Misanthropenwald

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Ab heute gilt’s

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Noch ein paar Stunden, dann ist es soweit. Dann haben wir ein neues Staatsoberhaupt und das Schreckensregime des Bremer Jens Böhrnsen, der das Amt völlig undemkoratisch seit Köhlers Abgang an sich gerissen hat, ist vorüber.

Noch ein paar Stunden, dann wissen wir, wessen Portait bald in den Amtsstuben hängt: Entweder das edle Antlitz des Herrn Gauck oder das seifige Lappengesicht vom Christian.

Oh, hoffentlich hoffentlich hoffentlich werden einige Abgeordnete von CDU und FDP vom Funken der Vernunft durchzuckt (bei der CSU habe ich diese Hoffnung aufgegeben), dass sie den richtigen Kandidaten wählen, nämlich nicht Wulff.

Eigentlich müsste es reichen, wenn’s in den dritten Wahlgang geht. Denn dann ist keine absolute Mehrheit mehr notwendig, um Buprä zu werden, sondern dann kriegt derjenige den Zuschlag, der die meisten Stimmen hat. Und hoffentlich hoffentlich hoffentlich rückt die Linkspartei bis dahin von ihrer stasiphilen Linie ab und zieht ihre Halbkandidatin zurück – und wählt geschlossen Gauck, um Hindenbu Wulff zu verhindern.

Drücken wir dem wahren Bundespräsidenten mal die Daumen. Wenn’s klappt, hören wir das ja von der Ferne. Jubelschreie, Vuvuzelagetröte, Autokorso.

Wenn nicht, können wir schon mal anfangen, die Flaggen wieder reinzuholen.

 

Nachtrag 1, 14:23 Uhr: Wulff im ersten Durchgang gescheitert – berichtet SPON. Erste Hürde zum richtigen Bundespräsidenten ist genommen!

Nachtrag 2, 14:33 Uhr: Jaja, Niebel. Jetzt heißt es: „das war ja abzusehen“ – aber vorher wurde noch rumgegroßkotzt, dass Wulff im ersten Wahlgang durchkommt.

Nachtrag 3, 14:36 Uhr: Das sollte eigentlich kein Liveticker werden, aber wenn ich schonmal dabei bin…

Nachtrag 4, 14:38 Uhr: Wie niedlich, Brüderle verweist darauf, dass Roman Herzog auch erst im dritten Wahlgang gewählt wurde. „Das war keine Klatsche“ – natüüürlich!

Nachtrag 5, 14:40 Uhr: Westerwelle sagt, dass die FDP geschlossen im zweiten Wahlgang Wulff wählen will – wie sie es schon im ersten gemacht hätten – Haha, bitte so geschlossen weitermachen, dann kann Wulff in Niedersachsen bleiben.

Nachtrag 6, 14:43 Uhr: Jubel gab’s vor dem Reichstag bei der Verkündung des Ergebnisses. Public Viewing zur Präsidentenwahl, eine feine Sache. Außernreporter der ARD mit den Public Viewern überfordert.

Nachtrag 7, 14:45 Uhr: FDP-Mann aus Schleswig-Holstein gibt CDU die Schuld für den zweiten Wahlgang. Ich bin gerade aufs äußerste zufrieden.

Nachtrag 8, 14:48 Uhr: O MEIN GOTT! O MEIN GOTT! Journalist spricht davon, dass „Polen offen“ sei! Ich freue mich auf die Twittermeldungen, es ist mir ein innerer Reichsparteitag.

Nachtrag 9, 14:50 Uhr: Linke zickt immer noch rum, Gauck sei unwählbar. Ganz im Gegensatz zu Wulff, ja? Ja? Ja? Kommt schon! CDU-FDP abzuwatschen ist schöner als der eigene Stolz!

Nachtrag 10, 14:53 Uhr: Stoiber hat sich schon auf drei Wahlgänge eingestellt. Da spricht der Optimismus, gnihihi!

Nachtrag 11, 14:55 Uhr: Zypries grüßt das Internet, aber das Internet grüßt nicht zurück.

