Misanthropenwald

Posts Tagged ‘CSU

Was ist warm und leer?

with one comment

Die CSU! Das Sommerloch! Man merkt es an der Regelmäßigkeit der Einträge hier, dass es schon seit März andauert. Heute macht das Loch mal Pause, denn es gibt dolle Vorschläge von noch dolleren Menschen.

Da wäre zuvörderst, wie wir intellenten People sagen, zuvörderst wäre da also der CSU-Generalsekretär Dobrindt. Der gute Mann hat die Diskussion um ein Parteiverbotsverfahren angeleiert. Aber nicht die NPD soll sich Dobrindts Meinung nach im Club der Verbotenen wiederfinden, wie das jeder normaldenkende Mensch erwarten würde, sondern: die Linkspartei. Grund:

KOMMUNISMUS!

Denn das drängendste Problem unserer Zeit sind die klassenlosen Klassenfeinde, die den Staat umkrempeln wollen. Was zittern wir nicht alle aus Angst vor der Rotfront. Nun könnte man meinen, dass jemand, der diese Altherrenpartei zum Staatsdämon aufbrausen will, reichlich matsche inner Birne ist – zu Dobrindts Entschuldigung, der Mann ist in der CSU, diese andere Kasperlepartei, deren Vorsitzender fröhlich Pläne für die Einführung der PKW-Maut schmiedet. Da hat wohl jemand keine Lust, wiedergewählt zu werden.

Der andere geile Vorschlag kommt von Hans-Peter Friedrich, ebenfalls CSU, aber leider auch Innenminister von unserem AAA-Bonitätsland. Die CSU ist eine geile, jugendhafte Partei, die das Internet kennt wie die Alm oder zünftige Wirtshausschlägereien. Innenminister Hape hat nu‘ für mehr Mut im Internet plädiert. Haha, nur Spaß, nein. Der provinzielle Bayer hat vorgeschlagen, dass diese Anonymität im Netz ein Ende haben muss. Jeder dieser feigen, anonümen Blogger solle sich gefälligst mit Klarnamen auten, damit man weiß, mit wem man’s zu tun hat. Find‘ ich gut. Mein richtich-echter Name ist übrigens Misanthro Penwald.

Kein Scherz.

Written by Quax

7. August 2011 at 20:11

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , ,

Und sie merken es nicht!

with one comment

Nah mehrmaliger Ermahnung hat die CDU jetzt vermutlich gemerkt, dass es besser ist, keine, ich wiederhole, keine Wahlkampflieder zu machen. Weil sie alle mit gigantischem Abstand totale Scheiße sind. Die CDU hat also gelernt. Aber dann kam die CSU.

Und hat ein Lied über die Grünen gemacht. Huhuhu, ist das gut geworden. Aber hört selbst und staunt (oder kotzt).

Uff. Gut, gut. Beziehungsweise ja eben nicht. Fangen wir mit dem an, was als erstes ins Auge springt, nämlich mit dem Optischen. Da hat sich der Internetazubi von der JU aber jede Menge Mühe mit gegeben, noch dazu diese Metaphorik! Alles grün, weil’s ja um die Grünen geht. Clever. Und die Beule ist rot! Weil Sozialismus! Hahaha! Ha. Hu.

Aber was wirklich wichtig ist, ist die Musik. „Musik“. Oder wie es in der CSU-Beschreibung zu dem Video heißt:

„Ein Männlein steht im Walde, ganz grün und dumm. Es hat vor lauter Protest eine Steinschleuder um. Grün sein und dagegen sein, mit Pflaster-, Schotter-, Ziegelstein…“. Wir zeigen, wie es hinter der Fassade der Grünen ausschaut.

Das tut ihr, CSU, das tut ihr. Genau so sieht’s hinter der Fassade der Grünen aus. So und nicht anders. Mensch, seid ihr entlarvend mit eurem Humor. Oder dem verkrampfte Etwas, das ihr bornierten Altherren dafür haltet.

