Misanthropenwald

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Was ist warm und leer?

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Die CSU! Das Sommerloch! Man merkt es an der Regelmäßigkeit der Einträge hier, dass es schon seit März andauert. Heute macht das Loch mal Pause, denn es gibt dolle Vorschläge von noch dolleren Menschen.

Da wäre zuvörderst, wie wir intellenten People sagen, zuvörderst wäre da also der CSU-Generalsekretär Dobrindt. Der gute Mann hat die Diskussion um ein Parteiverbotsverfahren angeleiert. Aber nicht die NPD soll sich Dobrindts Meinung nach im Club der Verbotenen wiederfinden, wie das jeder normaldenkende Mensch erwarten würde, sondern: die Linkspartei. Grund:

KOMMUNISMUS!

Denn das drängendste Problem unserer Zeit sind die klassenlosen Klassenfeinde, die den Staat umkrempeln wollen. Was zittern wir nicht alle aus Angst vor der Rotfront. Nun könnte man meinen, dass jemand, der diese Altherrenpartei zum Staatsdämon aufbrausen will, reichlich matsche inner Birne ist – zu Dobrindts Entschuldigung, der Mann ist in der CSU, diese andere Kasperlepartei, deren Vorsitzender fröhlich Pläne für die Einführung der PKW-Maut schmiedet. Da hat wohl jemand keine Lust, wiedergewählt zu werden.

Der andere geile Vorschlag kommt von Hans-Peter Friedrich, ebenfalls CSU, aber leider auch Innenminister von unserem AAA-Bonitätsland. Die CSU ist eine geile, jugendhafte Partei, die das Internet kennt wie die Alm oder zünftige Wirtshausschlägereien. Innenminister Hape hat nu‘ für mehr Mut im Internet plädiert. Haha, nur Spaß, nein. Der provinzielle Bayer hat vorgeschlagen, dass diese Anonymität im Netz ein Ende haben muss. Jeder dieser feigen, anonümen Blogger solle sich gefälligst mit Klarnamen auten, damit man weiß, mit wem man’s zu tun hat. Find‘ ich gut. Mein richtich-echter Name ist übrigens Misanthro Penwald.

Kein Scherz.

Written by Quax

7. August 2011 at 20:11

Veröffentlicht in Politik

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Dr. Jekyll & Mr. Hyde & Mr. Hyde & Mr. Hyde & Mr Hyde

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In der zuckersüßen Welt der Zeitungsverlage hat der Verlag M. DuMont Schauenberg einiges zu melden. Das Unternehmen steht unter der Fuchtel des 83-jährigen Alfred Neven DuMont, der sich sehr im Klaren darüber ist, dass er nicht ewig das Zepter in der Hand halten wird und ebenjenes an einen Nachfolger abgeben muss. Als Kronprinzen hat er seinen Sohn Konstantin Neven DuMont in Stellung gebracht. Aber der Filius scheint keine Lust auf Zeitungsmacherei zu haben – oder irgendjemand im Verlag hat keine Lust auf Konsti.

Es gibt nämlich Gerüchte, nein, Vorwürfe, dass Konstantin Neven DuMont (KND abgekürzt. Wie BND, nur mit K) im Internet Schindluder getrieben haben soll. Gut, es ist das Internet, da kennt die Dödelei des menschlichen Geistes keine Grenzen, aber da der hier betroffene irgendwann einmal einen der mächtigsten Verlage erben sollte, erhöhte sich die Fallhöhe immens.

Was war also passiert?

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier betreibt einen vielbeachteten Blog über – Überraschung! – Medienjournalismus. Dort schreibt er in schöner Regelmäßigkeit über Medien und die Arbeit von Journalisten und sowas. Jeder Eintrag hat seine eigene Kommentarspalte, in der man Niggemeiers Schreibereien mal mehr, mal weniger qualifiziert kommentieren darf, hauptsache, man gibt eine gültige E-Mailadresse an.

