Misanthropenwald

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Herbstloch

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Trends ändern sich. Blau ist das neue schwarz, Hamburg ist das neue München und Durchgangsbahnhöfe sind das neue Kopfbahnhöfe. Alles geht zuende, nur die Wurst hat zwei. Wovon die Rede ist? Natürlich von Löchern.

Doch nicht von Riesenarschlöchern, zu denen sei an späterer Stelle etwas gesagt, sondern von inhaltlichen Löchern. Das Sommerloch ist hinlänglich bekannt; durch die aktive Sonnenbestrahlung weitet sich das Ozonloch, wodurch alle Themen absorbiert werden, die einen Blog, wie z.B. diesen Oberstübchenbewegungsmelder hier, obsolet wirken lassen. Wir (d.h. ich) haben uns dagegen gestemmt und im Sommer ein Feuerwerk an Einträgen abgefeiert. Hat aber keiner gemerkt, denn während andere draußen die Sonne genossen, haben wir Genossen in klammen Kellern arg getippt. 

Doch kaum ist Herbst, bricht das alles ein. Warum! Das ist keine berechtigte Frage, sondern eine Exclamierung. Nun, es könnte der Zufall sein, denn in letzter Zeit ist ja echt nichts besonderes passiert.

Nicolas Sarkozy, der französische Präsident, sorgte für reichlich Irritationen unter den weltoffenen, realitätsnahen Europakommissaren, als er Zigeunerlager – Verzeihung, Romalager – auflösen ließ und die, ähm, Lagerinsassen (?) in ihre Heimat Rumänien zurückschickte. Jetzt verhält es sich ja so, dass es in Europa das sogenannte Recht der Freizügigkeit gibt. Das beudeutet nicht, dass man nackelig durch die EU flitzen darf, sondern dass man sich im ganzen EU-Raum frei bewegen darf und in jedes Land reisen kann, in das man halt so reisen möchte, auch um dort zu wohnen. Das bedeutet, dass die abgeschobenen Roma, falls sie nicht völlig einen Hauweg haben, ihre sieben Sachen erst gar nicht auspacken, sondern sich schnurstracks nach ihrer Ankunft wieder auf den Weg nach Frankreich machen. Das Spielchen kann man dann so lange spielen, bis Paris pleite ist.

Wie dem auch sei, die luxemburgstämmige EU-Kommisarin für Romaangelegenheiten gab zu bedenken, dass das doch Rassismus sei, wenn man die Roma zwischen der Grande Nation und Rumänien pendeln ließe. Nicolas Bonaparte stieß das sauer auf und er stänkerte zurück; sollen die Luxemburger doch die Roma aufnehmen! Das war wiederum der luxemburgischen Regierung nicht recht. Aus dem Kleinstland kam die Verlautbarung, dass die Franzosen ihre Zigeuner gefälligst behalten sollten.

Auf dem EU-Gipfel wusch Kommissionspräsident Barroso vom Obersten Sowjet dem kleinen Franzmann ordentlich die Rübe. Sarkozy suchte den Schulterschluss mit denen, die historisch gesehen die meiste Erfahrung mit Vertreibung haben, nämlich mit den Deutschen. Der Froschzwerg behauptete, dass auch Deutschland in Bälde seine Zigeunerlager räumen werde. Daraufhin erwachte Merkel aus ihrem lebenslangen Schlafkoma und ließ dies sofort dementieren; die letzte Räumung eines Romalagers sei vor Kriegsende durchgeführt worden und seit dem habe man keine große Lust mehr empfunden, wieder welche zu aufzulösen.

Deutsche Romalager sind also unauflösbar wie der Bund der Ehe. Geniale Überleitung, denn Guido Westerwelle, Dr. Guido Westerwelle, der Herr Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle, ist unter der Haube. Vor ein paar Tagen heiratete der Nativespeaker jemand anderes, den er ab und zu auf Geschäftsreisen mitnahm. Das war keine große Meldung, glücklicherweise. Dennoch hat sich der Internetstammtisch eifrig darüber ereifert, dass eine Schwuchtel doch das Großdeutsche Reich in den arabischen Ländern nicht repräsentieren könne, so der allgemeine Tenor der Intellektunwilligen.