Ab zum Text! Das beliebte Kinderlied kennt jedes, nunja, Kind. Parodien mit bekannten Melodien sind eine schöne Sache, aber doch nicht so! Schon die ersten beiden Verse, so dermaßen verkackt. Im Original geht das so:

Ein | Männ|lein | steht | im | Wal|de | ganz | still | und | stumm / es | hat | vor | lau|ter | Pur|pur | ein | Mänt|lein | um.

Elf Silben im ersten Vers und nochmal elf im zweiten. Nicht schwer, das dürfte selbst die CSU hinkriegen. Aber freuen wir uns nicht zu früh:

Ein | Männ|lein | steht | im | Wal|de | ganz | grün | und | dumm / es | hat | vor | lau|ter | Pro|test | ei|ne | Stein|schleu|der | um.

Elf Silben im ersten Vers, wie gehabt, und im zweiten dreizehn. So blöde kann doch keiner sein, nicht einmal die CSU – aber sie hat mich soeben eines besseren belehrt.

Das ist schon schlimm und tut in den Ohren weh. Aber dann kommt noch mehr Text.

Grün sein und dagegen sein / mit Pflaster-, Schotter-, Ziegelstein / Ach, wie bin ich froh, doch kein Grüner zu sein

Wir halten fest: CSUler sind offenbar ebenso minderbemittelt wie humorlos; wer sonst würde „sein“ auf „Stein“ auf „sein“ reimen? Selbst in Kindergärten wird man bei solchen Reimereien verprügelt!

Puh.

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, gibt es noch zwei Sachen anzumerken. Erstens: Die CSU hat den Kommentarbereich zum Video bei Youtube gesperrt, was Bände spricht und/oder bezeichnend für das Selbstverständnis der CSU ist. Man möge sie daran erinnern, sollten sie sich über die „politische Kultur“ des Landes ereifern oder das Wort „Demokratieverständnis“ in den Mund nehmen. Zweitens: Es gibt etwas namens „CSU. Die App. der Christlich-Sozialen Union“ und es ist „kostenlos erhältlich im App Store“. Habt Angst, Völker dieser Erde, habt Angst.

Written by Quax

14. Januar 2011 at 22:26

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , , ,

Sie sind alle so dumm

with 3 comments

Manchmal… Ach, es hat ja doch keinen Zweck.

Wer sich an die Mohammedkarikaturen aus Dänemark erinnert, wird sich womöglich noch an das großkotzige Gestammel erinnern, das da aus allen Reihen schallte. Von wegen, in einer Demkratie gäbe es Presse- und Meinungsfreiheit und sowas müsse man in einer Demokratie aushalten, weil Demokratie. Und auch der Islam müsse solche Karikaturen aushalten und überhaupt sei der Zeichner ein sehr mutiger Mann.

Mut, Demokratie und alle guten Geister haben einen CSU-Mann inzwischen verlassen; Stephan Mayer heißt der Klumpen Fleisch mit Organen, der im Bundestag herumlungert. Er hat angemahnt, dass man den Film „Four Lions“ lieber nicht zeigen solle, weil’s in der Satire um Islamobombenbastler geht. Ich habe gar keine Lust, dazu was zu sagen.

Themenwechsel: Facebook. Überbewertet, blau und Traum eines jeden IM. Trotzdem wirft das Ding Schotter ohne Ende ab. Nur ein Idiot würde so eine Goldgrube schließen. Dementsprechend ist jede Meldung, die sich um eine Schließung Facebooks durch seinen Gründer dreht, ebenso falsch wie doof und man müsste schon reichlich blauäugig sein, um das zu glauben.

Aber naja.

Written by Quax

9. Januar 2011 at 20:38

Veröffentlicht in Politik, Satire

Tagged with , , , ,

Es ist nicht immer die FDP

with one comment

In einem Ferienfreizeitlager auf Ameland gab es sexuelle Missbrauchsfälle, die überraschenderweise nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben, aber nicht minder schlimm sind. Wenn man so etwas liest, verschlägt es einem erstmal die Sprache; es gibt nichts kluges, was man sagen könnte. Und dann kommt jemand aus Bayern und brabbelt los.