Seit einiger Zeit tobten in vielen niggemeierschen Artikeln verschiedene Kommentatoren, die u.a. Vorwürfe und Beleidigungen dem Hausherren Niggemeier entgegenschleuderten. Das machte den Journalisten stutzig und recherchierte den Kommentaren hinterher. Was er herausfand, ist ziemlich beeindruckend: Mehr als hundert Kommentare (Niggemeier spricht von einer dreistelligen Anzahl, also irgendwas zwischen 100 und 999) seien von der selben IP abgegeben worden und besäßen die selbe E-Mailadresse. Nämlich die von KND.

Niggemeier konfrontierte KND mit den Vorwürfen; er stritt sie zunächst ab, gab später allerdings zu, dass auch andere Mitarbeiter Zugriff zu seinen Rechnern und anonyme Kommentare verfasst hätten. Es folgt nun eine Liste mit ausgewählten Namen, unter denen Kommentare bei Niggemeier abgegeben worden seien:

  • Bla
  • .com
  • Desillusionierter
  • Digitalis
  • Gandhi
  • Gottlob
  • Govinda
  • Honey
  • Huby
  • Ichglaubsnicht
  • Igitt
  • Istanbul
  • Jannine
  • Kernkraft
  • Lobhudelei
  • Mensch
  • Ich bin die Frau von „Mensch”
  • Menschenrecht
  • Niggi2
  • NoName
  • Ordensschwester
  • Pol
  • Ruhrpott
  • Shure
  • Wachmalauf
  • G. d. b. Suppe
  • Schwarzwälder Kirsch
  • Wichtige Mitteilung
  • Kopf Schüttel
  • Hans Verteidiger
  • Hans Wurrst
  • Peter Zahlungsfreudig
  • Es lebe die Satire
  • Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen
  • Himmlischer Friede
  • Kand.in.Rübezahlwald

Von „Bla“ über „Ich bin die Frau von ‚Mensch'“ bis hin zu „Kand.in.Rübezahlwald“ hatte die Taktik, durch mehrere Fakes Schwarmintelligenz zu erzeugen, die simple Gemüter wie meines mitzieht, wohl einen größeren Haken, der bereits erwähnt worden ist, was die Pointe hier ziemlich mickrig erscheinen lässt: Alle seien sie mit der identischen E-Mailadresse angetreten.

Nun kann man sich an wilden, unschönen und phantasiereichen Spekulationen beteiligen, was das denn alles zu bedeuten hätte. Es könnte sein, dass Konstantin Neven DuMont mächtig einen an der Murmel hat und gleichzeitig so vorausschauend ist wie Holz, wenn er immer ein- und dieselbe E-Mailadresse angibt. Das täte bedeuten, dass KND die Kommentare alle selbst in die Blogkommentare kalligraphierte, sodass der zukünftige Verlagschef mächtig viel Zeit mit oben erwähnter Dödelei verbringt, was nicht gerade das Gelbe vom Ei wäre.

Vielleicht stimmt aber auch das, was KND selber sagt und dass Mitarbeiter von seinem PC aus die Kommentare verfasst hätten. Das wirft wiederum die Frage auf, warum ein zukünftiger Zeitungszar seine Rechner nicht-passwortgeschützt auf weiter Flur stehen lässt – oder gab KND vielleicht den Auftrag zur Kommentarbombardierung?  Das führt allerdings wieder zu der Frage, warum das ganze so amateurhaft ausgeführt worden ist und welchem Zweck das dienen soll. Im Sinne des Verlags scheint die Aktion jedenfalls nicht gewesen zu sein; laut SZ und SPON rotiert die Verlagsleitung und zwar nicht vor Freude.