Nachtrag 12, 14:57 Uhr: McAlisters Betonlächeln, leicht gequält. Er hofft noch drauf, Wulff als Ministerpräsident zu beerben.

Nachtrag 13, 14:58 Uhr: Linke dehydriert – Eigene Kandidatin wird als Alternative gesehen, ernsthaft. Gebt ihnen Wasser, sie reden wirr!

Nachtrag 14, 15:02 Uhr: NPD-Kandidat Rennicke erhält ein respektables Ergebnis von drei Stimmen. Er rollt bestimmt das Feld von hinten auf!

Nachtrag 15, 15:15 Uhr: Zweiter Wahlgang geht gleich los, spannend spannend.

Nachtrag 16, 15:18 Uhr: Wulff noch nicht auf seinem Platz. Ein gutes Omen?

Nachtrag 17, 15:19 Uhr: Namentlicher Aufruf – das sind über 1200 Menschen! Bis das Ergebnis bekannt ist, ist die erste Amtsperiode des Präsidenten doch schon wieder rum!

Nachtrag 18, 15:23 Uhr: Wulff wollte im Alter von 4 Busfahrer werden. Da ist an ihm ein großer ÖPVN-Lenker verloren gegangen.

Nachtrag 19, 15:25 Uhr: Gauck sah vor zwanzig aus wie jemand, dem ich keinen Gebrauchtwagen abkaufen würde.

Nachtrag 20, 15:51 Uhr: Wulff gegenb Direktwahl des Buprä. Habe vor Zorn Gift und Galle gespieen und laut gebrüllt.

Nachtrag 21, 15:57 Uhr: Dafür, dass ich Twitter verachte, mache ich hier gerade genau das, was man bei Twitter so tut. Hm.

Nachtrag 22, 16:01 Uhr: Wulff unwählbar, bezeichnet Keinohrhasen und Zweiohrküken als Kult!

Nachtrag 23, 16:05 Uhr: …habe ich erwähnt, dass ich den Spaß über den Livestream der ARD mitverfolge? Nein? Dann habe ich das jetzt.

Nachtrag 24, 16:16 Uhr: ARD blendete grad ein: „Panda, Gorilla & Co“ entfällt – NEEEEEEIIIIIN! Die sollen schneller wählen, meine Lust schwindet, mir das anzutun. Kann Wulff nicht einfach verzichten?

Nachtrag 25, 16:20 Uhr: Uff, Ergebnisse gibt’s erst in einer halben Stunde. Dann beende ich diesen Liveticker mal, das hier ist ja nicht der einzige Blog, den ich pflegen muss.

Nachtrag 26, 19:42 Uhr: Was lesen meine tranigen Augen? Die Linken ziehen ihre Kandidatin zurück? Kann man etwa wieder hoffen?

Nachtrag 27, 20:31 Uhr: Ich glaube, das wird nix mehr. Gewöhnen wir uns besser daran, von einem charakterlosen Stück Pfandflasche repräsentiert zu werden.

Nachtrag 28, 20:34 Uhr: Die NPD hat den Favoriten Rennicke aus dem Rennen genommen und will Gauck wählen. Als ob die Pfeifen den Unterschied machen!

Nachtrag 29, 20:37 Uhr: Ich frage mich grad, ob Merkel wohl so arrogant war und geglaubt hat, Wulff würde es beim ersten Wahldurchgang sowieso schaffen und dann Gauck gewählt hat, damit er ob der Niederlage nicht weint?

Nachtrag 30, 20:39 Uhr: Ziehe die Frage zurück, denn das setzt ja voraus, dass Merkel ein Herz hat.

Nachtrag 31, 21:09 Uhr: Ich glaube, es ist vorüber…

Letzter Nachtrag, 21:17 Uhr: Scheiße.

Written by Quax

30. Juni 2010 at 10:27

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Der Wulff im Schlafspelz

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Womit haben wir das nur verdient? Heute fliegen wir gegen England aus der WM (gut, da mag ich mich geirrt haben) und Christian Wulff wird vom Minister- zum Bundespräsidenten. Laut SPON inszeniert sich der künftige Frühstückspräsident schonmal präsidentengerecht. 