Beate Merk, bayerische Justizministerin und geistige Nachtschwärmerin aus der CSU (woher auch sonst?) beglückt uns mit ihren dümmlichen Ergüssen. Als allererstes wird in solchen Fällen, wie der causa Ameland, die Schuldfrage erörtert, aber da man sich nicht bei sowas profanen wie den Tätern aufhalten möchte, lugte Frau Merk hinter ihrem Stein hervor, unter dem sie lebt, und krakeelte die stumpfsinnigen Anschuldigungen in den Äther, die eigentlich schon seit drei Jahren nicht mehr so in Mode sind.

Eigentlich, denn Aktualität ist nicht gerade ein Steckenpferd der Bayern und schon gar nicht der CSU. Aber zu den altbackenen, leicht porösen Trockenargumenten aus der Steinzeit später mehr. Zuerst einmal ein Grund, der sonst bei allen anderen Dingen eigentlich immer passt. Schuld am Missbrauch sei nämlich die FDP:

Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig

Bis gerade eben wusste ich gar nicht, dass die FDP die Sache mit der Kinderpornographie eher so locker sieht, danke Frau Merk! Der Grund dafür, liegt darin, dass die FDP Kinderpornos im Internet lieber löschen statt sperren möchte, denn wenn man etwas löscht, dann ist es weg, aber wenn man etwas sperrt, dann ist es zwar noch da, kann aber nicht mehr gesehen werden, es sei denn, man kennt sich mit Computern und so aus und kann die Sperre umgehen. Wir gelangen also zum Merkschen Regelsatz:

Sperren > Löschen, da Löschen = 0 und Sperren = 1, aber unsichtbar.

Also muss gesperrt werden, bis die Buchse brennt! Denn:

Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.

Seltsam. Dabei sind Untätigkeit und heftiges Schulterzucken, das an diverse Spasmen erinnert, doch längst Markenzeichen der CSU-Politik geworden und außerdem gehört Schulterzucken in bayerischen Ministerien zur Tagesordnung.

Diese geistige Sitzblockade geht aber noch weiter, denn die Verrohung der Jugend, die seit 400 v. Chr. unaufhaltsam voranschreitet, kann

auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann

Da bin ich von der Leistung des Gehirns dieser bajuwarischen Dämmernelke aber enttäuscht, nach CSU-Lesart müsste man hier doch konsequent das Internet verbieten und diesen Sündenpfuhl ein für alle mal mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Aber wenn man schon beim Thema „Computer und so“ ist, dann kann man auch gleich eine weitere tote Sau durchs Dorf schieben. Denn Schuld am Missbrauch sind nicht nur Pornos und die FDP oder diese Beatmusik, sondern auch Killerspiele. SPON stellt dazu treffend fest:

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert.

Ich mag keine Kirschen. Und weil ich keine Kirschen mag, esse ich keine Gänseblümchen. Diese Art Logik ergibt auch nur südlich der Donau Sinn.

Ich finde übrigens Beate Merks „Gesicht“ entsetzlich. Kann man das nicht löschen?

Oder wenigstens sperren?

Written by Quax

22. Juli 2010 at 20:16

Veröffentlicht in Politik

Tagged with , , ,

Ähö ähö! Hööh ähö ähö ähö!

leave a comment »

Genießt es. Genießt dieses Geräusch in Kneipen, Bars und Restaurants. So lange ihr noch könnt. Dieses Geräusch der 55-jährigen Kettenraucher, dick, mit Schnäuzer (auch dick) und Halbglatze. Denn sie sind eine aussterbende Spezies – und damit meine ich nicht die Spätfolgen des Tabakkonsums. Sondern Bayern.

Bayern, dieses sympathische Bundesland im Süden des Nationalstaats Deutschland. Jetzt  hat es das schärfste Rauchverbot seit der Erfindung der Zigarette. Nicht von der Herrscherkaste der CSU erlassen, sondern von unten, aus dem Volk.