Eine Möglichkeit wurde bisher nicht bedacht. Vielleicht ist KND in den Weiten des Internets als professioneller Troll unterwegs, nicht als so ein dilletantischer Laientroll, wie die Betreiber dieses Blogs welche sind, sondern als abgewichster Profi. An dieser Stelle sollte kurz erklärt werden, was ein Troll ist, für all diejenigen, die noch nicht in den Abgründen des Internets die hässliche Fratze des Medusenhauptes des Netzes erblickten: Ein Troll schreibt bewusst Blödsinn und/oder Provokantes, um sich an der aufgeplusterten, wutentbrannten Reaktion seiner Mitkommentatoren zu erfreuen, die glaube, der Troll meine sein Statement ernst. Ein Troll trollt also, er kann aber auch getrollt werden. Der Gegentroll kann die Aussage des Trolls aufgreifen und so argumentieren, dass wiederum der Troll vor Wut platzt, sodass in Foren und Kommentarspalten ein entsetzliches Getrolle ausbricht, wenn Trolls Trolle trollen und umgekehrt. Je geschickter der Troll vorgeht, desto länger bleibt er unenttarnt. So kann er mehrere Namen nutzen und so eine Diskussion vortäuschen, bis Unbeteiligte in die Strohfeuertrolldebatte einsteigen und das Ziel des Trolls erreicht ist. Beliebte Trollsammelpunkte sind aktuelle, kontroverse Themen, wie Integration oder Sarrazin, um Beispiele aus der letzten Zeit zu nennen.

Es ist ja durchaus im Bereich des Möglichen, dass KND am Trollsein Gefallen gefunden hat und ihm die Konsequenzen reichlich wurscht sind. SPON titelt heute, dass KND sich aus dem Vorstand von M. DuMont Schauberg zurückziehen will. Weil ihm kreativere Aufgaben mehr lägen.

Eine noch viel verschwurbeltere Verschwörungstheorie zum Schluss: Vielleicht will ja jemand im Verlag KND loswerden und hat sich deswegen bewusst unauffällig auffällig in Niggemeiers Kommentaren bewegt, um KND zu Schaden, sodass er sich aus dem Vorstand ver- und zurückzieht.

Aber man will ja nichts unterstellten. Harren wir der Dinge, die da kommen. Das ist alles ziemlich spannend, wie ein Krimi. Und dabei mag ich gar keine Krimis.

(Quellen: Niggemeier und Niggemeier und SPON und SZ)

Written by Quax

23. Oktober 2010 at 19:15

Veröffentlicht in Mischwald

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Chinesische Verhältnisse

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Ilse-bilse, keiner willse. Oder kriegtse. Und wenn ich nicht so ein faules Stück wäre, würde ich jetzt nachgucken, in welchem Eintrag ich diesen Spruch hier schonmal gebracht habe. Machen wir einfach ein Ostergewinnspiel draus! Wer den Artikel als erster findet und den Link in die Kommentare schreiben tut, bekommt ein tolles Geschenk!

Meine Gutherzigkeit kennt keine Grenzen. Aber ähm; wo war ich? Achja, Ilse Aigner. Ist bei uns Verbraucherschutzministerin und will uns jetzt vor allerlei Gefahren aus dem Internet beschützen. Nachdem die unpopuläre Kinderpornosperre vom BVerG (das ist juristencool für Bundesverfassungsgericht) gekippt wurde (vermutl. wegen Druck der kath. Kirche), hat die Aigner-Ilse von der Leyen-Ursel gelernt (drei Klammern in einem Satz, na sowas!) und weiß jetzt: Löschen ist populärer alswie sperren.

Drum ging sie zuerst auf den Internetbesitzer Google los wie ein furioser Mao. Weil Google Straßen von Deutschland samt Häuser fotografieren ließ, forderte Ilse Google dazu auf, die schönen theutschen Häuslichkeiten wieder zu löschen (also die Fotos, nicht die Häuser ansich, auch wenn’s bei der ein oder anderen Stadt wünschenswert wär‘), weil’s ein Eingriff in die Privatssphäre sei, Häuserfassaden im Internet zu zeigen. Niemand regte sich über die Aigner auf und sprach von den uns drohenden chinesischen Verhältnissen! Wo niemand mehr andere Leute ungestraft stalken kann! Nur weil diese halbkommunistische Bayernfrau das so will! Gottseidank (denn wir haben ja Ostern!), Google ging das Geplärre der Provinzpolitikerin aus einem Entwicklungsland in spe gehörig am Internetarsch vorbei.

