Misanthropenwald

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„Die Monarchie ist zusammengebrochen!“

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„Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die Kriegsjahre. Grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Blut hat bringen müssen. Der unglückselige Krieg ist zu Ende; das Morden ist vorbei.“ – Äh, ja. Erstens ist das ein wenig übertrieben und zweitens hatte ich diesen guten Scherz bereits gemacht, als Köhler damals zurückgetreten ist. Doch gute Witze kann man gar nicht oft genug bringen.

Wie dem auch sei, Bild.de meldet, dass der überführte Betrüger Guttenberg seinen Rücktritt eingereicht habe hat und noch im Laufe des heutigen Tages ordentlich Fersengeld geben will. Die spannende erste Frage lautet nun, wann genau wird er seinen Hut nehmen und auf den Kopf setzen? Und wird der Hut dort kleben bleiben? Und die zweite Frage lautet, wer wird unsere Armeen führen? Steht und da eine große Aufgabe bevor? Riesige Fußstapfen werden auszufüllen sein, merkt euch meine Worte! Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt. Unerhörtes ist geschehen! Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor.

Geht es jetzt allen Plagiateuren im Bundestag an den Kragen? Da werden einige noch ins Schwitzen kommen! Es wäre nicht schlecht, wenn jetzt noch ein paar mehr Doktorarbeiten überprüft werden, nicht wahr, ihr Hinterbänkler? Diese Volksfeinde sind hoffentlich für immer erledigt. Der Freiherr hat abgedankt; er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt!

Was haben die Konservativen ihren Guttenberg nicht bis zum bitteren Ende verteidigt! Während mutige Mannen mutig die langweilige (weil aus der FAZ abgeschriebene) Doktorarbeit des Konrad-Kujau zu Guttenberg, wurde ihnen Hetze vorgeworfen, so ein paar vergessene Fußnoten seien doch nicht so wild, das könne jedem mal passieren, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Dabei wollten die Menschen mit ihrem unerbittlichen Suchwillen dem Minister nur helfen! Menschen, wie du und ich und wir. Unsere Verständigungsvorschläge wurden sabotiert, wir selbst wurden verhöhnt und verleumdet.

Wer auch immer Guttenbergs Nachfolger wird, er wird Zeit brauchen, sich einzuarbeiten. So lange sollte er eine Schonfrist bekommen, es sei denn, der neue Wehrminister wird Peter Ramsauer, dann gilt auch nicht der Satz: Die neue Regierung darf nicht gestört werden in ihrer Arbeit für den Frieden und der Sorge um Arbeit und Brot.

Soweit also, falls Guttenberg tatsächlich zurücktritt und Bild.de nicht einfach irgendwas erzählt. Das allerschlimmste wäre dann ist nun aber, dass wir den ex-Doktor und Betrüger Guttenberg immer noch nicht los wären sind – angenommen, Merkel verlöre die nächste Wahl und wäre weg vom Fenster, wer käme denn da wie Phönix aus der fränkischen Asche als heilbringender CSU-Kanzlerkandidat?

Eben.

Nachtrag 11:31 Uhr: korrigiert, weil er hat’s tatsächlich durchgezogen, der alte Haudegen!

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Written by Quax

1. März 2011 at 11:06

Veröffentlicht in Politik

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Die Unverbesserlichen

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Eigentlich ist das Thema ja gegessen. Eigentlich braucht man dazu nichts mehr zu schreiben, bis die Uni Bayreuth zu irgendeinem Schluss gekommen ist. Eigentlich, eigentlich. Aber dann muss ich sehen, dass es auf Facebook nun eine Guttenbergunterstützungsseite gibt. Mir tut der Kopf weh.

Wenn man die Unterstützerseite betritt (und ich werde sie nicht verlinken, ich will ja nicht noch Werbung für den Unsinn machen), sieht man Guttenbergs Frontalprofil inklusive Grinsen. An der Uni Mannheim nennen wir solche Visagen Gesichterzumreinschlagen. Und trotzdem haben über 90.000 Menschen (oder ein Guttenberg und 89.999 Zweitaccounts) den „gefällt mir“-Button geklickt, um zu signalisieren: gefällt mir.

Im Kommentarbereich der konservativen Guttenbergschen Verteidigungsmassen findet sich dann jede Phrase, die man kennt und liebt. „Typisch deutsch !!“, „Armes Deutschland !!“, „bei einem SPD-Mann hätte es das nicht gegeben !!“ und fassungslose Betroffenheit ob der Vorverurteilung – ja, es ist nicht leicht, in diesen Tagen CDU-Freund zu sein.

Am allerbesten gefallen mir aber die Versuche, das ganze Ausmaß kleinreden zu wollen. Guttenberg habe ja „nur ein paar Fußnoten“ vergessen und überhaupt, in jeder Doktorarbeit würde man seitenweise zitieren und dann ab und an mal eine Quellenangabe vergessen.

