Misanthropenwald

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Hatte Brandt recht?

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Willy Brandt ist einer der beliebtesten Bundeskanzler, der die Menschen in seiner Umgebung offenbar gut einschätzen konnte. Heiner Geißler ist schlicht Schlichter im Hickack um Stuttgart 21, Bahnhöfe im Ländle und zuständig für die Frage, ob man Stuttgart nicht besser ganz vom bundesdeutschen Schienennetz kappen sollte.

Besonders bunt trieb’s Geißler bei der letzten Schlichtungsverhandlung, als er Propagandaminister a.D. J. Goebbels zitierte:

Wollt ihr den totalen Krieg?

Uffta! Dabei geht es in Stuttgart nur um einen verbuddelten Bahnhof und nicht um die Zerstörung ganzer Landstriche – auch wenn das die Seinundzwanzig-Gegner das u.U. anders sehen.

„Wollt ihr den totalen“ – das hat ja schon gesessen, aber überraschend kam das nicht. Man hätte es wissen können, wenn man auf Willy Brandt gehört hätte. Dann wäre Geißler vielleicht auch nie Schlichter im Streit um schwäbische Gleise geworden, sondern vielleicht der freundliche Dicke hier neben Brandt, vielleicht.

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Written by Quax

2. August 2011 at 19:41

Türchen Nummer fuffzehn

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Weihnachten, das ist die Zeit der Toleranz. Da respektiert man seinen Gegner und vergleicht ihn nicht mit irgendwas.

Öffnen wir mit einem Rattern also Türchen Nummer fuffzehn!

Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg hat mit seiner Turbofrau Afghanistan und seine deutschen Besatzer besucht. Warum Gattin Stefanie mit war? Nein, nicht weil die Bundeswehr am Hindukusch Kinderschänder mit der Luftwaffe jagen soll. Sondern weil das Ehepaar G. mit Kerner eine Sendung gemacht haben, deswegen. Deutsche Frontkämpfer mussten Zuschauer sein. Das ist das vermutlich schlimmste, was deutsche Soldaten seit der russischen Gefangenschaft ertragen mussten.

Aber darum soll’s gar nicht gehen, denn der Opposition schmeckt der Guttenbergtrip überhaupt nicht. Die SPD schimpft wie ein Rohrspatz, wie unnötig das alles doch sei und die Grünen finden das auch. Der grüne Thomas Diehl aus Mönchengladbach haut’s noch weiter. Auf seinem Twitteraccount soll gestanden haben:

Guttenberg nimmt in Afghanistan ne Talkshow mit Kerner auf – da kann Goebbels sich propagandamäßig noch was abkucken!

Was ist eigentlich aus dem guten alten Hitlervergleich geworden? Hat der sich schon so sehr abgenutzt, dass man nun auf Nazis aus der zweiten Reihe zurückgreifen muss? Wie dem auch sei, Goebbels ist wie Autobahn und geht gar nicht. Deswegen zitiert der superseriöse Nachrichtendienst GMX auch die Halbdementierung Diehls:

In seinem Blog schreibt Diehl heute, es habe sich bei seinem Goebbels-Vergleich um einen „saumäßig schlechten Satz“ gehandelt, der „gar nicht gehe“. Eine offizielle Entschuldigung ist auf der Seite jedoch nicht zu finden. Vielmehr wird Guttenberg in dem Blog als „erster Minister in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der einen Krieg in solcher Weise mit Propaganda unterfüttert“ bezeichnet.

Ufftätä, ufftätä, ufftätätätätäterä! Immer noch eins druff. So ist er eben, der Karl Goebbels zu Guttenberg, schlimmster Demagoge seit dem Klumpfußseppl aus’m Rheinland.

Diehl soll angeblich Stadtratsherr in der baldigen Zweitligastadt sein. Aber wenn er so weiter macht, ist er das nicht mehr lange, denn es gilt der Satz:

Guttenbergs > alles

Written by Quax

15. Dezember 2010 at 00:06

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Ach, Zeitgeist!

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Manchmal sind die Schreibsklaven bei SPON Zauberer. Sie wollen aus einem Nichts eine Riesenskandalgeschichte machen. Leider sind sie ziemlich schlechte Zauberer. Der für das Skandalthema Sarrazin zuständige SPON-Houdini hat Aufregerpotential da gesehen, wo gar keines ist. Der eigentliche Spaß wird dabei gar nicht berücksichtigt.

Vor langer langer langer langer langer langer langer Zeit war Sarrazin, damals noch kein Science-Fiction-Autor, in einer Talkshow zugast, die im Spartenprogramm ZDF-NEO ausgestrahlt werden wird. Vor der eigentlichen Sendung gab’s eine Testsendung, in der Sarrazin und Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre sich gegenseitig Klebezettel an die Stirn pappten und den jeweils auf der eigenen Stirn draufstehenden Namen raten mussten. Sarrazin, der alte Schelm, hatte dem Buchstabenwürger auf dem sein‘ Zettel „Goebbels“ geschrieben.

Stuckrad-Barre hatte den Namen schließlich erraten, was kein Wunder ist. Denn traditionell geht man in den ersten Fragen dieses Spieles alle Akteure des Kabinetts Hitler II durch. Wie dem auch sei, Sarrazin sagte dann über Goebbels:

Ja, der Mann war sehr gut mit Worten, ein Menschenverführer.

Da schrillt das Nazometer, da greift man nach den Nazikeulen! Eigenschaften eines Nationalsozialisten, die stimmen! Steinigt ihn! Skandal! Skandal! Skandal!

Oder will etwa ernsthaft jemand bestreiten, dass der (nicht ganz zu unrecht tote) Propagandaminister verdammt gut war in dem, was er tat? Natürlich, es wäre wesentlich einfacher, wenn die ganze NS-Riege aus strunzdummen, menschenähnlichen Dämonen bestanden hätt‘, dann könnte man die Aussage als Bewunderung ansehen und Sarrazin nach allen Regeln der medialen Kunst öffentlich enthaupten. Aber so…?

Der Sturm, den SPON da versucht im Wasserglas zu entfachen, ist auch nur deshalb möglich, weil die Testsendung versehentlich bei Youtube landete. „Keine Ahnung, wie es reinkam“, zitiert SPON den Leiter von ZDF-NEO. Deswegen sei das Video zunächst wegen Urherberrechtsansprüchen seitens des ZDF gesperrt worden (Lustig, wer hätte gedacht, dass das ZDF die Rechte an der Marke „Goebbels“ hält?), denn, so der ZDF-NEO-Leiter:

„Es war eine zusammengeschnittene, nicht autorisierte Version“, so Himmler

Moment – wer? Himmler leitet das ZDF und lässt einen Clip von seinem Kollegen (darf man das so sagen?) Goebbels löschen. Da schäumt doch der Führer!

Aber keine Sorge, inzwischen hat Himmler den Ausschnitt von Goebbels wieder hochladen lassen.

(Quelle & Video)

Written by Quax

11. September 2010 at 12:43

Veröffentlicht in Mischwald

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