Was soll das, Wulff? Noch hast du keine Wahl gewonnen und schon planst du für deine Zukunft als Buprä. Liest man so auf SPON. Dein zweijähriger Sohn zum Beispiel. Der soll den lieben langen Tag durch Schloss Bellevue toben, auch in deinem Arbeitszimmer. Da liest man (auf SPON, falls es jemand noch nicht mitgekriegt haben sollte):

„Ich habe meine Kinder gern um mich“, sagte Wulff. „Kinderlärm ist Zukunftsmusik, und wo Menschen arbeiteten [sic!], muss auch Platz für Kinder sein.“

Zum Beispiel auf Baustellen und in Krematorien. Halt da, wo auch Platz für Kinder ist und die schönste Zukunftsmusik ist das Schmerzgeschrei der Blagen. Kinderlärm bei Wulff ist doppelt schön, im leeren Wulffkopp hallt der so toll nach. Andererseits – wie viel Lärm macht so ein spielender zweijähriger Wulffsohn so durchschnittlich? Von der Arbeit wird er den guten Papa ja nicht abhalten – er muss ja nur Master Merkels Gesetze abnicken. Also viel Zeit für zum Spielen!

Oder auch nicht, denn Bellevue wird kein Kindergarten:

Das Schloss Bellevue soll aber keineswegs zu einem Kindergarten, sondern langfristig zu einer „Denkfabrik“ werden, versprach der Kandidat der Koalition. […] „Künstler und kluge Köpfe“ sollten helfen, das Land „modern und zukunftsfest zu machen“.

Also Kinderarbeit in der Denkfabrik – und Think-Tank Christian ist ganz, ganz vorne mit dabei. Während kluge Köpfe rollen und erst gar nicht nach Bellevue dürfen (weil nicht gewählt), machen Künstler das deutsche Vaterland zukunftsfest mit Zukunftsmusik. Angereichert mit Erwachsenengebrüll und einschläferndem Wulffschen Ritalingebrabbels.

Auf Wulffs To-Do-Liste kann also abgehakt werden: 1. Kinderlieb (check!), 2. Zukunftsorientiert (check!) und 3. bewandert in Kultur und Geschichte ist der Nachfolger in Lübkes Amt auch, da kann man mal sehen, wo Wulff sich selbst sieht:

„Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire. Goethe war Minister und von Humboldt preußischer Beamter“

Oder Barbarossa und Heinrich den Löwen oder den Führer und Ernst Röhm! Herzlichen Glückwunsch, Christian Wulff stellt sich in eine Reihe bedeutender Philosophen und Denker. Einer davon der Berater vom Alten Fritz, einem absolutistischen Monarchen, der einen Angriffskrieg gegen Österreich wegen Schlesien führte.

Und überhaupt, wieso Berater? Als Bundespräsident wäre Wulff das verdammte Staatsoberhaupt, da vergleicht man sich doch nicht mit Beratern! Sondern mit Kaisern und Königen! Es sei denn, man ist selber nichts weiter als ein Berater; und das wäre Wulff ja schließlich auch. Nichts anderes als ein Berater. Und zwar einer der Bundeskanzlerin. Aber aktiver (oder das, was man in Hannover unter „aktiv“ versteht) Politzocker zu sein, ist kein Nachteil. Ebensowenig wie das junge Alter:

„Ich bin der festen Überzeugung, dass es kein Nachteil ist, wenn man aus der aktiven Politik kommt.“ Auch sein Privatleben wertet Wulff demnach als Vorzug: Er habe Kinder in Krippe, Grundschule und Gymnasium und kenne von seiner Frau die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sein Fazit: „Ich halte es nicht für schlecht, wenn der Bundespräsident aus der Mitte des Lebens kommt.“

Jaaaaa, kein Nachteil, wenn man aus der Politik kommt. Für Wulff sicher nicht und für Merkel noch weniger, ist sie doch damit einen Konkurrenten los und hat einen willigen Lakaien im höchsten Staatsamt sitzen.