Und wo das Thema „Dumme Menschen und was Charakterlose von ihnen halten“ doch schon angeschnitten ist: es gibt neues von Lieblingswurst Wulff. Der Bundespräsident der Herzen vereint viele Eigenschaften in sich, wie Lethargie oder Amoralität, und ist eine so derbst gute Seele, dass er dem ehemaligen Bundesbankier Thilo „Fuck da immigrants!“ Sarrazin den Vorruhestand gab, sowie die volle Pension, die Thilo bekäme, hätte er die Dienstzeit abgerackert, plus tausend Euro extra. Pro Monat. Gut gemacht, Christian! Erst gibt’s Heldenorden für die elf Versager, die nur Dritter wurden, und jetzt 1000€ Bonus für Migrantenbeschimpfung.

Um wieviel Geld würde Christian wohl die Rente für Sarkozy erhöhen…?

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Written by Quax

20. September 2010 at 19:39

Veröffentlicht in Politik

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Hellas!

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Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass wir uns erst jetzt mit Griechenland beschäftigen. Na, wobei, wenn man drüber nachdenkt, ist es das eigentlich nicht. Aber wenn das Thema schon mal angeschnitten ist wie ein leckeres Weißbrot aus dem Ofen einer französischen Bäckerei in Lothringen, dann soll es auch behandelt werden. Und kein Wortspiel soll mir niveaulos genug sein, um es nicht zu verwursten wie gute, deutsche Frankfurter.

Also Griechenland also. Wo fange ich an? Ich könnte im Jahr Tausendsiebenhundert vor Christi Geburt (oder „vor unserer Zeitrechnung“, wie man in der DDR zu sagen pflegte) ansetzen, als der Urgrieche aus dem Norden kam und die Eingeborenen in Griechenland vertrieb und seinen Schuldenstaat errichtete. Aber da das niemanden interessieren wird, werde ich ein bisschen am Zahn der Zeit drehen, bis der Karies singt. Heißt es überhaupt der Karies? Oder das Karies, oder gar die? Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Also etwas später, aber nicht zu sehr. Denn so pleite, wie Griechenland jetzt ist, war Griechenland nicht immer. Jaja, so ist das, bzw. war das. Denn in uralten Zeiten, da gab es in Griechenland Könige und einer von ihnen, das war König Midas. König Midas war ein typischer Grieche: nämlich pleite wie ein Sack Feta. Nach einigem transzendenten Hinundher bekam er dann magische Kräfte und konnte alles in Gold verwandeln, was er berührte. Mit dieser Kraft vergoldete er alles, was nicht niet- und nagelfest war, beziehungsweise sogar das. Denn auch seine Kinder umarmte der König und machte sie zu Gold.

Das löste eine gewaltige Inflation aus. In Persien, einem großen Land, das auf dem Gebiet der heutigen Türkei, dem Irak, Syrien, Iran (Persien halt), Jordanien, Israel und Ägypten liegen täte, wenn es nicht mehrfach untergegangen wäre, sah man die wachsende Inflation mit parallel dazu wachsender Sorge und der erhabene Gottkönig Xerxes wollte Midas vernichten. Doch dann kamen die Spartaner unter ihrem König Leomidas (altgriechisch für: Goldlöwe) und töteten alle Perverser (wie angedroht – kein Wortspiel auslassen). Midas starb, als er beim pullern sein Gemächt berührte und so vergoldete, sodass eines schlimmen Tages seine vollgelaufene Blase explodierte.

An ihrem vielen Gold hatten die Griechen aber nicht lange Spaß, denn bald kamen die Römer und dann die Türken und nahmen alles Gold mit. Die Türken blieben etwas länger in Griechenland und erst seit ca. 200 Jahren ist Griechenland wieder ganz alleine pleite.

