kujau zu Guttenberg, wurde ihnen Hetze vorgeworfen, so ein paar vergessene Fußnoten seien doch nicht so wild, das könne jedem mal passieren, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Dabei wollten die Menschen mit ihrem unerbittlichen Suchwillen dem Minister nur helfen! Menschen, wie du und ich und wir. Unsere Verständigungsvorschläge wurden sabotiert, wir selbst wurden verhöhnt und verleumdet.

Wer auch immer Guttenbergs Nachfolger wird, er wird Zeit brauchen, sich einzuarbeiten. So lange sollte er eine Schonfrist bekommen, es sei denn, der neue Wehrminister wird Peter Ramsauer, dann gilt auch nicht der Satz: Die neue Regierung darf nicht gestört werden in ihrer Arbeit für den Frieden und der Sorge um Arbeit und Brot.

Soweit also, falls Guttenberg tatsächlich zurücktritt und Bild.de nicht einfach irgendwas erzählt. Das allerschlimmste wäre dann ist nun aber, dass wir den ex-Doktor und Betrüger Guttenberg immer noch nicht los wären sind – angenommen, Merkel verlöre die nächste Wahl und wäre weg vom Fenster, wer käme denn da wie Phönix aus der fränkischen Asche als heilbringender CSU-Kanzlerkandidat?

Eben.

Nachtrag 11:31 Uhr: korrigiert, weil er hat’s tatsächlich durchgezogen, der alte Haudegen!

Written by Quax

1. März 2011 at 11:06

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Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt

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Ich glaube, das ist von einer Metaebene auf die nächste auf die übernächste. Hypermeta – egal. Ägypten beherrscht die Schlagzeilen wie seit dem Tod Kleopatras nicht mehr. Sei ihnen der Spaß gegönnt, den Ägyptern. Wem man aber nur sehr ungern etwas gönnt, ist die BILD-Zeitung, das Fachblatt für alles.

Auf bild.de konnte man – laut Bildblog – für kurze Zeit lesen, dass Mubarak zurückgetreten sei, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zurückgetreten war. Muss ein großer Lacher gewesen sein, alle konnten mal mit dem Finger auf BILD zeigen und ordentlich ablachen.

Heute konnte man diese kleine und ebenso lustige wie peinliche Geschichte auf dem Bildblog lesen. Und dann das: haben die BILD-Leute prophetische Fähigkeiten gezeigt! Nur Stunden nach dem Bildblogbildbeitrag tritt der blöde Mubarak tatsächlich zurück! Womit BILD dann ja doch recht hatte, wenn auch zu früh. كيف مزعج!, wie die Araber sagen würde. Wie ärgerlich. Wenigstens hatte man bei bild.de nicht den bereits bekannten Aufmacher der Frühmeldung verwendet, sondern einen neuen gemacht. Aber mit dem gleichen Bild vom Mubarak. Aber irgendwas ist ja immer.

Written by Quax

12. Februar 2011 at 02:03

Veröffentlicht in Politik

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