Auch von Vorteil: sein Privatleben. Er hat schonmal gehört, dass es ziemlich schwierig sein kann, Beruf und Familie zu verbinden, wenn man selbst genug leichtverdientes, eigentlich ja unverdientes, Geld nach Hause bringt, um Putzfrau und Kindermädchen zu bezahlen. Ein Mann aus der Mitte des Lebens! Ganz anders als der olle Aktenstöberer Gauck, der dann schon quasi ein Bundespräsident vom Ende des Lebens wäre?

Warum bedenkt Wulff hier nicht die ökonomischen Vorteile, die ein 70-jähriger Buprä mit sich bringt? Nach seinen maximal zehn Jahren Dienstzeit müsste die Staatskasse nicht mehr sooo lange für seine Altersbezüge aufkommen, das erledigt Mutter Natur. Wulff hingegen hätte spätestens mit 61 ausgesorgt und würde als Altbundespräsident noch jahrzehntelang durch Zeitungen eiern und Unsinn reden, so wie Helmut Schmidt das macht. Ein junger Bundespräsident bringt nur Unglück! Was machen wir, wenn Wulff das so handhabt wie Walter Scheel, der stramm auf die 1000 zugeht?

Aber zurück zu Wulffs Privatleben, wie sieht’s aus mit dem holden Eheweibe?

Auf die Frage, ob das auffällige Tattoo seiner Ehefrau bei offiziellen Auftritten ein Problem sein könne, sagte Wulff: „Auch wenn es sie verstört: Es ist kein Problem, es ist cool.“

Was hat sie denn, ein Kainsmal auf der Stirn? Das verstört mich nicht, das Tattoo ist auch kein Problem, sondern Wulff. Viel verstörender finde ich, dass ein 51-jähriger katholischer Niedersachse von der CDU Wörter wie „cool“ legal verwenden darf. Brrrr, da stellt sich mir jedes Härchen auf…

Das Tattoo ist also cool und kein Problem und damit das genaue Gegenteil von Wulff.

Die ungelenk staksende Sympathievernichtungsmaschine, die wir bald unser Oberhaupt nennen müssen (und das wohl nur, weil die Linke herummemmt und Gauck nicht wählen will, weil der die DDR nicht so dufte fand), plant schon für die Zukunft.

Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, werde er sich aus Bremen an die Nation wenden, so Wulff. Er wolle sich dafür etwas Zeit nehmen, um „ausreichend tief zu schürfen“.

Himmel, das wird der schlimmste 3. Oktober aller Zeiten! Was kommt denn bitte dabei heraus, wenn ein gesichtsloses Stück Seife anfängt „ausreichend tief zu schürfen“? Will er seine eigene DDR-Vergangenheit aufarbeiten, die nie existiert hat? Könnte uns jemand davor bewaren? Könnte jemand bitte Gauck wählen, der reden kann? Und weiß, wovon er spricht? Und nicht zwingend auf einen Redenschreiber angewiesen ist? Jemand, der als Symbol der Einheit gelten kann, nicht so wie Wulff, der sich vielleicht als Reklamefigur für Krabbensuppe gut macht?

Wulff ist sicher zu cool für Krabensuppe, weil er will weiter auf Konzerte gehen, ja ja, nicht auf so klassische Konzerte mit Orchester und Geigen und so, sondern richtig Hardcorezeug:

Rockkonzerte wolle er auch in Zukunft weiter besuchen, seiner Frau habe er Karten für einen Auftritt der Band U2 in Hannover besorgt. Innenraum, nicht Tribüne.

U2, Innenraum. YEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!

Dieser Mann soll mein Bundespräsident werden! Wartet, Moment – Nein, soll er nicht! Anderen Politikern würde man Populismus vorwerfen, aber Wulff hat die Schallmauer des Populismus längst überschritten, auf der E-Gitarre der Kinderzukunftsmusik reitend. Cool, versteht sich. Mit Sonnenbrille und Tattoo.