Die CSU war diesmal clever genug, sich aus der Volksabstimmung rauszuhalten, denn beim ersten Versuch fielen Beckstein und Huber – Beckstein und Huber, wer waren denn die zwei nochmal… – ziemlich auf die Fresse. Das Wahlvolk, dass sonst nur per Akklamation die CSU auf dem Thron der Bayern legitimiert, strafte das Gespann der Blödheit bei Kommunalwahlen ordentlich ab. Darauf folgte die Landtagswahl, bei der sich die FDP in die Regierung zwang. Dann gab’s Beckstein-/Huberdämmerung und beide wurden durch Seehofer ersetzt. Und alles nur wegen des Quarzqualms. Da kann man mal sehen, dass mit Süchtigen nicht zu spaßen ist!

Aber das war vor vielen, vielen Jahren. Die CSU ruderte zurück, zumindest halb. Geraucht werden durfte nur noch in Ein-Zimmer-Restaurants, in denen keine Speisen gereicht werden, es sei denn, sie haben eine eigene Rauchereckkneipe. Dieses schwammige hin und her gefiel niemandem so richtig, also wurde ein Bürgerbegehren laut, das zu einer Volksabstimmung mutierte. Und diese Abstimmung war gestern.

Die CSU hat diesmal Partei für die Neutralen ergriffen und angekündigt, das Ergebnis der Abstimmung anzuerkennen und umzusetzen.

Habe ich vorhin gesagt, dass die Regelung niemandem gefiel? Das war natürlich frech gelogen. Die FDP bezog nämlich im Wahlkampf Stellung für die beknackte Hirniregelung. Geschmiert Unterstützt wurde die sympathische 4%-Partei von der Hobbylobby der Tabakindustrie. Und so pöbelten die Nikotingelben von den Liberalen durch den Freistaat und spieen Gift und Galle (bzw. husteten schwarzrote Bröckchen) in Richtung der Vernünftigen, die für eine einheitliche Antirauchregelung war.

Und wie das nunmal mit Projekten ist, die die FDP anpackt, ging das natürlich voll in die Hose. Demnächst müssen alle Wirte die Aschenbecher einsammeln und Raucher vor die Tür schicken. „Wo ist da die Toleranz?“, schreit da die FDP. Natürlich, Toleranz gegenüber Nichtrauchern, pfft!, wozu das denn? Mit ihrer elenden Nichtraucherei unterstützen sie ja nicht mal einen lebenswichtigen Industriezweig und damit Arbeitsplätzearbeitsplätzearbeitsplätze! Vielleicht wäre die FDP beruhigter, wenn man alle Heroin-Spritzer und Koksnasen und – welch Ironie! – auch die Säufer gleich mit vor die Tür setzen würde. „Aber das wäre sozialistische Gleichmacherei!“

Hmpf, man kann’s denen aber auch nie recht machen.

Written by Quax

5. Juli 2010 at 20:50

Veröffentlicht in Politik, Wirtschaft

Tagged with , , ,

„Der Kaiser hat abgedankt!“

with 2 comments

„Er und seine Freunde sind verschwunden! Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republ-“ Quatsch, Phillipp Scheidemann hier zu zitieren ist natürlich grober Unfug, denn Horst Kaiser Köhler ist ja gar kein Köhler (Himmelherrgott!) Kaiser, sondern nur Bundespräsident (im folgenden BuPrä abgekürzt), bzw. war. Da die Bundesleberwurst (beleidigt) nun fort ist, brauchen wir einen neuen BuPrä und es geistern jede Menge Schauermärchen durchs Land, wer denn das nun werden soll.

Da habe ich inzwischen Namen gelesen, die gibt’s gar nicht, beziehungsweise schon, leider. Da wurde schon Norbert Lammert in den Raum geworfen, aber er hat sich nicht ernsthaft verletzt und Joschka Fischer wurde hinterher ge- äh.. -rollt. Da hätt‘ man ja ziemlich Prima die Wahl zwischen zwei edlen unkaputtbaren Todesbazillen (i.e. Pest, Cholera, Grüne) und andere Namen werden auch schon an den Briefkasten von Bellevue genäht.

Gesine Schwan soll für die SPD ins Rennen gehen, weil es mit der ja die letzten beiden Wahlen schon so gut geklappt hat. Wenn die SPD einen Fehler gefunden hat, dann wiederholt die den aber auch immer und immer und immer wieder. Weil sie endlich gefunden hat, was sie so gut kann. Verlieren.