Bwahaha.

Der gute Mann hat ganze Absätze aus Zeitungsartikeln geklaut und dann solche Sachen wie „im nachhinein“ durch „ex post“ zu ersetzen, was klüger weil fremdwörtiger klingt. Dazu kommt ja noch, dass Dr. Langfinger nicht irgendwelche Faktendarstellungen für seinen Mittelteil geklaut hat, sondern gleich für die Einleitung gestohlen hat, als ob’s kein Morgen gäbe. Dito bei Bewertungen von Sachverhalten. Also eigentlich den Kernstücken einer Arbeit. Jeder Idiot kann eine Einleitung und Bewertung schreiben, Himmel, ja selbst ich kann das!

Und wenn man in einer Doktorarbeit seitenweise zitiert, hat man ohnehin irgendwas falsch gemacht. Ja, eine Fußnote kann man mal vergessen, wenn man derer über tausend hat – nebenbei, ist jemandem aufgefallen, dass im Laufe der Diskussion die Zahl der Fußnoten von 1200 auf 1300 erhöht hat?
Jedenfalls, eine Arbeit, in der Fußnoten „vergessen“ (aber sicher!) werden, ist dann bestimmt kein „summa cum laude“ (Lateinisch für „Addition mit Spaß“) wert.

Falls das an der Uni Bayreuth so usus (Fremdwort! Fremdwort! Ich bin so intellent!) sein sollte, vielleicht sollte ich da auch promovieren. Da schafft’s ja jeder Depp.

Written by Quax

20. Februar 2011 at 20:27

Veröffentlicht in Polemik, Politik

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Er ist Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand

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Guttenberg ist ein toller Kerl. Er ist nicht nur Freiherr sondern auch Doktor der Jurisprudenz und kennt sich als solcher natürlich mit allerlei Gesetzen und Rechtsgedöns aus. Er weiß, was man machen darf und was man nicht tun darf, sozusagen verboten ist. Zum Beispiel Klauen. Nein, nicht das, was Tiere an den Pfoten haben, sondern Diebstahl. Das wüsste Guttenberg, wenn er seine Dissertation selber geschrieben hätte.

Ein Bremer Professor hat spaßernshalber mal mit Guttenbergs Doktorarbeit das gemacht, was mit jeder ordentlichen Uniarbeit passiert. Er hat sie durch eine Software gejagt, die nachschaut, ob irgendwo in der Arbeit Stellen sind, die nicht als Zitat gekennzeichnet sind, aber trotzdem wortwörtlich übernommen wurden. So etwas nennt man Plagiat und wird mit Zuchthaus nicht unter tausend Jahren bestraft.

Der Prof aus der Fischkoppstadt fand heraus, dass mindestens drei Seiten der Arbeit aber so dermaßen abgeschrieben sind, dass es nicht mehr feierlich ist. Die Süddeutsche Zeitung machte sich mal die Mühe und verglich die Originaltexte mit dem, was der Guttenberg da zur Promotion eingereicht hatte, damals in Bayreuth. Er hatte die Promotion damals, vor vielen vielen Monden, erfolgreich bestanden, sogar mit eins plus mit Sternchen und Auszeichnung, nämlich „summa cum laude“, was soviel bedeutet wie „geilstes Zeuch ever“.

Jetzt gibt’s unterschiedliche Weisen, wie man reagieren kann. Entweder erkennt man dem Räuber Guttenberg den Adelstitel Doktortitel ab und die Sache ist gegessen. Oder aber man überlegt, warum Guttenberg die Doktorwürde der Rechtsgelehrtheit ohnehin nicht verdient hat.

Mal angenommen, er hat die Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben und sich ganz allein die passenden Textpassagen zusammengeklaut. Dann hat er eine Straftat begangen, um im Fach Jura zu promovieren, ist also Doktor der Gesetze, der selbige ohne mit der Wimper zu zucken bricht. Und einem Straftäter einen Titel in Rechtswissenschaften zu geben, wäre ziemlich paradox.

Eine andere Möglichkeit wäre, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst, sondern einen Ghostwriter beauftragt, die Arbeit zu schreiben. Dann scheint Guttenberg recht knausrig gewesen zu sein, wenn der Ghostwriter so unmotiviert war und die ein oder andere Stelle aus anderen Texten kommentarlos übernahm. Das täte bedeutet, Guttenberg hat die Arbeit gar nicht selbst verfasst und dementsprechend auch keine Ahnung von Recht und Gesetz, weswegen er den Titel abgeben müsste. Der ginge dann an den Ghostwriter, als eigentlichen Verfasser der Doktorarbeit, über – damit man sie ihm wegen Plagiatsvorwürfen wieder aberkennen kann.

Written by Quax

16. Februar 2011 at 18:13

Veröffentlicht in Bildung, Politik

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