Auch in Sachen Fußball gibt sich Wulff volkstümlich: Wie seine Chefin Angela Merkel tippte er für das Achtelfinale der Fußball-WM gegen England auf 2:1 für Deutschland

Hach, Christian, du Charmebolzen! Nicht nur, dass du deiner Chefin alles nachplapperst, du weißt auch, wie man das Volk beglückt! Indem man sagt, dass man den Engländer mit 2:1 gegen die Wand klatscht! O Wulff, du mein Fußballorakel, der du „bereits den 1:0-Sieg Deutschlands gegen Ghana richtig vorausgesagt“ hast! Außerdem wünschst du dir, dass die deutsche Mannschaft ins Finale kommt, denn dann wirst du, in deiner Funktion als Bundespräsident (was Gott und die Bundesversammlung verhüten möge) nach Südafrika fliegen, zum Finalspiel. Dass wir im Endspiel sein werden, daran besteht schon gar kein Zweifel mehr, die Frage ist nur noch, wer dann auf der Tribüne sitzen wird, Merkel nähmlich auf jeden Fall:

Für den Fall, dass am Ende nicht er nach Südafrika reisen kann, sondern doch Gauck, baute Wulff schon einmal vor. Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl dürfe auf keinen Fall mit dem Schicksal der kriselnden Berliner Koalition verbunden werden. Ein eventuelles Scheitern bedeute nicht das Ende der Regierung von Bundeskanzlerin Merkel.

Schade eigentlich.

Written by Quax

27. Juni 2010 at 14:50

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Schlacht um Bellevue

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Reißerischer Titel, was? Das ist aber auch ein Hauen und Stechen, was uns da bevorsteht, wenn die Bundesversammlung am dreißigsten Juni unseren neuen BuPrä kürt. Christian Wulff von der CDU gegen Joachim Gauck von der Antistasi. Erst sah es so aus, als würde es am dreißigsten sechsten zu einer reinen Akklamationsveranstaltung für Wulff kommen – falsch gesehen!

Denn die SPD hat zum ersten mal in ihrer Geschichte seit langer Zeit etwas ziemlich cleveres getan. Sie hat Joachim Gauck, den ehemaligen Leiter der Behörde zum Sortieren zerschnibbelter Stasiunterlagen, zum Kandidaten erkoren. Zusammen mit den Grünen, aber die lassen wir mal unter den Tisch fallen (was bei den Grünen generell eine gute Idee ist, har har har).

Mit Gauck haben CDU und FDP ein Problem – weil sie ihn mögen. O welch Paradoxon! Doch erinnern wir uns zurück ins Jahr Zwotausendschießmichtot, als die Unionsparteien den – völlig zurecht! – unbekannten Horst Köhler vom Sparkassen- zum Bundespräsidenten machten. Seine Herausforderin war Gesine Schwan und gegen die konnte die Union (zu der ich die FDP hier mal zuzähle) gut agitieren: keine Erfahrung, nicht geeignet, eine Frau. Fünf Jahre später setzte die SPD wieder Gesine Schwan gegen den Köhlerhorst, mit dem gleichen Ergebnis. Die Union konnte gegen Schwan die ollen Argumente (Erfahrung, Eignung, kein Mann) wieder auspacken und alles ward gut.

Jetzt allerdings, gnihihi, hat die SPD ja Joachim Gauck ins Spiel gebracht. Ein Parteiloser, ein Pfarrer. Einer, der von Bundesmerkel Hosenanzug noch mit überschlagend schönen Attributen versehen worden ist, als er Geburtstag hatte. Einer, der innerhalb der CDU und auch von der FDP geschätzt wird. Eine dufte Type also. Einer, gegen den der hauseigene CDU-Kandidat Christian Wulff wie ein bestickter Putzlappen aus dem letzten Wahlkampf aussieht.