Leider verpassten die Griechen den Anschluss an neuartige Technologien, wie Kassenzettel, und verprassten ihr gesamtes Geld für hohe Renten und Beamtengehälter. Und schon bald (sprich: vor wenigen Tagen) war das ganze schöne Geld alle, das die Griechen nie hatten. Schon musste Athen bei der EU zu Kreuze griechen, denn sie hatten auf Hellas und Pfennig alles verloren. Premierminister Giorgos Eurolos Papandreou musste sogar bei unserem sprechenden Hosenanzug betteln, den wir liebevoll mit „Jawohl, meine Kanzlerin!“ anreden. Jene aus der Uckermark knickte schließlich ein und will nun eine AG gründen, um die Hellenen nicht völlig vor die Hunde gehen zu lassen.

Was wird diese AG machen? Das, was alle AGs machen! Ihre Dividende ausweiten, bis an die Adria. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, was so eine AG tut. Bei SPON gibt’s einen Artikel dafür. Aber Wirtschafts- und Finanzpolitik finde ich so derbest arschlangweilig (, alter!), sodass ich mir lieber spaßige Dinge ausdenke, wie man die Griechen retten kann, bevor sie dahinsiechen, die Griechen.

Man könnte z.B. die Inseln verramschen, aber wer will schon diese Steinfelsen im Mittelmeer, auf denen jahrhundertelang nichts als Trümmer standen? Man könnte aber auch dafür sorgen, dass das Geld nicht immer so abrupt flöten geht, indem man es auf spezielle Schiffe lädt, die von Wikingern gesteuert werden (auf sogen. Drachmenbooten). Dort wären die schönen Euros vor jeglicher Korruption gut geschützt. Andere Idee: Die Griechen aus der Eurozone werfen und ihnen irgendwas anderes geben, z.B. magische Kräfte für zum Goldmachen. Oder besser gleich raus aus der EU werfen oder ganz aus Europa („Europa sind alle Staaten Europas, außer Griechenland“). Aber das ist Wahnsinn.

Wahnsinn?

Das ist Spar-ta.

Written by Quax

30. April 2010 at 18:05

Veröffentlicht in Politik, Wirtschaft

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Äffle und Pferdle

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„Niemals geht man so ganz / irgendwas von mir bleibt hier“ Dies Lied mag Günther Oettinger wohl vor sich hinsummen, wenn er jetzt in der Stuttgarter Staatskanzlei sein Kofferle packt und demnächst als Energiekommissar der EU Brüssel unsicher macht. Und sein Nachfolger als Landesvater im Ländle steht schon in den Startlöchern

Was hat dieser Günther Oettinger nicht alles erlebt, seit er 2005 Ministerpräsident Baden-Württembergs wurde!  Los ging’s gleich im November 2005, als er im Interview seine Liebe zum Anglophonen kundtat:

Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.

So ist es. Niemand braucht dieses furchtbar schwierige Deutsch beim Malochen, wenn’s doch auch Englisch tut. Eine Sprache, die jeder Idiot perfekt beherrscht. Nur einer nicht.

Der schwäbische Protowesterwelle wurde zum Sprachpanscher des Jahres gewählt. Glückwunsch, Oettl! Sprachlich hat Oettinger einiges auf dem (leeren) Kasten. In seinem Lebenslauf auf der Seite der Europäischen Kommission gibt er an, gute Kenntnisse in Englisch zu besitzen. In Italienisch und Französisch hat er nur Grundkenntnisse. Wie sich das wohl anhört?

Weltenbummler Oettinger machte international als Kulturfreund auf sich aufmerksam. 2006 wollte er mittelalterliche Handschriften aus der Landesbibliothek Karlsruhe verkaufen. Wozu braucht man schließlich diesen alten Kram? Diese Einstellung brachte ihm Sympathien von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt ein.

2007 war schließlich das Jahr für Good Old Oettl. Im Januar teilte er uns mit, wieso Kriege gut für Deutschlands Wettbewerbschancen sind:

In einer Wohlstandsgesellschaft gibt es weniger Dynamik als in den Aufbaujahren nach dem Krieg. Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr. Früher, bei der Rente oder der Staatsverschuldung haben Kriege Veränderungen gebracht. Heute, ohne Notsituation, muss man das aus eigener Kraft schaffen.

Richtig blöde, ja. Früher, als man die faulen Senioren noch als Volkssturm beim Russen verheizen konnte, das waren noch Zeiten! Aber heute? Überall Freunde! Da ist’s natürlich Essig mit Krieg.