Irgendwo, wahrscheinlich im Forum von SPON, habe ich den Namen Helmut Schmidt gelesen und mal ehrlich, man kann von Helmut Schmidt (passenden Raucherwitz hier einfügen) ja halten was man will, der Mann schrammt vom Alter her an den 100 und ist außerdem längst nicht mehr der, der er einmal war, sondern nur noch die Asche seiner selbst.

Jetzt ganz ernsthaft ins Gespräch gebracht wurde  – und das auch noch von jemandem, dem man Macht über irgendwas gegeben hat! – Margot Käßmann. Das wär aber auch eine klasse Combi, ein Hosenanzug namens Osten als Kanzlerin und eine alkoholische Pfaffin, da frage ich mich doch, wann Mixa, dieser boxende Bischof, kommt (Wortspiel nicht beabsichtigt). 

Wer ja jetzt auch wieder Zeit hätte, wäre Roland Koch, über so einen BuPrä freut sich das linksliberale Bürgertum wie ein Schnitzel, wenn’s blitzt und dann wäre auch der Nimbus dahin: der vom Volke ewig geliebte BuPrä. Aber es ist auch denkbar, dass Mu-Mu-Mu-Muttimerkel ihren alten Freund Koch ins Kabinett holt und ans Finanzministerium fesselt und den Schäuble da hin räumt wo er hingehört. Nein, nicht in den Knast, sondern nach Bellevue, aber ich weiß nicht, wie es im BuPrä-Hauptquartier aussieht, bezüglich der Verwendbarkeit durch beinmäßig Herausgeforderte und einen Umbau können wir uns im Moment nicht leisten, ham‘ ja Kriiiiiiiiise. 

Aber vielleicht ist das Schloss ja kindergerecht, dann kann die Mutter der Nation (kann man ruhig wörtlich nehmen) nach Bellvü ziehen, nämlich Ursula von der Leyen. Aber das darf nicht passieren, weil sonst die Piratenpartei kommt und sämtliche Foren und Blogs mit ihrem oberkrassen Wortspiel „Zensursula“ vollkleistert, was einem schon auf die Testikel ging, als der Höhepunkt der Internetzensurdebatte noch nicht mal ansatzweise zu erspähen war.

Prima wäre auch Lena, die hat im Alleingang ganz Europa besiegt (was dem Führer ja versagt blieb) und ist nun „Prinzessin Deutschland“ (Titel auf irgendeinem unbedeutenden Käseblatt), woraus ich schließe, dass die Überschrift (Kaiser und so) eventuell doch nicht so falsch ist – vielleicht sind wir ja wieder eine absolut konstitutionelle Wahlerbmonarchie. Un problème, mon ami: Lena ist gerade einmal 19, also einundzwanzig Jahre zu jung, um für das Amt des BuPrä weggeschmissen zu werden.

Aaaaaaber: Stefan Raab könnte doch! Nicht unbedingt BuPrä werden, sondern eine nationale Aufgabe sehen und den neuen BuPrä casten. Unser Star für Bellevue! Na, wär das was? Natürlich nicht, was sollen wir mit einem singenden Bundespräsidenten?

Aber ich will ja nicht nur destruktiv sein, sondern auch einen konstruktiven Vorschlag machen. Andererseits: Die CSU hält sich auch nicht dran und hat Stoiber vorgeschlagen. wirklich wahr. Am Ende kommt der wieder und wir müssen sowohl ihn als auch seine ganzen miserablen Parodien anhören und sehen! Na, hoffentlich bleibt uns das erspart und es kann nur einen Mann geben, der das Format hat, das Amt auszufüllen:

Helmut Kohl.

Written by Quax

1. Juni 2010 at 19:56

Das Trauerspiel vom Nockherberg

leave a comment »

Jedes Jahr findet im Rahmen des Starkbierfestes der Paulaner-Brauerei auf dem Nockherberg ein kabarettistischer Abend statt, in dem Kabarettisten, als Politiker verkleidet, ein Singspiel aufführen und die Volksvertretung des Bundes und vor allem Bayerns vorführen. Soweit nichts besonderes, doch: Im Publikum sitzen so ziemlich alle wichtigen Politiker Bayerns (CSU) inkl. Ministerpräsident und auch alle weniger wichtigen (Rest). Vor jedem Singspiel hält Bruder Barnabas (gespielt von Michael Lerchenberg) eine satirische Rede, die dieses Jahr durch einen „geschmacklosen Vergleich mit dem Dritten Reich“ (O-Ton aller) aufgefallen sein soll. Also habe ich mir mal am Wochenende die Wiederholung von diesem Spektakel im Bayerischen Rundfunk angeschaut.