Da hat man sich mit Wulff aber auch ein dickes, niedersächsisches Ei gegen die eigene Schläfe gedonnert. Er ist zwar die bessere Wahl als von der Leyen (wargh!), Schäuble (WARGH!) oder Koch (WARGH!), aber das ist so, als müsste man sich zwischen Rüttgers und Kraft als Ministerpräsidenten entscheiden (ne, NRW?). Vielleicht sähe Wulff richtig souverän und präsidentenlike aus, wenn die SPD wieder irgendeine Gurke aufgestellt hätt‘, aber gegen den parteilosen, allseits geliebten, jesusgleichen Erlöserpräsidenten Gauck, da sieht Wulff nunmal so aus, wie das, was er nunmal ist und verkörpern soll: Ein Parteisoldat im höchsten Amt, eine merkelsche Hindenburg mit ähnlich viel heißer Luft innendrin.

Westerwelle hat bei der Vorstellung des nächsten Bundespräsidenten Kandidaten Wulff gesagt, dass man Wulff jemanden gefunden habe, der wisse, welche „geistige Achse unsere Republik“ brauche und diese Achse heißt wohl Angela-Guido-Horst, womit die Sache mit der Überparteilichkeit wohl auch gegessen wäre, gerade im Vergleich zum allseits geschätzten Gauck, der durch Parteilosigkeit glänzt.

Dass diese geistige Achse aus Luft so porös ist wie morsches Holz oder Dirk Niebels Verstand, zeigt sich daran, wie wenig stramm die eigenen Parteiuntertanen auf Linie bleiben. Denn eigentlich sah es so aus, als würde Wulff mit einer satten Mehrheit von einundzwanzig Stimmen gewinnen, aber nun denken einige FDP-Landesverbände laut nach – naja, „denken“, wie auch immer. Jedenfalls, sie sympathisieren offen mit Gauck, ebenso wie einige CDUler. König Mappus von Württemberg, mein hochverehrter Landesherr, hat offen bekundet, dass er Gauck sehr schätzt und pöbelte ein bisschen herum; er ist halt noch neu im Ministerpräsidentenamt des beinahe schönsten Bundeslandes und muss seinen Stil noch finden, doch Tillich von Sachsen ist schon länger am Ruder in Dresden und auch er findet Gauck gut. Trotzdem wollen beide für Wulff stimmen.

Mit dem ungewöhnlichen Verstandesgebrauch der FDP ist der Erdrutschsieg des Christian Wulff gar nicht mehr so sicher und wenn die Abweichler jetzt noch Eier in der Hose haben, haben wie eventuell bald einen richtigen Präsidenten und nicht so einen nach Bellevue in den Vorruhestand abgeschobenen Merkelkonkurrenten. Doch die Unionspartei’n wollen schon Vorkehrungen treffen und aus der Bürgerschaft keine Prominenten in den Reichstag schicken, sondern nur gestandene Abgeordnete. Also Leute, die auch schön nach Linie abstimmen.

Man darf also gespannt sein, wer das Rennen letztendlich machen wird. Gut oder Böse. Schwarz oder Weiß. Gott oder Teufel. Jung oder Alt. Asterix oder Obelix. Stasijäger oder IM Niedersachsen Ministerpräsident.

Und weil’s zum Thema passt:

  

Written by Quax

7. Juni 2010 at 18:25

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„Der Kaiser hat abgedankt!“

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„Er und seine Freunde sind verschwunden! Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republ-“ Quatsch, Phillipp Scheidemann hier zu zitieren ist natürlich grober Unfug, denn Horst Kaiser Köhler ist ja gar kein Köhler (Himmelherrgott!) Kaiser, sondern nur Bundespräsident (im folgenden BuPrä abgekürzt), bzw. war. Da die Bundesleberwurst (beleidigt) nun fort ist, brauchen wir einen neuen BuPrä und es geistern jede Menge Schauermärchen durchs Land, wer denn das nun werden soll.

Da habe ich inzwischen Namen gelesen, die gibt’s gar nicht, beziehungsweise schon, leider. Da wurde schon Norbert Lammert in den Raum geworfen, aber er hat sich nicht ernsthaft verletzt und Joschka Fischer wurde hinterher ge- äh.. -rollt. Da hätt‘ man ja ziemlich Prima die Wahl zwischen zwei edlen unkaputtbaren Todesbazillen (i.e. Pest, Cholera, Grüne) und andere Namen werden auch schon an den Briefkasten von Bellevue genäht.