Im Krieg, da waren noch echte Männer am Werk! Und dass das so ist, stellte Günther „History“ Oettinger im April klar, als er feierlich den ex-Ministerpräsidenten von BaWü und ex-NS-Marine-Richter Hans Filbinger zu Grabe quatschte. In seiner Trauerrede fielen die legendären Worte:

Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes.

Wenn das der Führer wüsste! Sein ehrgeiziger Richter, der sogar nach der Kapitulation noch Todesurteile vollstreckte, ein Verräter? So nicht, Herr Oettinger, sooo nicht! Es ist schlimm, wie hier ein Ministerpräsident über seinen Amtsvorgänger herzog, ihn diffarmierte und entehrte! Einem Toten seine Taten aberkennen! Widerlich!

Viel Ärger gab es von allen Seiten und Oettinger musste sich dem Druck beugen. Er entschuldigte sich für seine Entgleisung und distanzierte sich von sich selbst. Der Stress machte ihm zu schaffen. Glücklicherweise konnte er 2007 Brüssel kennen lernen und sich dort so richtig entspannen.

Das Thema Jugendgewalt ist ein rotes Tuch für den leidenschaftlichen Teesiebtaucher Oettinger. Mit seinem messerscharfen Schwabenverstand machte er den Grund für Gewalt ausfindig. Denn es gibt

Programme, die in einigen Sendern kommen, von denen ich erhebliche Gefahren für die Erziehung der Jugend ausgehen sehe

So sprach der Medien-Koordinator der CDU. Technik-Junkie Oettinger brachte das ganze auf den Punkt. Schuld an der Gewalt ist das

Scheiß-Privatfernsehen

So ist das. TV-Oettl beschuldigte besonders RTL 2 und SUPER RTL für ihr gewaltförderndes Programm.

2009 schob Merkel vor lauter Nichtstun den sympathischen Spinner schließlich in die EU ab. Er soll als Glühbirnenkommissar in Brüssel für erleuchtende Ideen sorgen. Wer bisher glaubte, Westerwelle sei einzigartig, der ist nun eines Besseren belehrt worden.  Und nun? Teim tu seh guhd bei, wie Oettinger wohl sagen würde. Bleibt denn so gar kein provinzieller Charme in Baden-Württemberg?

Doch! Der König ist tot, es lebe der König! Denn nun kommt der neue Landesvater von Baden-Württemberg! Hier ist: Stefan Mappus!

Es kann nur einen geben

Mappus. Ein Mann, ein Wort. Was kann er Baden-Württemberg bieten? Toleranz! Er ist der toleranteste Mensch im Südweststaat. Besonders angetan ist er von den Homosexuellen; den Christopher Street Day findet er – obacht! – :

abstoßend.

Applaus! Auf so eine Toleranzbestie hat das Land gewartet. Mappus hat nämlich ein Problem

mit dem frivolen, karnevalesken Zurschaustellen von sexuellen Neigungen, wie es bei dieser Veranstaltung geschieht.

Yeah, Mappus! Nicht nur dieses frivole Rumgeschwuchtel findest du furchtbar, nein, Du findest auch, dass diese Tunten keine Kinder großziehen sollten:

Kinder sind denkbar ungeeignet für Experimente im Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und bedürfen dem besonderen Schutz der Gesellschaft

Genau, denn wer weiß schon, was die Homos aus unseren Kindern machen! Schlimm genug, dass die sich trauen dürfen! Doch in der Frage der Homoehe hast Du Dich wenigstens ein bisschen durchgesetzt, weiß der Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, zu berichten:

er hat zu verantworten, dass sich schwule und lesbische Paare in baden-württembergischen Kfz-Zulassungsstellen trauen lassen müssen.

Gute Arbeit, Mappus. Für ein weltoffenes Baden-Württemberg!

Wir halten also fest: Der eine wird Kommissar für Sparlampen und die andere Sparlampe wird Ministerpräsident im Ländle. Muss man nun Mitleid mit den Badensern und Württembergern haben? Mitnichten.

‚S Läbe isch koi Schlotzer!

Written by Quax

26. Januar 2010 at 21:29

Veröffentlicht in Politik

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