Die anstößige Rede von Bruder Barnabas also. Insgesamt war sie wohl eher das, was man gemeinhin als „nett“ bezeichnet. An einer Stelle gab es dann einen KZ-Vergleich, Westerwelle wolle wohl alle Hartz-IV-Empfänger in Ostdeutschland zusammenpferchen, Zaun drumrumbauen und an den Eingang „Leistung muss sich wieder lohnen“ schreiben. Aha. Es ist ein schmaler Grad zwischen platt, plump und unnötiger Provokation und gewiefter, genialer Provokation.

Immerhin, im Anschluss folgte das Singspiel. Theoretisch hätte das ja was werden können.

Wurde es aber nicht und nun will ich erläutern wieso: Ersteinmal zum Grundsätzlichen; der Reiz des Singspiels besteht darin, dass auf der Bühne Kabarettisten genau die Politiker spielen, die bestenfalls auch unten in den Zuschauerrängen sitzen. Wer im Singspiel nicht erwähnt wird, kann in Bayern politisch als so gut wie tot gelten (weswegen die SPD höchstens am Rand auftaucht). Damit das gut funktioniert, müssen die Kabarettisten den von ihnen dargstellten Politikern ähnlich sein, und zwar in Bezug auf Aussehen, Stimme und Gestik. Das wichtigste sind jedoch die Texte, die sowohl gut als auch beißend sein müssen. Die Politiker müssen in die Mangel genommen und ordentlich gequetscht werden und dazu braucht man eines: aktuelle Themen.

Was ich dann jedoch zu sehen bekam, ist mit „katastrophal“ noch äußerst wohlwollend umschrieben. Der Rahmen, der um das Singspiel konstruiert wurde war brandaktuell: Bavaria sucht den Superpolitiker

Wie bitte. Eine Deutschland-sucht-den-Superstar-Parodie. Diese Idee könnte aus der Feder eines Achtklässlers stammen und nicht aus der eines öffentlich-rechtlichen Senders, bzw. gerade doch? Wie dem auch sei, in der Jury sitzen Bavaria, Franz-Josef Strauß (unvermeidlich) und eine junge Frau im weißen Kleid, die die Weißwurst ist (no joke). Warum Weißwurst? Na, weil Bayern! Hahaha!  

Erster Kandidat dieser Totgeburt namens Castingshow war Guttenberg, voll gut zum Erkennen, mit gegeltem Haar und runder Brille. Und natürlich wird der unvermeidliche Gag gerissen, indem Guttenberg seine siebenundachtzig Vornamen aufzählt. Samt solcher Brüller wie „Sylvester Neujahr“ usw., was 1. schon nicht mehr lustig war, als wir den Gag hier auf diesem Blog gemacht haben (und das mehrmals!) und 2. auch nicht dadurch lustiger wird, indem man diesen einen Gag innerhalb des ganzen Singspiels noch zweimal wiederholt. Guttenberg selber (der echte, im Publikum) musste angestrengt sein Lächeln aufrecht erhalten, weil die Kamera immer wieder seine Reaktion während des Desasters einfing. Danach sang Guttenberg (der falsche, auf der Bühne) eine mittelmäßige Rocknummer, weil AC/DC-Fan und so. Ist ja so komisch.

So ging das dann bei jedem Politiker weiter und der Gedanke, meine Zunge in die Steckdose zu hängen, erschien mir gar nicht mehr so abwegig. Ein wie auf Speed wild schreiender Guido Westerwelle singt da vor einem Regenbogenhintergrund (weil, er is‘ ja ’n Schwuler, höhö), dass der kostenlos um die Welt fliegen kann und darauf angesprochen, ob er auch Bayerisch könne, antwortet Guido, der übrigens eher aussieht wie ein junger Stoiber, dass er Englisch kann und singt sein Scheißlied auf Angelsächsisch zu Ende. Ein Seitenhieb auf Oettinger? Haha, nein! Das wär‘ zu aktuell.