Also schaute sich Ilse Aigner nach der nächstgrößeren Bedrohung für Freiheit und/oder Demokratie um und fand den Datensammler Facebook, der die vierhundertmillionen Profile seiner Nutzer verticken will. Und schon kommt Ilse Rumpelstielzchen und befiehlt, dass sie das nicht will. Weil, das ist ein Eingriff in die Privatssphäre der Menschen, wenn diese ihre persönlichen Daten freiwillig hochladen (und Facebook die verkauft). Und wieder, in was für einem undemokratischen Tyrannenstaat leben wir hier eigentlich, indem eine Firma nicht einmal ihr Eigentum verhökern darf, hm? Hm??? Wir sind ja fast so schlimm wie China!

Als ob diese bodenlose Forderung nicht schon bodenlos genug wäre, droht Ilse dem gutherzigen Krämerkonzern Facebook auch noch. Sie will nämlich ihr Facebook-Profil löschen! Weia…

Das Internet würde danach nie wieder so sein, wie es früher einmal war.

Written by Quax

5. April 2010 at 13:21

Veröffentlicht in Politik

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Wir sind keine Web-Kommunisten!

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Vor einigen Tagen bekam Springer-Chef Mathias Döpfner kein Ritalin und pöbelte herum: Das Internet müsse seine sozialistische Kostenloskultur ablegen und aufhören, williger Sklave der Web-Kommunisten zu sein. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Geiz der User den Journalismus kaputtmacht? Wenn jeder Unterschichtler Informationen bekommen kann und das kein Privileg mehr der Bourgeouisie ist?

Dann haben wir Kommunismus. Web-Kommunismus, der schlimmste aller Kommunismen. Findet Döpfner. Und kotzt sich im Manager-Magazin mal ordentlich aus:

In der Verlagsbranche […] werde „vielerorts an der falschen Stelle gespart: am Inhalt“. Wer der Krise „mit ein bisschen weniger oder schlechterem Journalismus“ zu begegnen versuche, sei aber „auf dem Holzweg“

Da hat Döpfner recht. Und als Chef von Springer weiß er, wovon er spricht. Denn wer jetzt gerade in diesem Moment www.bild.de öffnet, sieht folgende Schlagzeilen: „Lehmann: Mir ist das peinlich“ oder „Pop-Band schockt mit Sex-Szenen“ oder „Was kostet der Weihnachts-Busen?“ (zwischen 5500 und 7000€) oder „Michelle Obama hat die Haare neu“

Themen, die die Web-Kommunisten mit ihrem Kostenlossozialismus für umme lesen können? Eine Frechheit. Deswegen preschen das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost nun vor und kennzeichnen kostenpflichtige Inhalte im Internet mit einem orangenen „E“ – „E“ wie „Euer Geld für unsere Nachrichten“. Das ist nur fair, wenn man dafür ein bisschen mehr oder besseren Journalismus bekommt und damit weg vom kommunistischen Holzweg kommt.

Doch Weichei-McCarthy Döpfner geht nicht weit genug, denn einige Informationen bleiben ja kostenlos. Für jeden Pöbel erreichbar. Doch Döpfner hat erkannt:

Es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten.

So steht der dumme Old-Economy-Döpfner da, während die smarten New-Technology-Blogger ihm die wertvollen Inhalte wegverallgemeinschaftlichen. Diebesgesindel!

Der Trend des Bezahlens. Ein Trend, dem auch der Misanthropenwald folgt. Denn wir sehen es nicht ein, für alle e-Parasiten und @-Schmarotzer unsere wertvollen Beiträge zur Verfügung zu stellen. Ab demnächst ist jeder Eintrag kostenpflichtig, der mit dem rosa Schriftzug „Smash Communism!!!“ markiert ist. Wir bitten alle Leser freundlich, 7,95€ in unmarkierten Scheinen in einem toten Briefkasten an der Alster zu hinterlegen.

Denn kostenlose Informationen sind das schlimmste seit Springer-Chef Mathias Döpfner.

Written by Quax

17. Dezember 2009 at 20:06