Gesine Schwan soll für die SPD ins Rennen gehen, weil es mit der ja die letzten beiden Wahlen schon so gut geklappt hat. Wenn die SPD einen Fehler gefunden hat, dann wiederholt die den aber auch immer und immer und immer wieder. Weil sie endlich gefunden hat, was sie so gut kann. Verlieren.

Irgendwo, wahrscheinlich im Forum von SPON, habe ich den Namen Helmut Schmidt gelesen und mal ehrlich, man kann von Helmut Schmidt (passenden Raucherwitz hier einfügen) ja halten was man will, der Mann schrammt vom Alter her an den 100 und ist außerdem längst nicht mehr der, der er einmal war, sondern nur noch die Asche seiner selbst.

Jetzt ganz ernsthaft ins Gespräch gebracht wurde  – und das auch noch von jemandem, dem man Macht über irgendwas gegeben hat! – Margot Käßmann. Das wär aber auch eine klasse Combi, ein Hosenanzug namens Osten als Kanzlerin und eine alkoholische Pfaffin, da frage ich mich doch, wann Mixa, dieser boxende Bischof, kommt (Wortspiel nicht beabsichtigt). 

Wer ja jetzt auch wieder Zeit hätte, wäre Roland Koch, über so einen BuPrä freut sich das linksliberale Bürgertum wie ein Schnitzel, wenn’s blitzt und dann wäre auch der Nimbus dahin: der vom Volke ewig geliebte BuPrä. Aber es ist auch denkbar, dass Mu-Mu-Mu-Muttimerkel ihren alten Freund Koch ins Kabinett holt und ans Finanzministerium fesselt und den Schäuble da hin räumt wo er hingehört. Nein, nicht in den Knast, sondern nach Bellevue, aber ich weiß nicht, wie es im BuPrä-Hauptquartier aussieht, bezüglich der Verwendbarkeit durch beinmäßig Herausgeforderte und einen Umbau können wir uns im Moment nicht leisten, ham‘ ja Kriiiiiiiiise. 

Aber vielleicht ist das Schloss ja kindergerecht, dann kann die Mutter der Nation (kann man ruhig wörtlich nehmen) nach Bellvü ziehen, nämlich Ursula von der Leyen. Aber das darf nicht passieren, weil sonst die Piratenpartei kommt und sämtliche Foren und Blogs mit ihrem oberkrassen Wortspiel „Zensursula“ vollkleistert, was einem schon auf die Testikel ging, als der Höhepunkt der Internetzensurdebatte noch nicht mal ansatzweise zu erspähen war.

Prima wäre auch Lena, die hat im Alleingang ganz Europa besiegt (was dem Führer ja versagt blieb) und ist nun „Prinzessin Deutschland“ (Titel auf irgendeinem unbedeutenden Käseblatt), woraus ich schließe, dass die Überschrift (Kaiser und so) eventuell doch nicht so falsch ist – vielleicht sind wir ja wieder eine absolut konstitutionelle Wahlerbmonarchie. Un problème, mon ami: Lena ist gerade einmal 19, also einundzwanzig Jahre zu jung, um für das Amt des BuPrä weggeschmissen zu werden.

Aaaaaaber: Stefan Raab könnte doch! Nicht unbedingt BuPrä werden, sondern eine nationale Aufgabe sehen und den neuen BuPrä casten. Unser Star für Bellevue! Na, wär das was? Natürlich nicht, was sollen wir mit einem singenden Bundespräsidenten?

Aber ich will ja nicht nur destruktiv sein, sondern auch einen konstruktiven Vorschlag machen. Andererseits: Die CSU hält sich auch nicht dran und hat Stoiber vorgeschlagen. wirklich wahr. Am Ende kommt der wieder und wir müssen sowohl ihn als auch seine ganzen miserablen Parodien anhören und sehen! Na, hoffentlich bleibt uns das erspart und es kann nur einen Mann geben, der das Format hat, das Amt auszufüllen:

Helmut Kohl.

Written by Quax

1. Juni 2010 at 19:56