Generell hapert’s an der Aktualität; da präsentiert ein Mittelmaßseehofer einen Quelle-Katalog (<- Witz), eine Durchschnittsclaudiaroth echauffiert sich darüber, dass kein Türke in der Jury sitzt und das sehr, sehr  betroffen (<- Witz) und rezitiert dann Fetzen aus einem Claudia-Roth-Interview („Ich liebe die Türkei … Ich liebe das Essen in der Türkei … Ich liebe die Konflikte in der Türkei“), das mindestens drei Jahre alt ist. Dann singt sie vor einem Hintergrund aus – Sonnenblumen. Weil die Stofffetzen des Kostüms und die Idiotenfrisur noch nicht plakativ genug sind.

Auch Merkel wird natürlich nicht verschont; sie singt vor in den Keller stürzenden Aktienkursen und legt eine gut vergessbare Performance mit Guttenberg und Westerwelle hin.

Einziger Lichtblick waren die Kommentare von Strauß, der jedoch die Tatsache, dass er seit zwanzig Jahren tot ist, auch arg überstrapaziert hat und der Auftritt von Markus Söder, der wie ein crackabhängiger Alkoholiker durch eine Spanplattenholzpappe der Kulissenwand flog – bis er anfing, den Text aus diesem grausamen etwas, das sich „Drehbuch“ nennt, aufzusagen. Söder sang schließlich „Söder Söder“ statt „Hyper Hyper“, weil’s Original aus den Neunzigern ist, also cool, hip, trendy, jugendlich und wasweißichnochwas.

Ganz sympathisch war der Auftritt von Sigmar Gabriel (unbekannt, SPD), der nicht aussah wie Sigmar Gabriel, bei dem die Technik während des Songs ausfiel, sodass der arme SPD-Mann ohne seine Sangeskünste präsentiert zu haben, auf der Couch neben dem anderen Gesocks Platz nehmen konnte. Und als der Gabriel sich dann setzte, hüpften alle anderen ein wenig von ihrem Platz in die Höh‘, denn er ist ja so dick, der Gabriel, hihi (<- Witz).

Alles in allem krankt der Nockherberg an zwei Dingen, zum einen der Aktualität, was sich dahingehend erklären lässt, dass die Vorbereitung zu so einer Aufführung langwierig ist und so aktuelle Ereignisse nicht mal eben schnell ins Drehbuch eingebaut werden können. Das ist allerdings keine Entschuldigung dafür, dass jahrealte, abgetragene Scherze ausgegraben werden, dass jetzt, im Jahre 2010 des HErrn, noch die völlig zerschossene Witzzielscheibe Stoiber und die beiden Hauptberufsverlierer Huber und Beckstein herhalten müssen. Man tritt nicht mehr nach toten Hunden.

Zum anderen gibt es da das Publikum, die Politprominenz. Es ergibt sich die göttliche Gelegenheit, den Anwesenden von der Bühne herunter genau das zu geben, was sie verdient haben, ihnen mal so ordentlich den Spiegel vorhalten. Nur: Wenn man das tut, wird nächstes Jahr niemand kommen. Wer will schon Eintritt dafür zahlen, sich beleidigen zu lassen? Und wenn niemand kommt, wird die ganze Veranstaltung uninteressant, denn man guckt es doch gerade deswegen, um zu sehen, inwieweit die Politiker dort über sich selber lachen können und wem die Visage verrutscht (keine Anspielung auf das natürliche Aussehen von Dirk Niebel). Die Politiker selber indes nehmen dieses Angebot dankbar an und zeigen sich volksnah und humorvoll, denn sie können ja über sich selber lachen. So profitieren alle von diesem Schauspiel.

Insgesamt ist der Nockherberg wie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich: Nett, aber langweilig und um ihn sehen zu können, muss man bezahlen.

Written by Quax

7. März 2010 at 16:54